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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-20 · 34 (20.8.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Vr. Vloch's MochrnfchrM Nr. 34 Seite 704 „Ich werde eine Zeitlang im Bette liegen, da kommst Du zu mir. nicht wahr, Mama, Du erlaubst es?" Frau Rechtsanwalt nickte. Es war ihr ja sehr unangenehm, aber sie durfte doch die dankbare Regung ihres Sohnes gegen ihren Retter nicht unterdrücken. Der Wagen fuhr vor. Der Vater half mit Hilfe des Arztes dem Sohne hinein. Die Mutter setzte sich zu ihm. Ehe der Rechtsauwalt einstieg, reichte er Hanna und Jacob die Hand. „Habt Dank für Eure Güte. Gott lohne es Euch. Du, mein Sohn, komm' nur morgen zu uns. Wenn alle Eure Glanbensbrüder so wären, dann wäre wohl so eine beklagenswerthe Entfremdung zwischen uns und Euch niemals denkbar." Frau Hanna wollte erwidern, aber der Wagen rollte rasch davon. Mutter und Sohn waren ins einsame Stübchen getreten und fielen einander in die Arme. „Mein braves Kind," rief Hanna. „Dein Vater sieht Dich gewiß und hat seine Freude an Dir, Gott erhalte Dich!" Der Knabe schluchzte an ihrem Halse: „Ach, Mutter, warum sind wir so unglücklich und gedrückt?? Was haben wir gethan, daß man uns beschimpft und uns verspottet. Wir sehen anders aus als die schönen, reichen Kinder, aber Gott hat uns doch auch in seinem Ebenbild erschaffen! Warum leiden wir?!" „Siehe, mein Kind, Gott hat Israel gerade tausendfach bewehrt, nur schickt er Prüfungen. Wer im Unglück ausharret, der wird gekrönt. Gott wird helfen. Sein Beistand ist all' denen nahe, die ihn darum anflehen. Siehe, es ist besser, Unrecht leiden, als Unrecht thun. „Und einst," so spricht der fromme Sänger, „wird der Tag kommen, an dem Gott allein König über die ganze Erde sein wird, alle Menschen werden ihn anbeten und sein Lob wird aus jedem Munde erschallen. Dann werden die Menschen Brüder und aller Streit und Hader, aller Spott und Hohn wird schwinden!" Hanna sprach mit lauter Stimme, aus tiefstem Kerzen tönten die Worte der gottesfürchtigen Frau. Jacob sah sie ehrfurchtsvoll an und sagte: „Ja, Mutter Du hast recht. Wenn wir nur in Gottes Weg wandeln, dann muß daß Herz unserer Feinde sich zu uns wenden. Fritz ist nun auch mein Freund geworden und wird meiner nicht mehr spotten. Die Mutter nickte, sie wollte das Kinderherz nicht verbittern, deshalb schwieg sie. Ach, wie unendlich hatte sie, hatten ihre Eltern, ihr Gatte unter dem Druck gelitten. Sie nahm das dünne, ganz zerrissene und beschmutzte Mäntelchen des Knaben auf, um es herznrichten und manche Thräne tropfte auf den dunklen Stoff. Jacob war längst vor Müdigkeit eingeschlafen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Midrasch „Scliir ha Sehirim“. Zum ersten Male nach einer aus dein 12. Jahrhundert stammenden, in Egypten aufgefundencn .Handschrift cdirt, kritisch untersucht, mit Quellenangabe und einer Einleitung versehen von Tr. L.Grünhut in Jerusalem. Zu beziehen durch Herrn Wilhelm Groß, Commission und Exportgeschäft Jerusalem—Jaffa. P reis 2 Franc s. Eine sehr interessante, für jüdische (belehrte und Theologen, owie für alle Freunde der hebräischen Literatur sehr wichtige Publication. Biblische Sprache und biblische Motive in Wieland's „Oberon". Von Plsil. Dr. Adolf Biach, Rabbiner in Brüx. Separatabdruck aus dem Jahresberichte des k. k. Staats-Ober-Gymnasiums in Brüx für das Schuljahr 1896—97. Diese Arbeit ist von eminenter Bedeutung für die beschichte des Einflusses des jüdischen Geistes auf die deutsche Literatur. Gegenüber dem protzenhaften Patroncnthnm, wie cs in den sogenannten „Unverfälschten" sich reprä- 'entirt, ist es immer wichtig, hinznweisen, in welch' hohem Grade die deutschen Literatnrerzengnisse von jüdischem Geiste befruchtet worden und von jüdischem Schriftthum abhängig sich erweisen. Es wäre ein verdienstliches Werk, wenn auch andere Partien der deutschen Literatur in gleicher Richtung und mit gleicher Gründlichkeit behandelt würden, wie in der vorliegenden Monographie. Traurcdc zur Vermählung des Herrn Tr. Leopold Roscnak, Rabbiner in Bremen mit Frl. Bella Earlcbach ans Lübeck, gehalten vom Rabbiner Tr. S. Carlcbach. Ter Reinertrag ist für eine würdige arme Braut bestimmt. Herr Tr. Leopold Rosenak ist ein östcrreichichcs Landcskind und für seine zahlreichen Freunde in unserem Lande vorstehende Publication zweifellos eine willkommene Gabe. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Herausgegeben von Dr. M. Braun in Breslau und Prof. Dr. D. Kaufmann in Budapest. August 1897. V. Jahrgang. Inhalt: Prof. Dr. Adolf Büchler: Das Sendschreiben der Jerusalemer an die Inden in Egypten in II. Makkab. 