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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-11 · 24 (11.6.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
24 (11.6.1897)
Date
1897-06-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 24 Dr Vloch's Zvottrenschrifr Seite 495 allem Geistreicheln abholde Lehrer". Geiger, „der consequente Reformer" — sie feien dahin. „Und wie wird man einst über mich urtheilen? Zu seinem lebhaften Schmerze habe sich sein und Lazarus' .Wunsch nicht erfüllt: Mediciner und Juristen seien fast während der ganzen Zeit fern geblieben. Indem er auf den Wandel der Zeiten hinwies — früher „lernte" man noch, früher ließen die Reichen die Werke der Gelehrten drucken — bittet er zum Schluß das Curatorinm, auch in Zukunft treu zu sein; denn die Thätigkeit eines Vereines stählt und erhält, wo der Staat bureaukratifch befiehlt und freieres Regen erdrückt. Hierauf sprach Herr Dr. Ho chfeld, Rabbiner in Frankfurt a. O., namens der früheren und jetzigen Schüler den Lehrern seinen Dank aus. Für den Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde übermittelte Herr Justizrath Meyer dessen Glückwünsche. Interessant in seinen Ausführungen war besonders die Mittheilnng, daß man wohl bald daran werde gehen müssen, der Neuregelung des jüdischen Religionsunterrichtes durch die Gründung eines Instituts zur Ausbildung von Religionslehrern Rechnung zu tragen. Nachdem Herr Sanitätsrath Dr. Neumann nochmals darauf hingewiesen, daß die Lehranstalt vollkommen unabhängig auch in Zukunft sein müsse, und die Anwesenden an den biblischen Spruch gemahnt: „Ihr habt gehört; nun handelt.'", schloß mit dem Gesänge des Lewandowski'schen Atoh Chonen le-odom Daas die Feier. Am Abende vereinigte ein Fest-Commers die Schüler der Anstalt mit ihren Lehrern und Freunden. Oran. Unseren letzten Mittheilungen können wir noch Einiges hinzufügen. Wirklich erfreulich ist es, daß die Justiz schnell eingegriffen hat und schon die ersten Verhandlungen gegen die Plünderer und Excedenten stattgefunden haben. Bisher sind hier 19 verurtheilt worden zu Strafen von 5 Tagen bis 3 Monat Gefängniß. Außerdem werden 7 von ihnen, die Ausländer sind, ausgewiesen werden, sobald sie ihre Strafe verbüßt haben. Die Anklagen gegen die arabischen Plünderer sind noch nicht zur Verhandlung gelangt, werden jedoch auch demnächst Vorkommen. Trotzdem haben auf dem Lande die Excesse bis in die letzten Tage fortgedauert und das Militär hat wiederholt entschreiten müssen, so in Ain el Arba, Saint Divis du Sig, Samt Anne rc. In Bosquet und Ain Tedeles haben die Angreifer die Weinberge der dortigen jüdischen Bauern zerstört, in Ain Temouchent die Synagoge geplündert und die Thorarollen zerstört und in Mercier Lacombe haben sie sogar Bomben in ein Hans geworfen, in dem 50 Juden versammelt waren. Glücklicherweise ist nur ein junges Mädchen bei der Explosion verwundet worden. Man darf sich über solche Dinge nicht verwundern, wenn man erfährt, daß den Arabern eingeredet wurde, die Regierung habe für die Tödtnng eines )eden Juden dem Mörder eine Summe von 10.000 Francs ansgesetzt. Die Regierung trägt in der That auch viel Schuld, daß solche Gerüchte Glauben finden konnten, wäre sie immer den antisemitischen Verhetzungen kräftig entgegengetreten und hätte nicht, wie es geschehen ist, mit den jndenfeindlicheu Stadtbehörden geliebängelt, so wären solche