Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 31 (30.7.1897)
- Date
- 1897-07-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 648 ’Jlt. 31 Vr Vloch's Wochenichrlst. „Recht hat er", fügte der Dvrfschreiber Tymowicz hinzu, „denn wie sagt doch unser wohlthätiger Gutsherr? Ein Jud' gehört zum Wucher, wie die Fliegen zum Pferderücken. Daß ich es Dir sag', mein Wohlgeborener! Und unter uns, Aron Löwenthal? Hast Du denn Geld? He, Du hast kein's, Du hungerst wie eine Ratte im leeren Speicher — na, siehst Du! Aber ein schönes Mädel, das hat er, ein Mädel!" Und er leckte sich den Mund. „Du kannst jetzt froh sein, Du Schurke", schrie ihn Aron an, „Du weißt es warum. Dein Weizen wird jetzt blühen . Ein Lärm entstand. Schmul begann wütheud seine Geige zu bearbeiten. Aron hatte sich entfernt, während es in seiner Seele schluchzte. Was sagten sie doch? Er war ausgeschlossen aus der Gemeinschaft derer, die arbeiten wollten im Schweiße ihres Angesichts — die Thore wurden ihm geschlossen, hier und dort. Und schwer fühlte er in diesem Momente den Fluch, der auf dem Juden haftet. Hatte er zu gar nichts mehr Kraft in dieser Welt? Daheim saß sein Kind und wartete sehnsüchtig auf Hilfe — und er stand da, hilfloser als immer mit gebeugtem Rücken. Die Hoffnungen erhoben sich in ihm und beugten sich wie die jungen Tannen in Sturm und Ungewitter und er krumpfte die Hände zusammen. Mochten sie thun und sagen, was sie wollten, er wollte sich nicht aufgeben. Und mit dem plötzlichen Muth der Schwachen, faßte er den raschen Entschluß ausznwanderu. Leas Augen funkelten für einen Moment ans, als ihr Vater sie in seinen Plan einweihte. „Du sollst mich muthig und stark finden, Vater. Ich wußte«, es ja . . einmal mußten wir doch in die bessere Welt kommen . . hier ist es gar zu unheimlich. Und herrlich soll es dort sein . . und reich kann man dort werden?" „Wir nicht, Kind. Unser wartet die harte Pflicht und die Arbeit und vielleicht auch die alte Armuth. . ." „Weißt Du es denn, Vater, was ich Reichthum nenne? Meinen Reichthum? Allein Glück will ich mir erringen und Achtung und Vergessenheit! Und auch Dich, Vater, will ich stolz und stark sehen." „Wirst Du wieder glücklich sein können? Du sagtest doch, daß Du nie mehr in die bessere Welt kommen kannst, weil Du schon in ihr warst und daß man Dich von dort vertrieben hat..? O, wenn Du das noch kannst, daun hast Du recht, wenn Du sagst, daß wir noch Reichthum sammeln können." „Und dann will ich auch hin", begann die Alte. „Mit meinen müden Füßen will ich hinwandern. Ich bin blind, aber das Glück meiner Kinder kann ich noch sehen, Aron - das kann ich noch sehen. Und daun werd' ich nicht mehr die blinde Sarah sein." „Großmutterl?!" „Gib mir Deine Hand, Lea. O, die ist noch kalt .... und es ist nicht die Hand eines Glücklichen. Ist Gott zu Dir noch nicht gekommen, armes Herz?" - „Er kommt, er nahet, Großmutter ..." „So? Leben will ich jetzt noch und ich will noch sehen! Und es wird noch Licht über mich fomnteit. Eines sag' mir noch, Kind. Willst Du, wenn Dein Glück kommen wird — einen in der Dunkelheit und im Unglück zurücklassen, der unglücklich nur durch Dich ist?" „Wer ist das, Großmutter?" „Israel. Er hat es mir geklagt. Willst Du ihm zurücklassen?" „Rein." "Rein? Hörst Du es, Aron? Hörst Du es?" Und in die arme, traurige Stube drang der Duft des Frühlings ein. _ ' (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. V. 9h, Wien. Der Mann ist besorgt und aufgehoben! In einer christlich-socialen Bersammlung, welche diese Woche im