Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 25 (18.6.1897)
- Date
- 1897-06-18
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Seite 524 Vr. Vwch's Wochrnsltzrist Nr 35 die er dem Elend entgegengehen sah. Er hatte segensreiche, sorglose Arbeit erwartet, ein stilles, bescheidenes Leben, und nun war sein Kampf ein vergeblicher, es schien ein Fluch über diesem Orte zu ruhen. Nur bei seinem Kinde fand er Trost und neuen Muth; inmitten dieser Einöde blühte es empor wie eine jener Blumen, die sich in die Wüste verirren. Wohl lag eine stille Melancholie auf dem Gesichte des Mädchens, jene Melancholie, die draußen über der schweigsamen Ebene brütete und in den Liedern ihrer Einwohner tönte; allein früh schon erwachte in ihr die Lust am Sinnen, Beobachten und Denken; fragend richtete sie ihre großen Augen auf ihren Vater und er leitete sie durch die wirren Gehege seiner Gedanken und Studien, und mit gerötheten Wangen lauschte sie den Lehren des geliebten Vaters. Sie begriff Alles so leicht und rasch — die herbe Poesie der Bibel und die Rhythmen Friedrich Schiller's. Und das junge Mädchen wob sich eine Märchenwelt; mochte da draußen das Elend herrschen und der Tod, das einsame Kind ficht es nicht an, seine Träume waren goldig und rein. Nirgends ist ja die Natur so arm, daß sie der dürstendeu Seele Desjenigen, der sie zu verstehen sucht, nicht ein Stückchen ihrer Schönheit zu geben vermag. Und Leas Phantasie wob über die verfallenden Hütten des Dorfes, über die düstern Wälder und Sümpfe die goldigen Schleier ihrer kindlichen Phantasie; sie verstand die Stimme, die sie in der Einsamkeit vernahm. Tagsüber saß sie, mit einer Arbeit beschäftigt, die schlecht zu ihren zarten Händchen paßte, bei der blinden Großmama. Es war fast etwas wie Licht, das die erblindeten müden Augen der Greisin beim holden Geplauder des jungen Mädchens empfingen; und Licht ergoß sich in die Seele des jungen Wesens durch die schlichte Weisheit, die von den Lippen der Alten kam. Und so saßen sie tagsüber zusammen, die Greisin und das Mädchen, an den kurzen Wintertagen, wo Schnee und Wind leise ait das Fenster des einsamen Häuschens pochten, und es war, als säßen der Tod und das Leben zwischen ihnen mit segnenden Händen. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. B. I. In Verona leben etwa 1000 jüdische Seelen. II. Manin war jüdischer Abstammung. A. S—un. Dr. Lueger war es, der da sagte, ihm sei ein altes Weib lieber als ein Arzt. Greqorio hetzt also nur im Sinne seines Meisters. Dr. G. K. Im Sinne der jüdischen Religion wären die Stierkämpfe unmöglich. Die spanische Inquisition hatte aber ganz andere Sorgen, als derlei Unterhaltungen zu unterdrücken. Convertit Wien. Derlei Anfragen können in einem Redactions-Briefkasten nicht beantwortet werden. E. Müller, Jglau. Daß jüdische Religionslehrer sich weigern, bei jüdischen Kaufleuten und Gastwirthen ihre Einkäufe zu besorgen, notiren wir über Ihren Wunsch. David Ascher, Brauereibeamter. Ihr Offert kam zu spät. Herr S. Löwin, Wien. Sie haben Recht, den Namen Schopenhauer unter den jüdischen Culturkämpfern zu beanständen. Hier liegt offenbar ein Jrrthum unseres Correjpondenten vor, der uns selbst bei der Revision entgangen ist. M. B., Wie«. Gewiß, es ist ein sonderbarer Beweis von Bolksfreundlichkeit, wenn der antisemitische Gemeinderath den Preis für die Benützung des städtischen Bades verdoppelt. Ohnehin war ja der Preis so hoch, daß darunter die Frequenz des Bades litt. Offenbar wollen die antisemitischen Machthaber die ungewaschenen Elemente, auf die sie sich stützen, vermehren, oder das städtische Bad in eine Anstalt für Reinigung ihrer schmutzigen Wasche umwandeln. David Ascher» Groß-Opatowitz. »vaveenen!" wollen Sie nachstehend erklären: „Aus dem Umstande, daß unsere Glaubensgenossen in Böhmen nicht „dawenena sondern „oren“ sagen, ferner daß die Ausdrücke „bensehen« von „Benediction", „Psjet" und „Pijutim“ aus „Poeton“ entstanden, möchten Sie schließen, daß auch „dawenen“ aus den lateinischen Ursprung: ave, beziehungsweise de ave hindeuten könnten. Vierzehn Mal sagt der Vorbeter: Larneh atab n. s. w. — dem Sinn nach ave dominus — und ebenso oft preiset die Gemeinde mit: Baruch hu ubarnch sohemo und amen." Leop. H-r, Wien. Die Enthüllungen der „Llor. Orlice* sind recht erheiternd. „Also auch Du mein Sohn Brutus!" Auch Carl Hermann Wolf, der große Urteutone, kann seinen Stammbaum nicht auf die eichelfressenden Germanen zurückleiten. Sein Vater hieß „Wenzel Wolf" und sein