Ausschreitungen, wie die gegenwärtigen, nicht vorgekommen. — Von dem Oberrabbiner Zadok Kahn sind die ersten 10.000 Frcs. eingetroffen, welche zur Bertheilung an die Opfer der Excesse bestimmt sind. Soeben trifft die Nachricht ein, das Hamman Bon Hadjar, Er Bahil, Rio Salada, Ain el Arba von anfständischen Arabern belagert sind und Militär aufgeboten wird gegen dieselben, das ist beinahe Kriegszustand. Der Präfect des Departements Oran hat in einem Rundschreiben erklärt, daß die Ruhestörungen von Landesfremden herrührten, nicht von fanatischen Marokkanern, wie gesagt worden war, sondern von eingewanderten Europäern, die dem Islam fern stehen, aber von antisemitischer Leidenschaft beseelt sind. Dazu schreibt die „N a t. - Z t g." vom 29. Mai: „Man geht jedoch kaum irre mit der Nermuthnng, daß die arabische Prosa des Präfecten von Oran unter beu Zelten der Wüste weniger Eindruck macht, als die Aufreizungen der Marabuts, welche aus Marokko hinüberkommen, einzeln und schaarenweise die Dörfer durchziehen und den heiligen Krieg zur Wiederausrichtung des Islams predigen. Sie stützen sich dabei auf die Siege Edhem-Paschas und finden darin Beweise genug für die Deutung, daß dies der richtige Augenblick sei, um das Joch der Christen, die von dem Beherrscheraller Gläubigen in Europa niedergeworfen worden sind, in Afrika abzuschütteln und den Islam kn seine alte Machtstellung rinzusetzen. Diese Propaganda ist übrigens nicht neu. Reisende, die nicht bloße Vergnügungsausflüge nach Nordafrika gemacht haben, wie die berühmten „parlamentarischen Karawanen", denen die Beduinen mit ihren Pferden glänzende Fantasias vortanzten, aber nichts von ihrem Denken und Wollen anvertrallten, haben schon seit Jahren darüber berichtet und vor dem tiefen Eindruck gewarnt, den das Predigen und Weissagen der Marabuts aus die mohamedanischeu Uutenhanen Frankreichs in der Wüste und in den Duars, wenn nicht in den verkehrsreichen Städten macht. Es sind auch zu verschiedenen Malen Verordnungen gegen das Verweilen der marokkanischen Heiligen auf algerischem Gebiet getroffen worden, aber sichtlich ohne großen Erfolg weil es als Grundsatz g-9, die religiösen llebernu:ungen der Einheimischen nicht zu verletzerr und diese frei gewähren zu lassen, so lauge die Reliaionsübungen oder was unter dieser Rubrik geht, nicht in auffälliger Weise gegen das Gesetz verstoßen. So konnten die Marabuts sich mehren, ihre Thätigkeit vervielsütligen, Brüderschaften gründen, und nur die Nachricht von den Siegen des Sultans hin das Signa! zur Auflehnung Tausenden zugleich g^ben. In Oran, Moslagauem, Siddi-bel-Abbes lind anderen Ortschaften brach der Sturm allerdings gegen die Jude,' los, nachdem einige Juden, wie es heißt, sich an Äusflüglern aus Oran vergriffen hatten, allein in anderen Ortschaften überfielen die Archer nächtlicher Weile christliche Ansiedler, welche Mühe hatten, sich ihrer zu erwehren, Hab und Gut zu schützen, zu dessen Erbeutung die Angreifer Stricke und Sauinthiere mitgebracht hatten. Da die Antisemiten ihrer Gewohnheit gemäß, wenn es sich um llnruhen in der r.ordafrikaiiischen Colonie handelt, den Rus anstimmen: „Nieder mit dem Decret Cremienx, welches aus den algcr scheu Juden französische Bürger gemacht hat!" so wird auch jetzt wieder in einem Theil der französischen und algerischen Presse, wo die „Libre Parole" einige Verbindungen bat, die Frage erörtert, ob es möglich