Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 9 (26.2.1897)
- Date
- 1897-02-26
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Vr Bloch's Wochenschrift fix. 9 Seite 196 Geschichte der Jude» in Kremfier, nach Originalurkunden, dargestellt vom Rabbiner Dr. Ad. Frankl-Grün, I. Th., 1322—1849, Breslau, Schottländer 1896. Die Historie der älteren Gemeinden Mährens ist noch wenig bearbeitet; in der Regel aus Mangel an Urkunden und durch den traurigen Zustand der Gemeindearchive. Unsere Ahnen hatten keinen Sinn für Geschichte und konnten nicht wissen, daß wir uns einmal für das interessiren würden, was in grauer Vorzeit gewesen ist. Die hochwichtigen Memorbücher findet man hierzulande fast gar nicht und auch die Grabsteine erzählen nicht sonderlich viel, weil man sie in unbegreiflichem Vandalismus zur Aufrichtung cyclopischer Friedhofmauern und Unterbaue verwendet hat. Daher kommt es auch, daß man beim besten Willen keine ordentliche Geschichte der Gemeinde Nikolsburg schreiben kann; und eine lückenhafte schreibt man nicht gerne. Frankl-Grün gibt uns den ersten Theil der Geschichte der Juden in Kremsier in erschöpfender Weise, geschmackvoller Form und anregender Erzählung. Der dunkle Ursprung Kremsiers, feine Privilegien, die im Wortlaute mitgetheilt und commentirt sind, die Gemeindeverfassuug und die Institution der Judenrichter werden eingehend besprochen. Besonders interessant sind die Abschnitte IV, V, VI und IX, welche über das Rabbinat, die Schwedeneinfälle, die Wiener Emigranten und der: Kremsierer Reichsrath handeln; hier ist reichliche Gelegenheit, auch sehr interefiante Details über die Nachbargemeinden aus Briefen und Urkunden zu behandeln; der Verfasser läßt sich keine Gelegenheit entgehen, solche mitzutheilen und dem historischen Zusammenhänge aller Geschehnisse nachzuspüren. Das gesammte Archiv und sonstiges Quellenmateria! ist aufgearbeitet und verwendet worden. Die bedeutendsten Ereignisse, die sich während eines Zeitraumes von 600 Jahren in der Gemeinde Kremsier zugetragen haben, die ihr Entstehen, Wachsen und Blühen vergegenwärtigen, ziehen an unserem Auge vorüber; die Juden erscheinen auch hier, wie überall stets als Verfolgte, nie als Verfolger. Die Juden haben durch ihre Erfahrungen und ihre Tüchtigkeit viel zuni Gedeihen der Stadt beigetragen; weniger leisteten sie auf dem Gebiete des Wissens, immer aber bewähren sie sich als treue Bürger und tüchtige Leute. Im Anhänge gibt Frankl-Grün mehrere Grabschriften des alten Friedhofes in Kremsier, einen Auszug aus den ältesten Berdonbuche (1692) und Stammbäume der Familie von Guttmann. Die Schrift Frankl-Grnn's ist sehr gründlich und hat bleibenden Werth. Dr. F. Frankfurt a. M., 2. Februar. Einem Genre der Romauliteratur, das in jüngster Zeit ein wenig in Mißkredit gekommen ist, gehört ein historischer Roman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges an, der den Titel sührt: „David Speyer" und im Verlage von A. I. Hofmann in Frankfurt a. M. erschienen ist. S. K o h n ist der Autor desselben. Das Buch entrollt das farbenreiche und wirksame Bild einer geschichtlichen Episode aus dem großen deutschen Kriege, und zwar behandelt es die Erlebnisse der Prager Juden. Im Vordergründe der Erzählung sieht die Gestalt eines jungen Mannes, der schon in siühester Kindheit wechselvolle Schicksale erlebt hatte und mit seiner Mutter aus seiner Vaterstadt Prag geflüchtet ist, in der sein Vater eines ungerechten Verdachtes wegen Schmerzlichstes erdulden mußte. Draußen im Reich ist er von der Mutter in Gottesfurcht und Tüchtigkeit auferzogen, und nun kehrt er unerkannt und unter fremden Namen in die Vaterstadt zurück, wo er bei den Kriegswirren, welche über sie verhängt worden, nicht nur der Judengemeinde, sondern auch dem kaiserlichen Heere die werthwollsten Dienste leistet, voll Unerschrockenheit und Tapferkeit sich bei der Vertheidigung der Stadt bewährt, und dem es schließlich gelingt, die Ehre seines verstorbenen Vaters wiederherzustellen, sich selbst aber eine bis in die Wiener Hofburg geachtete Stellung zu erringen. Neben dieser Haupthaudlung, deren historischer Kern dem Autor einen dankbaren Stoff liefert, schildert derselbe in seffelnder und anschaulicher Weise das Leben der Prager Judengemeinde, die in jenen Zeiten wohl die größte und ansehnlichste der Welt war. Mit