Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 31 (30.7.1897)
- Date
- 1897-07-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Vloch s WochrnschrM- Seite 641 Lehranstalt die Stelle des I. Bicepräsidenten bekleidete, in Wirk- ' lichkeit aber in Folge andauernder Verhinderung unserer ersten zwei Präsidenten stets die Präsidialgeschäfte unserer Anstalt besorgte, wurde in der Sitzung vom 12. Jänner d. I. mit Stimmen- Einhelligkeit zum Präsidenten unserer Lehranstalt gewählt. In der am 31. Jänner d. I. statutenmäßig erfolgten Nenconstitnirung unseres Curatvriums wurde Herr Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk zum II. Bicepräsidenten und Herr Theodor Ritter von T a u s s i g zum Cassier wieder- und an Stelle des zum Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde in Wien gewählten Herrn kaiserlichen Rathes Heinrich Klinger Herr Sigmund T r e b i t s ch zum Controlor nengewählt — die Stelle des 1. Bice-Präsidenten blieb derzeit unbesetzt. Die Verlassenschafts-Abhandlung nach Osias H. S ch o r r ist noch im Zuge, jedoch ist begründete Aussicht vorhanden, daß dieselbe im nächsten'Jahre beendigt und die Stiftung sodann activirt werden tvird. — Ans Grund der Allerhöchsten Entschließung Seiner k. n. k. Apostolischen Majestät ddo. 1. November 1892 hat uns die hohe Regierung auch Heuer eine Subvention von 5900 Gulden bewilligt. An Subventionen werden uns ferner gewährt: Bon der löblichen Cultusgemeinde Wien 4000 fl.; von dem löblichen Cnratorium des mährischen Landesmassa-Fonds 1000 fl.; von der löblichen Cnltnsgemeinde in Prag 650 fl.; von der löblichen Repräsentanz der Laudesjndenschaft des Königreiches Böhmen 630 fl. und von der löblichen Cnltnsgemeinde in Lemberg 500 fl. Die löbliche Baron Hirsch-Stiftung verlieh auch in diesem Jahre 25 galizischen Hörern unserer Lehranstalt Stipendien im Betrage von je 100 fl., wofür wir ihr an dieser Stelle unseren wärinsten Dank aussprechen. Ebenso danken wir Herrn M a x Ritter von Gut m a n n, welcher uns den von seinem gottseligen Vater, Herr Wilhelm Ritter von G n t m a n n zngesagten Jahresbeitrag von 500 fl. auch in diesem Jahre in pietätvoller Weise znwendete. Für Unterstützungen unserer Hörer haben wir auch heuer den Betrag von 4000 fl. in's Budget gestellt. Wien im Juli 1897. Das Cnratorium. Im Cnratorinm der israelitisch-theologischen Lehranstalt sind derzeit folgende Herren : Moritz Karpele s, Präsident, Dr. E m i l B y k, 11. Bicepräsident; T h e o d o r Ritter von T a u s s i g, Cassier; Sigmund Trebitsch, Coiltrolor; Hofrath Prof. Dr. K. S. G r n n Hut; Oberrabbiner Dr. Moritz G ü d e m a n n; David Ritter v. Gut m a n n; 'kaiserlicher Rath Heinrich Klinger; W i l h e l m Freiherr v. K ö n i g s w a r t er; Moritz Edler v. K u f f n e r; Doctor Moritz Lichten st e r n in Prag; Landesrabbiner Doctor B. P l a c z e k in Brünn; Dr. Arnold R o s e n b a ch e r in Prag; Rabbiner Dr. A. S ch m i e d l; Dr. A dols S t e i n. Bericht des Rectors: Die israelitisch-theologische Lehranstalt hat mit dem zu Ende gehenden vierten Schuljahre einen bedeutenden Zeitabschnitt zurückgelegt, insofern die gleich zu Anfang aufgenommenen, zum Theile ans anderen theologischer! Lehranstalten herübergekommenen Hörer, welche ein reiches Wissen mitbrachten, im Sinne des Organisationsstatutes ihre theologischen Studien vollendet und durch das vor drei Jahren abgelegte Tentamen das Recht erlangt haben, zu den Rabbinerprüfungen sich zu melden. Diese Hörer, welche ihre Universitätsstndien zum Theile auch formell bereits abgeschlossen, zum Theil dieselben abzuschließen erst im Begriffe find, werden von dem ih ren zustehenden Rechte Gebrauch machen, so daß die erste Entlassnng von Rabbinern im Laufe des Wintersemesters stattfinden wird. Diese jungen Rabbiner werden, obgleich sie blos vier Jahre der Anstalt angehörten und ihre Studien daselbst nnr fortgesetzt und abgeschlossen hüben, doch in beredter Weise Zengniß ablegen von dem in der israelitisch-theologischen Lehranstalt waltenden wissenschaftlich-religiösen Geiste, und daß der gesammte Lehrkörper seine ganze Kraft daran setzt, an der israelitisch-theologischen Lehranstalt das Jesaiani'sche Wort „Und all' Deine Kinder werden Jünger des Ewigen, und groß ist der Friede Deiner Kinder" zur Wahrheit machen. Die israelitisch-theologische Lehranstalt sucht und findet in der k. k. Universität ihre Ergänzung. Bei der Eintheilnng und Abhaltung der Vorlesungen berücksichtigt sie, soweit es nur möglich, die Vorlesungen an der