Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«c s; Or. Bloch’s mtovn XIV Centralorgan für die gefammten Interesten des Indenthums. -^- Wien. 10 September 1897. -j- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegranlm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. Srruasprris für Oesterreich:! Halbjährig <jl. 8 itr. j Einzelexemplare 25 kr. > Jür’* Ausland: { halbjährig 5 st. — 10 Jtv. ganzjährig 10 „ — 20 „ j Anzeigen: Die 4mnl gespaltene | Petitzeile 12!r. i m- - - K. k. Postsparkssten-Amt Clearingverkehr Nr. 610.976. RrVarUon und Rdmisistration: »t rn I-, Untere «ugartettstratze 1, j Telephon - Nr. 6335. U---- --* Inhalt. Leitartikel: Zur Frage der Consistorialverfassung für das österreichische Judenthum. — Das Deulschthmn als O^-schästcheri. — Der Zionistencongreß.—Vom Jahrmarkt des Lebens: Zum Eougreft in Basel. Bom Ziouisteneougreft. Die arische RettungsgeseÜschast. Eine Unwahrheit der „Ostdeutschen Rundschau". Vom griechischen Volk. Inden als Ackerbauer. Eramensfrage und Religion. Rohling's verbotenes Buch. — Die Schlnnsitzung des Zionistencongresseo. - - E o r r e s p o n d e n z e n: Wien, Baden, Budapest, Briilllk, Karlsbad, Falkenau a. d. Eger, Brüx, Berlin, Paris, Warschau, Barcelona, Jerusalem. — V e r m i s ch t e s : Wien, Prag, Debreczin, Kremsiev, Kolin, Innsbruck, Hamburg, Königsberg, Haag, Paris, Kapstadt, Lydnen, London, Petersburg, Alexandria, Essex, Jerusalem. — Feuilleton: Die lebende Zeitung. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Zur Frage der ConWorialverfassung für das österreichische Iudenthum. Auf allen Gebieten und bei allen Völkern ist der revolutionäre Aberglaube an die Unfehlbarkeit des isolirten Individuums überwunden worden. Die Geschichte selbst hat die große Lehre gegeben, daß die Organisation einer energischen Minderheit selbst für die immense Majorität gefährlich werden kann. Miau verfolge nur die Geschichte des Christenthums und man wird sehen, wie selbst das Reich der Imperatoren ihm zu Füßen sinken mußte, weil das Christenthum — organisirt war. Da zogen sie hinaus, die zwölf Apostel, und, wo sie in der Diaspora jüdische Gemeinden antrafen, hinterließen sie ihre Bekehrten. Aber während die jüdischen Gemeinden in keinem geordneten Zusammenhänge standen, gab es bei dm Neubekehrten sofort Bischöfe, welche einer ganzen Gruppe von Gemeinden übergeordnet waren, über diesen Bischöfen bald auch Metropoliten und Patriarchen, so daß Alles, was Christ hieß, in dem weiten Reiche, sich nach einem Commando bewegte, zunächst unterirdisch und insgeheim, dann immer mächtiger öffentlich und endlich bis zum Throne der Cäsaren hinan. Und die jüdischen Gemeinden? Sie behielten ihre geliebte und gewohnte Vereinzelung, da war in jedem Nest Minhag oker halacha, jeder Hausirer war sich selbst Priester genug, kein Zusammenhang, keine Subordination Und aber nach tausend Jahren konnten die Christen, einst der Spott der Heiden und die Beute der wilden Thiere in der Arena, ihrerseits die Juden verbrennen und die Kirche konnte dem deutschen Kaiser in Canossa eine winterliche Kneippcur verschreiben. Das ist die Macht der Organisation! Wie hätte es denn sonst geschehen können, daß ein sieggewohnter Gewaltmensch wie Fürst Bismarck vor den Folgen des Culturkampfes Halt und Kehrt machen mußte? Er hatte eben plötzlich die Macht einer zweitausendjährigen Organisation zu fühlen bekommen und sie war stärker als der Sieger von Sedan. Andere haben die Lection gekernt. Die Arbeiter organisiren sich zu mächtigen Gewerkvereineu, die Arbeitgeber zu weltumfassenden Cartelleu, die Großmächte zu gewaltigen Allianzen. Wozu übrigens so weit greifen? Haben wir es nicht mit eigenen Augen gesehen, wie unser Todfeind das Wunderwerk einer völlig programmlosen Partei schuf und sie von Sieg zu Sieg führte, blos weil die Organisation da war und eine Organisation, wenn sie einmal gut eingerichtet ist, wie eine gute Maschine ihre Arbeit verrichtet, ohne daß man sie jedesmal erst mit einem Programm aufziehen mußte. Die Betbrüder und Betschwestern waren da, die Flickschuster und Maronibrater ebenfalls, an verschuldeten und gedrückten geistigen Arbeitern fehlt es nirgends, ebenso wenig an Mandatsstrebern ohne Einsicht und Aussicht, das Alles brauchte nur eine Fahne, einen Tauf¬ und einen Familiennamen. Zur Fahne wurde der Judenhaß, der allbewährte, erkoren, ihr Taufname war „christlichsocial" der Familienname Lueger, und die Organisation aller Einfaltspinsel und Streber von Wien war fertig. Man hat gesehen, was sie ausrichten, welche Kreise sie mitreißen, welche Gewalten im Staate sie zum Nachgeben zwingen konnte. In den einzelnen Augenblicken, in welchen Europa dazu kommt, sich über Wien Gedanken zu machen, staunt es. Wer sind und was wollen diese Antisemiten? fragt man aller Orten gelegentlich. Was erwartet das Volk, was erwarten gebildete Kreise von ihnen, daß sie so unwiderstehliche Erfolge haben? Die Antwort ist einfach: Sie sind nichts, sie wollen nichts, man erwartet nichts von ihnen. Sie haben eine mächtige Organisation, mit einem „geschickten Agitator" an der Spitze; wer mit ihnen angebunden hat, mußte ihre Macht zu fühlen bekommen. Also will Niemand mit ihnen anbinden und sie sind allmächtig, das ist die Macht der Organisation. Die Maffia und die Camorra, diese alten Banditenorganisationen in Sicilien, sind auch zeitweise allmächtig gewesen und haben gewiß kein Programm gehabt. Wie viel mächtiger müßte eine Organisation sein, die ein edles Ziel planmäßig anstreben würde! Dies ist der Grundgedanke, der gesunde und unverwüstliche Grundgedanke aller Organisationsbestrebungen im Judenthum. Ai an hat endlich eingesehen, daß es keinen Sinn hat, jedem „Bumissel" t . * * $