Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 39 (24.9.1897)
- Date
- 1897-09-24
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021208--07146-3031460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 800 Ar. Vloch's Wochenschrift. Nr. 39 Das Schicksal stieß ihn von Neuem ins Elend zurück und wiederum stand er da, ebenso arm als am Tage seiner Geburt. Es stand ihm zwar frei, Klage zu führen, aber was konnte es ihm nützen? Man hatte höchstens die arme Schneidersfrau vor's Gericht geladen und wegen Vertrauensbruch zu Gefängnißstrafe verurtheilt, und was hätte er davon? Wo nichts ist, da hat auch der Kaiser das Recht verloren. Und Abraham hatte, wie jeder Arme, ein mitleidiges Herz. Weshalb sollte er eine arme Mutter, die vier kleine Kino er zu versorgen hatte, unglücklich machen? Er wiederholte daher die Worte der heiligen Schrift: „Und so wie ich verloren habe, werde ich verloren sein." Er war in der That verloren und gar keine Hoffnung auf Rettung. Aber ein Sprichwort sagt: Wenn die Noth am höchsten, ist die Hilfe am nächsten. Ein Kaufmann führte das Pettoleum in der Stadt ein. Bis dahin war dasselbe in Jaffy nur wenig bekannt und daher sehr theuer. Er wollte das Geschäft auf großem Fuße betteiben, und da er der Vertreter einer bedeutenden russischen Firma war, so nahm er sich vor, den Artikel um jeden Preis in Umgang zu bringen, in der Gewißheit, daß der Nutzen nicht ausbleiben würde. Dazu brauchte er Leute, und zwar solche, die sich mit wenig Nutzen begnügen, damit die Spesen nicht zu groß würden. Abraham, der gewiß nichts zu verlieren hatte, stellte sich dem Kaufmann vor. Wie groß war fein Erstaunen, als er sich sofort und ohne viel Rederei angenommen sah. Er konnte feinen Ohren nicht trauen unb wußte es sich nicht zu erklären, daß er nicht zuerst verspottet und zehnmal zur Thüre hinausgeworfen wurde. Ein solches Manna fiel zum ersten Mal in seinem Leben auf ihn, und er betrachtete den Mann geradezu als eine Gottheit. Der aber wußte, was er that. Gerade ein Mensch wie Abraham hatte Aussicht auf Erfolg. Wenn die Leute das Petroleum nicht aus Bedürfniß, nicht aus Ueberzeugung, daß es vortheilhafter als Kerzen sei, kaufen würden, so würden sie es aus Mitleid mit dem armen Krüppel, der es anbot, thun. Und, wenn es nur einmal gekauft war, ttinken konnten sie es doch nicht, es mußte doch verbraucht werden, und es nur ein einziges Mal verbrennen, war für den Kaufmann der weitere Erfolg. Abraham dachte gar nicht so weit, er war froh und glücklich und ergab sich mit Eifer seiner neuen Beschäftigung, indem er, zwei große Blechdosen-in den Händen, die ganze Stadt durchmaß. Wurde er auch oftmals abgewiesen, zurückgestoßen, er ließ sich nicht abschrecken. In den ersten Tagen war es ihm kaum möglich, zwei bis drei Liter zu verkaufen, und auch dies, so wie es der Kaufmann vorausgefehen hatte, mehr aus Mitleid mit seiner Person als des Artikels wegen. Jndeß wuchs die Zahl der Käufer allmälig, das Petroleum begann seine Würdigung zu finden, da es bedeutend billiger als Kerzen war und ein besseres Licht verbreitete. Abraham begann gute Geschäfte zu machen, von zwei bis drei Litern wurden es zehn und fünfzehn täglich, und dieser unglückliche verfolgte Mensch sah endlich das Ende seines Martyriums herannahen, da der Kundentteis sich täglich immer mehr vergrößerte. Er hatte sogar Gelegenheit, eine seelische Genugthuung, wie er sie noch nie empfunden hatte, zu verzeichnen. Nach der Schlacht melden sich viele Krieger. Diejenigen, die anfangs es verschmäht hatten, das Petroleum herumzuttagen, boten sich jetzt von selbst denk Kaufmann an, und zwar unter bedeutend billigeren Bedingungen als Abraham, der sich überhaupt dem Gutdünken des Kaufmannes überlassen hatte; dieser aber war ihm erkenntlich und wollte ihn um keinen Preis entlassen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Soeben erfahren wir, daß Herr Rabbiner Dr. S. Back, Prag-Smichow, den zweiten Band feines gelehrteu Werkes „R. MeirbenBaruch