Universität. Die Hörer werden in jeder Weise darauf hingewiesen, neben ihren specifisch theologischen auch ihren philosophischen Studien gewissenhaft obzuliegen. Auch die V o r b i l d u n g s s ch u l e entläßt (!) mit dem Ende des Schuljahres die ersten vier Religionslehrer für Volksschulen. Diese Religionslehrer, denen von Vornherein zur Pflicht ('?!) gemacht wurde, auch auf das Staatsexamen für Volksschulleyrer sich vorzubereiten, (?) werden, wie sie versichern, (!!) in der allernächsten (!) Zeit zu diesem Examen sich melden. (?!) Die ifrealitisch - theologische Lehranstalt spricht ihren besten Dank ans für die Beweise herzlichen Wohlwollens und freundlicher Theilnahme, die ihr von verschiedenen Seiten zu Theil geworden. Das Cnratorium der Baron Hirsch-Stiftung gewährte den Hörern und Schülern aus Galizien Stipendien im Betrage von 2500 fl. Äus der Baron Jonas von Königswarter-Stiftung erhielten zwei Hörer ein Stipendium von je 468 fl. — Aus der Baron M o r°i z von Königswarter-Stiftung erhielten zwei Hörer ein Stipendium von je 210 fl. Ans der Berthold Ritter von Gntmann-Stifturrg erhielten drei Hörer ein Stipendium von je fl. 229-60 Aus der Fanny Jeiteles-Stiftnng erhielten drei Hörer für den Rest ihrer Universitäts-Stndienzeit ein jährliches Stipendium von je 94 fl. Die israelitische Cultnsgemeinde-Repräsentanz in Prag verlieh einem Hörer ein Koppelmann- und Esther Frankel'sches Stipendium von fl. 81'80 und eineni zweiten Hörer ein Israel Simon Frankel'sches Stipendium von 100 fl. Das Cnratorium des mährisch-jüdischen Landesmassafonds verlieh sechs Hörern und Schülern Stipendien in Beträgen von 80 fl. bis 50 fl. Der Ortsschnlrath der israelitischen Gemeinde Nikolsburg verlieh einem Hörer das Stipendium der Josef Pollak'schen Stipendien-Stiftung im Betrage von 42 fl. — Aus der Hermann Müller-Stiftmig in München haben zwei Hörer ein Stipendium von je 100 Mark erhalten. — Frau Bella Hamburger in Karlsruhe stellte dem Unterzeichneten 100 fl. für besonders fleißige Hörer zu Verfügung. Bon Herrn Oberrath Leopold Ettlinger in Karlsruhe erhielt der Unterzeichnete 100 fl. für einen besonders fleißigen Hörer. — Bon Herrn Curator Hof- und Gerichts-Advocaten Tr. A. Stein erhielt der Unterzeichnete für einen Hörer ans Mähren 25 fl. Das Schuljahr 1897/98 nimmt Donnerstag den 21. Octvber seinen Anfang; die Anfnahmsprüfnngen, zu welcher nur die früher schriftlich Angemeldeten zngelassen werden können, finden Donnerstag den 21. und Freitag den 22. October statt; die Vorlesungen beginnen Sonntag den 24. October. Der Rector: Professor Dr. A. e> ch w a r z. Wien. (V e r g a n i 's K läge n.) Die Verhandlung über die Klagen Berg a u i's gegen Schönerer, Wolf und A r n o s ch t findet nun bestimmt vom 9. bis 15. August statt. Den Vorsitz wird Landesgerichtsrath Baron B e n z führen, als Klagevertreter wird Dr. P n p v v a c erscheinen, als Bertheidiger S ch ö u e r e r 's Dr. Ritter v. M ü h l w e r t h ans Krems und für Wolf und A r n o f ch t Dr. Vincenz v. B e r g e r. Letzterer hat bereits seine Anträge zum Wahrheitsbeweise e i n g e b r a ch t und dabei um die Vorladung von dreißig Zeugen angesucht — ebensoviele Zeugen führt Dr. P u p o v a e. Der in Krems anhängige Strafact gegen I r v, O h n e und S ch ö n e r e r liegt dem hiesigen Acte bei. Es handelt sich bei demselben um die durch die „Unverfälschten deutschen Worte" begangenen Beleidigungen, während im hiesigen Processe die Artikel der „Ostdeutschen Rundschau" incriminirt sind; Schönerer erscheint deshalb in beiden Processen geklagt. Nach den Beweisanträgen des Dr. v. Berger zu schließen, dürfte der Proceß ungeahnte Dimensionen annehmcE Die Verhandlung über die Berufung des Abgeordneten V e r g a n i gegen das Urtheil des Bezirksgerichtes Allentst e i g vom 10. März 1897, durch welches der Landtagsabgeordnete August D ö tz von der seitens des Abgeordneten Vergant erhobenen Anklage wegen Ehrenbeleidignng freigesprochen wurde, findet am 5. August vor dem Kreisgerichte in Krems statt. Diese Ehrenbeleidignngsklage bezieht sich auf eine Aeußernng, welche Abgeordneter D ö tz in einer. Wählerversammlung in Ä l t-P ö l l a in Beantwortung einer Anfrage des Pfarrers G r i e ß e r ans St. Leonhard, warum er (D ö tz) sich nicht der christlich-socialen Partei anschließe, machte. D ö tz sagte damals, er „halte es unter seiner Würde und mit seiner Ehre als deutscher Mann nicht für vereinbar, sich einer Partei anzuschließen, die einen Ernst Berg a n i in ihren Reihen duldet."