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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-09 · 28 (9.7.1897) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 570 Dr. Vloch'K Wochrnptzrist. Nr. 26 treiben müssen; schafft eine Gesellschaftsordnung, in welcher der Mensch nicht nach dem Erfolge seiner egoistischen Bestrebungen geschätzt wird, und es wird für den Schachergeist kein Raum sein; der Jude, wie man ihn Marx dargestellt hat, findet dann keinen Boden mehr und muß verschwinden. Und nun lese man, bevor wir den furchtbaren Ernst dieses tragischen Jrrthums Hervorbrechen lassen, die folgenden Sätze aus Marx' Abhandlung zur Judenftage. Man wird daraus deutlich das Kind sprechen hören, welches am Tische eines getauften Juden in den diesem Milieu convenirenden Vorstellungen aufgepäppelt worden ist und von da aus gescheidt weiter gedacht hat. Das Mißverständniß in Bezug auf das Wesen des Judenthums wirkt gerade durch die geistesscharfe Ausdrucksweise eines Karl Marx grotesk, fast komisch. Oft sieht man den ihm überlieferten Judenpopanz auftauchen, so an folgenden Stellen: „Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott bestehen darf. Das Geld erniedrigt alle Götter der Menschen — und verwandelt sie in eine Waare. Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst constituirte Werth aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, di- Menschenwelt wie die Natur, ihres eigentümlichen Werthes beraubt. Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und das fremde Wesen beherrscht ihn und er betet es an. Der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden. Der Wechsel ist der wirkliche Gott des Juden. Sein Gott ist uur der illusorische Wechsel. Was in der jüdischen Religion abstract liegt, die Verachtung der Theorie, der Kunst, der Geschichte, des Menschen als Selbstzweck, das ist der wirkliche bewußte Standpunkt, die Tugend des Geldmenschen. Das Gattungsverhältniß selbst, das Verhältniß von Mann und Weib, wird zu einem Handelsgegenstand: das Weib wird verschachert (ein Schacher, wobei bekanntlich die verschachernden Eltern des „Weibes" sich halb zu verbluten pflegen. Anmerkung d. Vers.) Die chimärische Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmannes, überhaupt des Geldmenschen. Das grund- und bodenlose Gesetz des Juden ist nur die reägiöse Caricatur der grund- und bodenlosen Moralität und des Rechtes überhaupt, der nur formellen Riten, mit welchen sich die Welt des Eigennutzes umgibt. Auch hier ist das höchste Verhältniß des Menschen .. das Verhältniß zu Gesetzen, die ihm gelten, nicht weil sie die Gesetze seines eigenen Willens und Wesens sind, sondern weil sie herrschen und weil der Abfall von chnen gerächt wird. Der jüdische Jesuitismus, derselbe praktische Jesuitismus, den Bauer im Talmud nachweist, ist das Verhältniß der Welt des Eigennutzes zu den sie beherrschenden Gesetzen, deren schlaue Umgehung die Hauptkunst dieser Welt bildet (Marx hält den Talmud für eine Anweisung zur Umgehung weltlicher Gesetze! Anm d. Vers.) Das Judenthum konnte sich als Religion, es konnte sich theoretisch nicht weiter entwickeln, weil die Weltanschauung des praktischen Bedürfnisses ihrer Natur nach bornirt und in wenigen Zügen erschöpft ist. Die Religion des praktischen Bedürfnisses (z. B. des Bedürfnisses nach Fasten und besonders des „praktischen" Bedürfnisses, tagelang keinen Tisch zu finden, an dem man essen darf, mit dreierlei streng getrenntem Geschirr zu wirthschaften, am Samstag zu gehen, statt zu fahren, sich lebendigen Leibes verbrennen zu lassen und was dergleichen praktische Bedürfnisse noch sind. Anm d. Verf.) konnte ihrem Wesen nach die Vollendung nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis