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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-05 · 10 (5.3.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 216 Dr. Vlortz's Wochenschrift Nr. 10 gestauter oder gefrorener Speisereste; es war nicht mehr zu constatiren „woher sie kamen der Fahrt, und wie ihr Nam' und Art." In einem Winkel lag ein Haufe abgegriffener, zerrissener Gebetbücher, daneben eine Kiste verstaubter, nicht zusammengehöriger Stiefel in deren Schäften sich eine üppige Mäuse-Colonie angesiedelt hat, und endlich eine Schichte von der Gemeinde gratis beigestellter Holzbündel. Jtzigel heizt aber nicht, er läßt auch das Holz verfaulen. Vor dem Bette stand Jtzigel unbeweglich wie eine Schildwache. Dieses Bett ist selbst die horizontale Armuth; über einen schmutzigen Strohsack ist ein geflickter Karbonari-Mantel gebreitet, sonst nichts, kein Kissen, kein Tuch, kein Linnen. Und doch hütet Jtzigel diesen Thalamos wie seinen Augapfel; kein Zweifel, „da liegen seine Reiche", seine Schätze, der armselige Strohsack birgt seinen Nibelungenhort. Tisch und Stuhl oder eine Bank hat der Mann niemals besessen, und auf meine Frage, worauf er sitze, wenn er studiere, antwortete er ruhig: „Stuf dem Trühle"; es ist das die Kiste mit den Stiefeln. Und auf diesem „Trühle" sitzt Jtzigel, der Greis mit den pechschwarzen Haaren und den rothen Backen eines Jünglings, seit einem halben Jahrhundert, den Talmudfolianten auf den Knieen, und. stunt und grübelt mit der Harmlosigkeit eines Kindes über metaphysische Probleme und die Abgründe der Kabbala, und er erhebt sich nur, wenn er zu einem Minjan gerufen wird in die Synagoge oder zu einem Kaddisch auf den Friedhof. Von Sedan und Bismarck hat er keine Ahnung; die Weltgeschichte ist für ihn stehen geblieben bei der Zerstörung von Jerusalem und dem babylonischen Exil, und auf dieses schmettert er allein noch die tieftraurigen „Kinnes" hinaus in wundersamen Tenor — Jtzigel ist ein vortrefflicher Sänger. Ob Jtzigel jemals geliebt hat? Ich habe ihn darum gegefragt, und Jtzigel hat gefächelt. Die Armuth ist kein Hinderniß und der Talmud auch nicht. Zu einem Roman hat er es vielleicht gebracht, aber nicht bis zu Weib und Kind — Jtzigel steht allein in der Welt, „verlassen, verlassen wie der Stein auf der Gassen". Jtzigel ist freiwillig im Ghetto verblieben, geistig und körperlich; er hat nie eine Reise gemacht nach dem nächsten Dorfe oder in den Urwald der deutschen Literatur. Nur einmal in der Woche schleicht er des Abends heimlich nach der Christenstadt und drückt sich dort in einen Laden, der einen kaiserlichen dldler im Schilde führt und die Aufschrift: K. k. Lotto-Collcctur. Jtzigel spielt und in seinem morschen Strohsacke verwahrt er eine Unzahl alter verfallener Risconti. Hinc illaelacrimae! Literatur. „Wiener Rundschau. (Herausgeber Rudolf Strauß. Redaction und Administration: Wien, VIII/1, Georgsgasse 4.) Das achte Heft dieser modernen literarischen Zeitschrift bringt psychologische Skizzen von Maria Janitschek, Pierre V 6 b e r, Rudolf Strauß, lyrische Beiträge von Eugen G u g l i a, M. E. deüe Grazie, Ren6 Maria Rilke, sowie einen interessanten Aufsatz Prof. Giuseppe Fi am i ng o's über „Das nächste Conclave". Außerdem finden wir essayistische Arbeiten von dem berühmten französischen Romancier und Mystiker Sar Josephin Peladan über Fälicien Rvps, von Franz Servaes über „Das neueste Colossalgemälde Lesser Ury's, von Dr. Carl du Prel über Somnambulismus, ferner eine höchst amüsante Plauderei des bekannten Verfassers der „Demolirten Literatur" Karl Kraus. Den Schluß bilden eingehende Theater-, Kunst- und Buchbesprechungen. „Der Tochter Zions Liebe und Leben." Unter diesem Titel veröffentlichte Frau Esther C a r l e b a ch in Lübek ein Büchlein, das nach Chamisso's „Frauenliebe und Leben" bearbeitet, den Beruf der wahren Jüdin schilderte. Ein wahrhaft poetisches Gemüth, gepaart mit frommen Sinn spricht aus den Gedichten, welche die Verfasserin ihrer Tochter zum Hochzeitstage widmet. Diesem Beispiel dürsten wohl viele Mütter folgen. Vrrefkasten. L. N. Die Forderung, dieser Antisemiten - Häuptling solle nicht lügen und verleumden, ist mit dem Wunsche identisch, er möge sich einen Maulkorb anlegen lassen. Arthur H. Bergan! ruft pathetisch aus: „Endlichl* Wir werden ja hören, was er im Gerichtssaale zu sagen hat. B. H. Die Immunität eines Landtags-Abgeordneten besteht mit während