Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 720 Vr. Vlortz's Wochen»chrM- Nr. 35 Als sich die Kunde ton dem Eintreffen des großen Gastes verbreitete, wurde er von allen Seiten bestürmt, doch auch hier mit seiner Kunst zu erfreuen. In der Aula des Gymnasiums fand das Concert statt und Fritz ruhte nicht eher, als bis Jacob ihn begleiten durfte. Die wunderbaren Geigentöne hatten eine ungeahnte Wirkung auf den Knaben. Er saß wie im Traum neben seinem Begleiter, er konnte die Äugen nicht von dem Meister wenden und sein schmales Gesichtchen war bleich vor Erregung, seine Augen glühten und leuchteten und ein Zittern durchlief den schwachen Körper. Ja, so spielen, das war also Kunst, wie es die Leute nannten. Ja so einer werden, das mußte schön sein, fast eben so schön als Talmud lernen und Rabbi werden. — Als der Knabe sich bei diesen Gedanken ertappte, wurde er glühend roth. -- Wie durfte er sein heiliges Studium mit irgend etwas in der Welt vergleichen! Freilich die Knust, davon hatte er noch nichts gehört. Er wollte es dem alten Rabbiner sagen. Daniit beruhigte er sein Gewissen und lauschte wieder den schönen Weisen, die der Künstler spielte. Seinem Freunde hatte er nur die Hand -gedrückt. Er vermochte kein Wort zu sagen. Zu mächtig war er von dem Gehörten ergriffen. Vor der Thür des Gymnasiums nahm er schnell Abschied und eilte nach Haufe, um seinem Mütterchen all das Erlebte zu berichten und dann die Geige des Vaters zu nehmen und das Gehörte nachzuspielen. Die Melodien gingen ihm fortwährend im Kopf herum. Mutter Hanna hatte noch nie ihren Liebling so strahlend und heiter gesehen. Er wurde nicht müde, zu erzählen ltitb endlich nahm er seine Geige vor und fing zu spielen an. Die Mutter lauschte. Seltsam, noch nie hatte sie solche Töne vernommen. Die Melodien klangen anders, als die einfachen Weisen, die der Vater den Knaben gelehrt. Sie faltete andächtig die Hände und lauschte schweigend. Da wurde mit einem Male die Thür aufgerissen und Fritz stürmte hinein. „Kobele, Kobele, Du mußt mit. Der Geiger ist heute vom Vater eingeladeu, er will Dich auch hören, Du mußt mit Deiner Geige kommen!" Der Knabe sah ihn starr an, er konnte gar nicht das Glück fassen, noch einmal diesen berühmten Manu zu hören. Bor ihm sollte er spielen, er der arme Judenknabe. „Frrtz", sagte er leise, „ich fürchte mich, ich — ich kann ja gar nichts und Vaters Geige, sie ist alt und häßlich, sie ist mir theuer, aber der Herr wird spotten, lass' mich zu Haus, ich danke Dir!" Nein, Singerchen, Du mußt mit. Wir spielen um die Wette, komm Frau Hanna redete nun auch Jacob zu, dem Knaben zu folgen, und bald stand der arme Judenknabe dem Geigerkönig, wie man ihn nannte, gegenüber. Er wagte kaum zu athmen, noch aufzuschauen, als der stattliche Herr, an dessen Brust Orden funkelten, zu ihm freundlich erniuthigend sprach. Seine Geige, die er in ein dunkles Wollentuch eingehüllt, preßte er fest an sich. „Nun zeige mir Deine Kunst, mein Sohn", sprach der Meister freundlich. Der Knabe wurde bald blaß, bald roth und zitterte, doch sein muthiger Freund Fritz half ihm schnell; als die Geige aus dem dunklen Tuch hervorgeholt wurde, betrachtete sie der Meister auftuerksam. „Kind", rief er, indem er das kleine braune Ding hin und her drehte, „da hast Du ja einen Schatz. Das ist nämlich eine wunderbare Amati, gebaut von einem italienischen Geigenbauer, der berühmt gewesen. Ist diese Geige nicht verkäuflich?" „Nein, lieber Herr", sagte der Knabe. „Es ist ein theures Andenken von meinem Vater und er hat es auch wieder als Bermächtniß von dem seinen erhalten. Ich möchte eher hungern, als mich davon trennen." „Da hast Du recht, Kind. Nun, so spiele nur, wir wollen sehen, ob die Amati in würdigen Händen ist." Der Knabe spielte. Zuerst schüchtern und zaghaft, dann vergaß er Alle, die um ihn waren, nnd voller Hingebung und Begeisterung gab er das wieder, was er von dem Meister gehört. Leicht und gewandt glitt der Bogen über die Saiten und der wunderbare Ton fesselte die Hörer. (Fortsetzimg folgt.) Briefkasten. Steuer! Hausbesitzer in der Bukowina. Sie haben Ihr Hans zu d e lt n e n e n Steuern jetzt gar nicht anznmelden erst zur Einkommensteuer im nächsten Jahre wird es angemeldet. Die Steuer, die Sie dann bezahlen werden, wird von ihrem ganzen Einkomulen, einschließlich der 250 st. jährlichen Miethzinses abhängen, wobei Sie die Schuldzinsen