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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-03-05 · 10 (5.3.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
10 (5.3.1897)
Date
1897-03-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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mmmm BBB Seite 214 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 10 aufgebahrlen L-iche inscenirten Choral und estiein von den Rabbinen Dr. T a u b e r in Prerau und Dr. W o! s s o h n in Lomnitz gehaltenen Nekrolog. Die im Programme vorgesehene Rede des Rabbiners Dr. T r e i m a n n in Holleschau mußte wegen Kürze der Zeit unterbleiben. Vom Tempel bewegte sich der Leicheuzug unter Vorantntt der Schüler der deutschen Realschule, an welcher der Verstorbene als Religionslchrer wirkte, und den Schülern der israelitischen Volksschule. Dem Sarge folgten die Trauerzäste, die Gemeinde- und Cultusvertrelung, die Vorstände und Mitglieder sämmtlicher Cultusvereine und die ganze große Gemeinde. Allgemeine Rührung ries es hervor, als in der Leichenhalle der gramgebeugte Sohn des Dahingeschiedenen, Dr. Josef Hoff, seinem Vater einen Nekrolog hielt, der auf die Versammlung die tiefste nachhaltigste Wirkung ausüble. Namens der Cultusgemeinde sprach Dr. Gustav Zweig am offenen Grabe Worte der Anerkennung für die langjährige Seelsorgethätigkeit des Verewigten, während der greise Rabbiner Dr. Eisler aus Eiwauowitz in rührender Weise dem Collegen einige Worte des Abschiedes widmete. Zum Schluffe executirlen die Realschüler einen Grabgesang. Uug.-Brod, 1. März. In der gestrigen Generalversammlung des Literaturvereines „Chorebh", wurde Herr Bezirksschulrath Leopold Singer zum Obmannstellvertreter mit Acclamation gewählt, nachdem der bisherige Obmannstellvertreter, Herr Dr. Med. N e u f e l d vor einigen Tagen von der Generalversammlung des Bikur Cholimvereines mit Stimmeneinhelligkeit in gleicher Eigenschaft gewählt wurde. Der Literaturverein „Chorebh" erfreut sich großer Sympathie nicht blos hiesiger, sondern auch fremder Kreise. Untern Anderen zählt zu dessen Mitgliedern auch der rühmlichst bekannte Herr Albert Löw ans Budapest. Derselbe unterstützt unseren Verein seit mehreren Jahren durch Jahresbeiträge und Schenkung von wissenschaftlichen Büchern! Seinem uns in Aussicht bestellten Bortrag über die Vergangenheit unserer Gemeinde sehen wir mit Sehnsucht entgegen. Berlin. Der Kaiser hat dem außerordentlichen Professor in der medicinischen Facultät der Universität zu Berlin, Geheimen Medicinal-Rath Dr. H i r s ch b e r g, den Rothen Adler-Orden IV. Claffe verliehen. — Der Maler Max L i e b e r m a n n hat das Ritterkreuz des italienischen St. Mauritius- und Lazarus- Ordens erhalten. Nom, im Februar. Hohe Militärs jüdischen Glaubens sind in unserem Lande keine Seltenheit. Unsere Rangliste führt folgende jüdische Namen auf: General O t t o l e n g h i, Commandant von Turin, der die militärische Erziehung des Kronprinzen geleitet hat, die Obersten Segre, de Benedetti, Director der Artillerie, L a t t e s, S a n g u i n e t t i int Kriegsministerium, die Oberstlieutenants Jona, Donato und Artom, Flügeladjutant des Königs. Feuilleton. Simson der Gibor. Dokumente aus dem Nachlasse meiner Großmutter. Nach ihren Daten und inneren Zusammenhang geordnet und vervollständigt.) Bon Heinrich Hammer. (Fortsitzung.) Der Verfasser behält sich alle Rechte vor. Und hier der nächste Brief aus den Documenten meiner Großmutter. Es ist dies eine Art Empfehlungsschreiben, aus hebräisch „Melizebrief" genannt, das die Gemeindevorsteher vou Warschau der Frau Rösel Kohn und ihrem Sohne ausfolgten. Es lautet: Gelobt sei Gott! ii An die Friedfertigen, Frommgläubigen Israels! I Unser Volk der ganzen Diaspora, in alleir Stätten ihres Exils! i Wir entbieten Euch Frieden, brüderlichen Gruß und den Segen des Herrn, für Euch und Euere Nachkommen, in alle Ewigkeit.i! Die Vorzeiger dieses Briefes, die Frau Rösel Kohn und ihren Sohn Joel, empfehlen wir Euerer besonderen Barmherzigkeit und Wohlthun. Sie sind, Gott sei es geklagt, beide mit solchen Gebrechen behaftet, vor denen der Ewige jedes Mitglied unseres Glaubens behüten möge. Die Frau ist leider auf beiden Augen vollständig blind, so daß sie das Licht nicht sehen kann und ihr Sohn der ist taubstumm, daß er weder zu hören noch zu sprechen im Stande ist. Die Frau ist es in Folge