Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 25 (18.6.1897)
- Date
- 1897-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lr. 25. Dl°» BIOCll’S Jahrgang XIV. Centrslorgsn für die gefammtrn Interesten des Iudenthums. L. k. Poyspsrkassrn-Amt Clearingv erkrh r Nr. 810.976. Nrdartton und ZUdmdrtstrstton: Wien 11., Entert JBUßtnirnpragrl*. Telephon - Nr. 6335. m - - - - --* -1 . . . Wien. 18. Juni 1897. -—.>« h <■ «■<. - Erscheint jeden Freitag. - -H- —- Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegrarnm-Adreffe: Bloch^S Wochenschrift Wien. »=■=-■ -.- - BejugapCEtB für Srflrrrrich: jj Halbjährig 4 fl. — S Lr. I Einzelexemplare 3ü fr. >1 Für'» Lusland: halbjährig S fl. — 10 Lr. ganzjährig 10 — 20 „ Anzrig en: Die 4mal gespaltene >, Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Wieder eine „intercoilfessionelle" Anstalt. — Zum Kampf um das Staatsgrundgesetz. — Der Strvbach des Herrn Mittermayer. — Die Autodidacten der Schnorrerei. — Die Dienstbotenfrage bei den Inden. Zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in München. — Zur zionistischen Bewegung. — Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Zwei Interpellationen. Ein mißglückter Gewaltstreich. Arische Löhne. Blutgenuß in Deutschland. Die weiße Nelke. Antisemitismus in der Sattlerei. Jüdische Dankbarkeit. Jüdische Rache. Arische Justiz. Ein arischer Heirathsvermittler. Ein antisemitischer Arzt. Ueber die Mißhandlung eines Dienstmädchens durch einen Geistlichen. Die Anzahl der alten Hebräer. Christliche Stimmen über den Judenhaß. — Corres von de uzen: Men, Groß-Enzersdorf, Baden, Budapest, Graz, Jungbunzlau, Lemberg, London, Conflantinopel, Jaffa, Damaskus, Brisbane, New-Pork. — Vermischtes: Wien, Brünn, Groß-Meseritsch, Czernowitz, Podwoloezyska, Karlsbad, Protznitz, Amstetten, Wartburg, Amsterdam. Paris, Petersburg, Ramsgatto, San Franzisco, Tunis, Neu-Seeland. — Feuilleton: — Die bessere Welt. — Briefkasten. — Aufruf. — Inserate. Wieder eine „interkonfessionelle" Anstalt. Man kann dem Andenken einer edlen Wohlthäterin kaum ein würdigeres Denkmal errichten, als Baron Albert von Rothschild seiner verstorbenen Gattin Bettina durch die Erbauung des „Bettina-Pavillon" geschaffen hat. Der „Bettina- Pavillon" wurde auf der Area des Kaiserin Elisabeth-Spitals in Rudolfsheim in der Goldschlagstraße aufgeführt und ist zur Aufnahme schwerkranker Frauen bestimmt. Dieser Spitalbau, welcher mit seinen baulichen Ausstattungen den Anforderungen der Hygiene in geradezu idealer Weise entspricht, besteht aus einem zwei Stock hohen Mitteltracte und zwei mit demselben communicirenden, einen Stock hohen Seitentracten. Im Parterre sind zwölf Krankenzimmer mit einem Gesammtbelegraum von 30 Betten, ferner das Ambulatorium und Aerztezimmer untergebracht. Im ersten Stock befinden sich ein großer und ein kleiner Operationssaal, ein Sterilisirraum, Badezimmer, Theeküchen und 12 Zimmer, wie im Parterre, mit einem Belegraume von 30 Betten. Im zweiten Stockwerke errichtete man Laboratorien und die Wohnungen für das Wartepersonal, im Souterrain die Badeöfen, Magazine und den Verbrennofen. Vor einigen Tagen wurde der Pavillon sertiggestellt. Baron Albert v. Rothschild hat für den Bau und die Einrichtung