Großvater nannte sich „Vojtech Vlcek". Am wenigsten Ursache, sich über diese kostbare Entdeckung zu freuen, hätte allerdings der Ritter Polonsky aus Sollenz in Galizien. Die Trias ist j nicht übel: Der Czeche Wolf, der Pole Vergani und der mit Schmuel Leeb Kohn untrennbar verbundene Schönerer als die Säulen des urdeutschen Racenantisemitismus. Dr. Emil Sch—l. Der edle Gregorig hat nach Vernunft und Wissenschaft nichts zu fragen, der Absatz seiner Hemdbrüste wird darunter nicht leiden, wenn er das Diphtherieserum als eine jüdische Erfindung und darum als einen Schwindel erklärt. Daß ihm aber sein antisemitischer College Dr. Räder entgegentrat, findet seine Begründung auch nicht in ethischen Motiven. Dr. Räder ist Arzt und muß auf die Erhaltung seiner wissenschaftlichen Reputation bedacht sein, weil ihm sonst die Patienten davonlaufen. Aufruf! 93. T. Seit jeher nahm der Jude das lebhafteste Interesse an den Jüngern der Wissenschaft, die an keine Race und an keinen Glauben gebunden ist. Es kamen andere Zeiten, nicht durch die Schuld der Juden, nein! Es wurde dies auf dem letzten Studententage eines Theiles der deutschen Studentenschaft unverhohlen proclamirt. Nur zu dem Zwecke, um den jüdischen Jünglingen den Aufenthalt an der Alma mater unmöglich zu machen, ihnen den Zugang zum Tempel der Wissenschaft, in dem sie kraft ihrer Menschen- und Staatsbürgerrechte den gleichen Platz beanspruchen dürfen, zu verrammeln, nur zu diesem Zwecke wurde die antisemitische Bewegung in die Studentenschaft getragen und der Racen- und Religionshaß geschürt. Nur Schritt für Schritt, erst zögernd, dann aber fest entschlossen, zog sich die jüdische Studentenschaft ans ihre eigenen Corporationen zurück, da ihr die Zugehörigkeit zur andern theils durch Gewalt und List versagt, theils unerträglich gemacht wurde. Es wurde ein Sammelpunkt der jüdischen Studentenschaft begründet, der Belehrung und Bildung, Unterstützung den Unbemittelten, Ermunterung und Aneiferung denen bringen sollte, die in dem großen Kampfe, den das Judenthum nicht für sich, sondern für die ganze Menschheit führt, zu erlahmen drohten. Es entstand die „Jüdische akademische Lesehall e". Seit zweieinhalb Jahren übt sie die übernommene Pflicht größtentheils durch eigene Kraft. Noch steht sie fest, noch. hat der jugendliche Muth ihre. Begründer nicht verlassen, doch ihre Kraft droht zu versagen, wenn ihr nicht bald Hilfe wird von denen, als deren Vorhut sie den ersten und wuchtigsten Anprall der Feinde aufzuhalten und zurückzuweisen hat. Es ist ja nur ein Geringes, was sie fordert im Verhältnisse zu dem, was sie leistet. Ein Jeder, der das muthige Ringen zu würdigen weiß, zu dem unsere Studentenschaft verurtheilt ist, während er selbst eine frohe, fröhliche Studienzeit erlebte, wird wenigstens das kleine Scherflein beitragen, welche der Jüdischen akademischen Lesehalle die nothwendigsten materiellen Mittel bringen soll, um auf dem Kampfplatze auszuharren und nicht zu unterliegen, bis bessere Tage kommen. Die Unterzeichneten wenden sich an Jeden, der Herz und Gefühl hat für unsere wackere Jugend; er thue seine Pflicht, wie die Jugend die ihre thut. Mitbürger und Gesinnungsgenossen! Treten sie zahlreich als Förderer der Jüdischen akademischen Lesehalle bei oder betheiligen sie sich, Jeder nach seinen Kräften, mit einem Scherflein zu deren Unterstützung. Förderer ist den Statuten gemäß Jeder, der mindestens einen jährlichen Beitrag von 5 fl. zu leisten sich verpflichtet, Beträge unter 5 fl. werden als Unterstützung dankend angenommen und quittirt. Gottlieb Bettelheim, Realitätenbesitzer; Lucian Brunner, Gemeinderath; Dr. S. Ehrmann, Universitätsdocent; S. Eisenberger Commercialrath; Dr. Jacob Engel, Hof- und Gerichtsadvocat; Max Fleischer, Architekt; Theodor Ritter von Goldschmidt, k. k. Baurath, Gemeinderath rc.; Dr. Josef Grünfeld, Universitätsdocent; S. Heit, Fabrikant und Ortsschulrath; I. Janowitzer, Fabrikant; Bernhard Jerusalem, Privatier; Dr. Leopold Königstein, Universitätsdocent; Alfred Elsinger, Fabrikant; Alois Pollak, k. k. Commercialrath; I. Robitschek, kais. Rath; Dr. Alfred Stern, Gemeinderath und Vice-Präsident der Cultusgemeinde; Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath, Gemeinderath rc. Das Local der Jüdischen akademischen Lesehalle befindet sich : Wien, IX., Porzellangasse 45, wohin auch Beitrittserklärungen zu richten sind. Herausgeber u. vercmtw. Redveteur: L». Josef «. «loch. — Druck v. L. Beck * Sohn, Wien, VIII., Lerchenselderstr. 46.