Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 106 Dr. Vloch's Wochrnschrist Nr. 5 Der Fremde konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er stand von seinem Sessel auf, wankte einige Schritte und warf sich zwischen dem Greisenpaare auf die Erde nieder. „Hier ist Euer Sohn, Euer Volk ist wieder mein Volk, Euer Gott mein Gott, und wo Ihr sterbet, will ich sterben und begraben sein, verzeiht mir. Vater und Mutter beugten sich sprachlos und bedeckten ihn mit Küssen, lange, lange. Endlich brachte der Greis die Worte hervor: „Hast Du nur keine Kinder?" „Nichts habe ich zurückgelassen. Ihr habt keine Nachkommenschaft auf fremdem Boden." In stummen Entzücken umarmten sie den wiedergefundenen Sohn, bald die Mutter, bald der Vater, bis Beide in diesen Umarmungen einschlummerten und auch der Traumgott ihnen ihren Aeltesten, den Verlorenen, als Wiedergefundenen vorstellte. Diese Scene wurde über das Fleckchen Erde, wo sie sich abspielte, nicht bekannt. Der Fremde blieb auch fürderhin ein Fremder in der Gasse. Er wohnte bei dem Doctor, hielt sich tagsüber in dem Häuschen hinter dem Rankengespinnst auf. Die Wern erfteuten sich nur wenige Monate mehr des Glückes des Wiedergefundenen. Sie starben bald nacheinander und er drückte ihnen die Augen zu. Nach ihrem Tode bezog er selbst das Häuschen, wo seine Wiege gestanden, und wo er sterben wollte. Der Neffe mit Weib und Kind wohnte auch bei ihm und wurde später Erbe seines nicht unbettächtlichen Vermögens. Literatur. Culturbilder aus dem jüdischen Leben in Galizien, von Nathan Samuely. (Prag, Jacob B. Brandeis. Nr. 43 und 44 der „Jüdischen Universal-Bibliothek".) Unerschöpflich ist der Born der Poesie, der aus den Tiefen jüdischen Lebens und jüdischen Empfindens quillt. In den dunklen Gassen des Ghetto, in den verfallenen Judenhäusern, in aller Armuth und Erniedrigung haben Dichter wie Leopold K o m p e r t, Eduard K u l k e, Carl Emil F r a n z o s, Opp en h ei m rc.schimmernde Goldgänge entdeckt und dem deutschen Literaturschatze einverleibt. Nicht unwürdig schließt sich ihnen Nathan Samuely an, der in einer Reihe köstlicher Skizzen das Leben unserer galizischen Glaubensgenossen schildert. Auch dort im fernen Osten, in einer Welt schwerer Mühsal und verkümmerter Daseinsbedingungen, wirft dieses Leben leuchtende Strahlen, auch da begegnen wir inmitten des härtesten Existenzkampfes Menschen voll warmen Gemüthes, voll Edelsinn und hochherzigem Streben. Ein Hauch köstlichen Humors umweht all diese Gestalten, die unter dem schmutzigen Kaftan oft ein gutes, aufopferndes Herz ttagen. Samuely vereint mit scharfer Beobachtungsgabe eine bedeutende Darstellungskraft und tiefes Verständniß für die wesentlichen Eigenschaften des jüdischen Volkscharakters. Was wir ihm aber für seine engere Heimat zum besonderen Verdienste anrechnen müssen, das ist die überall hervortretende socialpolitische Tendenz seiner Culttrrbilder. Er ist eifrig beflissen, seinen armen, in Noth und Unwissenheit versunkenen Glaubensgenossen aus der Nacht der Vorurtheile und des Irrwahns den Pfad zu einem freieren, lichteren, glücklicheren Dasein zu weisen. Als Muster für diese rühmenswerthe Richtung darf insbesondere die erste Erzählung: „Der Consens" bezeichnet werden. Wir heißen die erfreuliche Gabe des jungen Dichters herzlich willkommen und können nur wünschen, daß derselbe uns noch