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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-24 · 39 (24.9.1897) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
39 (24.9.1897)
Date
1897-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 782 Nr. 39 Vr. Blvch's Bischof thells durch Kauf, theils durch Tausch, theils als Geschenk der Markgenossen erworben und er schenkt es nun den Juden unter der Bedingung, daß sie ihm jährlich einen Zins von 3‘/y Pfund Speirer Münze zu Frommen des Domstistes bezahlen sollen. Zugleich erhalten sie das Recht, innerhalb ihrer Ansiedelung in der Gegend zwischen da und dem Hafen, am Hafen und durch die ganze Stadt frei Gold und Silber zu wechseln, zu kaufen und zu verkaufen, was sie wollen. Sie bekommen ferner aus dem Kirchengute einen Begräbnißplatz zum erblichen Besitz, das Recht, fremde Juden zollfrei bei sich zu beherbergen; ihr Archisynagogus erhält eine Gerichtsbarkeit, wie sie der Tribunus urbis, das heißt der Stadtschultheiß, über die Bürger hat; in schwierigen Fallen sollen sie an den Bischof oder seinen Camerarius appelliren. Wach- und Schutzdienste brauchen sie nur innerhalb ihres Bezirkes zu thun, und die Vertheidigung führen sie gemeinsam mit den Mannen des Bischofs. Sie dürfen auch christliche Ammen und Dien st boten miethen und unkoscheres Fleisch können sie den Christen verkaufen. Als höchsten Grad des Wohlwollens gewährt ihnen schließlich der Bischof das beste Recht, das die Juden in irgend einer Stadt des Reiches besitzen." Vor einigen Monaten ist ein Werk über „Spaniens Niedergang während der Reisrevolution des XVI. Jahrhunderts" erschienen, (Stuttgart, I. G. Cotta Nachfg.) von Dr. M. I. Bonn, aus dem Professor K. Widmann in der „Frankfurter Zeitung" (29. Juni d. I.) einen interessantenAuszug veröffentlicht hat. Der Autor, dessen Werk den Antisemiten zur fleißigen Lectüre empfohlen werden darf, zeigt, wie sehr Spanien durch die Vertreibung der Juden und Mauren finanziell und culturell gelitten hat. Um den drohenden Ruin aufzuhalten, erkaufte sich die Regierung die Geldbewilligung durch Gesetze, die einander widersprachen. „Gesetze von heute hoben die von gestern wieder auf, jede constante Entwicklung des wirthschastlichen Lebens wird ein Ding der Unmöglichkeit. Der immer höher geschraubte Steuerdruck lähmte Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. Die Pächter wurden vom Staat und von den Grundherren ausgesogen. Die Einquartierungen einer zügellosen Soldateska peinigten die Bauern bis auf's Blut. Die Alcabala, eine Verkehrssteuer, legte 10 Percent Abgaben auf den Vertrieb jeder Maare. Ein Schiff, das nach Amerika fuhr, mußte viermal Zoll zahlen: Aus- und Einfuhrzoll in Spanien, Aus- und Einfuhrzoll in Indien. Die ritterlichen Zoll- und Steuerbeamten des XVII. Jahrhunderts erhoben oft das Sechsfache des gesetzlichen Betrages und doch erhielt die Krone kaum ein Zehntel der fälligen Abgaben. So rächte sich der verarmte Junker an dem verachteten, aber im Stillen beneideten Bürger, der es durch Arbeit zum Wohlstand gebracht hat und den adeligen Blutsauger ob seiner unerreichbaren Vorzüge bewundert und nicht minder beneidet. Karl V. hinterließ eine Staatsschuld von 20 Mlllionen Ducaten, die zu zehn Percent verzinst werden mußte. Seit 1550 häufen sich die Bankerotte. Handelsstockungen treten ein, die Industrie beginnt zu sinken. 