der Landtags-Session. A—g. Einzelne Theile sind bereits übersetzt. e. Die Mittheilung des deutschen Blattes, daß Schubert einen hebräischen Text componirte, war in der „Oe. W." bereits von Herrn Obercantor Singer veröffentlicht. Wenn das die Antisemiten gewußt hätten, wäre vielleicht die Schubertfeier vereitelt worden.?? Vielleicht wird diese Angelegenheit bald spruchreif. H. B. Der Einfall, diese Herren nur die „Ohrenzeugen" zu nennen, ist etwas sonderbar. H. B. Ob V e r g a n i auch die Anklageschrift seines Advocaten selbst abgeschrieben hat, wissen wir nicht. B. Goldhagen» Waszkoutz. Das Buch „Nezach Israel“ erhalten Sie in der Buchhandlung Ch. D. Lippe, Wien, II., Praterstraße 13. L. W. Es scheint uns ein großes Mißverständniß vorzuwalten. Wir würden Ihnen empfehlen, Mittwoch zwischen 3 und 5 Uhr in der israelitischen Gemeindekanzlei bei dem derzeit dort anwesenden Mitgliede des Präsidiums nähere Aufklärung einzuholen. Leopold Frankfurter, Wien. Ihre Beschwerde ist nicht ungerechtfertigt, doch eignet sie sich nicht in der heutigen Zeit zur Publication durch die Presse. Wenden Sie sich direct an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Lese- und Geselligkeits - Club Suczawa. Es fehlt die Unterschrift. Bertha G. in S. Sie haben Unrecht: Es ist so, wie wir geschrieben. Ignaz Stößel in Bisenz. Im Winter 1864 gab es einen Schaltmouat Weadar. A. L. Eiwanowitz. Wir haben noch keinen Bericht zurückgewiesen. M. Reisner, Rabbiner, Böhmen. Für solche Zwecke gibt cs Vereine genug und bedarf es keines öffentlichen Aufrufes. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Steinherz, Stuhlweißenburg. Die Auflätze erscheinen auch im Separatabdruck. Verfasser ist Dr. M. Friedländer. Rabbiner L. in I. Die gewünschte Adresse ist uns unbekannt. 8. Steinbach’s Weinhandlung, Eisenstadt, Ungarn versendet vom 5. bis 25. März Ungar. Weine nea bv tod (auf Wunsch mit Hechscher des Herrn Oberrabbiners Akiba Schreiber) in vorzügliche! Qualität in Gebinden von 25 bis 30 Liter angefangen gegen Nachnahme, und zwar: Weiss- und Rothweine zu 32, 40, 45, 50 kr. Ausbruche zu 48, 55, 65, 80 „ per Liter excl. Gebinde ab Eisenstadt. Die Fässer werden innerhalb 3 Monaten zum berechneten Preise franco zurük- _genommen._ Otto Cohn’sehe Stiftung für mittellose jüdische Realschüler. Die Zinsen obiger .Stiftung im Betrage von ö. W. fl. 210. — gelangen in gleichen Theilen am 30. Mai d. J. an drei würdige, fleissige, jüdische Realschüler zur Verleihung. Die Bewerber haben die mit dem Geburtsscheine, dem Nachweise ihrer Mittellosigkeit, dem letzten Studienzeugnisse und mit der Angabe, ob dieselben im Genüsse eines Stipendiums stehen, eventuell in weichem Betrage, versehenen Gesuche bis längstens 3l. März d. J. im Einreichungs- Protokoll der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse4, 1. Stock, einzubringen, woselbst Gesuchsblanquette währei d der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu haben sind. Un jeune homme tr6s distingud possedant ä lond le fransais habitue ä l’enseignement desirerait donner des lecons de langue et conversation. Fr. H. prösentera des references tres sdrieuses. Prißre de s’adresser R. T. no 12 Poste restante. Oeffentlicher Dank. Der Vorstand des „Ferienheim“ stattet hiermit seine Dankesschuld ab, indem er dem Executiv-Comitö der Akademie-Veransta.tung des 5. Jänner 1897, insbesondere dem Herrn Obmann Theodor Ritter von Goldschmidt, k. k. Baurath und Gemeinderath der Stadt Wien, dem Herrn Obmann-Stell Vertreter, Herrn Kammerrath N.Schefftel, dem Herrn Schriftführer, Stadt-BaumeisterE. Melcher und dem Herrn Cassier, Apotheker Benno Rothziegei, für ihre aufopferungsvolle Thätigkeit, für die mit so viel Liebenswürdigkeit und Takt geleiteten Sitzungen seinen wärmsten, tiefgefühlten Dank ausspricht. Was wir anders nicht lohnen können, lohnte der glänzende materielle Erfolg des Abends, dem Hunderte von Kindern Erholung und Gesundung danken werden. Wien, im März 1897. Der Vorstand des Vereines „Ferienheim“. iGMAJNUEL ISRAEL Schuhmacher Wien,!l/3, Untere Augartenstrasse la MF"* erzeugt alle Arten Schuhwaaren in vorzügl. Qualität. "MM Specialist für Fussleidende. Grosse Auswahl selbsterzeugter Schuhwaaren stets am Lager. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef G. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien. VUL, Lerche^felderstr 46.

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