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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-01 · 40 (1.10.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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«Seite 816 Vr. Vlmtz's Wochenschrift vir. 40 Er betrat den Hof, füllte die ihm von den Dienern hingereichten Flaschen ein, nahm sein Geld in Empfang und wollte sich entfernen. Als er bereits das Thor erreicht hatte — es regnete in Strömen und er hatte Eile fortzukommen — hörte er Jemanden an einem Fenster des Schlosses klopfen. Er wandte sich um und erblickte daselbst den jüngeren Sohn des Bojaren, der in einem Jagdanzug dastand und ihm freundlich zulächelte, indem er ihm gleichzeitig mit der Hand ein Zeichen machte, sich ihm zu nähern. Abraham, der den jungen Herrn noch als Kind kannte, ließ seine Dosen im Hofe stehen und ging die Treppe hinauf. Er dachte nicht im Entferntesten an das Unglück, das ihm daselbst erwartete. „Ergebenster Diener, gnädiger Herr, womit kann ich dienen?" „Schau, ich wollte auf die Jagd gehen, das Gewehr da ist bereits geladen, aber in diesem schrecklichen Regen, wie zum Teufel soll ich das nun anstellen?" „Um Gotteswillen, gnädiger Herr, was beginnen Sie?" rief Abraham ganz erschrocken aus, da er bemerkt hatte, daß der junge Bojar den Hahn des Gewehres gehoben und ihn fest in's Auge genommen hatte. „Gnädiger Herr, spielen Sie nicht mit dem Gewehr, ein Unglück ist leicht geschehen!" „Wer sagt Dir denn. Du Jud, daß ich spielen will? Es ist mein vollster Ernst, ich sehne mich schon längst einmal wenigstens einen Juden niederzuschießen." Er sprach's und ließ den Hahn fallen. Der erste Schuß traf Abraham am Fuße, der zweite in die Stirn. Abraham fiel blutüberströmt zur Erde nieder. Der unglückliche Mensch sollte eines schrecklichen Todes sterben. Die Diener, die Nachbarn, die Vorübergehenden versammelten sich im Hofe, als sie die zwei Schüsse vernahmen. Die Polizei, der Staatsanwalt erschienen und verlangten, daß man den Verwundeten in's Krankenhaus überführe. Aber Abraham, der noch einen Funken Leben in sich hatte, sträubte sich dagegen und verlangte nach Hause zu seinem Weib, zu seinen Kindern. Sein Wunsch wurde erfüllt. Trandel hatte von dem Unglücke, das so erbarmungslos über sie hereingebrochen war, nicht die leiseste Ahnung; ihr Schmerz, ihre Verzweiflung beim Anblicke ihres Mannes waren unbeschreiblich. Sie empfing noch das letzte Wort, die letzte Umarmung des Mannes, dessen Witwe sie nun war, dessen Kinder nun Waisen waren. Aber ihr Weinen und Jammern verhallte wie in der Wüste. Der Mörder war eines großen Bojaren Sohn, war reich und allmächtig, er wurde nicht im Geringsten belästigt, frei und hocherhobenen Hauptes spazierte er in den Straßen umher. Die ganze Angelegenheit wurde mit Stillschweigen übergangen. Nein! der arme Abraham war nicht mehr zu beklagen, er war von seinem jammervollen Leben erlöst. Zu beklagen war die arme Witwe und die sechs unmündigen Kinder. — Arme Trandel! Arme Kinder! Literatur. „Judith Löhrrach", Roman von S. K o h n. Straßburg 1897. Verlag von Josef Singer. Der berühmte Verfasser des „Gabriel" hat die Lesewelt mit einer neuen Gabe seines glänzenden Talentes bedacht — die Lesewelt ohne confessionelle Einschränkung, denn. so tief auch „Judith Löhrrach" in jüdisches Wesen eindringt und von jüdischer Denkweise erfüllt ist, so mag doch der allgemein menschliche Inhalt des Buches nichtjüdische Leser nicht minder machtvoll ergreifen, als unsere Glaubensgenossen. Es ist mehr als eine literarische, es ist zugleich eine politische und culturelle That, die S. Kohn mit diesem seinem neuesten Werke vollbringt. Ist das Judenthum, sind jüdische Weltanschauung, jüdische Moral und Sitte dem arischen Wesen, arischen