Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 32 (6.8.1897)
- Date
- 1897-08-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 664 Vr. Vloch^s Wochrnptzrlst Nr. 32 Literatur. Dam tbachath Dam. Trauerspiel in fünf Aufzügen von I. L. Lauda u. Mit einem Vorwort von I. S. Fuchs, H»eransgcber des „Hammaggid", Krakau 1897. XIV und 160 Seiten. Besprochen von Rabbiner Tr. I. I. ll n g e r. Im Vorwort wird die unerfreuliche Thatsache, das; das dramatische (Gebiet im Bereiche der neuhcbräischen Poesie auffallend steril rst, mit gewandter Feder vcntilirt und auf ihre wahrscheinlichen Ursachen zurückgcfiihrt. Es dürfte hier darum am Platze sein, Einiges von d c m anznführen, was w i r vor mehreren Jahren darüber geäußert haben: Das hebräische Drama ist die späteste Blüthe der neuhebräischen Knnstpocsie. Für andere Schöpfungen bot die biblische Poesie, deren Grnudcharakter der lyrisch-didactische ist, mannigfaltige anregende Muster dar, die nur, allerdings in verjüngtem Maßstabe, nachgcahmt und nachgebildet zu werden brauchten; für das Drama hingegen fehlt in der biblischen Literatur jedes Vorbild und darum auch jede Anregung. Nebenher dürste aber auch ein religiöses Bedenken der Entwicklung des hebräischen Dramas hinderlich in den Weg getreten sein, insofernc man die künstlerische Ausgestaltung des dramatischen Helden für eine Art von theatralischer Apotheose erachtete und davor zurückschrak. Es bedurfte darum eines sehr langen Zeitraumes, ehe jenes Bedenken einer freieren Auffassung den Platz räumte." (Weißmann's „Monatsschrift für Literatur und Wissenschaft", Jahrgang 1889, Seite 299.) Sehr richtig sagt Fuchs, das; im Hinblick auf die traurigen socialen Verhältnisse der Juden in der Diaspora und auf die Verquickung des griechischen Dramas mit der heidnischen Welt- und Lebensanschauung die Bedingungen zur Entwicklung eines hebräischen Bühncndramas total fehlten. Umso verdienstlicher aber ist es, das; sich unser schaffenslustiger Dichter die dankcnswcrthc Aufgabe stellte, das lauge Zeit nur stiefmütterlich gepflegte Drama sorgsam und hingebungsvoll zu hegen, und gereicht es uns zur innigen Befriedigung, constatircn zu dürfen, das; er sein ideales Wollen mit beschick in die Thal umzusctzcn weis;. Im vorliegenden Drama bekundet der Verfasser einen wesentlichen Fortschritt, nicht blos dadurch, das; er die planmäßige Entwicklung der Handlung, die genaue Eharaktcrzcichnung und das Maßhaltcn der Darstellung stets vor Augen hat, sondern auch durch eine umfassendere Kenntnis; der menschlichen Leidenschaften als Resultat gereifter Lebenserfahrung. Seine Charaktere sind meistens scharsausgeprägtc Individualitäten, die zuweilen durch fcinbcrechnete Gegensätze noch mehr hervorgchobcn werden, (stanz besonders muthet uns die Lichtgestalt des^ S i m o u b e u S ch c t a ch an, nicht blos wegen ihrer Idealität, sondern nicht minder auch wegen ihrer zielbcwnßtcn Energie und strammen Eonscqnenz. Sprache und Darstellung sind mit llmsicht und Sorgfalt behandelt und versteht sich La'nbau auf die Kunst, seine glänzende Vertrautheit mit dem biblischen Sprachschätze derart zu verwcrthen, das; der Leser das Gefühl hat, als vernähme er die elegante Umgangssprache der höheren und höchsten Aristokraric Jerusalems. Auf einige Ausdrücke, die unschwer durch elastische ersetzbar sind, wollen wir die Aufmerksamkeit des Verfassers einzig und allein zu dem Zivecke hinlcnken, damit sie bei einer neuen Auflage des Buches entfernt würden: Seite 5:; Seite 7: ennptr; Seite 12: b" *rr“n; Seite l <;; d-:® n*K£; Seite 26: m*n; Seite 46: n:sitsrn. In Anbetracht des Umstandes, das; der Verfasser in seinem Leserkreise seit einer Reihe von Jahren wohlaccreditirt ist und das; diese fünfte Gabe seiner dramatischen Muse ihre Vorgängerinnen au Werth und Bedeutung weit überragt, hegen wir die gegründete Zuversicht, das; die Freunde der ucuhebräischeii Poesie an die genußreiche Lectürc des typographisch schön ausgestattetcu Buches mit erwünschtem Heißhunger herantreten werden Und das; Jeder von ihnen in seinem Kreise dazu beitragen wird, dem Buche die verdiente Verbreitung zu verschaffen, um den hochbegabten Autor zu weiteren gediegenen Leistungen auzuspornen. I g l a u. Briefkasten. fx. " Ter .Herausgeber war in den letzten Wochen abwesend. Brünn. Derlei Fragen .werden dem Rabbinat zur Entscheidung vorgclegt und nicht einer Zeitungs-Redaction. Dr. Skreinka, Noznau. .Herzlichen Dank