finden, eben weil ihre Wahrheit die Praxis ist. Nun aber findet Marx alles das, was ihm als ausschließlich jüdische Eigenart und Wesen des Judenthums aufgebunden worden war, mit gerechtem Staunen als beherrschendes Gesetz der christlichen Welt. Sehen wir zu, mit welchem Aufwand von Scharfsinn der 25jährige Marx sich darüber Rechenschaft zu geben sucht, statt einfach die ihm überlieferten gehässigen Vorstellungen vom Wesen des Judenthums in die Rumpelkammer zu werfen. „Das Judenthum erreicht feinen Höhepunkt mit der Vollendung der bürgerlichen Gesellschaft (!); aber die bürgerliche Gesellschaft vollendet sich erst in der christlichen Welt. Nur unter der Herrschaft des Christenthums, welches alle nationalen, natürlichen, sittlichen, theoretischen Verhältnisse dem Menschen äußerlich macht, konnte die bürgerliche Gesellschaft sich vollständig vom Staatsleben trennen, alle Gattungsbande des Menschen zerreißen, den Egoismus, das eigennützige Bedürfniß an die Stelle dieser Gattungsbande setzen, die Menschenwelt in eine Welt atomistischer, feindlich sich gegenüberstehender Individuen auflösen". „Das Christenthum ist aus dem Judenthum entsprungen; es hat sich.wieder in das Judenthum a u f g e l ö st. Der Christ war von vorneherein der theoretisirende Jude, der Jude ist daher der praktische Christ, und der praktische Christ ist wieder Jude geworden." „Das Christenthum ist der sublime Gedanke des Judenthums, das Judenthum ist die gemeine Nutzanwendung des Christenthums (!). aber diese Nutzanwendung konnte erst zu einer allgemeinen werden, nachdem das Christenthum als die fertige Religion die Selbstentfremdung des .Menschen von sich und der Natur theoretisch vollendet hatte. N u n er st konnte das Judenthum zur allgemein e n H e r r s ch a f t gelangen und den entäußerten Menschen, die entäußerte Nation zu veräußerlichen, verkäuflichen, der Knechtschaft des egoistischen Bedürfnisses, den Schacher verfallenen Gegenständen machen. Wem sich bei diesen Sätzen der Kopf nicht dreht, von dem fürchte ich fast, daß ihm das Drehungsobject fehlt oder schon verdreht ist. Unwillkürlich denke ich an die Worte Walckers*): „Marx' Theorie ist sozusagen eine Talmud- und Talmi-Nationalöconomie; der talmudische Geist seiner Rabbinervorsahren war auch in ihm sehr lebendig. In Franz Delitzsch's bekannter, 1891 erschienener Streitschrift gegen Rohlingsind Auszüge aus dem Talmud gegeben. Vergleicht man dieselben mit Marx' „Capital", so findet man eine überraschende Geistesverwandtschaft, um nicht zu sagen Geistesgleichheit". Noch mehr gilt dies von den Jugendschriften, in denen die ererbten Denkneigungen noch nicht durch Massenlecture beeinflußt sind. Und nun zu Marx' Lösung der Judenfrage: „W eil das reale Wesen des Juden in der bürgerlichen Gesellschaft sich allgemein verwirklicht hat, darum konnte die bürgerliche Gesellschaft den Juden nicht von der Unwirklichkeit seines religiösen Wesens überzeugen. . . Sobald es derGesellschaftgelingt, das empirische Wesen des Judenthums, den Schacher undseineVoraussetzungen aufzuheben, i st der Jude unmöglich geworden, weil sein Bewußtsein keinen Gegen st and mehr ha t." (Das adonai echod, für welches unsere Vorfahren gelebt haben, mit dem sie gestorben sind, ist also kein Gegenstand des jüdischen Bewußtseins. Anm. d. Verf.) Wie Karl Marx sein kommunistisches Manifest mit dem Donnerworte: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch" verhallen läßt, so f.cht er auch diese Abhandlung in einem Schlußsatz und Kraftspruch zusammen: „Die gesellschaftliche Emancipation des Juden ist die Emancipation derGesellschaft vom I u d e n t h u m!" *) Walcker, Karl Marx, Leipzig 1897, S. 15.

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