Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 628 Vr. VLoch's Vochenschrifr. Ar. 30 „O es ist Nacht geworden, Israel, eine lange Nacht, wo man nicht schläft und nicht träumt." „Bei mir ist's Nacht gewesen und sie wird's ewig sein, Lea, sie wird's ewig sein." „Sie haben doch noch Hoffnungen, Sie können nur noch nicht wissen! Sie haben Hoffnungen — noch haben Sie sie! Sie schrie es fast. „Hoffnungen — worauf? Was bin ich — was kann ich sein? Nichts, nichts — nicht das allerkleinste Rädchen im Getriebe des Lebens. Was habe ich gelernt, wem kann ich nützen? Ich habe Alles verloren, meinen Glauben und meine Eltern und was gewonnen? Die Erkenntniß meines Elends. Die halbe Bildung ist ein Fluch, Lea — für den Juden erst recht. Ich weiß, mein lieber Val er wird mich bald wieder verheiraten und dann werde ich ein Arendator werden oder ein Melamed und werde Andere und mich am meisten betrügen müssen! Sie aber, wenn das Leben keine Gnaden mehr für Sie haben wird — Sie werden doch mal, wenn Sie müde werden, in die kleine Stube gehen können und Sie werden dann zurückdenken an das Glück, das Sie einmal flüchtig besucht hat, und Sie werden vielleicht weinen. Und ich würde zehn Jahre meines Lebens dahingeben, wenn ich solche Thränen weinen könnte." „Ich werde nie so weinen, Israel. Er hat mir Alles, Alles genommen. Was bin ich ihm gewesen? Sehen Sie, einmal machte ich mit meinem Vater eine kleine Reise. Als wir an einem Dörfchen vorbeifuhren, entlud sich ein furchtbares Gewitter. Wir mußten Anhalten und in das Dorfwirthshans gehen. Elend war es da, eine dumpfe, häßliche Stube, greinende, schmutzige Kinder, ein besoffener Bauer und draußen stürmte es immer zu. Mich langweilte es entsetzlich. Da fand ich einige Blätter eines häßlichen Buches. Die las ich gierig und so verging die Zeit. Sehen Sie, so ein Buch war ich ihm, während er sich hier langweilte . . Aber jetzt?" „Dann war er doch sehr schlecht und gemein — denn Sie sind wie ein Buch heiliger Lieder, Lea! Und das wirft man nur so weg?" „Und ftüher habe ich ja gedacht, daß Alles eines Tages aus sein wird — wie konnt's auch anders sein? Aber die Erinnerung an mein närrisches Glück dachte ich festhalten zu können und an mich zu pressen — und ich wollte gut sein und dankbar, aber er ging und sagte mir kein liebes Wort, gar keine Empfehlung. Weggeworfen hat er mich, Israel! Und jetzt lacht er wohl über das Judemnädel im Dorf. Oder er lacht gar nicht — vergeffen hat er mich einfach und da soll man dem Geschick dankbar sein? Es ist zu häßlich." „Vergessen Sie, Lea." „Vergessen sein — und ruhig hingehen und vergessen und nicht zürnen und hadern soll ich einmal dürfen — wie werde ich das können, Israel?" „Das Leben wird es Sie lehren." (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. PT Steuerfachen! M. K. 24. Punkt 15 und 18 ist genau so auszufüllen, wie Sie es angeben, bei ausstehende Forderungen schreiben Sie dazu: Davon .... Dubios! Nur gehört Waarenlager und Einrichtung zu 17. Zu 23 schreiben Sie: Sehr verschuldet (womöglich setzen Sie dazu die Angabe der Personen, denen geschuldet wird, und der Summen, die geschuldet werden. Ferner setzen Sie bei demselben Punkt fort: Große Familienverpflichtungen: Schwager (voller Namen) arbeitsunfähig, mit 6 unmündigen Kindern zu erhalten. Allenfalls noch bei 21: Unverhältnißmäßig großes, meist creditirtes und verzinsliches Capital nothwendig! 