1, 11—2, 18. — Prof. Tr. W. Bacher: Eine verschollene hebräische Bocabel. — .Prof. Dr. David Kaufniann: Der angebliche Nagid Mardschai. — Doctor L. Munk: Tie Judenlandtage in Hessen-Cassel. — Bibliographische Uebcrsicht über die im Jahre 1894 erschienenen Einzelnschriften (Fortsetzung). — Berlin NW 6, S. Calvary & Co. Briefkasten. B. K. Die 56 Mühldorfer Getreuen, die Vergani anläßlich des „unertvarteten Ausganges seines für Treue und Recht (!) geführten Processes" ihrer weiteren Hochachtung, Liebe und Dankbarkeit versichern, bekräftigen damit nur jene „Mühldorfer Moral", die in diesem Processe so herrliche Triumphe gefeiert hat. Wir haben einige dieser wackeren Anhänger Vergani's als sogenannte Entlastungszeugen im Gerichtssaale gesehen — wahre Prachtmenschen, deren hinterwäldlerischer Moralbegriff uns die Frage nahelegt, ob denn Mühldorf irgendwo in Colorado oder Alaska liegt. Vergani ist übrigens ein schlechter Regisseur — nach dem Ehrenzeugnisse Lneger's war jenes „seiner" Mühldorfer überflüssig. Ein Sprachgelehrter. Wir bringen ihren „Vorschlag" zur öffentlichen Kenntniß: „Veruntreuung, Unterschlagung und ähnliche Telictc werden bekanntlich auch mit dem Worte Defraudant bezeichnet; wie wäre cs, wenn von nun an statt Defraudant das Wort „V e r g a n i st" dem deutschen Sprachschätze einverleibt würde?" D. Sie haben Recht, die Absicht jüdischer Kreise, in Jassy eine große Stadtsynagoge zu bauen, zu kritisiren. Eine solche mag ja für den Rabbiner manche Annehmlichkeiten bieten, im Uebrigen glaubt man im Westen, wo man über die Wirkung solcher Gotteshäuser genügend unterrichtet ist, daß sie weit mehr schaden als nützen. Spcciell in Rumänien, wo man mit Recht über die enormen Opfer klagt, welche der jüdischen Bevölkerung durch die Schulpolitik der Regierung aufcrlcgt werden, hätte man das Geld der Gemeinde für dringendere Zwecke nöthig. Es wäre nicht geschmackvoll, ein kostspieliges Gotteshaus in einer Zeit zu erbauen, in welcher man sich an auswärtige Glaubensgenossen um Beihilfe für die jüdischen Schulen wenden muß. H. V. Friedek. Wenn der Kaufmann Stanislaus Kaspar in Friedek erklärt, bei keinem Juden kaufen zu wollen, so mögen sich das vor Allem dessen jüdische Kundschaften merken. B. W. in G. Wir sagen mit Goethe: „Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht ans wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich accommodiren, aus Schwachen, die sich astimiliren. und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im Mindesten zu wissen, was sie will." Oberhollabrunn. Das ist nicht überall gleich und die Vererne richten sich auch nicht nach einander, sondern individuell nach Lage der Tinge. Ueberschwemurung, Klosterneuburg. Wir haben Schritte gethan, damit dem von Ihnen empfohlenen Opfer der Ueberschwemmnng geholfen werde. I. P-r, Neubistritz. Wir werden uns bemühen. G. W—n, 11. Bezirk. Es ist uns unbegreiflich, warum Herr Gustav S e l d o e n, der Director der christliche n Spar- und Vorschußgesellschaft „Securitas", nach Amerika durchgegangen ist. Wegen der lumpigen hunderttausend Gulden, die er defraudirte? Wenn der Mann hier geblieben wäre, hätte er Reichsrathsnnd Landtagsabgeordneter, Landesausschuß-Stellvertreter, Ehrenbürger und Intimus der Herren Lueger und Prinz Liechtenstein werden können. Berthold St—r, Wien. Die christlich-sociale Parteileitung hat sich als O b e r st e r C a s s a t i o n s h o f zu Gunsten aller antisemitischen Gauner constituirt, die von einem österreichischen Schwurgerichte verurtheilt wurden. Auch darin liegt System. Der Jesuit Prinz Liechtenstein hat mit Freuden die Gelegenheit ergriffen, der Institution der Geschwornengerichte einen Schlag zu versetzen. Wilhelm Kl—r. Wien. „Praktisches" C.h r i st e nt h u m heißt, alle jene verächtlichen. Eigenschaften selbst bethätigen, die man mit Unrecht den Juden unterschiebt. Ein echter und rechter „praktischer C h r i st" muß also lügen, betrügen, st e h l e n und d e f r a u d i r e n, um seinen Namen zu rechtfertigen. Georg St—m, Wien. Nicht wegen der moralischen Verurtheilung Bergan i's, sondern wegen des Ehrenzeugnisses, das ihm trotz dieser Verurtheilung seine Partei ausgestellt hat, wird der Proceß Vergani-Schönerer ein epochemachendes Ereigniß bleiben. Die Scheidung aller ehrlichen Leute von den u n e h r l i ch e n hat begonnen und dieser Gegensatz ist interconfessionell. Theodor L—y, Brünn. Die Beschimpfung des Schwurgerichtspräsidenten Freiherrn von Benz mag manchem antisemitisch gesinnten Mchter die Augen darüber öffnen, in welcher Gesellschaft er sich bisher befunden hat. Herausgeber u. verautw. Redacteur - $» Joses G. Bloch, — Druck v. L. Beck * Sohn, Wien, VTII., Lerchrnselderstr 46,

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