und Erhaltung dieses Pavillons eine halbe Million Gulden gespendet. Im Stiegen Hause ist eine Votivtafel mit folgender Inschrift befestigt: . „Erb au^ und eingerichtet in den Jahren 1894 bis 1897 und fernerhin erhalten aus den Mitteln der von Albert Freiherrn von Rothschild in pietätvoller Erinnerung an den Wohlthätigkeitssinn seiner weiland G emalin Bettina v. Rothschild dem Wiener k. k. Krankenanstaltenfonds im Jahre 1894 gewidmeten „Bettina-Stiftung" zum Zwecke der Unterbringung einer Abtheilung für kranke Frauen ohne Unterschied der Nationalität und C o n f e s s i o n." Vor der Votivtafel wird eine Statuengruppe, die „Genesung" darstellend, errichtet werden. Dieser Spitalbau dürfte als Muster einer modernen Krankenanstalt gelten und würde in normalen Zeiten dem Spender reichlichen Dank und allgemeine Anerkennung verschaffen. Und doch scheint die Uebergabe respective die Eröffnung sang- und klanglos vor sich gegangen zu sein. Ob dieser Umstand der Bescheidenheit des munificenten Spenders oder den „zum Durchbruch gelangten" derzeitigen Anschauungen zuzuschreiben sei, wer kann dies ergründen! Schon hört man, gelinde gesagt, kritelnde Bemerk» ngen über das imposante und jedem Passanten oder Fahrgast der Westbahn in die Augen springende „vordringliche" Gebände. Glücklicherweise dürfte der Name „Bettina" und seine Zugehörigkeit nicht jedem Besitzer eines reichlichen antisemitischen Schimpf- Lexikons bekannt sein, so daß vielleicht Mancher derselben ohne jede beleidigende Aeußerung einen Blick auf den Pavillon werfen wird. Die Stiftung besteht für kranke Frauen „ohne Unterschied der Nationalität und Confession," ist durch einen unterirdischen Gang mit dem Kaiserin Elisabeth-Spital in Verbindung gebracht und wird wahrscheinlich unter Einer Verwaltung stehen. Es lohnt sich'für uns nunmehr, einen prüfenden Blick in das seit mehreren Jahren bestehende Elisabeth-Spital zu werfen. Dort fungiren nebst dem Director mehrere Primarärzte und ein der Anzahl der Spitalsabtheilungen entsprechender Stab von Assistenten und Hilfsärzten. Es ist nun auffallend, daß in diesen! modernen Spitale auch bezüglich der Auswahl der Hilfsürzte „ein moderner Zug" geht, da wir das Berzeichniß derselben j u d e n r e i n finden. Wie bekannt, fungiren unsere Glaubensgenossen in anderen kaiserlichen Spitälern vielfach als Hilfsärzte und werden ob ihrer Lernbegierde oder Hilfsbereitschaft von den Judengegnern nicht wenig angegriffen. Wie kommt es nun, daß die Juden den weiten Weg zur Westbahn oder Schmelz principiell meiden? Diese auffallende Thatsache findet ihre ErÜänmg in einer ganz m erkwürdige n Form von Boyc o ttiru ng, die wahrlich volles Anrecht auf ein Patent verdient. Jeder neugebackene jüdische Doctor wird nämlich nach seiner Anmeldung in der Spitals-Direction als Aspirant ohne Anstand ausgenommen und einer Abtheilung zugewiesen. Dort stellt er sich pflichtmäßig dem Primarärzte vor, aber auch collegial den anderen Aspiranten und Assistenten. Die jünger» Collegen nehmen den bei der Vorstellung bekanntgegebenen Namen des Ankömmlings submissest entgegen, ohne in üblicher Form den eigenen erwiderungsweise zu nennen. Von da ab hört jeder Verkehr vollständig auf, keinerlei Erwiderung eines Grußes,