Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 15 (9.4.1897)
- Date
- 1897-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 15 Dr. Bloch’s Jahrgang XIV. Cenkrslvrgan Kr die gesammten Interessen des Iudrnthums. K. ft. Poftsp««slstn-Amr Llraringverkrhr Nr. 810.976. Nrd«Non und Administration: »irn ., *■ wirre Xnuauu.lualii: i* { Telephon-Nr. 6535. -— -- Wien, 9. April 1897. *>■* 'K i Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse; Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. «- »rrogMprri» für SrstrrvEcft: Halbjährig < fl. — S Kr. Einzelexemplare HS kr. Für'» Jbuimb: halb^thrig » fl. --- laKr. ganzjährig lü „ 30 „ Kn {eigen: Die 4mal gespaltete Pelitzeile 19 kr. 1 Inhalt: Seitaxtifel: Die „Kerntruppen der Reaktion". — „Hoch Mittermayer!" — Der alte Meidinger im Parlament. — Bürgermeister Dr. Lueger. — Nahida Ruth Lazarus. — Der confessionelle Eid.— Vom Jahrmarkt des Lebens: Baden- Mödling. „Eine Flankenbewegung nach Rechts". Dr. Roschmann, der Abgeordnete für Sereth, Radautz, Suczawa. Zionnten- Congreß. Alphonse Daudet und Theodor Herzl. Lob Kraus oder Kräusche. Mittermayer — marsch! Vergani— marsch! Nicht gelebt und doch gestorben! Die sociale Weisheit des Alten Testaments. — Juden als Bodenbeurbeiter. — Correspondenzen: Wien, Agram, RoLnau, Carlsbad, Prag, Königinhof, Hohenelbe, Lemberg, Krakau, Stanislau, Brunn. Neusatz, Crajova, Breslau.— Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Prag, Brüx, Troppau, Krakau, Holleschau, Croat.-Kreutz, Uug.-Brod, Gießen' Dresden, Paris. — Feuilleton: Jüdische Sagen und Alterthümer in Preßburg. — Literatur. — Brieskastm. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Jtbonnenfen um rechtzeitige Zinsendung der taufenden tAbonnemenfsgebühr, damit die Zusendung des J3laftes keine Unterbrechung erleide. Die „Kerntruppen der Reartion". Zwischen unserer vorigen und heutigen Nummer liegt eine Ministerkrise. Das Cabinet Badeni hat seine Demission überreicht, weil der Ministerpräsident, wie er wiederholt erklärte, nur mit einer solchen Majorität regieren wollte, in welcher auch die Liberalen vertreten seien. Die Krise ist überraschend gekommen, aber noch überraschender ist ihr Ausgang. Es ist nämlich dem Grafen Badeni die Bildung einer festen Majorität mit Ausschluß der Clericalen und unter Theilnahme der Liberalen nicht gelungen, es hat sich vielmehr gegen seinen Willen eine czechisch-polnisch-clericale Majorität gebildet, welche den Ministerpräsidenten in ihr Schlepptau nehmen will. Und trotzdem verbleibt Graf Badeni im Amte. Er folgt damit einem kaiserlichen Aufträge, der in einem überaus huldvollen Allerhöchsten Handschreiben ertheilt wird und in welchem es heißt: „Ich nehme diese Demission nicht an, da ich Gewicht darauf lege, daß eine von Mir gewählte Regierung, unbeirrt durch zeitweilige Parteischwierigkeiten, ihre Thätigkeit ausschließlich durch das allgemeine staatliche Interesse bestimmen lasse." Diese Stelle des kaiserlichen Handschreibens ist von höchstem Interesse. Graf Badeni hatte demissionirt, weil er nicht mit der Katholischen Volkspartei pactiren wollte. Und nun, da die Clericalen ihn zwingen wollen, ihren Willen zu respectiren, setzt die Krone mit der äußersten Bestimmtheit ihren Willen jenem der vereinigten Reactionäre entgegen. Nicht ein einseitiges Partei-Interesse, sondern das allgemeine staatliche Interesse soll bestimmend sein für die Thätigkeit der Regierung, und der Kaiser spricht es mit aller Schürfe und Klarheit aus, daß über das Verbleiben eines von ihm erwählten Ministeriums nicht das Mißtrauen wandelbarer Parteigruppirungen, sondern sein eigenes Vertrauen entscheide. Noch niemals ist von der höchsten Stelle eine Kundgebung von solcher Energie in Form und Gedanken erfolgt. Es liegt eine entschiedene Zurückweisung in dem Handschreiben des Kaisers, eine Zurückweisung jener Parteien, welche das „allgemeine staatliche Interesse" ihren einseitigen Parteibestrebungen hintansetzen. Ueberblickt man den Verlauf der jüngsten Krise, dann ist es vor Allem die Haltung des Polenclubs, welche im höchsten Maße überrascht. Man hätte erwarten sollen, daß der Polenclub die verläßlichste Stütze des Grafen Badeni sein und sich ihm zur Durchführung seiner Absichten in Bezug auf die Majoritätsbildung unbedingt zur Verfügung stellen werde. Aber seltsamer Weise steht der Polenclub an der Spitze jener reactionären Coalition, welche die Pläne des Ministerpräsidenten zu durchkreuzen sucht. Es ist eine Auflehnung der polnischen Schlachta gegen das „allgemeine staatliche Interesse", es ist eine Palastrevolution gegen jenen Mann, der von der Schlachta emporgehoben worden ist und als Vertrauensmann der Krone seinen Ursprung so weit vergaß, nicht nur den Interessen des galizischen Adels., sondern auch jenen der Gesammtmonarchie dienen zu wollen. Das ist das Geheimniß der Krise. Wie der Polenclub den Grafen Taaffe stürzte, weil er die Wahlreform machen wollte, so sucht er den Grafen B a d e n i zu stürzen, weil er die Wahlreform gemacht. Gerade deshalb, weil der Ministerpräsident eine Majorität mit den extrem - clericalen Elementen ablehnte, hat Herr v. I a w o r s k i sich beeilt, auf eigene Faust eine Majorität mit diesen Elementen zu