Denken und Empfinden wirklich so diametral entgegengesetzt, daß der Racenhaß berechtigt erscheint? Die rührende Geschichte der „Judith Löhrrach" beantwortet diese Frage mit einem weithin tönenden „Nein!". Die jüdisch-patriarchalische Weltanschauung tritt in Berührung mit der arisch-aristokratischen, und es erweist sich, daß da und dort dieselben ethischen Grundsätze walten und über die Vorurtheile der Geburt und des Glaubens den Sieg behaupten. Der leuchtendste Vorzug Kohn's, die Kraft der Charakteristik, tritt auch in diesem Werke in hellste Beleuchtung. Seine Gestalten leben, sie sind Fleisch und Blut und üben eine fast dramatische Wirkung. Wer sich einen hohen geistigen Genuß und — in dieser Zeit schwerer Demüthigung des Judenthums — eine Stunde innerer Erhebung verschaffen will, versäume es nicht, „Judith Löhrrach" zu lesen. Briefkasten. §tarl M—dl, Wien. Dr. Lueger hat bei den Wahlen im Jahre 1895 Herrn Schönerer schriftlich seiner v o l l st e n Hochachtung versichert. Grund genug, das; er ihn nach zwei Jahren beschimpft! N. G., Brünn. Sie müssen den Antrag in seiner Umkehrung lesen. Die Christlich-Socialen verlangen die Aufhebung der Sprachenverordnung angeblich deshalb, weil durch dieselbe die Aufmerksamkeit von dem „geineinschädlichen Treiben der Juden" abgelenkt wurde. In Wahrheit aber fühlen sie, daß die Bevölkerung an der Judenhetze kein Interesse mehr findet und daß die regierungsfreundliche Haltung der Herren Lueger und Genossen sie zu „Berrätheru am Deutschthum" stempelt. Emanuel W —r, Wien. Herr G r e g o r i g unterhält ja selbst eine Detectivschule. Er hat seinen Sohn dazu angeleitet, die Wiener Lehrer auszuspioniren und die freisinnigen Jugendbildner' dem Bezirksschulrathe zu denunciren. Im Spitzelthum ist Gregorig Fachmann. Abonnent in Lemberg. Was die Herren Byk und Trachtenberg dazu sagen, daß der Antisemit Szäjer vom Obmanne des Polenclubs in Gnaden ausgenommen wurde? Wir wetten Zehn gegen Eins, daß sie dazu gar nichts sagen. Diese Herren sind gewählt, um zu schweigen l Ausser Stande für die zahlreichen, anlässlich der Neujahrsfeiertage nns zugemittelten Glückwünsche einzeln zu danken, benützen wir diesen Weg, um allen Jenen, welche aus diesem Anlasse unser freundlich gedachten, unseren herzlichsten Dank und unsere besten Wünsche auszusprechen. Wien, 29 September 1897. Dr. Gustav Kohn und Frau. Die Leitung der jüdischen akademischen Lesehalle, IX., Müllnergasse 5, ersucht jene jüdischen Familien, welche für das kommende Schuljahr erprobte und gewissenhafte Lehrkräfte suchen und zugleich Werth darauf legen, dadurch arme jüdische Studenteu zu unterstützen, sich behufs Vermittlung solcher an die obige Adresse zu wenden. Auskünfte werden jederzeit bereitwilligst ertheilt. U ni versitätshörer stud jur. Matura mit Auszeichnung ertheilt Unterricht in allen Gymnasial gegenständen sowie im Hebräischen. Adresse: J. W. IX., Seegasse 23, 3. Stock Thür 23. Heiraten in reiehen und feinsten Kreisen vermittelt höchst discret eine gebildete vertrauenswürdige Persönlichkeit. Israelit. Man wende sich vertrauensvoll unter F. 0. 775 hauptpostlagernd Wien gegen Schein. Die Firma Jos. Schlesinger Wien, I., Seitenstettengasse Np. 5 empfiehlt sich den löbl. Cultusgemeinden und P. T. Privaten zur Anfertigung aller Arten Sy na go gen-Par a m e nt e n als N2-18 (Vorhänge), fTD1? a,!?'Dä (Thora-Mäntelchen), Schulchan- und Kanzeldecken, Trauhimmel etc. Referenzen bei den grössten israelitischen Gemeinden. Musterzeichnuug und Kostenüberschläge werden bereitwilligst eingesandt. D'JVinK für Succoth in grösster Auswahl. £er<mi&cbet u. öetonto. Redactemr ftt. Joses 8. «lock. — Druck v. 2. Beck ck Sohn, Wien. VIII., Lerchen'el'oerstr. 46.

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