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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-17 · 38 (17.9.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
38 (17.9.1897)
Date
1897-09-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 776 Vr. Bloch'» MochrnkchrM Nr. 38 Johannesburg. Im städtischen Hospital sind auf Betreiben einiger angesehener jüdischer Persönlichkeiten jüdische Wärterinnen angestellt, um den Verkehr mit den Kranken zu erleichtern, welche nicht englisch, sondern nur Jargon sprechen. Lissabon. Bis in unser entlegenes Land hat der moderne Antisemitismus seinen Weg zu finden gewußt. Am 21. August hat in der portugiesischen Deputirtenkammer ein Deputirter, Luciano Afsonso da Monteiro, gelegentlich einer Debatte über das Tabaksmonopol wüthende Angriffe gegen die Inden ausgesprochen, sie eine Bande von Dieben genannt und ihnen jeden Patriotismus abdisputirt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde, die Herren Simao A n a h o r y, Judah B e n o l i ch, Marcus Z a g u r y, Salamao S e r u j a, Salomon de M. S e g u e r r a, hat dagegen einen geharnischten Protest in der gelesensten Zeitung unserer Stadt veröffentlicht, mit welchem Erfolge bleibt leider abzuwarten. Der Schlemiel in den indischen Erzählungen. Vorgetragen im Makkabäerverein zu London von Reverend 91.91. Green, (Aus dem „Jewish Chronicle" übersetzt von I g n a tz K a u f m a n n. Kojetein.) (Fortsetzung aus Nr. 36.) HI. Die Gäste waren so laut in ihren Lobpreisungeil, daß der Koch abermals gerufen wurde, um die Glückwünsche seines Herrn zu empfangen, und er war ehrlich genug, die Quelle einzugestehen, aus der er seine Anregung gewonnen hatte. Nun lvar die Reihe des Schlemiels, gerufen zu werden, und zum Zeichen der Wonne, die sie erfahren hatten, händigte ihm der Fürst für die versammelte Gesellschaft eine Börse voll hundert Thalerir ein. Dies war in That ein Glückszufall für den Schlemiel, der sein Gesicht nach Hause kehrte, entschlossen, sich mit seinem Bruder in Gemächlichkeit zur Ruhe zu setzen für den Rest ihrer Lebensfrist. Der Bruder war nicht so glücklich gewesen, lind als den ersten Entzückungen des Reichthums freigebig gefröhnt worden, sannen die Schlemielgebrüder auf einen Plan, ihr Vermögen zu vergrößern. Nach vielem Kopfzerbrechen, um wieder was Neues zu entdecken, erinnerte sich der Wanderer, er hätte die Köche gesehen, Saucen ohne Knoblauch bereiten. Der jüngere Bruder entschied sich daher in dieser Richtung sein Glück zu versuchen. Mit dem Rest ihrer hundert Thaler kauften sie allen Knoblauch der Umgegend zusammen. Schlemiel Nummer 2 machte sich mit seiner kostbaren Wagenladung auf die Reise und kam in gebührender Zeit beim Herzogspalaste an. Indem er zur Küche seinen Weg fand, entdeckte er zu seiner Freude, daß man eben Saucen bereite ohne Knoblauch. Ein ähnliches Zwiegespräch folgte wie jenes, das beim ersten Male platznahm, mit einem sogar noch glücklicheren Ausgange, indem der Prinz und seine Gäste noch bezauberter waren von dieser bemerkten Leckerspeise. Schlemiel junior wurde vor den Hof gerufen und über seine Belohnung hin- und hergeredet. Der Prinz beantragte hundert Thaler; einer der Gäste jedoch meinte, wenn hundert Thaler die Auszeichnung war für den Entdecker von Fleischscheibchen^mit Zwiebeln, zweihundert Thaler dem gebühren würden, der Saucen mit Knoblauch entdeckt habe. Der Schlemiel machte ein recht zuftiedenes Gesicht zu diesen Auseinandersetzungen seiner Auszeichnung, bis endlich der Großherzog mit der den Fürsten eigenen mystischen Weisheit zu einer wahrhaft fürstlichen Entscheidung kam. „Meine Herren," sagte er, „zweihundert Thaler ist auch nur ein armseliger Lohn für einen solchen Mann; in der That ist Geld ein viel zn schwacher Ersatz für den Ausdruck unserer Dankbarkeit. Ich beschließe daher, daß das Beste, was wir können, ihm gegeben werde, und ertheile den Auftrag, daß er beschenkt werde mit einen Sackvoll Zwiebel". Zuweilen haben wir eine Schlemielgeschichte, betreffend Brüder, bei denen Einer der Schlemiel bleibt und der Andere ist ein Glücksmensch, der ältere Bruder mag dem minder glücklichen Anverwandten nicht beistehen. Da ist eine Geschichte dieser Art, die eine merkwürdige Aehnlichkeit besitzt mit der Geschichte der zwei Brüder, die sich genau im Folklore wiederfindet und die zn der bekannten deutschen Erzählung von Groß-Klaus und Klein-Klaus eine enge Beziehung hat, wo der unglückliche Held schließlich seinem boshaften Verwandten Gleiches vergilt mit Gleichem. Da waren zwei Brüder, von denen einer der reiche Mann seines Ortes, der Andere der Schlemiel der Gemeinde war. Nachdem er bei zwei oder drei Gelegenheiten feinem