Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Nr. 7 Vr. Vloch's WochenschrM Seite 151 halten, welche die indische Hungersnoth zum Gegenstände hatten, und zwar in Birmingham, Brighton, Bristol, Chatham, Leeds, Liverpool, Manchester, Newcastle, Sunderland, Cardiff, Grimsby, Norwich, Middlesbrough, Nottingham, Wolverhampton u. s. w. Alle diese Predigten hatten ein günstiges Ergebniß. New-Aork. Mr. I. Pierpont Morgan hat der hiesigen Entbindungsanstalt eine Million Dollars zn dem Zwecke geschenkt, daß ein neues Gebäude errichtet werde. Krim. Am Flusse des Berges Mithridates ist eine Synagoge zu sehen, welche dreizehnhundert Jahre alt ist. Dieselbe soll jetzt vergrößert werden, weil sie nur fiir fünfzig Andächtige Raum hat, während schon soviel Familien in dem Dörflein leben. Die Synagoge, welche von den Tartaren fast ganz zerstört worden war, wurde im Jahre 1788 von Katherina wieder aufgebaut. Bagdad. Unter den zwanzig Synagogen, welche sich hier befinden, hat die „Sheik Jsaac"-Synagoge eine interessante Geschichte. Als Harun a l Raschid eine Gesandtschaft mit kostbaren Geschenken an Karl den Großen sandte, revanchirte sich dieser, indem er von Aachen einen jüdischen Kaufmann mit ebenfalls sehr werthvollen Geschenken 511m Khalisen schickte. Als Jsaac, so hieß der jüdische Kaufmann, auf seiner Reise nach Bagdad kam, gedachte er seiner Glaubensgenossen und errichtete die Synagoge, die heute noch nach seinen Namen benannt ist. Kimberley. Die Unterdrückung des letzten Bechuana- Aufstandes war größtentheils dem prompten Eingreifen unseres Glaubensgenossen, des Obersten H a r r i s, zu verdanken, der die Freiwilligen von Eriqualand befehligte. Darüber schreiben die „Nachrichten von den Diamantenfeldern" („Diamond Fields Mining News") wie folgt: „Mali kann die Tüchtigkeit des Obersten Harris, der die Truppen in fabelhaft kurzer Zeit expedirte, nicht rühmend genug hervorheben. Wenn er nur ini Geringsten gezögert hätte, so wären die Folgen unberechenbar gewesen. Das unter so mißlichen Verhältnissen bewiesene, ausgezeichnete Urtheilsvernlögen, war nur von einem Officier, von den größten Fähigkeiten und langer Erfahrung möglich. Die Regierung hat alle Ursache, auf Oberst Harris, sehr stolz zu sein." Als die Brigade nach Kimberley zurückkehrte, wurde sie enthusiastisch begrüßt, und der Bürgermeister, der eine Anrede an die Truppen hielt, hob in warmen Worten die prompte Thätigkeit ihres commandirenden Obersten hervor. Oberst Harris empfing eine Menge Beglückwünschungstelegramme, darunter eines vom Staatssecretür. Southport. Die jüdischen Gemeinden im Norden von England haben einen großen Verlust erlitten. Israel Goldseller, der ehemalige Präsident der Cultusgemeinde in Manchester, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Seine seltene Wohlthätigkeitsliebe, seine grenzenlose Güte, seine große talmudische Gelehrsamkeit werden ihm bei Allen, die ihn kannten, ein ausgezeichnetes Andenken hinterlassen. Feuilleton. Simson der Gibor. (Dokumente aus dem Nachlasse meiner Großmmter. Nach ihren Daten und inneren Zusammenhang geordnet und vervollständigt.) Bon Heinrich Hammer. Der Versager behält sich alle Rechte vor. Die Großnlutter hatte ihre Schlafstelle in unserer Kinderstube, oder eigentlich, wir theilten ihr Schlafzimmer; denn obgleich unsere Kinderbettchen, Bänkchen, Spielsachen und anderes Zeug in derselben Herumstand und lag und durch die Unordnung weit mehr Raum einnahm als nöthig war, so stillte doch das große, altmodische Himmelbett der Großmutter und der breite, mit rohgegerbtem Fell überzogene Koffer die Stube beinahe aus. Dieser Koffer war immer ein Gegenstand unserer besonderen Aufmerksamkeit; man mußte Acht geben, sich an seinen eisenbeschlagenen Kanten nicht anzustoßen, an den hervorstehenden Nägeln seine Kleider nicht zu zerreißen, was freilich, trotz der beständigen Ermahnungen der Großnrutter zur Vorsicht, doch manchmal vorkam, Und erst das Schloß; ja das Schloß war für uns das achte Weltwunder, ich hatte es durch Beobachtung der Großmutter beim Oeffnen des Koffers bald weg, an welchem Stifte man drücken müsse, um das Thürchen, welches das Schlüsselloch deckte, aufspringen zu lassen, und durch öfteres Demonstriren dieses Kunststückes glücklich dahingebracht, daß der Mechanismus