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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-04-16 · 16 (16.4.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
16 (16.4.1897)
Date
1897-04-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Vloch's Wochrnfchr^fl Seite -»35 „Schenket Ihr ein, Eure Sehnen sind stärker als die weinigen!" Und nun waren sie bei dein Märchen vom Lamm angelangt, das für zwei Sons gekauft wurde, in welchem alle Verfolger Israels angeführt werden, bis sie die Hand des rächenden Gottes erreicht, und als die letzten Worte ausgesprochen waren, hörte man das Stampfen schwerer Tritte und mit einem Krach fiel die Thür zersplittert ans den Angeln. Hagar begrub ihr Gesicht tu den Händen und die beiden Männer starrten wilden Blickes die Kommenden an. Und diese sprangen drohend ins Zimmer, mit verwirrtem Haar, die Schasfellmützen auf dem Kopfe. Es waren Muschiks — Bauern —, alle drei, sie waren aufgefordert worden, an dem Aufruhr theilznnehmen, und eine Judenhetze ist dem Muschik immer eine köstliche Unterhaltung. Aber was sie auch immer beabsichtigten, kaum wareit sie eingetreten, als sie stehen blieben itnd, ein oder zwei Schritte zurücktretend, einen langen, zögernden Blick auf Avrvmelya warfen. Einen Augenblick lang herrschte Tvdesstille im Gemach; aber dann sahen die Eindringlinge einer den anderen an und brachen in ein Lachen ans, das klang, als ob sie sich durch einen Schatten hatten erschrecken lassen und sich nun selbst wegen ihrer Thorheit auslachten. „Hast Dil nicht den gleichen Gedanken gehabt, Karot?", fragte der Erste. Dein Gedanke war : Wir haben ihn erst vor einem Augenblick verlassen und nun steht er uns gegenüber." „Hüte Dich, Stephan!", sagte der andere. „Geh' nicht zu nahe; es könnte der Teufel sein. Nichts ist unmöglich bei diesem verfluchten Jndenvolk, es ist kein Grund vorhanden, warum der Teufel sie nicht besuchen und warum der Teufel nicht wie ein Polizeicommissär anssehen sollte. Aber wir werden bald sehen." Und er breitete die Arme kreuzweise aus. während die Anderen dasselbe thaten, und schritt gerade aus Avromelya zu, der nicht wußte, was das bedeuten sollte. „Er hat standgehalten," sagte Stephan „und deshalb kamt er nicht der Böse sein, und wir haben uns umsonst bekreuzt. Wäre es nicht recht und billig, daß jedesmal, wenn man das Zeichen des Kreuzes macht, ein Jude tobt hinfalle?" Dann wandte er sich zu denen am Tische und fuhr fort: „Was steht Ihr da und gafft, Ihr gottesmörderischen Ketzer? Warum dankt Ihr nicht d.r Vorsehung, daß sie Euch drei gläubige Christen geschickt hat, um Euere bösen Zanbersprüche zu vereiteln und so Euere Qualen in der Hölle zu vermindern?" Und auf den Tisch zuschreitend, warf er einen Blick auf die Speisen. „Seht nur die Vorbereitungen, die sie für ihre verehrten Gäste gemacht haben," höhnte er, „und das zum Danke für die frohen Nachrichten, die wir bringen — mögen sie nie bessere hören bis zu ihrem Todestage. Ich will mein Abendessen einnehmen, während wir auf den Commissionär warten!" Und niit einem Schlag stieß er Hagar vom Sessel und setzte sich an ihren Platz. Die beiden anderen Bauern sahen zu und lachten über die Possen Stephans. „Nein, ich will nicht von Euren Speisen essen, es könnte Gift darin sein oder wenigstens Menschenblut. Das hier ist ehrliche Christennahrung." Und er zog aus seinem Rucksack einen Laib Gerstenbrot und eine Schnitte Schweinefleisch hervor und legte beides ans die Schüssel. Als Hagar das sah, rang sie die Hände über die Befleckung, und Nechemya knirschte in seiner Ohnmacht mit den Zähnen. Und während Stephan aß, kamen Karol und der Andere näher, und Karol nahm eines von den ungesäuerten Brvden und als er hineinbiß, verzog er den Mund und spuckte den Bissen aus. „Und das freßt Ihr, Ihr Köter?", rief er. „Gebackene Sägespäne, die zu salzen Ihr zu geizig gewesen seid! Arme Geschöpfe! Sag Stephan, wäre es nicht wahre Barmherzigkeit, ihnen etwas von diesem ausgezeichneten Ruzzawanabrot zu geben, damit ihnen nicht bei ihrer Selbstkasteiung ihre Seelen' entschwinden?" _ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. S. Glaser, Skala. Auf Beantwortung von derlei Anfragen können mir uns nicht einlaffen. I. D. Die Redacnon der „Wochenschrift" ist nicht in dcr Lage, mit Stellenvermittlungen