9W Steuersachen! pp. 18. Sie sind gesetzlich der Geschäftsführer Ihrer faktischen Frau; dieselbe soll Sie unter der Rubrik: „Höherer Hilfsarbeiter" bei Punkt 15 als ihren Geschäftsführer angeben. Sobald Ihre Ehe gesetzlich nicht gilt, so existixt sie für die Behörde nicht; Sie sind ein gewöhnlicher Geschäftsführer. Auszufüllen hat die Frau, als Inhaberin des Geschäftes; sie kann Ihnen aber eine stempelfreie Vollmacht zur Vertretung in Steuersachen geben, dann füllen Sie aus. (Formular bei der Steueradministration erhältlich.) Bedienstete bei Punkt 15 der Erklärung anzugeben. Steuersachen! Colonialwaarenhandlung und Salzniederlage. Sie schreiben uns: „Ich habe in D ..... ein Colonialwaarengeschäst, es kaufen die umliegenden Krämer bei mir, in Z u ck e r mache ich größere Geschäfte, auch mit größeren Kaufleuten. WirColonialwaarenhändlersollen ausfüllen, „dietägliche oderwöchentliche Einnahme". Ich mache in Salz, Petroleum und Zucker einen großen Umsatz, verdient wird in den letzten Jahren an diesen drei Artikeln thatsächlich nicht ein Heller, ich habe heuer sogar eine kleine Unterbilanz, d. h. ich habe um einige hundert Gulden weniger im Vermögen als ich vor einem Jahr hatte. Ich möchte nun gerne die Wahrheit angeben, wie viel meine täglichen Losungen betragen, wenn ich aber die Einnahmen von Salz, Petroleum und Zucker mit hineinsetze, kommt eine große Summe heraus, die selbstverständlich in keinem Verhältnisse zu den Verdiensten steht. Bitte, wie soll ich mich da verhalten. Wenn Sie sich über diesen Punkt ausführlich äußern, werden selbstverständlich auch viele meiner Collegen Ihnen dankbar sein." Wir danken unsererseits für Ihre lichtvollen Ausführungen, die sicherlich vielen von unseren Lesern willkommen sein werden. Unsere Ansicht ist. daß Sie z u P u n k t 21 Ihre täglichen Losungen selbstverständlich, genau so wie alles Andere, völlig wahrheitsgemäß angeben sollen, daß Sie jedoch die Losung schätzungsweise in zwei Gruppen scheiden sollen, in die gewinnlose und in die gewinnbringende, etwa: „Gesammtlosung durchschnittlich . . ., dabon dürften auf Salz, Petroleum und Zucker ungefähr entfallen ... An diesen drei Artikeln wird, wie jeder Sachverständige bestätigen muß, seitJahren nichts verdient, ich habe Heuer sogar . . . Verlust daran; also nur der restliche Umsatz von . . . kommt als gewinnbringend in Betracht." Fortuna 1897. Pächter sind erwerbsteuerpflichtig. Erwerbsteuererklärung nebst Anleitung zur Ausfüllung erhalten Sie unentgeltlich auf der Bezirkshauptmannschaft und finden Sie auch in der ausgezeichneten Schrift: „Was habe ich zu fatiren?" (Verlag Manz, Wien, I, Kohlmarkt, I. Theil, 50 Kreuzer) Lesen Sie genau unseren heutigen Artikel. Sie sind als Pächter befreit, wenn Sie mit Familie im Wesentlichen allein arbeiten, „wenn auch mit zeitweiliger und ausnahmsweiser Herbeiziehung von Mietharbeitern". Sollte dies der Fall sein, so füllen Sie Ihre Erklärung (beachten Sie Punkt 12 derselben) aus und schreiben bei Punkt 