wäre, dieses Decret von 1870 aufzuheben. Außer Drumont und fernen Parteigenossen glaubt aber Niemand ernstlich an die Zulässigkeit einer solchen Maßregel, welche allerdings einigen Ueb-'lsiänden steuern, daneben aber zahlreiche Interessen verleben würde und als ein Rückschritt Frankreichs auf der Bahn der Civilisatioii angesehen werden müßte. Dessenungeachtet werden einige der algerischen Abgeordneten, darunter auch ein Socialist. uicl.t müde, das Decret Ciämieux als die Wurzel aller Nebel in Algerien hinzustellen und aus eine parlamentarische Aciion gegen dasselbe hinzuwirken, ind>m sie behaupten. die Araber würden zur Ruhe kommen, sobald die Israeliten nicht mehr eine bevorzugte Stellung neben und über ihnen einnähmen. Um das Falsche dieser Auffassung zu zeigen, läßt der Abgeordnete Joici Reinach, Schwiegersohn des vielgenannten Barons Jacques de Reinach. Briese veröffentlichen, welche er aus Konstantinopel und aus Algerien über die Umtriebe der Fanatiker des Islams erhalten ha», und aus denen deutlich hervorgeht, daß die Judennage. wenn sie für die Mohammedaner überhaupt existitt, nur nebensächlich ist. In einem die'er Briefe, dessen Beriasser eine amtliche Stellung in Konstantinopel bekleiden soll, beißt es, der r e l i g i ö s e F a n a t i s m n s s e i g e g e n alle europäischen M ä ch t e g e s ch ü r t worden, „P reuß e n" allein ausgenommen, weil die den Marabuts gehorchenden Brüderschaften das Volk belehren. „der König von Preußen sei der einzige christliche Monarch, den es lieben dürfe, da weder er selbst noch seine Vorfahren dem Islam je unmittelbar geschadet hätten London, 29. Mai. Ich ersuche höflichst um Ausnahme folgender Zeilen: Herr Dr. Herzl sagte jüngst in Brünn: „Es ist selbstverständlich, daß jetzt, wo der Zionismus eine größere Gestalt anznnehmen beginnt, die Leute, die zuerst zu lachen, dann zu schweigen versuchten, zu reden ausangen. Sie haben damit ihr eigenes Ansehen gefährdet, und was sie versuchten, gereicht dem Gefühle der Zusammengehörigkeit, das ja die Juden trotz aller Meinungsoerschiedenheiten empfinden sollten, nicht gerade zur Ehre. Sie tviffen, daß in den Kämpfen, welche die Zionisten zu führen haben, derzeit ein theologischer im Vordergründe steh!. Da möchte ich Sie schon jetzt aus einen interessante n B ries aufmerksam machen, welcher von dem Vater des gegenwärtigen Londoner Chief- Rabbi Adler herrührt, welch Letzterer sich zuerst ans der Kanzel gegen den Zionismus aussprach. Ter Brief ist ein unschätzbares Docnment für den Zionismus. Es ist darin Alles zugegeben, was wir sagen." Dieser Brief ist in hebräischer Sprache geschrieben, billigt aus ganzem Herzen die Colonisatiou Palästinas, „Jischnb Erez isroel", nicht aber den Judenst a a t." __ Der Aufruf des hiesigen jüdischen Siechen- Hauses hat ein erfreuliches Resultat ergeben. Von dein geforderten Betrage (400.000 Mark) sind auf den ersten Anlauf 350.000 Mark bereits gezeichnet worden. Mit Hilfe dieser erweiterten Mittel soll ein neues Hans für 50 Insassen errichtet werden. — Es dürste Ihre Leser interessiren, daß die hiesige „Gesellschaft zur Verbreitung des C h r i st e n t h u m s unter d e n I u d e n", deren Thätigkeit kürzlich in Ihrem Blatte von unterrichteter Seite gebührend gezeichnet wurde, darüber klagt, daß ihr nicht genügende Fonds zur Verfügung stehen. Dabei beträgt das

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