für die freundliche Zuschrift. David Blüh» Bisag. Das hat Jeder nach seinem eigenen Gewissen zu entscheiden. Ein Dritter hat hier weder zu erlauben noch zu verbieten. M. B—r. Die Antiscmitcnblätter protzen mit der Rnudfahrt, die Tr. Lueger am Dienstag, als jede Gefahr bereits g cfch wun deu war, unternahm. Sie verschweigen aber, daß der Bürgermeister der schwer bedrohten Stadt Wien in den Tagen der h ö ch ft c u Gefahr täglich um 5 Uhr Nachmittags seine Villa in Baden aufsuchtc, unbekümmert darum, ob Wien in der Stacht von einer Katastrophe hcimgcsncht würde. H. M. Brünn: Abounemcntsbctrag dankend erhalten und bis 30. Jänner 1898 eingetragen. _ M. D.: Die Cultusgemeinde in K. hat allerdings das Recht, den Tempel in Ch. in eigene Verwaltung zu übernehmen, das heißt zu confisciren, im Sinne des § 5 des Gesetzes von: 21. März 1890. Allein es heißt dort ausdrücklich, „das; bestehende gottesdienstliche Anstalten ihrer Widmung nicht entzogen werden" dürfen. Im Nebrigeu können Cultnssteuerbeiträge mit Hilfe der staatlichen Exccutionsorgane eingetrieben werden. M. - f., Wien: Die Behandlung, die der Bürgermeister Dr. Lueger den vor das hochnothpeinliche Gericht des Bezirksschulrathes befohlenen Lehrern angedcihen ließ, harmouirt durchaus mit dem Grundsätze aller Protzen: Vor Höherstehenden zu kriechen, die Untergebenen aber zil treten. Der Antisemitismus ist die Geltendmachung des brutalen Principes, daß dem Stärken gegenüber dem Schwachen Alles erlaubt sei. Warum sollte dieses Princip nicht auch den Lehrern gegenüber angewendet werden? G. W-n., Wien : Die Mödlinger Affaire ist ein elastisches Zeugnis; dafür, wie in unserer vom Judenhaß gesättigten Zeit Ritualmord-Märchen entstehen können. Eine brave Frau will sich der elfjährigen Nichte ihrer Nachbarin, die so gewissenlos war, das. Kind während einer mehrtägigen Reise allein im Hause zurückzulassen, liebevoll annchmcn. Das Kind, dessen Phantasie offenbar nach einer bestimmten Richtung schon augereizt war, erklärt nun/ als die Tante nach Hause kommt, es habe Todesangst ansgestanden und geglaubt, daß die Juden sie e r m o r d e n w o l l e u. Jene meuschenfrenudliche Dame war aber überdies noch C h r i st i n. Welcher Geist muß im Hause dieser gewissenlosen Tante herrschen, wenn das Kind eine solche Furcht beschleichen konnte! Was hätten Ehren-Schncider und Ehrcn-Vergani aus der Sache gemacht, wenn da wirklich eine Jüdin mit im Spiele gewesen wäre! W. L.: Herr M i t t c r m a y e r läßt sich sein Mandat um 6000 fl. abkanfcn und geht nach Amerika! Damit ist c i n Biedermann beseitigt, aber man kann doch um Gotteswillcn nicht die g a n z e antisemitische Partei zur Auswanderung nach Amerika bewegen. Josef B r., Brünn: Lassen Sie sich darüber kein graues Haar wachsen! Die Brünncr Turner haben ganz recht gethan! Wir haben ja ausdrücklich gesagt, das; wir jener Reicheuberger Zuschrift nicht in allen Punkten zustimnien. Dem Chauvinismus zu huldigen, haben wir keine Ursache. Im Uebrigen ist das Bekenntnis;, das; die Deutschen auf uns angewiesen sind, auch etwas werth. Louours. In der israelitischen Gnltusgerneinde Strassnitz (Mähren) ist der Posten eines Cantors, der gleichzeitig Koreh, Schochet und Bodek sein muss, mit 1. September d. J. zu besetzen. Bewerber müssen die Österr. Staatsbürgerschaft besitzen und werden solche bevorzugt, die auch hebräischen Unterricht ertheileu können. Mit diesem Posten ist ein Jahresgehalt von 600 fl. und freier Diensteswohnung, wie die üblichen Emolumente verbunden. Oll'erte sind bis 10. August d. J. an den Cultusvorstand zu richten. Nur dem Acceptirten werden Reisespesen vergütet. MAX REISS, Cultusvorsteher. Concurs. Für DTl n>^n ©fcn wird ein ^2 S]D1Ü aufgenommen. Bewerber haben bis b'TSn ©>“in ©K2 ihre Gesuche einzareichen. Gehalt nach Uebereinkommen. Reisespesen werden keine vergütet. Der Vorstand des Vereines E>B lb KBtS Wien, II., Taborstrasse 38. Jedermann besuche das neue Teppich- und Leinen- Etablissement ♦ Wiener Teppieh-Haus ♦ und Leinen-Haus I., TUCHLAUBBIN 20 (Eigenthümer J. FEILBOGEN). Special-Niederlage der bedeutendsten Teppich-, Vorhang-, Docken-, Linoleum-, Leinen- und Damast-Fabriken. Gediegener Geschmack in Arrangements, Farben und Dessins. Modernstes Sortiment ausschliesslich vorzüglicher Erzeugnisse. UM- Billigste Preise. -MV Serattlöebcr «. verautw. Redakteur: Lr Josef «. «loch. — Druck v. L. Beck * Sohn, Wien. VIII., Lerchenletderstr. 46.