22: „Arbeitet in der Regel allein oder nur mit Zuhilfenahme der Familie." Herrn W. S., Krakau. Die Notiz „Dr. Bloch und sein Freund Hirsch Landau" in dem Blättchen Reichenberg's hat uns höchlich belustigt. Wie schwungvoll die Phantasie dieses „Agentur-, Papiergeschäfts- und Zeitungsinhabers" ist, mögen Sie aus der Thatsache ersehen, daß Dr. Bloch Herrn Hirsch Landau nie gesehen, nie mit ihm gesprochen, ihm nie geschrieben hat und ihn gar nicht persönlich kennt. Und obwohl Graf Dzieduszycki erst in der letzten Wahlperiode Obmann des Central-Wahlcomites für Ostgalizien wurde, Dr. Bloch aber vor den letzten Wahlen öffentlich erklärt hatte, dem Polenclub nicht mehr beitreten zu wollen, soll doch Hirsch Landau in Krakau versprochen haben, die.Wahl Dr. Blochs beim—Grafen Dzieduszycki (!) durchzusetzen. Wenn einer schon lügt, soll er doch wenigstens glaubhaft lügen! Aus den Märchen, die der brave Reichenberg über Dr. Bloch verbreitet, kann man übrigens ermessen, wie viel er gegen den Krakauer Cultusvorstand gelogen hat! H. K. Nzeszow. Ein Dr. Rubin, der hier als Rabbiner ausgenommen worden sein soll, ist uns nicht bekannt. Anonymus. Auf Ihre Anregung bezüglich der Volksthümlichen Universitätsvorträge werden wir — trotz der Anonymität — zurückkommen. I. Labiner, Zborow. Nicht gezogen. Mehrere Schüler in T...... Anonyme Zuschriften können wir nicht berücksichtigen. G. H—n, Drohobycz. Schon in früheren Jahren haben wir anläßlich des Sukkoth-Festes unsere Glaubensgenossen darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich um die jüdischen Kolonien in Palästina ein besonderes Verdienst erwerben, wenn sie die Esro gim aus dem heiligen Lande und nicht aus Corfu beziehen, wo noch vor einigen Jahren eine blutige Judenverfolgung stattfand. Da im heurigen Jahre die Esrogimernte in Palästina besonders gut ausgefallen ist, wiederholen wir unsere Aufforderung, zumal die aus Corfu bezogenen Früchte, da es dort keinen Rabbiner gibt, strengen rituellen Anforderungen nicht entsprechen. Hermann P—k in Brünn. Von der acti v en Betheiligung unserer Glaubensgenossen an dem nationalen Streite rathen wir entschieden ab. Seine persönlichen Neigungen mag Jedermann im Stillen bethätigen wie er will. Berthold Lg, Wien. Nimmt Sie das Wunderd Die sogenannte „Tarnopoler Moral" gedeiht bei den Christlich-Socialen in besonderer Ueppigkeit. Die Transactionen mit der Tramway und der Gasgcsellschaft rücken die Volksfteundlichkeit dieser Herren in bengalische Beleuchtung. Es handelt sich auch ihnen um fette Pfründen und Aemter. Caf6 Bürde. Das neueröffnete Caf« Bürde, Praterstraße 45, bietet in Folge seiner Eleganz und seines Comfortes thatsächlich eine Sehenswürdigkeit Wiens. Große Spielsäle, Billards der neuesten Construction aus der hiesigen Productiv- Genoffeuschafts-Werkstätte, Lesezimmer, Otmmdrs ssparee, Gesellschafts-Appartements, sowie zwei reizende Wintergärten, von der Firma Hock in Klosterneuburg hergestellt, bieten dem Publicum den denkbar angenehmsten Aufenthalts Sämmtliche gelesene Journale des In- und Auslandes liegen zur Lectüre auf. Hermr»geber «. verautw. Redakteur r Lr. Joses L. «loch. — Druck v. L Beck * Sohn. Wien, Vitt., Lerchrnselderstr. 46.