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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-08-06 · 32 (6.8.1897) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
32 (6.8.1897)
Date
1897-08-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ar. 32. Dr. Blooh’s Ishrflsnn XIV. WemWe «chmschnst. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. A. k. Postsparkassen-Amt Bezugspreis stir Oesterreich: [F Clearingverkehr Wien. *5. August 1897. Halbjährig 4 fl. -- 8 Ar. Nr. 610.976. Einzelexemplare 2S kr. AeLartion und AdmiulstraNon: * Für'« Ausland: Wir« Erscheint jeden Freitag. halbjährig S fl. — 10 Stx. ganzjährig 10 „ 20 „ , ßtitsce Mn^dx'ieihiKA^t >»- Anzeig en: Die 4mal gespaltene {Telephon-Vir. 6535. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Petitzeile 12 fr. |j " Telegramm-Adresse: Blocht Wochenschrift Wien. Inhalt. Leitartikel: Die Feudalen und der Antisenntlsinns in Galifien. - - Der heilige Enprian und unsere Ebrisrlich-^ocialen. Nom Jahrmarkt des Lebens: Das goldene indische Her^ l Ein echter Arier, Ehristlich-sociale Ehreninaiiner. Bl-naberglanbe. Ein verschwundenes Mädchen. Antisemitischer Kirchenschänder. Die Benenernng der Aetiengeseilscliaften, lneiionenschaften, Sparkassen, Gemeinden re. — Russische Juden in Paris. Entgegnung. E o r r e s p o n d e n e n : Wien, lüron- Enzersdorf, Eroatien, Jassy, Persien. — V e r m i s ch t c s : Wien, Floridsdorf, Abbacha, Lemberg, Vtacbod. - Feuilleton: Ein Nennter Ab in St. ... — Die bessere Welt. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die Feudalen und der Nntisemitismus in Galizien. K r a k a u, 28. Juli. Ende der Siebziger-Jahre erschiell ein in vielfacher Hinsicht nngenrein iliteressantes Buch in polnischer Sprache, das sowohl wegen seines beachtenswerthen Inhaltes, wie des hochangeseyenen polnischen Herausgebers desselben in Galizien allgemein großes Aufsehen erregte. Dieses vom Rabbiner Soloweyrzyk in hebräischer Sprache verfaßte Werk unter dem Titel: „Lot Lore ', Die Stimme des Rufenden, — worin die Uebereinstimmung der Bibel, des Talmud und des Evangeliums in ethischer Beziehung nachgewiesen und die Versöhnung zwischen Juden und Christen angestrebt wird — wurde von einem der reichsten polnischen Magnaten, dem zur höchsten polnischen Aristokratie gehörenden, durch seinem vieljährigen Aufenthalt in Paris zum vollständig vorurtheilslosen Freidenker gewordenen, später in Egypten verstorbenen Grafen Laver Branicki. ins Polnische übersetzt, seinem Neffen, dem damaligen päpstlichen Nuntius in Paris, Cardinal Czacki, gewidmet, und in mehreren Hundert Exemplaren an hierländische angesehene Personen ohne Unterschied der Confession gratis eingeseudet. Zn dem in der Form eines Briefes an den genannten Cardinal deni Buche voraugeschickten Vorworte äußerte sich der gräfliche „libre penseur" folgendermaßen: „Ich glaube, daß Alles, was die Verehrer eines und desselben Gottes einander zu nähern strebt, eine gute Sache und darum lobenswert!) ist. Es ist kein blinder Zufall, sondern eine höhere göttliche Fügung, daß, so oft in der Geschichte der Menschheit bedeutungsvolle Wendepunkte im Anzüge sind, demselben — wie im fünfzehnten Jahrhundert — große Entdeckungen und Erfiuduugen vorangehen. So hat die Erfindung des Pulvers, des Compasses und der Buchdrnckerknust die Entdeckung Amerikas, die Aufhebung des Feudalismus und die religiöse Reform in der