nicht mehr functionirte. Das Plättchen schloß sich nicht mehr von selbst und machte man es zu, so sprang es beim Drücken an den Stift nicht mehr auf und der Koffer war ohne Hilfe eines Schlossers nicht zu öffnen. Aber trotz der Scheltworte der Großmutter über diese Sache, und wenn sie uns auch seitdem nicht mehr zu dem Koffer ließ, blieb derselbe, oder besser dessen Inhalt für uns Kinder ein anstaunenswürdiger Gegenstand. Oeffnete ihn die Großmutter, um ihre Feiertagsrobe, ihr Stirnbindel, oder sonst etwas von ihren Sachen herausznnehmen, dann bogen wir allemal den Kopf hinunter, stützten das Kinn an den Rand des Kastens und guckten neugierig hinein. Da lagen Kleider aus gold- und silbergestickten Stoffen von altmodischem Schnitt, auch tressenbesetzte Kopfputze, pelzverbrämte Jacken und allerlei andere Gegenstände, denen ein leiser Modergeruch entströmte und die wie Dinge aus einer andern, längst vergangenen Welt anzusehen waren, welche uns Geschichten aus alten Zeiten zn erzählen schienen. Und erst der Schmuck; da waren in einer Blechschachtel Perlen, Diamanten. Rubinen und verschiedene goldene und silberne Gegenstände, die in der Sonne nur so funkelten und glitzerten. Zwar hatte die Mama auch verschiedene Bijouterien, aber die der Großmutter waren alle von unterschiedlicher Fayon und wunderlichen Formen. Und gan; unten an der rechten Ecke, da lag erst ini Koffer etwas, was unsere Neugierde immer besonders rege machte. Wenn die Großmutter in jener Ecke, unter den Kleidern mit ihren zitternden Händen zu wühlen begann, wußte ich schon, was znm Vorschein kommen werde. Es war das ein Bündel vergilbter Schriften, zwischen welchen eine goldene Kapsel lag, an der eine seidene Schnur befestigt war, welche die Papiere zusammenband. Die Großmutter nahm oft die ihr offenbar sehr werthen Schriftstücke heraus, band sie aus einander, entrollte und stäubte jedes besonders sorgfältig ab, band sie wieder zusammen und legte sie an ihren Platz, auf den Boden ihres Koffers, in die rechte Ecke. Als ich lesen gelernt hatte, sah ich einmal, auf meinen Kindersessel stehend, der Großmutter über die Schulter in die Documente, als sie sie wieder einmal entrollte, da bemerkte ich, daß einige derselben hebräisch, einige deutsch und andere wieder polnisch, in verschiedener Schrift und Form, abgefaßt waren. Als die Großmutter einmal gegen mich sehr gütig war, weil ich die wöchentliche Prüfung besonders gut bestanden hatte, das Experiment mit dem Schloß war längst vergessen, bat ich sie, mich die geheimnißvollen Documente lesen zu lassen. Da sagte sie: „Du bist noch zu jung, um den Inhalt dieser Schriftstücke zu verstehen und brauchst es auch jetzt noch gar nicht, aber einst, wenn ich sterbe, lasse ich sie Dir, meinem Lieblinge, als Erbe zurück, sowie sie mir mein Großvater zurückgelassen hat, weil ich sein Liebling gewesen bin." Dabei weinte sie, ich weiß nicht warum.! Nun ist meine gute Großmutter schon vor Jahren gestorben, ich war nicht bei ihr in ihrer letzten Stunde, aber sie hat ihr Wort gehalten. Sie ließ mir die Documente übergeben mit dem Bedeuten, daß ich sie ehren solle, denn sie enthielten die Geschichte einer Person, die werth sei, nie vergessen zu werden; und ich bewahre sie bis zum heutigen Tage als einen Talisman, als das freiwillige Bermächtniß meiner Großmutter. Gott habe sie selig. Als ich sie einst mit Muße überlas, sah ich, daß sie zwar im inneren Zusammenhang miteinander stünden, die ganze Erzählung aber solche Lücken aufweise, durch die es schwer sei, den Verlauf derselben in alle Details und die Schicksale der in ihr geschilderten Personen zu übersehen. Diese auszufüllen, war lange Zeit mein Bestreben, und da es mir gelungen, durch einige Schriftstücke, die ich anderwärts suchen mußte, einigen Zusammenhang in die Geschichte zu bringen, will ich sie alle, die Documente der Großmutter, wie auch die Schriftstücke hier wiedergeben, da ich glaube, daß dadurch am besten dem Wunsche der Großmutter entsprochen wird, daß die Personen nicht in Vergessenheit gerathen. Der erste an Datum ist ein Brief in hebräischer Sprache, auf vergilbtem Papier; auf der Rückseite ist ein Viertel des Bcgens dunkler gefärbt, als wäre er zusammengefaltet und die Oberfläche mit etwas"*' Feuchtem in Berührung gewesen. Die