aus Rothenburg" drucken läßt, und befindet sich dieser jetzt bei Alkalay in Preßburg bereits unter der Presse. Eine erfteuliche Nachricht zum neuen Jahre für die Freunde der jüdisch-wissenschaftlichen Literatur. Nach denk seltenen hohen Beifall, den der erste Band dieses Werkes bei der Gelehrtenwelt gesunden, sehen wir diesem zwetten Bande — behandelnd die Schriften des großen Mannes — mit gerechter Spannung entgegen. Briefkasten. F. S. CH. Artikel willkommen, „die feuilletonistischen Briefe" müssen wir dankend ablehnen. Dr. W. in G. Das ist eine Unwahrheit. Bei der Baronin E p h r u s s i hat nie solch' eine Thiermaskerade stattgefunden, bei der Hunde Rollen eines Paters, Bräutigams rc spielten. Wohl aber berichtet der Antisemit Eduard D r u m o n t in seinem „Verjudeten Frankreich" (II. S. 152) von einem Thierball der Fürstin von Sagan! Das Antisemitenblatt hat einfach die Geschichte „umgetaust". B. Äs. in Gr. Das Wort G r i l l p a r z e r's lautet: „Von Humanität — durch Nationalität — zur Bestialität". Sigmund Kurz, Döbling. Wir werden ihren Vorschlag maßgebenden Factoren vorlegen. Adolf Swoboda. Ihre Frage an die christlich - socialen Wähler ist wohl berechtigt. Warum mußte Dr. Lueger dem Ehrenbürger von Mühldorf nach der schmählichen Niederlage desselben in seinem Processe, welchen er doch nur nothgedrungen zur Reparatur seiner schadhaften Ehre anstrengte, eine Verttauenskundgebung veranstalten? und warum bekämpft man jetzt auf einmal den Mittermayer in der christlich-socialen Partei, wo es in derselben doch noch viel ärgere Subjecte gibt und gegen die Mitterniayer nur der reinste Schatten ist? Sch. in C. K. Das; ein junger Rabbiner von der Hochzeitsreise zurückgekehrt ist, gehört nicht für die Oeffentlichkeit. K. in Wien. Wenn „Das Deutsche Volksblatt" behauptet: „Die wirklich armen und bedürftigen Schulkinder werden nach wie vor die Lernmittel unentgeltlich beziehen können, aber jenen Leuten, die wohlhabend genug sind, um für ihre Kinder die nöthigen Lernbehelfe zu kaufen, aber trotzdem die — Kühnheit haben, die Unterstützung der Commune in Anspruch zu nehmen, wird der Brotkorb etwas höher gehängt, und das mit Recht" — so ist das eine gemeine Lüge. Dem armen Schriftsetzer Ad. Freund, V., Hundsthurmerstraße 127, Vater einer zahlreichen Familie, sind für sein schulpflichtiges Kind die Lernmittel verweigert worden, ebenso dem Sigmund Feigl, XVIII., Währing, und vielen Anderen. Möbet Für die Provinzkunde empfiehlt es sich, beim Mfibeloinkauf rigoros vorzugehen. Das altrenommirte und als solid in allen Provinzstädten Oesterreichs bestbebaunte Möbel-Fabriks-Etablissement J. SPIRÄ, WIEN VII, Siebensterngasse 1 bietet vollste Gewähr für in jeder Hinsicht zufriedenstellende Bedienung bei billigsten Preisen. Iliustrirte Preis-Aloums gegen Einsendung von 20 Kreuzer in Briefmarken. Eröffnungs-Anzeige! Beehre mich einem P. T. Publicum die höfliche Anzeige zu machen, daß ich eine Fleischbank, II., Kembrandt- JlraftE Nr. 32 eröffnet habe. Durch meinelangjährige Thätigkeit als stteng religiöser Schächter und NV2 Fleisch-Lieferant in den angesehensten Familien Wiens, werde ich bestrebt sein, meine Kunden mit Ia Qualität Fleisch zum Tagescourse zu bedienen und bitte, mir Ihr werthes Verttauen zu schenken. Gleichzeitig erlaube ich mir anzuzeigen, daß ich Ia Steirisches Geflügel und *ittO Wildpret führen werde, wovon Sie gefälligst Nottz nehmen wollen. Um gütigen Zuspruch bittet hochachtungsvoll Heinrich Hirsch!. Zur Lieferung von Export-Lageru. Abzug-Bieren in Flaschen an die Herren Cafetiers, Gemischtwaarenhändler nnd Private empfiehlt sich die Flaschenbier-GrosShandlung von Alexander Klein, Wien, XVII., Weissgasse 3. Ein Mittelschüler wird in einer feinen israelitischen Familie in Pension genommen. Clavierbenützung. Nächst einem Gymnasium und Realschule. IX., Berggasse Nr. 17, 1. Stock Thür. 34. tzenmrgÄer «. verautw. Redakteur: Nr. Josef T. Bloch. — Druck v. L. Beck 4 Sohn, Wien, VIII., Lerchirttel'oerstr. 46.