lebhaftem Interesse folgt man den Schilderungen des Verfassers, der mit eingehender Kenntniß der jüdischen Eigenart, der religiösen und socialen Gebräuche der Juden einen scharfen Blick für die historischen Ereignisse jener Zeit und eine außerordentliche Kunst in der belletristischen Verwerthung derselben bekundet. Briefkasten. M. R. Die liberalen Blätter reichen nicht aus, um die vielen Lügen des „Deutschen Volksblatt" anzunageln. Da ist es umso anerkennenswerther, wenn auch das „Vaterland" sich an dieser Arbeit betheiligt und die Erfindungen Vergani's über die Odilo n-Affaire jn Budapest in unbarmherziger Weise brandmarkt. Arthur H. Die armen jüdischen Waisenkinder sollen sich, meinen Sie, bei Strobach und Consorten bedanken, weil sie ihnen viel verdanken. Die Idee ist nicht so ohne. B. G. Die österreichischen Ah l w ard 1 s werden von den Vorsitzenden mit höchster Auszeichnung behandelt. Manchmal sind sie sogar selbst die Vorsitzenden. 91. Die Nachricht der „Frankfurter Zeitung" bestätigt nur unsere Meldung. h. b. Die antisemitischen Herrschaften sind in diesem Fälscher- Metier Meister. Das macht die Hebung. Dr. G. K. Die Wahl fand Sonntag statt. M. L. Der wackere Abgeordnete No ske wird für das Gebell dieser Kläffer durch die begeisterte Huldigung ehrenhafter Männer reichlich entschädigt. 91. Z. Die Antisemiten rasen, weil Nothnagel ihr „verthiertes Empfinden" charakterisine. Die Diagnose eines Nothnagels ist eben eine ungemein treffende. Rabbiner Dr. Friedlander in Pisek: Der Missionär Lichteustein mit seinen zudringlichen Missionsschriften ist eine verächtliche Erscheinung. Man darf aber diesen sauberen Gesellen nicht gar zu ernst nehmen. Josef R. in Fiume: Die Jahrzeit fällt in diesem Jahre auf den 12. März Abends, das ist auf den 9. Weadur. B. Löwenstamm, Wien: Besten Dank. M. O. Przemysl: Daß der jüdische Kaufmann M. Krug das antisemitische Sudelblatt durch Inserate unterstützt, wird jeder anständige Mensch ohne Unterschied der Confeffion gleichmäßig vernrtheilen. Patienten im Rothschild - Spital: Ungeeignet und nicht druckreif. Pisek: Zu unwichtig. I. Kaiser» Wien: Derlei Dinge thut man, ohne es in die Welt hinauszuschreien. S. K. in P. Sie haben richtig vermuthet, wir waren bereits mit einem Berichte versehen. R. Eisinger, Poisdors: Der Mädchenverein hält seine Sitzungen und hat leinen Sitz I., Schottenring 23. Leopold Frankfurter, Wien: Ihre Bemerkungen sind wohl richtig, doch ist bei der heutigen Zeitlage es sehr schwer, derlei Dinge vor die Oeffentlichkeit zu tragen. B. Z»> Holleschau. Geburtsschein, Bürgerdiplom und Reisepaß genügen nicht, es bedarf auch des Aufgebotscheines. Jg. R. in Prag. Der Gegensatz zwischen dem Prager und dem Wiener Bürgermeister wurde in der „Oesterreichischen Wochenschriit" wiederholt gezeichnet. I. H. G. Unmöglich! I. K. Anonyme Zuschriften wandern in den Papierkorb. Israelit, Rokycan. Wenn Ihr Vater im Monate Adar starb, welchem nicht ein zweiter Adar gefolgt war, so haben Sie Jahrzeit im ersten Adar. Heiratsantra^. Für ein wohlerzogenes, angenehmes Mädchen vom Lande, aus hochachtbarem israel. Hause, Anfangs der Dreissig, äusserst sparsam und wirtschaftlich erzogen, mit einer Mitgift von vorläufig 10 Mille nebst hübscher Ausstattung, wird wegen Mangels an Bekanntschaft auf diesem Wege passender Mann in gesicherter Stellung oder gut situirter Geschäftsmann gesucht. Ernstgemeinte, nicht anonyme Anträge wolle man mit näheren Angaben zur Weiterbeförderung an die Expedition dieses Blattes unter „Bestimmung Gottes“ senden. Concur^-Ausschreibung. In der israelitischen Cultusgemeinde zu Prossnitz in Mähren ist die Stelle eines Oantors mit einem Jahresgehalte von 1400 Kronen, Naturalwohnung oder 240 Kronen Quartierbeitrag und üblichen Nebenemolumenten zu besetzen. Bewerber, welche musikalisch gebildet und im Stande sind, einen gemischten Chor mit Orgel zu leiten, wollen ihre mit den Nachweisen über Alter, bisherige Verwendung, österieichisclie Staatsbürgerschaft, endlich mit dem Gesundheitszeugnisse belegt en Gesuche bis längstens 15. März d. J. hei dem gefertigten Cultusgemeindevorstande überreichen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Vorstand der israel. Cultusgemeinde Prossnitz. Der CultusvorSteher Josef Singer. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerckenselderstr 46.