Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 856 Dr Vlvch's Ivochrnfchrist. Nr. 43 '■ i; . ■; ■ A.. 1! f. - auf. Es war Gedalje, der etwas auf seiner Schulter trug. Beile I machte im Stillen die Bemerkung, daß seine Hebung als Schmuggler ihm dabei gut zu statten käme. „Schnell", keuchte er, „hilf mir ihn zu Bett bringen. Er muß warm gehalten werden, die Kälte kann ihm schon geschadet haben." Ohne ein Wort erhob sie sich auf seine Aufforderung, half ihm den athmenden Klumpen zudecken und wischte den Schaum von den zitternden Lippen. Sie vermnthete, daß es Arje sei, warum wäre dieses Ding ihr sonst ins Haus gebracht worden. Gedalje gewahrte ihren fragenden Blick und sagte: „Es ist plötzlich über ihn gekommen; ich glaube, es war der Branntwein. Aber er wollte nicht aufhören und stieß mich weg. als ich ihm die Flasche aus der Hand reißen wollte. Es ist keine Gefahr, wenn er gut gepflegt wird, und wenn er wieder gesund sein wird, wird er natürlich um mich schicken, und ich werde wiederkommen. Sag', halt' ich mein Wort nicht?" Und er wandte sich zum Gehen, aber als er die Thürklinke ergriff, da ertönte ein lautes Schluchzen aus der Mitte des Zimmers, und Beile kroch auf den Knieen mit ausgestreckten Armen zu ihm hin, und all' die Todesangst, die sie tagelang in sich verschlossen, floß nun ungehindert über ihre Lippen. „Gedalje, bei dem Leben Deiner Mutter und Deiner Schwestern und aller Frauen, die von Deinem Fleisch und Blut sind, beschwöre ich Dich, laß' nicht die Ha^rd Deiner Rachsucht alles Glück meines Lebens ersticken. Ich habe Dich verachtet, ich habe Dir einen andern vorgezogen; aber habe Erbarmen und bedenke, daß ich nur ein Mensch bin, und daß es Gottes Wille war, nicht meiner, der mich in meinen Wünschen lenkte. Wenn Du auch an jedem Tage Deines Lebens gesündigt, wenn Du auch alle Satzungen des Himmels und der Erde verletzt hast, laß' diese Aussicht, die Verzeihung des Himmels zu gewinnen, nicht ungenützt vorübergehen. Schone mich und meinen Mann, und nimm den Fluch Deiner Versuchung von ihm, so wahr Du einmal ein liebendes Weib an Deine Brust zu drücken und Deine Kinder unter den Traualtar zu leiten hoffst. Ich flehe Dich an, Gedalje, bei Deiner Hoffnung auf ein Jenseits flehe ich Dich an, schau, hier im Staube." Bei diesen Worten griff sie nach dem Saum seines Kleides und begrub ihr Gesicht darin. Lange stand Gedalje da und blickte auf sie herab, und Teufel und Engel rangen in seinem Herzen um die Herrschaft. Endlich aber legte er seine Hand sanft auf ihr Haupt und sagte: „Beile, Du hast gesiegt, und ich bin gedemüthigt in der Stunde meines Triumphes. Ich gebe ihn Dir zurück, und wenn ich fort bin, wird er Dich lieben wie einst. Aber auch ich habe Dich geliebt — schau, wie sehr ich Dich geliebt habe." Und er zog ein Stück Pergament hervor und hielt es ihr hin; aber sie wintte ihm, daß er ihr den Inhalt vorlese. Derselbe lautete wie folgt: „Ich, Arje Klenker, verpflichte mich hiemit, Leibeigener des Gedalje Jikroner zu sein; desgleichen wird mein Weib Beile seine Magd sein. Er darf mit uns zwei Jahre lang nach seinem Gutdünken verfahren." „Siehst Du, Beile, so lieb' ich Dich", fuhr Gedalje fort, und das Papier lag zerrissen zu ihren Füßen. „Und nun leb' wohl", er bückte sich und küßte sie auf die Stirn, „und wenn Arje erwacht, so gib ihm meinen brüderlichen Gruß und — dies." Langsam und nachdenklich, wie ein Mann, der sich davor fürchtet, seinem Entschlüsse untre zu werden, ging er von dannen. Die folgende Woche war eine schwere Zeit für Beile. Arje lag in Fieberphantasien, seine Reden waren ganz verwirrt. „Gedalje, das ist eine falsche Karte, ich sah, wie Du sie unterschobst. — Glauben Sie mir, guter Herr, daß ich die Wahrheit spreche; dieses Leder ist kein Katzenfell, sondern gutes Ukrainer Rindsleder. — Nein, entziehe mir Deine Hand nicht, Beile, die Sonne kommt stechend durch die Bäume. — Nicht trinken, Gedalje? Darf ich nicht noch zum letztenmale trinken, so lang ich ein freier Mann und kein Sclave bin? — Und nun noch einen Kuß, Beile, bevor —" Und so ging es fort, bis er eines Tages seine Augen aufschlug, ohne einen Schleier davor zu fühlen; und er glaubte im Paradies zu sein, denn da drüben stand Beile, und sie, — oder waren es die himmlischen Heerschaaren?