nnd Assecnranz werden abziehen können. Bis 1000 fl. Einkommen ivird die Steuer vom ganzen Einkommen höchstens v fl. 00 kr., bis 2000 fl. höchstens tzo fl. betragen; wenn Sie in Oesterreich (diesseits der Leitha) sonst nichts als das Hans besitzen, zahlen Sie gar keine Einkommenstener. Was die „Hauszinssteuer" betrifft, so ist es die Frage, ob es sich tvirklich um eine Hauszinssteuer oder um eine sogenannte Hanselassenstener (für Orte, wo nicht die Hälfte aller Wohnungen vermiethet ist), handelt. Falls Sie sich richtig ausgedrückt haben (also Hanszinsstener), haben Sie 35 fl. nebst Zuschlägen (in der Hauptstadt 50-/,, fl. nebst Zuschlägen) zu zahlen, bekommen aber vom nächsten Jahre an bis '/R der Steuer nachgelassen. Dr. ft.: Es ist richtig: Bor 400 Jahren war Spanien ein blühendes, reiches Land, 1402 wurden 300.000 Inden ihres Vermögens beraubt tind grausam von Haus und Hof gejagt: s e i t d e m i st Spanien krau k. Die Vertreibung geschah am Tischoh b' Av. Als wir am letzten Tischoh b' Av, am Sonntag, den 8. August auch über dieses Ereignis; trauerten, lvnrde in einem spanischen Badeorte der spanische Ministerpräsident von einem Meuchelmörder erschossen. Die Welt ist verroht — es wird nicht eher besser, als bis in jeglicher Hinsicht allgemeine Menschenliebe als das die Böller leitende Princip anfgestellt nnd d n r ch g e f ü h r t wird. „Ein alter Abonnent". Besten Dank für Ihre Anregung, wir iverdcn dieselbe in Erwägung ziehen. Herrn S. S—r> Dnckla. Paßt nicht in den Nahmen unseres Blattes.' Herrn M. S. Wien. Herr Emil N e u ß, Fabrikant gebogener Holzntöbel in Pöltschach (Steiermark), folgt nur berühmten Mustern, wenn er trotz des Umstandes, daß die Mehrzahl seiner Kunden Juden sind, seiner antisemitischen Gesinnung freien Lauf läßt. D. W—g., Wien: Man inuß es sich merken, daß der Wiener Bürgermeister sich mit widerwärtiger Kriecherei bei Sr. Durchlaucht dem Fürsten L i e ch t e n st c i n wegen der „Gnaden" bedankt, die dieser der Eommnne Wien zuwendet. Diese Gnade besteht in einer Spende von 500 fl. zu Gunsten der Ueberschwemmten, zu welcher sich der „schwarze Prinz" pressen ließ, nachdem der Aufruf Lueger's absolut wirkungslos blieb. Karl H—n.» Krakau: Die Organisation der christlichen Arbeiter in Galizien wird, fürchten wir, sehr bald ihre Wirkung in blutigen Judenkrawallen äußern. B. M.» Beneschau: Wolf und Schönerer sind nicht besser und schlechter als Baratt) und B r z e s n o v s k y. Wilhelm B—st.: In dem Processe über die Weiner-Briefe im Jahre 1800 sagte der Staatsanwalt wörtlich: „Es ist in der Untersuchung dieser Sache (der Fälsch u u g) peinliche Aufmerksamkeit zu Theil geworden. Die Schriftzüge vieler Personen wurden geprüft, nnd auch, o b u i ch t H e r r B e r g a u i s e l b e r es g eschriebe n. Wer ist nun der Mensch, der e i n e n s o hohen Gradteuslisch er Bosheit hatte! Denn in eine r solchen Fälschung liegt eine u n g e w ö h n l i ch e Schlechtigkeit u n d Gemeinheit. Oder sollte ein Pa rteigct riebe dahinter st ecken, sollte es ein r a f f i n i r t e s Erzeugnis; bodenlosen P arte i h a s s e s s e i n? Wenn e s j e e i n e n unehrlichen Parteikampf gegeben hat, sowärees diese r." Ein Nachweis, daß B e r g a n i selbst jene Briefe gefälscht hat, durch welche die damalige liberale Gemeinderaths-Majorität compromittirt tverden sollte, ist nicht erbracht worden. Aber die Worte des Staatsanwaltes lassen jede Combination offen, und es geschah nicht zufällig, das; er den Namen Vergani's genannt hat. Die Reminiscenz ist angesichts der Mühldorfer Manipulationen Vergani's gewiß von Interesse. Auffallend ist auch, daß Vergani in seinem damaligen Berichte die oben citirten, für ihn allerdings nicht schmeichelhaften Worte des Staatsanwaltes unterschlug. Verthold St—r., Wien: In einer vor Kurzem stattgefundenen Gerichtsverhandlung sprach der Richter den Angeklagten, der dem Kläger das Wort „Tafchelzieher" zugerufeu hatte, mit der Begründung frei, es sei damit nicht der Kläger persönlich als Taschendieb bezeichnet worden, sondern der Geklagte habe sagen wollen, der K l ä g e r g e h ö r e e i u e r P a r t e i a n, i n welcher sich Tafchelzieher befinden. Auch in diesem Freispruch liegt ein Schuldspruch. S. G. in ft.: Wir empfehlen Ihnen unbedingt die Retouruiruug. kerauSgÄer u. vervntw. «edmtem- %t Josef «. Bloch. - Druck v. L. Beck k Sohn, Wien. VIII., Lerchm'eldersir. 46.