1576 erfolgte ein großer Krach: der Staat erklärt alle seit 15 Jahren abgeschlossenen Anleihen für ungiltig und verfügt: „Jedes Haus dürfe mit seinen Gläubigern geradeso verfahren". Das zieht eine Reihe von Bankerotten nach sich: in Rom, Venedig, Mailand, Lyon, Antwerpen. Spaniens Credit war vernichtet. Fortan gilt Spanien nicht mehr als civilisirter Staat, dem man im Handel trauen konnte." „Als König Philipp 1579 nach Toledo kam, umringte ihn die tobende Menge und verlangte Abschaffung der Alcabala. Der königliche Beamte mußte bestätigen: „Die Steuer richtet die Stadt zu Grunde, die Einwohnerzahl hat sich in acht Monaten um 8000 Seelen verringert." Die Arbeiter finden ihr Brod nicht mehr. Frauen und Mädchen sind aus Roth Dirnen geworden. Die Gefängnisse füllen sich, die Zahl der Bettler nimmt zu, wie nie." „Schließlich steht jede wirthschastliche Thätigkeit still. Wer nicht mehr leben kann, geht in's Kloster. Philipp U. brachte das „Stiften" in Mode: im XVII. Jahrhundert müssen sogar die Cleriker dagegen eifern. Unter Philipp III. hatte Spanien allein 988 Nonnenklöster. Die Holländer reißen auch den Zwischenhandel mit West-Indien an sich; eines Tages kam die spanische Flotte mit unverkauften und unverkäuflichen Tüchern aus Amerika zurück. Auch dein Mutterland blieb schließlich nichts übrig, als die Bedürfnisse vom Ausland zu beziehen. Die Reste der localen Industrie kamen in die Hände von Fremden — die derSpanier, w ie billig, tödtlich haßt und verachtet. Weite Landstrecken, früher wohl bebaut, lagen brach, die Bevölkemng arbeitet nicht mehr, die Ehen wurden selten, die Volkszahl schmolz zusammen, die Soldaten fehlen, der König bekommt keine Steuern mehr — das war das Resultat der Politik, die Spanien die halbe Welt unterwerfen wollte. „Macht nahm man für Blüthe", und die Blüthe hat man der Macht geopfert. Aber mit der Blüthe sank auch die Macht. Seit dem 30jährigen Kriege hatte Spanien seine Rolle als Großstaat ausgespielt. Die neuaufgekommenen Mächte: Holland, Frankreich, England traten die Erbschaft des sterbenden Riesen an." „Aber die Fehler der Könige waren nicht die einzige und nicht die letzte Ursache des Zerfalls gewesen. Das Volk hat sich des Rechts unb der Pflicht entäußert, sich sein wirthschastliches und politisches Leben selbst zu gestalten. So hat sich die alte Wahrheit bestätigt, daß WortzrnsrtzrM die Völker die Könige haben, die sie verdienen. Auch das spanische Volk trägt im letzten Grunde die Verantwortung für seinen Untergang allein. Aber das Gefühl dieser Verantwortung hat den Spanier niemals gedrückt. Der Stolz auf sein reines Blut und seinen reinen Glauben gab ihm das Recht, jeden Nichtspanier und Nichtkatholiken zu verachten. Sein Ideal blieb Cid Campeador, der ritterliche Streiter für Spaniens Freiheit und Spaniens Religion — nur wenige waren so klar und so unglücklich, zu begreifen, daß ans deni Cid längst der Don Quixote geworden war." Die Politik der Habsucht, der Intoleranz, der Dummheit und Grausamkeit hat nirgends bessere Früchte gezeitigt. Die Judenausweisungen in Rußland hatten nicht minder wirthschastliche Calamitäten zur Folge, die heute noch nicht überwunden sind. Um einen Begriff von dem Rückgänge des Handels in Rußland seit dem Jahre 1881 zu bekommen, wird es genügen, die bezüglichen Veränderungen in dem Centrum des russischen Handels, in Moskau, darzulegen. Nach amtlichen Quellen hat sich in Moskau seit der Vertreibung der Juden bezüglich des Handels das Folgende bemerkbar gemacht. Wir überlassen das Wort einem Manne, der seiner Freude darüber, daß Moskau von den „ungläubigen" Juden gesäubert