Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 38 (17.9.1897)
- Date
- 1897-09-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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SMe 780 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr, 38 weit Hinreißen, daß sie sogar Schimpfworte aussüeßen, ohne auf den heiligen Ort, in welchem sie sich befanden, Rücksicht zu nehmen; denn sie sahen sich durch diese unerhörte Ungeschicklichkeit zu einem vierzigtägigen Fasten verurtheilt. Nein! Es läßt sich nicht beschreiben, man kann es nicht deutlich genug erklären, und Abraham behielt die Erinnerung daran sein ganzes Leben lang. Nein, es waren nicht die langen endlosen Tage eines strengen Fastens, das er mit Geduld und Ergebung als eine verdiente Strafe ertrug, als eine schwache Sühne feiner unverzeihlichen Ungeschicklichkeit; aber die Schande, die Profanation, das Unglück, mit einen! Worte — das eigenthümliche Mißgeschick, das sich wie etwas Selbstverständliches an seine Fersen heftete, und das er verurtheilt schien, sein Leben lang mit sich herumzuschleppen. Und später, nach langen Jahren, noch zu einer Zeit, in der vielleicht Niemand mehr an dieses Ereigniß dachte, durchschauerte ihn ein Fieberfrost, ging durch seinen Körper eine Erschütterung, als ob eine eleürische Batterie sich neben ihm entladen hätte, so oft er sich jenes unglücklichen Sabbathtages erinnerte, so oft jene schreckliche Scene sich seinem Geiste vorstellte. Und um dies Alles zu krönen, wurde sein bereits kränklicher Vater, der Zeuge dieser Schandthat war, von einem Zittern befalleu. Sein Sohn hatte ihm eine unerhörte Schande angethan. Bereits gebrochen und asthmatisch, gab ihm die letzte Auftegung den Todesstoß; ein Schlaganfall gesellte sich zu dem Uebrigen und besinnungslos nach Hause gebracht, ^hauchte er kurze Zeit darauf seine Seele aus, ohne das Bewußtsein wieder erlangt und ohne seinen Sohn, der vor seinen! Bette auf den Knieen lag, weinend und urn Verzeihung ob der angethanen Schande flehend, erkannt und erhört zu haben. Diese Scene drückte Abraham völlig nieder und der Tod seines Vaters berührte ihn doppelt. Er warf sich bereits den Tod seiner Mutter vor, obwohl man ihn deswegen nicht anklagen konnte; aber der Tod seines Vaters, der, ohne ihn gesegnet zu haben, ohne ihm ein Wort der Verzeihung gesagt zu haben, verschieden war, mußte er sich nicht dies vorwersen? Seine Schuld war ersichtlich und Abraham, der schon ohnedem von einem schweigsamen und in sich gekehrten Charakter war, wurde noch schweigsamer, noch in sich gekehrter, so daß seine Angehörigen eine Zeitlang ernstlich um ihn besorgt waren. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Neue Schriften: Jahresbericht des Rabbiner-Seminars zu Berlin für 5655 und 56 (1895 und 96) vom Curatorium. Beigcgeben: „Neue Collectanecii aus einer Mechilta zu Deuteronomium" von Dr.D.Hoffmann. 29. Jahresbericht der Landes-Nabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1896—97. Vorangeht: „Das Mosaisch-Talmudische Besitzrecht" von Professor Moses Bloch, Budapest 1897. Löwenstein, vr. ineck. Ludwig. „Die Bcschneidung im Lichte der heutigen medicinischen Wissenschaft" mit Berücksichtigung ihrer geschichtlichen und unter Würdigung ihrer religiösen Bedeutung (S.