Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 10 (5.3.1897)
- Date
- 1897-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ar. 10. Dr. Bloch’s Jahrgang XI V. Crntralorgan für die gelammten Interessen des Iudenthums. L. k. PostsparrsWen-Ami Llrsringverkrtzr Nr. 610.976. I »rdaclion und Administration: j »isn J - »>m* feueaiutiltsifes )•! Telephon-Nr. 6535. X Men. 5. März 1897. •H- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien.! Mrsug»prri» für S-st»rrrirü:? Halbjlihrig « fl. — S Lkr j Einzelexemplare Uh. , j Mr'» Ausland: ji j halbährig S ff. *OJlr;! ganzjährig 10 « 30 *;; >Lnzeigen: Die «mal gespaltet«H ^_Petitzeile 12 fr._^ Inhalt: Leitartikel: „Wie geht cs Ihnen, mein lieber Dr. Lueger?" — Zum 9. März. — Der Faschingsscherz des Baron Gudenus. — Die Reform der Armenpflege. — Ein Ferienheim für Arbeiterinnen. — Das Wiener Rabbinat — ein Consistorium. — Der Einfluß des jüdischen Geistes auf die antike Welt. — Das Jahrbuch der Israelitisch-Ungarischen Literuturgesellschaft. — Die Juden in Westindien. — Correspondenzen: Wien, Budapest, Waag-Nenstadtl, Ung.-Hradisch, Neubistritz, Kuttenberg,Krakau, Agram, Virovitica, Berlin, München, Metz, Amsterdam, Arlon, Rom, Jassy, Warschau, London, Rew-York. — Vermischtes: Wien, Poysdorf, Hohenau, Croatisch-Kreuz, RoLnau, Brünn, Dachau, Proßnitz, Ungarisch-Brod, Berlin. Rom. — Feuilleton: Simson der Gibor. — Jtzigel. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. „Wie geht es Ihnen, mein lieber Dr. Lueger?" Die Lüge, welche von der antisemitischen Parteileitung in die Welt gesetzt wurde, der Monarch hätte auf dem Balle der Stadt Wien den Führer der Antisemiten, Dr. Lueger, durch eine exeeptionell huldvolle Ansprache ausgezeichnet, hatte kurze Beine. Aber das schadete ihrer Verbreitung nicht, denn gar Viele bemühten sich, sie auf den Händen zu tragen und in einer Weise für Dr. Lueger zu sructificiren, die beispiellos genannt werden muß. Die Wirkung dieser Lüge war eine ganz außerordentliche, denn die Hoffnungen und Consequenzen, die von antisemitischer Seite an dieselbe geknüpft wurden, waren maßlose und steigerten sich von Tag zu Tag. Das ist auch die Erklärung für die sensation e l l e W i r k u n g, w e l ch e d i e v o n der „ O e st erreich i s ch e n W o ch e n s ch r i f t" zu er st veröffentlichte authentische M i t t h> e i l u n g erzielte, wonach der von d e m „D e u t s ch e n V o l k s b l a t t" r e p r o d u c i r t e Text der kaiserlichen Ansprache ein gefälschter gewesen sei. Unsere Mittheilung stammte von einer solchen autoritativen, jeglichen Zweifel und jede Verdächtigung ausschließenden Seite, daß von diesem Momente an einzig und allein das „Deutsche Volksblatt" den Muth hatte, den krampfhaften Versuch zu wagen, seine Lüge aufrecht zu erhalten. Aber alle Welt wußte von da an die Wahrheit. Der Telegraph trug unsere Mittheilung überall hin und Blätter von dem Range des „Pester Lloyd", des „Neuen Pester Journal" rc. druckten sie an hervorragender Stelle ab. Nur das „Deutsche Volksblatt" log tapfer weiter und nur die Bürgermeister — allen voran Dr. Lueger —, die von Vergani als classische Krön- und Ohren zeugen für ihre vermessene Lüge a n g e r u f e n worden waren, hüllten sich weiter in ein vielsagendes, verrätherisches Schweigen. Die Erklärungen in der „Frankfurter Zeitung" und die Mittheilungen des Grafen W i l c z e k hatten wohl den Effect, das „Deutsche Volksblatt" eiuzuschüchtern und dieses Blatt zu dem de- und wehmüthigen Gestandniß zu zwingen, es habe gelogen. Mau kann aber, wenn man der Wahrheit die Ehre geben will, nicht behaupten, daß die Wiener Bürgermeister, die so lange die stillschweigenden C o m p a g n o n s des Herrn Vergani in dieser Sache gewesen, den gleichen Rückzug angetreten hätten Die selbstbewußten, von dem Geiste des sich unfehlbar dünkenden Lueger beseelten Herren wollen die bessere Position, die sie dadurch einnahmen. daß sie nur durch Schweigen den Lügen V e r g a n i'S zugestimmt, nicht verlassen, ja sie wollten dieselbe noch gehörig ausbeuten. Und so konnte man Zeuge des verblüffenden Schauspieles sein, wie das Präsidium des Wiener Gemeinderathes die von Vergani verloren gegebene Campagne mit neuen, frischen Kräften aufnahm. Im Gemeinderathe wurde ganz correcter Weise von Herrn W e i ß w a s s e r folgende Interpellation gestellt. „In den letzten Tagen hat die Constatirung der Thatsache, daß eine von Gemeinderäthen der jetzigen Majorität colportirte und in den antisemitischen Blättern und Versammlungen fructificirte Mittheilung über eine auf dem Ball der Stadt Wien angeblich erfolgte, Herrn Vice-Bürgermeister Dr. Lueger betreffende Aeußerung sich, wie vorauszusehen war, als unwahr erwiesen har, berechtigtes Aussehen erregt. Angesichts dieses unglaublichen Vorganges stelle ich in der Erwägung, daß es Pflicht des jetzigen Gemeinderaths-Präsidiums gewesen wäre, die fragliche Aeußerung, deren Unrichtigkeit ihm doch aus eigener unmittelbarer Wahrnehmung bekannt sein mußte, in entsprechender Weise zu berichtigen, die Anfrage Wie vermag das Präsidium des Wiener Gemeinderathes sein Stillschweigen und seine Haltung in dieser