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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-11 · 24 (11.6.1897) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
24 (11.6.1897)
Date
1897-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bt, 24. Or. Bloch's Jahrgang XIY. Crntralorgän für die gefammten Interesten des Iudenthums. «- A. ft. PostsparftErn-Amt Elr«ringVerkehr Ar. 810.976. Ardsrtion und Administration: Wien 1 >.. JTtilrn KugsitrnprsHi I« Talephon - Nr. 6535. Wien. 11. Juni 1897. Erscheint jeden Freitag. -i.- Brief-Adresse: Wien, L, HauHIPostarnt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. Verugnvrri» für Orsterrrtch: Halbjährig 4 fl. — S Ar. Einzelexemplare 2» kr. LSr'» Auslandhalbjährig » fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen- Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 lr. Inhalt: Leiiartikel: Der siegreiche Strikesührer. — Nationaljudenthum. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Zur Lage in Gilizien. Advocaten-Versammlnng. Christlich-fociale Börsenjobber. Verhaftung eines aniisemitischen Firmerchess. Ein christlichsocialer Advocat. Antisemitischer Judenhaß. Hamburg. Capitän Dreyjus. Ein jüdischer Mitbürger. Ein wackerer Gendarm. Zur Synagogenfrage in Prag. Ein geheimnißooller Fund. — Association und Organisation. — Zur Geschichte der Juden in Sicilieu. Neue Erfahrungen auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur. — Correspondenzen: W-en, Berlin, London, Washington, New-Aork, Little Rock Arkansas. — Vermischtes: Wien. Graz. RoLnau, Pilsen, Groß-Enzersdorf, Lemberg. Köln, Hamburg, Bukarest. Paris. Brüsiel, London Haag, Stockholm, Petersburg. Constantinopel, Johannesburg. — Feuilleton: Mein einziger Cylinderhut. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der Wiener siegreiche Sirikeführer. Der Wiener Tramway-Strike war ein Werk der christlichsocialen Partei. In den Versammlungen der Tramway-Bediensteten, die vor Pfingsten stattfanden, erschien Dr. Lueger und reckte drohend seine Faust gegen die Tramway-Gesellschaft, indem er zugleich die Bediensteten seines Schutzes versicherte; die christlich-socialen Abgeordneten A x m a n n, Bieloblawek und der saubere Wittermayer waren die Führer des Ausstandes. Und als durch die Nachgiebigkeit der Gesellschaft der Strike beendet war, wurden die gewährten Concessioneu als ein Erfolg der christlich-socialen Partei hiuausposaunt. Es sind wahre Triumphgesänge, welche die antisemitischen Blätter anstimmen. Aber diejenigen, die es unmittelbar angeht, die Kutscher, die Conducteure und Stallwärter sind unzufrieden, denn man hat ihnen ganz andere Dinge versprochen, als sie erreicht hatte». Man hatte ihnen in Aussicht gestellt, daß die Commune die Sequestration aussprechen und daß sie Alle Angestellte der Gemeinde Wien werden würden. Dahin zielten auch die Absichten des Dr. Lueger, die Bediensteten waren nur das Kanonenfutter in dem Kriege, den der Bürgermeister mit der Tramway- Gesellschaft zu führen und bei welchem er das ganze Tramway - netz als Kriegsentschädigung zu fordern gedachte. Ob durch die Verstadtlichung der Tramway die Bediensteten ihr Los verbessern würden, mag dahingestellt bleiben. Die Lohnarbeiter der Commune Wien, die Diurnisten des Magistrates, die Lagerhausarbeiter, die Straßenkehrer, wissen davon ein Lied zu singen. Trotzdem verkünden heute die antisemitischen Organe, daß das sociale Heil nur von den Christlich-Socialen komme, daß für alle Lohnarbeiter das goldene Zeitalter anbreche, wenn sie sich von den bösen Socialdemokraten lossagen und sich den Christlich-Socialen anschließen wollen. Die Botschaft flammt hinaus in Stadt und Land, wie ein neues Evangelium, und wir wünschen aufrichtig, daß sie ihre Wirkung thue. Der Parteihaß macht uns nicht blind gegen die Bürden, und Lasten der Menschheit. Hunderttausende, Millionen seufzen nach der Erlösung aus harter Sclaverei. Die Arbeiter der Commune, die Bediensteten der großen Staatsbetriebe, der staatlichen und privaten Eisenbahnen, der Bergwerke, das Heer der landwirthschaftlichen Hilfsarbeiter — sie Alle sind viel, viel schlechter daran als die Kutscher und Conducteure der Wiener Tramway-Gesellschaft. Sie Alle mögen kommen und sich an die christlich-fociale Partei wenden, es wird ihnen zweifellos geholfen werden. Dr. Lueger wird keine Rücksicht darauf nehmen, daß er als Bürgermeister der Stadt Wien das Gleichgewicht im communalen Haushalte zu wahren hat, er wird auch rücksichtslos gegen den Eisenbahnminister des Grafen Badeni auftreten, er wird nicht daran denken, daß sich die Nordbahnactien in den Händen hochgestellter Persönlichkeiten befinden, er wird nicht auf die Interessen der Grafen L a r i s ch und W i l c z e k und nicht auf den Vortheil der großen Latifundienbesitzer, des Fürsten Liechtenstein, des Fürsten Schwarzenberg, des Prager und Olmützer Domcapitels, der reichen Stifte und Klöster bedacht sein. Nein, er wird nur das Wohl der armen, ansgebeuteten Arbeiter im Auge haben, wenn auch die Ausbeuter selbst Anhänger, Förderer und Freunde der christlich-socialen Partei sind. Der Tagschreiber, der 1 fl. 30 kr. pro Tag bekommt, der Grubenarbeiter, der für einen Hungerlohn stiindlich sein Leben aufs Spiel setzt, der Knecht, der auf herrschaftlichem Gute für 34 kr. täglich frohndet — sie mögen nur kommen, für sie Alle wird er der Retter und Erlöser sein! Denn die christlich-sociale Partei ist eine edle, hochherzige, menschenfreundliche Partei und sie ivird den Ausgleich der irdischen Güter durchführen, ohne nach der Gunst der Starken und Mächtigen zu fragen. Ist es nicht so, Herr Dr. Lueger? Sie werden auf Ihrem Bürgermeistergehalt verzichten und Ihr fürstlicher Freund Liechtenstein wird seine goldene Fürstenkrone umschmelzen lassen in klingender Münze und damit die Armen und Bedürftigen betheilen. Herr G e ß m a n n wird nicht mehr von öffentlichen Geldern leben und der Schuster Pummerer, der für seine Wahldienste mit der Stelle des ersten Rathsdieners belohnt wurde, wird sich die silbernen Treffen vom Leibe reißen

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