— sang den Refrain des „Mandel- und Rosinen-Liedes". „Ich habe einen bösen Traum gehabt, Beile", sagte er mit schwacher Stimme, „aber nun fühle ich mich wo hier. Der ganze Traum bewegte sich um den Schmuggler Gedalje, den wir in unserem Heimatsdorfe kannten, und wir haben allerlei sonderbare Dinge gethan. Komm' näher, Liebste — nein, noch näher. Aber was soll das bedeuten? Man soll Wein und Wasser nicht mischen; es ist thöricht von Dir, in einem Athem zu lachen und zu weinen." Literatur. „Jüdischer Bolkskalender." Dritter Jahrgang. Herausgegeben von der zionistischen Parteileitung in Galizien. Redigirt von Gustav Bader. Enthält neben einem reichhaltigen informativen Theil folgende literarische Arbeiten: „Zion", von Jehuda Halevy, übersetzt aus dem Hebräischen von Dr. M. — „Die hohen Feiertage", von Mendele Mocher-S'forim (Abramowicz). — „Der Anfang vom Ende", von G. B. — „Die Störche", allegorisches Märchen von Ben-Ammi (M. Rabiuowicz.) — „Unser Theater", Kritik des Jargon-Theaters, vvn L. Koffler. — „Biuke der Dibek", Silhouette von R. Brainin. — „Der Schwur", Gedicht von L. Jaffe. — „Ahawath Zion", von Hakosari. — „Unsere Helden", Gedicht von L. Jaffe. — „Beim Clavier", Novelette von I. L. Peretz. — „Der Getreidehändler", Erzählung von Victor Chajes. — „Der Thora zu Ehren", Charakterbild aus dem Synagogenleben von S. Frug. — „Krankheit zu verhüten", von Med. Dr. Korman. — „Zionismus und Socialdemokratie", von Dr. S. R. Landau. — „Rückblick auf das Jahr 5657", von D. Schreiber. — Der Kalender ist 200 Seiten (Groß-Octav) stark und kostet mit portofreier Zusendung nur 30 kr. Zu haben beim Verlag des „Jüdischen Vvlkskalenders" in Lemberg. Ein Buch für unsere Kinder vom Hauptlehrer S. M ü l l e r in Müllheim i. B. Stuttgart, I. B. Metzle r'scher Verlag. 1897. Dieses Buch, ein auf Grund praktischer Erfahrung nach streng methodischen Grundsätzen aufgebautes Lehrmittel für den biblischen Geschichtsunterricht, von namhaften Fachmännern, wie Dr. Güdemann, Dr. Hildesheimer, Dr. Kayserling, Professor Dr. Lazarus rc. als ein zur religiös-sittlichen Erziehung der israelitischen Jugend hervorragend brauchbares Unterrichtsmittel begutachtet, verdient auch bei uns für den Religionsunterricht in Schule und Haus eingeführt zu werden. Von den unzählig vorhandenen Bearbeitungen des biblischen Geschichtsstoffes zu Unterrichtszwecken für Elementarschüler ist dieses „Buch für unsere Kinder" die beste, weil noch keine es verstanden hat, so den kindlichen Ton zu treffen, wie die in Rede stehende. Durch die Art, wie dieses Buch den Schüler mit den Lehren und Geboten des Pentateuchs, den Sprüchen Salomos und den erhabensten Psalmen und Reden der Propheten bekannt macht, wird es von dem kundigen Lehrer auch zum Unterrichte in der Religionslehre verwendet werden können. Ein weiterer Vorzug dieses Buches ist der Anhang mit einem Abriß der Geographie von Palästina und einer Landkarte. Und da der Preis desselben, um die weiteste Verbreitung zu ermöglichen, so billig gehalten ist — gebunden nur Mark T90 — steht zu erwarten, daß die erste Auflage bald vergriffen sein wird. Vriefkasten. Jsaac Hirsch, Wiznitz. 1 fl. 50 kr. dankend erhalten. Emil R—r, Wien. Man wird künftighin eben zwischen einem ernsthaften und einen: ironischen Ehrenworte unterscheiden müssen. Th. K—l., Wien. Wir kennen die Sodawassergeschichte nicht, nehmen aber an, daß Gr eg orig thatsächlich verleumdet wurde. Ob er daraus lernen wird, wie wehe seine Verleumdungen Anderen thun, ist mehr als zweifelhaft. M. B.. Wien. Nach V erg ani und Mittermayer kommt nun Herr I r o. Deutschnational oder christlich-social, die Lumperei ist da wie dort zu Hause. F. T. Wien. Mehr können die jüdischen Gemeinderäthe vorläufig nicht thun. Warum der genannte Herr fehlt, wissen wir nicht. Ä. S., Brünn« Der 25. November 1887 war der 9. Kislew 5648. — Meschumed. G« K. Die Reclamezetteln einer jüdischen Confections- Firma —des „Ersten Wiener Herren- und Knabenkleider-Etablissements „zum Matrosen", Wien, IV., Favoritenstraße 41, Linz, Domgasse 20, Salzburg, Mirabellplatz 6, Innsbruck, Erlerstraße 4" — welches für ihre Zwecke kein geeigneteres Mittel als Lueger-Bilder weiß, verdienen die öffentliche Brandmarkung nicht blos in antisemitischen Blättern. Heiraten in reichen und feinsten Kreisen vermittelt höchst discret eine gebildete vertrauenswürdige Persönlichkeit. Israelit. Man wende sich vertrauensvoll unter F. O. 775 hauptpostlagernd Wien gegen Schein. ■ j Herausgeber «. verantw. «edacteur r ft«. 3ofef ft. Black. — Druck v. L. Beck k Sohn. Wien. VIH„ Lerchen'üderstr. 4L