wurde, offen Ausdruck verliehen hat. In dem Journal „Orlowsky Wiestnik" bemerkte er: „Dieses Jahr gibt es in Moskau eine enorme Zahl unvermietheter Wohnungen; beinahe in jedem Hause sind Wohnungen zu vergeben; und obgleich die Nachfrage nach Brennmaterial weit geringer war, sind die Brennholzpreise beträchtlich gestiegen. Dadurch hat besonders die arme Bevölkerungsclasse zu leiden, welche das Holz, im Kleinen kauft." Und im Jahre .1894 erklärte das Organ des Finanzministers: „Der Handel Moskaus ist vollständig unterbunden. Mau sucht die Erzeugnisse dieser Stadt immer weniger. Man muß es offen sagen: der Mangel an Redlichkeit des Handels in Moskau hat die russischen Producte auf den fremden Märkten discreditirt. Das Streben der Moskauer Kaufleute und Fabrikanten, schlechte Waare um einen guten Preis loszuschlagen, ist eine wahre Plage. Es gibt kein anderes Mittel zur Bekämpfung des Niederganges des Moskauer Handels, als ihm daselbst eine Concurrenz zu schaffen. Man muß diese auf jede Weise unterstützen, denn sonst werden die russischen Erzeugnisse nie wieder des Erfolges von früher sich aus den asiatischen Märkten erfreuen. Man muß die Beschränkungen wieder zurücknehmen, welche gewisse Classen der Bevölkerung vom Handel und von den Märkten ausgeschlossen haben." Dieses Geständniß ist überaus bezeichnend, zumal es von einem Manne abgelegt wurde, der stets von dem schädlichen Einflüsse der jüdischen Kaufleute spricht. Dieselben Klagen wurden in allen jenen Gegenden laut, in denen den Juden der Aufenthalt verboten ist. So heißt es in einem „Unsere ländliche Oekonomie" betitelten Aufsatze des Fürsten Socolsky-Drutzky (veröffentlicht im „Westnik Evropi"s: „Die Bauern haben sehr oft zu leiden beim Verkaufe von Getreide, der zumeist im Herbst stattfindet; die Großgrundbesitzer sind, ebenso wie der Adel, weniger davon betroffen, Dank der Lebhaftigkeit, die im Getreidehandel in unserem Gouvernement (Penza) durch die Juden hervorgerufen wurde. Es sind kaum sieben Jahre, daß einige Juden zu uns gekommen sind und den Kauf von Getreide für Rechnung verschiedener Handelshäuser, hauptsächlich fremder, begonnen haben . . . Die mit den Juden abgemachten Transactionen hatten, abgesehen davon, daß sie die Landwirthe von den einheimischen Kaufleuten befreiten, noch das Verdienst, den Getreidehandel im Allgemeinen auf rationeller Grundlage etablirt zu haben. Die Preise wurden nicht mehr wie früher willkürlich, nach dem Bedürfnisse der Producenten, festgesetzt, sondern nach den Berichten der fremden Börsen. Diese Methode der Preisbestimmung, welche von den Juden eingeführt wurde, wurde von den einheimischen Kaufleuten ungern angenommen." Denn vor dem Auftreten der Juden im Gouvernement Penza waren die einheimischen Kaufleute die unumschränkten Herren, die nach ihrem Gutdünken und nach der Geldnoth der Producenten die Getreidepreise bemaßen; seitdem die Juden auf dem Markte erschienen sind, hat die Willkür ihr Ende gefunden. Die Bauern hingegen sind nach wie vor dem selbstsüchtigen Eigennutz der einheimischen Händler ausgeliefert — denn die Juden dürfen sich nicht in den Dörfern aufhalten, die zum orthodoxen Glauben sich bekennenden Kaufleute schalten also nach ihrem Gutdünken auch weiterhin zum unermeßlichen Schaden des Bauern. Und so wie in Penza, ist es in sämmtlichen Gouvernements Jnnerrußlands. Kann es unter solchen Umständen noch Jemanden wundern, daß der Minister des Innern, Goremikin,

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