Gestalt des Protestantismus herbeigeführt. In nnserem Jahrhundert haben Elektricität, Eisenbahn, Telegraph und ^el-'phon ünstreitg die Tendenz, die verschiedenen Völker und Nationen mit einander zu verbinden und sowohl politisch als gesellschaftlich zu vereinen. Derartige Veränderungen im Denken der Menschen können unmöglich ohne Einfluß auf die religiösen Fragen bleiben. Wir sehen, daß die Juden nicht wenig zur Entwicklung des Handels, der Wissenschaft und schönen Künste beitragen und durch hervorragende Persönlichkeiten aus ihrer Mitte auch auf die politischen Verhältnisse Einfluß üben. Wie können uns ihre religiösen Anschauungen und Bestrebungen gleichgiltig fein? Ich glaube aber auch, daß die Synagoge in ihrem festen Glauben ein einen einzigen Gott ohne jede heidnische Zuthat im Geiste und den äußern Formen eine unerschütterliche Schutzmauer bildet gegen den Pantheismus und die -Schwärmereien ' des Positivismus'. Deshalb sind die gegenwärtigen religiösen Bestrebungen der Juden beachtenswertst, besonders aber für jeden Polen, da fast die Hälfte der Gesammtjudenheit auf polnischem Boden lebt. Dies ist auch der Grund, daß ich dieses Werk Eurer Hochgeboren, meinen Neffen, zu widmen mir erlaube". - Als in Folge der Veröffentlichung des gedachten Buches zwischen dem Grafen Branicki und feinem zweiten Neffen, dem clericaleu Krakauer Univerfitätsprofessor Grafen Stanislaw Tarnowski, eine Controverfe entstand, hat diese den Grafen Branicki derart entrüstet, daß er sich veranlaßt sah, ein zweites hebräisches Werk ins Polnische zu übersetzen, das im Jahre 1«>öl der Rabbi Gabriel in Amsterdam unter dem Titel: „Das Thor der Buße" verfaßte und das furchtbare Jndengemetzel unter König Johann Kazimierz zum Gegenstand hatte. Graf Branicki, der dieses Werk dem Grafen Tarnowksi widmete, schildert in der Vorrede die Verhältnisse und Zustände der Juden im früheren felbstständigen polnischen Staate, erwähnt die ihnen unter Kazimierz den Großen gewährten, später jedoch entzogenen Rechte und Freiheiten, und stellt mit feiner Ironie die Behauptung auf, daß die hervorragendsten adeligen Familien in Polen von Juden abstammen, indem in früheren Jahrhunderten jeder in Polen zum Christeuthum übergetretene Jude, der einen „Schlachzizen" als Taufpathen hatte, in den Adelsstand erhoben wurde. „Kein Wunder also — ruft Branicki aus daß, obgleich wir Beide (Branicki und Tarnowski) von dem ältesten polnischen Adel abstammen, dennoch auch in unseren Adern einige Tropfen Blut der „Söhne Abrahams" fließenBranicki beweist dann, daß die Juden in Polen, trotz der Unterdrückung und Verfolgung derselben, gleichwohl stets an den nationalen Interessen lebhaften Antheil nahmen und für dieselben Opfer an Gut und Blut gebracht haben; daß sie in Polen zur Entwicklung des Handels und der Industrie und auch der geistigen Interessen auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst bedeutend beitrugen und daß endlich nur wahre Toleranz die materielle und geistige Wohlfahrt der polnischen Nation zu fördern vermag." So dachte und schrieb ein katholischer, aber wahrhaft frei sinniger polnischer Graf über die leidige, gegenwärtig mehr als je „brennende" Judenfrage; und unwillkürlich wird man jetzt an dessen beherzigenswerthe liberale Aeußernngen erinnert, angesichts des in Galizien umsichgreifenden Antifemitisnins, dieser

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