sich abzugeben. S. Gütig. Jederzeit willkommen. I. H. Flieger, Brody. Wir können den Herrn seit vielen Jahren und viel genauer als Sle. M. Steiner» Ottakring. Dag der Antisemit Anton Krehlik bei einem jüdischen Industriellen auskömmliche Beschäftigung findet, ist keine vereinzelte Erscheinung. L. B. Mittermayer macht Schule. Nur glauben die Guten, daß die Sache nicht schlecht ausgehen könne, wenn man sich — Juden als Opfer aussucht. Arthur D. Lueger hat im Leben so oft seine Ueberzeugung gewechselt, daß er eine ganze Mnstercollection davon haben muß. B. G. Sie haben Recht. Ein Wachmann, der ruh'g Zeuge solcherBorgänge ist, müßte mit Schimpf und Schande davongejagtwerden. D. S. In dem Wörterbuche Lueger's fehlt jetzt, wie er sagte, das Wort „Haß". Früher enthielt es nur dieses eine Wort. A. Das war ein offenbarer Jrrthum, den sich jeder Leser selbst corrigirt. Es sollte nicht „ernannt", sondern „gewählt^ heißen. V. H. Der Unterschied ist einfach der: Es gibt viele Jüdinnen, die der Antisemitismus zur Kirche trieb. Aber es gibt nur eine ei nzigeedle Frau, die, wieNahidaRemy, durch den A u t i i e m i t i s m u s aus d e r K i r ch e in die S v n a g o g e g e f ü h r t w u r d e. W. R. 30. Der betreffende Abgeordnete ist getauft. K. Sie haben Recht. Die Juden sollten principiell kein Gasthaus und kein Kasfeehaus besuche», in welchent ein Hetzblatt wie der „Kikeriki" aufliegt. M. 30. Ein Schächter, dessen Hand zittert, muß seine Function ein stellen. M. Taussig, Aew-Z)ork. Herzlichen Dank für das Werk und die Beilage. Wir vermissen den angekündigten schriftlichen Bericht über den Verlauf der Feier. Wir bitten auch um die versprochenen Vereins^ „Gesetze". Abonnent, Nachod. Ihre Mittheilung über die antisemitische Agitation des Senffabnkanten Josef Jenke können wir blos mit voller Namensfertiguna des Einsenders publiciren. David Schutzmann in S. D. Der betreffende Buchhändler ist Mitglied der iscaelltischen Cultnsgemeinde. Concuxs. In der israelitischen Cnltusgeineinde zn Essek-Oberstadt gelangt die seit dem Ableben unseres langjährigen Seelsorgers, Dr. Samuel Spitzer a. A. verwaiste Stelle des Oberrabbiners mit 1. September 1897 zur Besetzung. , Mit dieser Stelle ist ein fixer Jahresgehalt von 1500 fl. ö. W. nebst 500 fl. ö. W. als Quartiergeld verbunden. Ausserdem bezieht der Oberrabbiner das von der h. Landesregierung und von der königl. Freistadt Essek festgesetzte Honorar für den Religions-Unterricht an de« Mittelschulen, dann die Matrikel- und Stolagebühren in den Gemeinden Essek-Oberstadt und in den derselben affiliirten Landgemeinden. Die Herren Bewerber wollen ihre mit dem Nachweise über Alter, Familienstand, bisherige Wirksamkeit, ferner mit. dem Maturitätszeugnisse, dem Doctordiplome und dem Abgangs-Zeugnisse eines Rabbinerseminars belegten Offerte bis spätestens 20. Mai 1. J. bei dem gefertigten Vorstande überreichen. Kenntniss der croatischen oder einer slavischen Sprache begründet den Anspruch auf Bevorzugung, jedenfalls muss sich der Herr Bewerber verpflichten, im Falle seiner Anstellung die croatische Sprache innerhalb zweier Jahre zu erlernen. Den zu Probevorträgen Berufenen werden die Reisespesen, dem Acceptirtea auch die Uebersiedlungskosten vergütet. Der Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde zu Essek - Oberstadt, den 31. März 1897. Der Secretär : Der Vorsteher: N. Schwarz m. p. Dr. Spitzer m p. Kundmachung. Der gefertigte Cultusvorstand bringt hiemit zur Kenntniss, dass auf Grund des F 97 des Statutes der israelitischen Cnltusgemeinde Wien die Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Cultusgemeinde und sämmtliche unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für 1896 vom heutigen Tage ao durch 14 Tage im Secretariate I, Seitenstettengasse 1, 2. Stock zur Einsicht der Gemeindemitglieder aufliegen. Die Gemeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist ihre Erinnerungen schriftlich einzubringen. Die öffentliche Vorstandssitzung zur Erledigung der Rechnungsabschlüsse wird auf Mittwoch den 28. April 1897, Abends 6 Uhr (Sitzungssaal der Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse 4) anberanmt. Wien, am 13. April 1897. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde.

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