Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 24 (11.6.1897)
- Date
- 1897-06-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 500 Vr. VLvch's Wochenschrift Nr 24 Literatur. Neu erscheinende Werke. Th. Zahn: „Einleitung in das Nene Testament", I. Band, Leipzig, A. Deichert (ca. 8'50 M.). Sellin: „Beiträge zur israelitischen und jüdischen Religionsgeschichte", II „Israels Güter und Ideale", Ebda (6 M). „Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche". Herausgegeben von Bonowetsch und Seeberg, Ebda. H. I. Bonowetsch: „D. Apokal. Abrahms". „Das Fest der 40 Märtyrer" (ca. 2 M.). Cb. Nestle: „Einführung in das griechische Neue Testament". Ebda (ca. 2'80 M.). Fritz Hammel: „Die altisraelitische Ueberlieferunz in inschristlicher Beleuchtung". 1897. (5'2O M.) R. Steinmetz: „Die zweite römische Gefangenschaft des Apostel Paulus. 1897. (3 60 M.) „Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte". Herausgegeben von der Kirchenväter-Commission der königl. preußischen Akademie der Wissenschaft. I. Band. Hippolyt's Werke: „Exegetische und homiletische Schriften". (20-50 M.) „Der Grabstein." Herr Dr. Adolf Kurrein veröffentlicht unter obigem Titel (I. Kaufmann, Frankfurt) eine recht lebendige geschriebene Abhandlung, in welcher er nach einer historischen Erörterung des Gegenstandes die folgende höchst beherzigenswerthe Anregung gibt, Jeder, der einen Grabstein zu errichten habe, wähle einen Stein höchstens für 100 fl. und widme den Rest der Förderung und Pflege der Wissenschaft des Judenthums. An Moses, unserem größten Lehrer und Propheten, führt der Verfasser aus, tritt es im lebendigen Beispiele zu Tage, daß unsterbliche Werke und Verdienste bessere und dauerndere Denkmale als leibliche Kinder sind und daß sie auch, unvergänglicher als Monumente aus Stein und Erz sind. Diese Idee kommt auch in der schönen Erzählung zum Ausdrucke, wonach dem Könige Hiskia nach seinem Tode auf seinem Grabe ein Lehrhaus errichtet wurde. Sein unwürdiger Sohn Manascheh hätte ihm ein schlechtes Denkmal gesetzt, aber das Lehrhaus, in welchem im Geiste Hiskia's, Wissenschaft und Gottesfurcht gepflegt wurde, war das schönste Monument für den frommen König. Die Studie enthält noch viele interessante Details und gipfelt in dein erwähnten praktischen Vorschläge. Der Herr Verfasser hat mit demselben aber auch ganz Recht, dem Judenthume wäre viel mehr genützt, wenn die Pietät sich nicht in der Errichtung kostbarer Grabsteine, sondern in der Förderung und Belebung der Wissenschaft manifestiren würde. „National und Religiös". Der Prediger zu Hamburg, Dr. D. Leimdörser, veröffentlicht (Hamburg, S. Fritz'scher Verlag) die Festpredigt, die er anläßlich der Feier des 100. Geburtstages Wilhelm I. hielt. Die von patriotischem und religiösem Geiste durchglühte Rede unterscheidet sich vortheilhaft von vielen Predigten, die sich höchstens anhören, aber kaum lesen lassen. „Zur Abwehr". Professor A. Fournier bietet (F. Tempsky, Wien) unter obigem Titel einen Nachtrag zu den „Oesterreichischen Geschichtslügen", in welchen eine heftige Recension über sein Buch „Napoleon I." enthalten ist. In dieser zuerst im Jahre 1890 erschienenen Recension, deren Verfasser- Baron Heifert war, wurde Fournier's patriotische Gesinnung in Zweifel gezogen. Fournier wehrte sich seinerzeit nicht erfolglos gegen diese Kritik, und es ist daher ganz begreiflich, daß er beim Wiederabdruck jener Kritik sich zu einem Wiederabdruck feiner fesselnd geschriebenen Abwehr veranlaßt findet. Fournier weist mit Recht darauf hin, daß der Historiker redlicher gegen sein Vaterland dient, der die Resultate seiner Forschung zur Geltung bringt und damit für die Gegenwart und Zukunft einen sicheren Maßstab dafür schaffen hilft, was zum Besten des Ganzen zu thun oder zu lassen sei. Er citirt da das Wort Ranke's: „Die Historie ist Gewissenssache". Das Lehr- und Crziehuugsinstitut zu Pfungstadt, das unter Aufficht der großherzoglich hessischen Regierung steht, hat sich bei seiner Begründung im Jahre 1857 die Aufgabe gestellt, die ihm anvertrauten Zöglinge (vom 9. bis 18. Lebensjahre) mit allen nothwendigen Kenntnissen für chren Lebensberuf auszustatten und sie zugleich zu glaubenstreuen Juden zu erziehen. Die Anstalt, die jetzt unter der Leitung des tüchtigen Directors Dr. Bar naß steht, kann bei ihrer Jubiläumsfeier mit Genugthunng auf die Erfolge ihrer 40jährigen Thätigkeit zurückblicken, die in einer zu diesem Anlaß erschienenen Festschrift skizzirt werden. Ein Leitfaden für Schule und Haus. Der Großherzogliche Rabbiner in Offenbach Dr.