eines ihr tviderfahrenen Unglücks geworden; ihr Mann nämlich, Herr Simson Kohn, Arzt in unserer Gemeinde, hat sie vor einundzwanzig Jahren verlassen, weil sie im Verdachte stand, daß sie von einem Fremden, sei es Juden oder Andersgläubigen, Erwachsenen oder Unmündigen, durch Gewalt oder Ueberredung, sträflich berührt lvorden ist. Jir der Sache wurde viel verhandelt, doch nichts Sicheres erwiesen und genannte Frau Rösel betheuert seit jener Zeit bis zur Stunde ihre Unschuld, sie hat sich wegen des falschen Verdachtes und darüber, daß ihr Mann sie verlassen, die Augen blind geweint. Ihr Sohn Joel aber, der dreiviertel Jahr nach jenem Vorfälle zur Welt kam, wurde mit seinem Gebrechen geboren, und hörte er weder, noch sprach er je ein Wort. Sie verständigen sich, indem sie einander auf die Handfläche das Mitzutheilende in Buchstaben aufschreiben, welche genannte Frau Rösel ihrem Sohne gelehrt, als sie noch ihr Augenlicht hatte, und welche Zeichen sie nur durch das Gefühl wahrnimmt. Um also dem Stummen etwas begreiflich zu machen, muß man es der blinden Frau sagen, die es ihm dann mittelst Zeichens auf seine Handfläche mittheilt und auch seine Antwort auf demselben Wege erhält und mittheilt. Sie besaßen einst ein großes Vermögen, das die Frau von ihrem Vater G. H. i. s., der ein ehrsamer Kaufmann unserer Gemeinde war, geerbt; aber Schicksalsschläge und die Hand des Ewigen zerstörte ihr Heim und vernichtete ihre Habe, so daß sie durch böse Zufälle zugrunde ging. Als nun Joel zweiundzwanzig Jahre alt wurde, da sagte er zu seiner Mutter durch die Zeichen, mittelst welcher sie sich zu verständigeir pflegen: Du siehst, daß in der Heimat wir nichts mehr zn suchen haben, daß für uns keine Hoffnung mehr vorhanden ist. Laß uns also in die Welt gehen, mildthätige Menschen werden uns unser Leben fristen helfen und vielleicht steht uns Gott bei, daß cs uns gelingt, Dir den Mann wieder und mir einen Vater aufzufinden. Genannte Frau Rösel verlangte daraufhin von uns ein Empfehlungsschreiben, mit dem sie entschlossen ist, das Land der Länge und Breite nach zu durchstreifen. Wir haben ihr diesen ihren Wunsch umso lieber erfüllt, wissend, daß noch Barmherzigkeit in Israel vorhanden ist und empfehlen also unsereit Glaubensgenossen allerorten, wo diese beiden Bedauernswerthen hinkommen, sie mit Speise und Trank zu laben, mit Kleidung und Herberge zu versorgen und mit Geldgaben zu unterstützen, was ihnen als Wohlthat hoch angerechnet werdet: wird. Auch den verschollenen Simson Kohn, der bei dein Unglücke, das seiner Frau widerfuhr, ein Bein brach und seitdem aus einem Fuße lahm ist, ihnen suchen zu helfen und falls Jemand von ihm etwas gehört hat, ihnen dieses mitzutheilen. Und wer sich dieser Wittve und Waise barmherzig annimmt, den möge der Herr behüten, auf daß seine Frau und Kinder keine Witwen und Waisen bleiben und znrücklassen. In aller Ewigkeit, Amen.!> Die Vorsteher der heiligen Gemeinde zn Warschau.!i Ascher, Sohn des Rabbi Jsacher. ii Johnatan Katz. ii An: Ausgang des Osterfestes 5470 (1719) der Welterschaffung. >i * * Der Faden des Zusammenhanges reißt hier wieder und mußte ich abermals durch anderweitiges Suchen das Schicksal der Personen, das die Documente der Großmutter behandeln, verfolgen. Ich mußte in der Zeit etwas zurückgreifen, um das zn erfahren, was früher mit ihnen geschehen war. In einer alten Chronik wird eine Episode aus der Zeit der Einnahme Lembergs durch die Schweden unter Karl XII., im Jahre 1704, folgendermaßen erzählt: Während man in der Stadt mit fieberhafter Rührigkeit Vorbereitungen zur Vertheidigung gegen den Feind traf, an welche sämmtliche Einwohner Hand anlegten, trafen die Bürger eines Tages ein junges Weib in der Stadt herumgehen, das vollständig wie die Judenweiber gekleidet war und auch ihre Sprache sprach, aber dadurch auffiel, daß sie großes Interesse für alle militärischen Zurüstungen, die inan unternahm, zeigte und sich viel unter den Soldaten der Besatzung zu schaffen machte, was die Judenweiber sonst nicht zu thun pflegen. Man nahm sie fest und sie wurde dadurch, daß man bei ihr viele Zeichnungen, Aufnahmen der festen Punkte, der Wege und Lage der Stadt, auch andere Briefe und Zettel verdächtigen Inhalts vorfand, als Spionin der Schweden erkannt. Durch ihre Schriften wurden viele der Stadtbewohner und Militärs

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