Prater stattfand, wurde Tr. Max Anton Löw ein „Giftpilz" genannt, der sich in die gesunde Bewegung der Eisenbahner cinschleichen wollte. Georg K—r, Wien. Ter entlassene Nördbahn-Secretär Tr. Eder geht jetzt in mit seiner Märtyrer-Krone von Versammlung zu Versammlung hansiren. Am 27. d. Nt. bezeichncte er seine Entlassung als ein combinirtcs Manöver der Socialdemokraten, Liberalen und Schöncrianer. Er sei übrigens entschädigt durch die freundschaftliche Art, mir der ihm Tr. Lueger die Hand gedrückt habe. Tiefe hündische Schweifwedele! vor Tr. Lueger ist für den Mann recht charakteristisch. Noch vor Kurzem hat sich Tr. Eder durch die freundschaftlichen Händedrücke der jüdischen Verwaltungsräthe des Szcps'schen Tagblakt beglückt gefühlt. Was die sogenannte „Maßregelung" Tr. Eder's betrifft, so entsprang sie keineswegs politischen Ursachen, sondern der Rücksicht auf die Tisciplin der Beamten und Bediensteten. Bei der Nordbahn ist noch Niemand wegen seiner antisemitischen Gesinnung entlassen worden, sonst müßte das Bcamtenpersonal - decimirt werden. M. W. in H. Ein Schochct, welcher meclialel Schabbes. darf die F-uuctiou nicht ausüben. Vieh oder Geflügel, ivclches dieser Schächter schlachtet, sind zum Genüsse rituell verboten. Conrmercieller Creditverein Kofsoiv. Es ist uns nicht möglich, alle bezüglichen Blätter herauszusuchen. N. » Lundenburg. Ihr Rabbiner, ein bewährter und geschätzter Theologe, ist in der betreffenden Angelegenheit ganz corrcct zu Werke gegangen. ö®* Auskunft in Steuersachen, Ung.-Ostra. Schreiben Sie zu : 14: Sclbstthätig; zu 25: Ein Sohn als Gehilfe, natürlich auch Anzahl der Knechte re.; zu 2 7: Ihr Hans, wenn Sie eines haben und es hauptsächlich zum Geschäfte (nicht zur Wohnung) verwendet wird, den Werth Ihrer Wagen und Pferde. Zu 38, was Sie an Löhnen an Knechte und auf Futter und Micthc für Geschäftsräume in einem Jahre ausgebeu. MSr Auskunft in Steuersachen, F. B., Agent. Ei» Agent, der von Provisionen lebt, übt „eine auf Gewinn gerichtete Beschäftigung" aus. Ter Umstand, daß er jährlich keine 300 fl. verdient, befreit ihn von der im Jänner zu fatirenden Einkommensteuer (Minimum 600 fl.), aber nicht von der Erwerbsteuer. Sie müssen Ihre Erwerbsteuererklärung abgeben; nur „Beschäftigungen, welche im Dienstverhältnisse g e g c n Sold oder Lohn ausgeübt werden", unterliege» nicht der Erwerbstcucr. Doch rathen wir Ihnen, um Befreiung anzusnchen, indem Sie die Erklärung ausfüllen, aber zu Punkt 22 bemerken: „Bittet um Befreiung als durstiger Erwerbsteuerpflichtigcr, welcher sein Gewerbe ohne Hilfsarbeiter ausübt". Können Sie Beweise der Dürftigkeit anführen, so thnn Tie es. Kundmachung der „NEW-YORK" Lebens-Versicherungs-Gesellschaft Errichtet im Jahre 1845. in Oesterreich seit 1878. Die gefertigte Geseilsehaft beehrt sieh hiermit zur allgemeinen Kenntniss zu bringen, dass sie den von der hohen k. k. Oesterreiehisehen Regierung auf Grund der Bestimmungen der hohen Ministerial-Verordnung vom 5. März 1896, R.-G.-Bl. 31 (neues Asseeuranz-Regulativ) gestellten Anforderungen im vollen Umfange entspricht und demzufolge die in Oesterreieh zeitweilig und freiwillig eingestellte Anwerbung von neuen Geschäften wieder aufnehmen wird. WIEN, am 23. Juli 1897. Für die „NEW-YORK“ Lebens-Versiciierungs-Gesellsctiaft Der Präsident: John A. McCall Der General-Director Der General-Director für Europa: für Oesterreich: Wm. E. lngersoll J. C. Löwenberg ferfiuftgcba u. Veivutw. Redakteur r ft«. Joses G. Bloch. — Druck v. L. Beck fc Sohn, Wien. VIII., Lercken'kPerhr <6