-I. Goldschmidt hat nach den Grundsätzen der Herbart-Ziller'schen „Interesse-Bildung" einen Leitfaden ausgearbeitet, wonach das Gebet-,,Uebersetzen" zugleich als Gebet-,,Unterricht" erscheint. Von der schätzbaren Arbeit ist das erste Heft (I. Kaufmann, Frankfurt) erschienen. (M. A. Günzburg.) D. Maggid, der ein Buch „Zur Geschichte und Genealogie der Günzbnrge" veröffentlichte, hat nun aus demselben einen Separatabdruck veranstaltet, der blos die mit liebevoller Genauigkeit entworfene Biographie M. A. Günzburg's 1795—1846 enthält. Der fesselnd geschriebenen Skizze, welche ein Bild der literarischen Thätigkeit Günzburg's entrollt, ist auch dessen Porträt beigefügt. Briefkasten. H. K., Wien. Woher das Geld kam, das an die Strikenden vertheilt wurde? Fragen Sic doch den Abgeordneten Mittermayer, er wird Ihnen gewiß daraus antworten: „G'stohlen hab'n wir's nicht!" Josef M—v., Wien. Die Erklärung des Abgeordneten Prochazka. daß die Vortheile des Strikes auch den jüdischen Bediensteten zu Gute kommen sollten, war blos ein tactisches Manöver. Man wollte verhindern, daß ein Theil der Bediensteten sich dem Strike nicht anschließe. Wäre die Sequestration durchgeführt worden, so hätte man vor Allem die jüdischen Conductenre an die Lust geletzt. Abonnent in Brünn. Es war einfach ein Ranbzug, der mißglückt ist. Noch herrscht aber nicht das antisemitische Faustrecht in Oesterreich. Goliath. Herr Mittermayer erklärte, um den Anstand sei es ihm nicht zu thun, wenn nur der Strike gut ausgehe. Das erinnert an das Sprichwort: „Stehlen ist erlaubt, nur darf man sich dabei nicht erwischen lassen!" David H—N Brody. Das war vor der Wahl. Nach der Wahl heißt es: „Behelligen Sie mich nicht!" Emil Weiner, Wien. Mit dem Trinkgeld an die Tramway- Condncteure mag es Jeder nach seinem Ermessen halten. Dem Dr. Lueger wird freilich nicht viel daran liegen, wenn die armen Conducteure einen Theil ihres Verdienstes einbüßen. I. Steinitz N. Palanka: Besten Dank für Ihre Liebenswürdigkeit. I. Sch., Wallischkirchen: Auf die Uebersetzung steht uns kein Einfluß zu. S. Friedmann, Znaim; Sie stellen an uns das Ersuchen, falls der Abgeordnete Trachtenberg eine Extraausgabe seiner Parlamentsreden veranstalten würde, Ihnen ein Exemplar derselben zu besorgen. Mit diesem Verlangen müssen Sie sich an Herrn Josef Funkenstein, Vice-Bürgermeister inKolomea, 'wenden. Prag: Der Katholische Waisenhilfsverein unterstützt unseres Wissens keine jüdischen Waisen. L. Krammer, Budweis: Wir bedauern sehr, Ihre Angelegenheit vorläufig nicht in die Oeffentlichkeit tragen zu dürfen. Erklärung. Da in letzter Zeit eine Agitation gegen mich eingeleitet wurde, dahingehend, P. T. Gäste israelitischer Confession von meinem Etablissement ferne zu halten, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich jeglicher antisemitischen Strömung ferne stehe, und muß ich alle gegentheilige Ausstreuungen als böswillige Erfindung bezeichnen. Josef Hanslik, Besitzer des Etablissement „Waldmühle" in Marienbad. Concurs. Bei der israelitischen Cultusgemeinde in Mähr. - Weisskirchen ist die Stelle eines I. Cantors und hebräischen Lehrers der nöthigenfalls auch den „Schocbet“ vertreten muss, zu besetzen. Gehalt je nach Uebereinkommen und Befähigung, Bewerber um diesen Posten, weJche das 40. Lebensjahr nicht Überschritten haben, wollen ihre eigenhändig geschriebenen Gesuche mit Nachweis über Staatsangehörigkeit, Alter, Familienstand und pädagogische Befähigung, sowie den Nachweis über die bisherige Thätigkeit bis längstens 15. Juli I. J. bei dem Gefertigten einbringen. Zeugnisse sind nur in Abschrift beizuschliessen und werden nicht retoumirt. Reisespesen werden blos dem Acceptirten vergütet. Mähr.-Weisskirchen, im Juni 1897. Der Cultusvorsteher: Salomon Ehrlich. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck sc Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 4fi.