Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 12 Vr. Vloch's Wochrnfttzrift. Seite 355 nate lang! Aber den Preis erringt keine der eitlen Putzsüchtigeu, sondern das anspruchslose, bescheidene jücische Waisenkind, von deni man allerdings damals keinen Taufschein verlangte.... Nachdem so der König das zerstörte Familienglück wieder gefunden, suchen ruchlose Häilde ihn meilchlings zu ermorden. Allein das Complvt wird entdeckt, der König ist gerettet und der Retter war — der Jude Mordechai!*) Hat der König diesen treuen Mann belohnt? ihm seine Sicherheit anvertraut? O nein! Mit einer kleinen Notiz in der Reichschronik ist die Rettung des Königs, das Verdienst des Juden, abgethan. Die Gunst des Königs erwirbt sich der eitle, aufgeblasene Haman, der, zum Ministerpräsidenten erhoben, ganz dem Größenwahn verfällt; wie vor einem Gott muß sich Jeder vor ihm hinwerfen! Und als der Retter des Königs, nicht aus Trotz, sondern aus Frömmigkeit, diesen Götzendienst nicht mitmachen will — da wird der Herr Ministerpräsident Antisemit! Alle Juden müssen vernichtet werden, von Klein bis Groß, au eine m Tage! Aber dieser Tag darf nicht der erste beste sein, Haman ist auch abergläubisch — den Tag muß ihm das Los bestimmen! Der König, welcher einem Juden das Leben, und einer Jüdin sein Eheglück verdankt, gibt dem Verleumder freie Hand, mit dem Judenvolke zu thun, was ihm beliebt — so ist die Vernichtung der Juden besiegelt. Aber der Retter des Königs wird auch der Retter seines eigenen Volkes. Bon ihm anfgefvrdert, begibt sich seine Pflegetochter, die Königin Esther, zum König und verursacht ihm durch ihr sonderbares Benehmen eine schlaflose Nacht. Sie setzt ihr Leben aufs Spiel — denn ungerufen konnte in Persien auch die Königin durch den Besuch beim König dem Tode verfallen — um ihn und den eitlen Haman zweimal hintereinander zu eitlem Gelage zu laden! Was hat denn dieses Weib? Will sie mich mit meinem Günstling betrügen? Da gab es eine qualvolle, schlaflose Nacht. Die Reichschronik wird verlesen, um die Zeit todt zu schlagen, und einem ganzen Volke wird dadurch das Leben wiedergegeben! Der König mußte zu seinem Erstaunen erfahren, daß der Jude Mordechai anstatt den Tod, eigentlich eine hohe Auszeichnung verdient hätte! Und diese Auszeichnung wird bestimmt und ausgeführt durch Haman in höchst eigener Person! O, was gab es da für eine Straßensceue: Se. Excellenz der Herr Ministerpräsident zu Fuß führt durch die Straßen der Residenz den königlich gekleideten, hoch zu Roß sitzenden „Inden" Mordechai, überall die Worte rufend: Also geschieht dem Mann, welchen der König ehren will! Ja, die schlaflose Nacht hat Wunder gewirkt: sie hat dem König die Augen geöffnet, daß er klar sehen konnte, wer seine treuen Unterthanen und wer sein Lebensretter sei. Sie hat ihn von seiner Verblendung geheilt und er erkannte jetzt die wahre Gestalt feinet Lieblings, der nichts weiter war, als ein eitler, herzloser Geck und ein elender Verleumder! O, nleine lieben Glaubensbrüder! Wir müssen auch unseren Machthabern — der Monarch scheidet im constitutionellen Staate aus — also den Machthabern müssen wir nicht eine, sondern viele, viele schlaflose Nächte verursachen, vielleicht konimen sie auch noch dahinter, daß wir Juden ehrliche, verdienstvolle Bürger des Staates und unsere Feinde eben nichts als eitle, herzlose Gecken und perfide Verleumder sind! Wodurch aber die schlaflosen Nächte verursachen? Holet die Antwort bei den — Socialdemokraten! Briefkasten. Mahnrufer, Mo de Janeiro. Abonnementsbetrag erhalten. 8, H. Die Bemerkungen tn unserer vorwöchentlichen Nummer über die hochachtbare Firma „H e r m a n n P o l l a ck's Söhn e" sind nur einem Lapsus zuzuschreiben; es lag eine Verwechslung mit der Firma „Leopold Pollak & Co." vor, die kurz und bündig die Axmann-Pollak's genannt werden könnten. EG. (Wottiz.) I. Urgiren Sie das Gesuch. Diese hochherzige Dame kennt solche Unterschiede nicht. II. Senden Sie uns immerhin Ihre Mittheilungen. 