Bruder den kärglichsten Bissen gegeben, verweigerte der aufgeblasene Bruder für die Länge ihm irgend einen weiteren Zuschuß. Der Schlemiel unwillig, seinem Orte das Schauspiel zu bieten, wie ein reicher Mann seinem unglücklichen Bruder zu helfen verweigert, zog fort, um anderswo zu hungern und die Ehre seiner Familie zu retten. Nach einigen Tagemärschen kam er zu einer kleinen Stadt, wo er fand, daß ein hartes Auskommen zu gewinnen wäre durch Holzspalten in einem angrenzenden Walde und den Verkauf des Holzes auf dem Marktplatz. Der Schlemiel miethete sich einen kleinen Handkarren, versah sich mit einer Axt und machte sich auf nach dem Walde. Er arbeitete lang und hart an jenem Tage und endlich häufte er sein Wägelchen mit so viel, als es nur.halten konnte, an. Nun spannte er sich vor den Karren und begann seine Last zu ziehen, dieser weit schwerer fand, als er Grund hatte, zu erwarten. Eine kleine Weile rackerte er sich vorwärts, endlich aber drehte er sich um, um zu sehen, was die Schwere seiner Last wohl für eine Ursache habe. Zu seinem Entsetzen fand er einen sehr merkwürdig aussehenden Menschen auf seinem Karren sitzen. „Wer seid Ihr," sagte der Schlemiel?" „Kennt Ihr mich nicht?" sagte sein Fahrgast. „Nein", war die Antwort. „Nun wohl, Ihr solltet mich kennen," sagte der Fremde, „da ich Euer ständiger Begleiter war für Jahre. Ich bin der rv6n (der Genius der Armuth oder des Unglücks), und bin auf Allem gesessen, was Ihr je gethan habt, seit Ihr Geschäfte betreibt". Der Schlemiel wurde verzweifelt, .da er sich Angesicht im Angesicht seinem Feinde eutgcgengestellt sah, und versuchte vergebens, ihn abzusetzen, aber „Bös Glück" war nicht wegzubringen. „Es nützt Euch Nichts, Euer Mühen", sagte er endlich zum Schlemiel, „denn wer mich einmal an sich gefesselt findet, ist niemals gescheidt genug, um mich abzuschütteln". „Ich glaube, Ihr nennt Euch sehr gescheidt", sagte der Schlemiel, „doch sehe ich nicht, wo Euer Talent hervortritt". Nun scheint es, daß „Bös Glück", obzwar in physischer Beziehung unzugänglich, die völlig menschliche Eigenschaft hatte, nicht ungestraft mit sich spaßen zu lassen. „Wenn Euere Last tausend Mal größer wäre als sie ist, ich könnte sie gleichwohl niederziehen". Der Schlemiel sprach seine Zweifel aus, worauf der böse Genius sofort zu wachsen begann, bis endlich der Schlemiel ihn beinahe aus dem Gesichte verlor, so hoch richtete Jener sich empor bis zu den Wolken. Der Schlemiel war in Entsetzen verloren und sagte Nichts. „Bös Glück", wie Menschen in zorniger Laune, verlor seine Besonnenheit und hielt des Schlemiels Stillschweigen für Verachtung. „Schau her," sagte es, wenn Dir nicht genügt, zu wissen, wie groß ich bin, sieh mich so klein werden, daß ich stehen kann auf einer Menschenhand". Die That dem Worte anpassend, schrumpfte es sogleich zusammen und setzte sich in Zwerggestalt auf die Hand Schlemiels, der in seiner Angst es sofort mit dem Tefillinbündel einklappte. Zn seiner Ueberraschung und Freude, wog „Bös Glück" jetzt nahezu nichts, so legte er das Bündel in seiner Tasche zurecht, rollte leicht seine Holzlast nach Hause weiter, die er mit Nutzen verkaufte und das Geschäft ward der Grund zu seinem Reichthum. Entschlossen seinen üblen Genius nicht länger die Menschen plagen zu lassen, warf er ihn in den Ortstümpel. Nach vielen Monaten fortgesetzten Erfolges, fühlte der Schlemiel ein Verlangen, wieder einmal seine Freunde zu sehen, und kehrte als ein wohlhabender Kaufmann in seine Heimat zurück. Alle freuten sich, ihn zu sehen, bis auf seinen neidischen Bruder, der, wie er einst sein Mißgeschick tadelte, jetzt sein Glück beneidete. Doch unser Held trug keinen Haß und war noch gütiger zu seinem hartherzigen Anverwandten. Der Bruder aber konnte nicht zufrieden bleiben, und endlich klagte er den glücklichen Schlemiel offen der Verübung eines Verbrechens an, wodurch er sein Vermögen begründet haben sollte. Die Verleumdung greift immer weiter und so fand unser Held sich derart von seinen Ortsgenossen verdächtigt, daß er von seinem Abenteuer sich entschloß, seinem Bruder ein Geständniß zu machen und ihm Alles erzählte, was ihn im Walde betroffen hätte. Der neidische Mann konnte sehen, daß sein Bruder im Ernste wäre, dachte aber, daß der Ortstümpel einen Talismann enthielte, von dem ihm nur die halbe Wahrheit erzählt worden wäre und dessen Entdeckung ihm den Schlüssel zu Reichthümern geben würde, die er besser verwenden könnte, als sein Bruder, der am Ende doch nur ein Schlemiel wäre. Er machte sich daher auf, kam zu dem Platz von dem sein Bruder sprach und bat um Erlaubniß den Ortstümpel aus-

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