Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 920 Vr. Vlortz's MochrnptzrM Nr. 4L Euch werde ich Hilfe finden." Sie erzählte nun Alles und bat, sie von den Verpflichtungen zu entbinden, für länger könne sie das nicht mehr durchsetzen, die blinde Mutter und Niemanden zur Seite — keine Hoffnung auf die Wiederkehr ihres Gatten — will sie mit der Mutter nun in dem Hause verbleiben und ausharren und den ehrlichen Namen ihres Schwiegervaters erhalten. „Ihr allein, edler Herr," schloß sie ihre Rede, „wißt, daß er all die Jahre hindurch treu und redlich dem Staate gedient." „Sei ruhig, mein Kind! Ja, treu und redlich hat Dein Vater dem Staate gedient — treu und redlich; wie wohl selten eine Frau und Tochter hast Du auch Deine Pflicht erfüllt. Alle meine Nachforschungen nach Deinem Mann beim Militär blieben erfolglos. Den Gatten kann ich Dir und Dir den Sohn nicht wiedergeben, aber sonst soll Alles nach Deinem Wunsch gehen. Du bleibst hier unter meinem Schutz, siehe Mütterchen! Gott hat mir einen Retter gesandt für meine Tochter — vielleicht können Deine Augen noch geheilt werden — sie sind noch bei meiner Gemahlin, die Aerzte, kommt mit, wir wollen sie befragen." Damit trat er in das Gemach der Fürstin und stellte die Beiden seiner Gemahlin vor, und zu dem Professor gewendet, sagte er: „Vielleicht gelingt es Ihnen auch bei der alten Frau, sie ist mir lieb und werth." Da — keines Wortes mächtig — sank Mendeß der Blinden in die Arme. „Mutter! Ruth!" stammelte er. Alle standen tiefgerührt bei diesem Anblick. Endlich erholte sich Juda und erklärte das Räthsel. „Mein edler Fürst! Ihr ward und seid immer der Engel unserer Familie, von Gott gesandt. Ihr seid ausersehen, die Bedrängten zu befreie», den Leidenden zu helfen. Das größte Wunder Gottes ist der Mensch — der Mensch, der das Ebenbild Gottes in allen Menschen sieht — keinen Unterschied kennt des Glaubens, des Standes, der Hilfe, der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe." Bis zur vollständigen Genesung der Prinzessin blieb auch Juda mit den Seinen unter dem Schutze des Gouverneurs in Petersburg. Wieder ward es Frühling und mit ihm zog auch das Befreiungsfest ein, in allen Ländern, in allen Häusern, wo es Juden gab. In dem großen Saale des Hauses Mendeß sah es heute womöglich noch schöner und feierlicher aus, als vor Jahren, da Juda und Jona, die beiden Flüchtlinge, als die Aermsten unter den Armen da ausgenommen wurden. An der Seite der Eltern Mendeß saß Juda mit Ruth, ihre glücklichen Kinder daneben, als die ersten Gäste Jona de Castra mit seiner Benvenida, man wußte kaum zu unterscheiden, ob der spanischen oder polnischen Jüdin der Preis der Schönheit und Demuth zuerkannt werden soll. Ihnen gegenüber saßen die Eltern, an der Seite Donna Garzia's saß Naimi — ihre Augen konnten nicht mehr geheilt werden — aber ihr Licht und ihre Leuchte waren ihre Kinder bis ins späteste Alter. Wieder von Neuem priesen sie die Allmacht Gottes und seine Wunderthaten und im Chor sangen die Geretteten: „Dies ist mein Gott, ihn will ich preisen, dies ist mein Hort, ihn will ich verherrlichen. Er ist der Gott unserer Väter, der König aller Könige, der Ewige. Gelobt sei er!" Rabbi Gottlober und seine Frau bewohnten noch jahrelang das Haus Kornblum in R . . z; es wurde darin gelehrt, viele Schüler ausgestellt, unterstützt, wie es Vater Kornblum im Leben angestrebt. Sein Andenken bleibt geehrt für alle Zeiten. Literatur. Neue Bücher. Sigmund Münz, Italienische Reminiscenzen und Profile. Wien 1898. Verlag von Leopold Weiß. I., Lothringerstraße 15. Dr. I. R o n a i, Zion und Ungarn. Selbstverlag des Verfassers in Balazsfalva. 