9t. W. Es ist notorisch, daß die Conducteure der Wiener Tramway-Gesellschaft antisemitisch stimmten. Sie werden jetzt gewiß auch Trinkgelder der Juden verschmähen. Dr. L. G. Prinz Liechtenstein agitirte auch dann noch für den famosen M i t t e r m a y e r, als dessen eigenhändig ge¬ *) Ich halte die Aussprache, trotz Septuaginta, für die allein masoretisch richtige, da das Kamez kein Metheg, und das Daleth ein Dagesch hat. schriebenes Risconto-Geständniß in der „Arbeiter-Zeitung" abgedruckt war. Arthur G. Wenn Steiner den „staatsklugen" Strobach rühmt, dann werde» wohl manche Staatsmänner von einer Strobach- Klugheit erfüllt sein. M. 9t. Die aufreizende Sprache Lueger's steigt, wie Sie ganz richtig bemerken, von Tag zu Tag. »Hmjsraricns«. Das Wort von den „unsauberen Händen unsauberer Gesellen" hat doch getroffen. 95. H. Die Partei der Vergani und Mittermayer verträgt schon solche Kleinigkeiten. A. H. V e r h o v a y, der wegen einiger Unterschlagungen das Mandat verlor, muß mit stillem Neid auf Wien blicken. R. in Wien. Die Chefs der Firma „Hermann Pollack's Söhne", welche in der Wiener israelitischen Cultusgemeinde eine hervorragende Stellung einnehmen, stehen zum Axmann-Pollak in keinerlei verwandtschaftlicher Beziehung. 4. Die Geschichte von der ererbten Billa bei einer andern Gelegenheit. E. S. in P. Daß der Jude Josef Weiner in Mölk a/D. durch Jahre hindurch in den unverschämtesten Antisemitenblättern inserirt, brauchen wir nicht erst zu rügen, das lichtet sich von selbst. Mayerowicz in Lodz. Die Blätter werden regelmäßig von uns abgesendet. W. Fischer, Znaim. Diese Anfrage dürfte Ihnen jeder Rabbiner beantworten. Hugo Mauthner, Wien. Bei der Trauung erhält die Braut vom Bräutigam einen Trauring, als Symbol, daß sie als Gattin dem Manne geheiligt ist. Ein Ringwechsel findet nicht statt. I. P. Ihre Bemerkungen, betreffend die Juden in Böhmen, sind wohl zutreffend, in der „Oesterreichischen Wochenschrift" bereits wiederholt. E. I. Ungeeignet. Dr. S. M. Grün in Wie«. Wir erachten es nicht für ersprießlich, diese Discuffion derzeit fortzusetzen. Wien, den 12. März 1897. Löbliche Redaction der O e st e r r e i ch i s ch e n Wochenschrift! Die in Ihrer letzten Nummer vom 12. d. unter Briefkasten gebrachte Notiz „Die Firma Hermann Pollack's Söhne gehört getauften Juden, die seit Langen! mit den Antisemiten Verbandelt find," beruht auf einem Jrrthum, da weder die Inhaber der Firma Hermann P o l l a ck's Söhne getauft, noch mit den Antisemiten verbandelt sind. Das geht schon daraus hervor, daß die Chefs, und zwar Herr Leopold Pollack die Ehre hat, Präsident des Bezirks-Collegiums der inneren Stadt der israelitischen Cultusgemeinde und Herr Bernhard P o l l a ck Mitglied des Vvrstalldes der Alliance israelite zu sein. Hochachtungsvoll Hermann P o l l a ck's Söhne. Eingrsendet. Die Herren Dr. Saul Rafael Landau und stuck, phil. Michael Berkowicz beabsichtigen in nächster Zeit ein Verzeichniß sämmtlicher in den verschiedenen Sprachen erschienenen Werke, betreffend die Colonisation des heiligen Landes herauszugeben. Alle, welche sich im Besitze solcher Werke befinden, würde»: dieses nützliche Unternehmen fördern, wenn sie hievon Herrn Berkowicz (unter der Adresse des Vereines Zion in Wien, U., R e m b r a n d t st r a ß e R r. 11) verständigen wollten. Neubidschow, 12. März. (Q s f e n e r B r i e f an den löblichen Vor st and der israelitischen C u l lusgemein de zu Neubidschow.) Löblicher Vorstand! Sie werden schon entschuldigen, wenn wir uns die Frecheit nehmen, Sie im Namen vieler Mitglieder unserer Gemeinde öffentlich zu int-rpelliren. In der letzten Borstandssitzung haben Sie den Beschluß gefaßt, Rabbiner und Cantor abzuschaffen und einen Mann „im Sinne des Gesetzes" für billiges Geld anzustellen, der alle Aemter und Würden in einer Person vereinigen soll. Zunächst ist es uns auffallend, daß dieser Antrag nicht auf dem Programm der Vorstandssitzung stand. Ist denn die Abschaffung des Rabbinats und Cantorats für das Bestehen und Gedeihen einer Gemeinde so nebensächlich und unbedeutend, daß man den Ausschußmitgliedern nicht einmal Zeit ließ, sich dieses reichlich zu überlegen, und diesen „freien" Antrag gleich zur Abstimmung brachte! Sie haben in jener Sitzung diesen „freien Antrag" dadurch zu begründen gesucht, indem Sie sich auf die Armuth und auf die mißliche finanzielle Lage unserer Gemeinde berufen haben. Sie werden schon entschuldigen, wenn wir uns erlauben, Ihnen Folgendes vorzuhalten : Zunächst kann doch von einer Armuth und traurigen finanziellen