-A., 75 S.) (Trier, Commissionsverlag von Heinrich Stephanus.) Preis Mark 1.80. Zeitschrift für hebräische Bibliographie von Dr. H. Brody, II. Jahrgang, Juli—August Nr. 4. Die Juden zu Köln. Novelle ans dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Zeusen. Zweite durchgesehene Auflage. Berlin, Verlag Siegfried Cronbach 1897. Zangwill I.» „Der König der Schnorrer." Autorisirte Ausgabe. Deutsch von Adele Berger. Brosch. Mark 2, gebunden Mark 2.50. Zangwill I., „Die Kinder des Ghetto." Deutsch von Adele Berger, 2 Bände. Berlin 1897, Verlag von Sicgftied Cronbach. Das sechste Buch Moses. Ein historisch-politisches Drama von Emanuel Elsaß, Rabbiner zu L. Rosenberg. Preis 25 Kreuzer. Der Geist der heiligen Schrift. Drei spnagogale Festreden, gehalten am Passah-, jüdischen Neujahrsfeste und am Vorabende des Versöhnungsfestes von Dr. H. E. Kaufmann, Bezirks-Rabbiner jn Virovitica (Slavonien). I. Heft. Wien 1897. Jüdischer Wolkskalender für das Jahr 5658 (1897/98) I. Jahrgang.. Literarischer Palastina-Almanach für das Jahr 5658. (1897/98). Mit 3 Holzschnitten. Herausgegeben von A. M. Lunz. Hl. Jahrgang. Jerusalem 1897. Druck und Verlag des Herausgebers. Der Politiker. Unter diesem Titel ist soeben ein kleines, äußerst'praktisches Werk erschienen, welches die Gliederung des österreichischen Herrenhauses, des österreichischen Abgeordnetenhauses, des niederösterreichischen Landtages, des Wiener Gemeinderathes, sowie der Wiener Bezirksausschüsse nach Parteien, Gruppen und Wahlkörpern in übersichtlicher Darstellung enthält. Die Kenntniß der darin angeführten authentischen neuesten Daten ist für jeden für das politische Leben in Oesterreich sich Jnteressirenden unumgänglich nothwendig, und hat sich der Verfasser, Herr E. H o w a n s k i, k. k. Polizeicommissär, namentlich dadurch ein besonderes Verdienst erworben, daß er das politisch Wissenswerthe in gedrängter Kürze und in. leichtfaßlicher Form zusammenstellte. Dieses kleine, für die Politik sehrnützliche Werk, welches nun jährlich in neuer, stets berichtigter Auflage erscheinen wird, ist in der Manz'schen k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung in Wien, I., Kohlmarkt 20, um 50 Kreuzer erhältlich. Briefkasten. K. in Wien. Seneca sagte: „Maßlose Herrschaft hat Niemand lange behauptet, nur die gemäßigte ist von Dauer." Professor Minor erklärte mit Recht: „Diese Frage, welche einmal aufgeworfen und nicht mehr rvegzuschaffen ist, wird meines Erachtens zu Gunsten derjenigen Partei entschieden werden, welche sich an Intelligenz, Bildung und Charakter als die überlegene herausstellt." Jonas Goldmann, Belgrad. Der 10. September 1845 war Mittwoch der 8. Elul 5605. D« Schutzmann in S. Sie haben Recht. Das war lediglich ein Druckfehler. N. in Wien. Das Wiener Stadtregiment arbeitet nach „Beuschel-Principien." T. in L. Im Deutschen reimt sich Geld auf Welt, das ist kennzeichnend und bedeutungsvoll. Fastenrath dichtet: „In dem Himmel herrschet Gott Und der Teufel in der Höll', Doch in dieser lust'gen Welt? Der da herrscht, das ist das Geld« Ich erlaube mir das geehrte P. T. Publicum aufmerksam zu machen, daß ich die seit vielen Jahren im Gemeindehause I., Seitenstettengaffe 4 bestandene Hg““ Fleischbank fj8F~ in derselben Gaffe Nr. 3 weiterführe und stets bemüht sein werde, das mir bis nun entgegengebrachte Vertrauen auch fernerhin zu erhalten. Um zahlreichen Zuspruch bittet Ignatz Weinstein INS Fleischbank der israel. Cultusgemeinde Wien, I. Settenstettengaffe Nr. 3 vis-ä-vis des Tempels. Staatlich pprilto Clavierlelrerio, L Unterricht ertheilt, hat noch einige Stunden frei. Rosa Friedmann, Wien, f. Bezirk, Rauhensteingasse Nr. 8, ill. Stock, Thür 14. Ein tüchtiger Cantor mit klangvoller Baritonstimme, Schochet, Bodek, Koreh und Möbel, in jeder Eigenschaft vorzüglich, -35 Jahre alt, verheiratet, österreichischer Staatsbürger, sucht Jahresposten, eventuell für die hohen Feiertage. Adresse Ober-Cantor J. Bauer, Wien, II., Novaragasse 27. Kutten und Talare für Herren Rabbiner und Cantore liefert in geschmackvoller Ausführung und solider Arbeit. 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