1897. Dr. N. Brüll, s. A., Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Frankfurt. Trauungsreden. Frankfurt a. M. 1897. Verlag von I. Kauffmann. Rabbiner Dr. M. Aschkanaze Tempus Loquendi über die Agada der palästinensischen Amoraer nach der neuesten Darstellung. Straßburg i. E. Verlag von Fr. Engelhardt. 1897. Dr. Cäsar S e l i g m a n n, Wo ist die Wahrheit? Drei Reden über Religion und Judenthum. Hamburg. Verlag von Hermann Rothschild. 1897. Dr. Heinrich Sachse, Zionistencongreß und Zionismus eine Gefahr? Eine zeitgemäße Betrachtung. Berlin 1897. Verlag von Hugo Schildberger, N. W. Flensburgerstraße 412. Preis 50 Pfennig 30 kr. Monatsschrift für Wissenschaft des Judenthums. Herausgegeben von Dr. Bi. Braun und Prof. Dr. D. K a u f m a n n. Inhalt: Prof. Dr. Adolf Büchler: Das Sendschreiben der Jerusalemer an die Juden in Egypten nt.II. Makkab, 1, 11—2, 18. (Schluß.) Samuel Krauß, Bari in der Pesikta rabbathi. A. E p st e in, Die „Ergänzungen" und „Berichtungen" Poznanzki's zu meinem „Schemaja". Dr. M. G r ü n w a l d, Handschriftliches aus der Hamburger Stadtbibltothek. (Schluß.) — Biographische Uebersicht über die im Jahre 1894 erschienenen Einzelschriften. (Fortsetzung.) Berlin N. W. S. Calvary & Co. Briefkasten. I. K.> Zerawitz. Die Lose sind nicht gezogen. E. B. in S. Der Artikel war zur Drucklegung seiner ganzen Form nach nicht geeignet. Herrn Z. H., Wien. Wir haben keine Veranlassung, uns mit den gegenwärtigen parlamentarischen Kämpfen näher zu befassen. Weder der Sieg der Deutschen, noch jener der Czechen würde dem Judenthum einen Vortheil bringen. Interessant ist die Sache aus dem einzigen Gesichtspunkte, daß die rohen Formen dieses Kampfes ihr Vorbild in der Judenhetze finden. Herr Lueaer war der Lehrmeister der Obstruction. Berthold W.» Wien. Die Behauptung, daß die Schwierigkeiten der genannten Firma ein Erfolg des Antisemitismus seien, ist lächerlich. Das „Amazonencorps" des Wiener Bürgermeisters hat dort nie eingekauft. Im Uebrigen geht es auch den antisemitischen Geschäftsleuten herzlich schlecht. Die Racenhetze hat aus der Reichshauptstadt ein großes Dorf gemacht. Austriacus. Auch auf dem Bozener Parteitag wurde kein Jude zugelassen. Das „Vaterland" constatirt mit Freude, daß der Antisemitismus bereits einen „Kreuzungspunkt" zwischen liberalen und clericalen Deutschen bilde. Vorsicht! Ein vierblättriges Kleeblatt Schönerer-Ruß-Dipauli-Lueger gehört nicht zu den Unmöglichkeiten. Herrn W. G—n, Brünn. Sie fragen, ob Lueger's verhaltene Rede ihnl keine „Obstruction" verursache? Ein Mann, der täglich mindestens einen Juden verspeist, wird sich doch durch solche Kleinigkeiten nicht belästigt fühlen. D. Stransky in Melnik. Die drei Maler sind: David Mose, Jehuda Epstein, Josef Kriwer. Hof- und Geriehts-Advoeat Dr. JULIUS SPIELER beehrt sich mitzutheilen, dass er seine Kanzlei in Graz, Postgasse 3, 1. Stock, eröffnet hat. Israelitischer Lehrjunge 15—16 Jahre alt, nur vom Lande, aus gutem Hause, wird gegen ganzer Verpflegung in der Vermischtwaarenhandlung des Sam. Schiller in Gänserndorf sofort aufgenommen. Goncurs. Der gefertigte Vorstand beabsichtigt, vier Exhortanten für den Jugendgottesdienst für Mittelschul-Schüler zu bestellen. Die Candidaten haben eine Exhorte über ein gegebenes Thema unter Clausur schriftlich auszuarbeiten und eine Exhorte öffentlich abzuhalten. Gehörig belegte Gesuche, auch solche von Rabbinats- und Lehramts-Candidaten, sowie von Hörern der israelitisch-theolog. Seminare sind bis längstens 20. November 1897 im Secretariate der Israel. Cultusgemeinde, I.. Seitenstettengasse 4, abzngeben. Wien$ im October 1897. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. fterottSactar u. verantw. «edacteurr Br. 3iftf G. Bisch. — Druck v. L. Beck k Sohn, Me», VIU., Lerchenkelderstr. 46,