recht oft gleich werthvolle Proben seines schönen Talentes biete. E»ugelaufe»e Schriften. Ludwig Klausner—Davor. „Iaco b", Biblisches Charakterdrama in fünf Acten. Preis 2 Mark. Berlin 1897. Verlag von Siegfried C r o n b a ch. Max Jungmann. „Heinrich Heine ein Nationaljude". Eine kritische Synthese, Preis 75 Pf. Berlin 1fc96 bei Siegfried Cronbach. W. 57. Dr. Ludwig Ernst. „Die Juden, die verjudeten Christlichsocialen und Deutsch nationalen^. —Leipzig und Wien 1896, Literarische Anstalt von August Schulze. Das Reiuertragniß wird zum Wähle Armer, ohne Unterschied der Confessio« verwendet. B. Goldenberg, Tarnopol. „0r Chadasch (hebr.)" Heft 9. Philologischen Inhaltes. Im Selbstverläge des Verfassers. Dr. H. Goitein. „Ankläger und Vertheidiger des Talmud", Separatabdruck aus „Jüdische Chronik". Preis 30 kr. Frankfurt o/M. 1887 bei H. Kauffmann. Briefkasten. H. R. in Piatra. Die gewünschte Adresse lautet: Com. David Levi, T o r i n o, Via Carlo Alberto 24. Ein vieljähriger Abonnent, Lemberg. Derlei wichtige Mittheilungen dürfen nicht anonym eingeseudet werden. L. Buchsbaum, Religionslehrer, Wien. Wir bestätigen Ihnen, daß der Bericht in der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 4 über den Staatsstreich in der Schiffschul nicht von Ihnen eingesendct ist. Dr. M. Kornblüh in Freistadt. Wir wollten den Vortrag gerne publiciren, indessen ist es uns bis heute nicht gelungen, das Manuscript zu erlangen. Rabbiner Dr. David, Preßburg. Leider ein Druckfehler. Die Adresse Gordon's ist uns nicht bekannt. Isaak Hirsch, Kolomea. Derlei Untersuchungen gehören nicht in die Zeitung. Josef L. Kohn. Es ist vollständig selbstverständlich, daß jüdische Wähler beim Kampfe zwischen Antisemiten und Social-De- . mokraten unbedingt für Letztere stimmen werden und es bedarf dazu keiner weiteren Ermunterung. Kindisch, Wien. Unfern Standpunkt ersehen Sie aus dem heutigen Artikel. — Der Betreffende ist zum Jndenthum zurückgekehrt. Steinfeld, Bukarest. Die angefragte Firma ist jüdisch. Amiti. Anonyme Zusendungen werden nicht berücksichtigt. L. G. Wurde in der vorigen Nummer bereits behandelt. Dr. H. N. Vergant kann keinen Abschreiber leiden, denn er wird durch denselben an seine unliebsamen Plagiat-Affaircn erinnert. A—S. Sie irren sich, hinter „veritas" verbarg sich keinese wegs der Mitarbeiter eines Wiener Blattes. a. Wo denken Sie hin? Der Landmarschall wird doch die Ehre einiger Juden gegenüber einen Mann von der moralischen Größe eines Schneider nicht in Schutz nehmen . . . L. Z. Wir haben ja bereits früher Fälle mitgetheilt., aus denen sich ergab, baß Jaden systematisch vom Genüsse der Stipendien, die Juven stifteten, ausgeschlossen wurden. B. H. Objectivität heißt im niederösterreichischen Landtage, S t r o b a ch darf Alles gegen den Rector K i ck sagen, diesem aber wird die Möglichkeit der Entgegnung genommen. „Fortuna", Goldmiuen-Aetiengeskllschaft. Während in der „Szt. Endre"-Mine bereits fleißig gearbeitet lvird und die Erschließungsarbeiten bedeutend vorgeschritten sind, hat diese Gesellschaft auch schon für die Erweiterung ihres Wirkungskreises gesorgt. Diese erst unlängst gegründete Gesellschaft hat nämlich — wie wir erfahren —. auch das Ankaufsrecht der C o n c o r d i a - M i n e sich mit einem Vertrage g esichert. Diese Mine liegt in der Gemeinde „Bucsum", in der unmittelbaren Nachbarschaft der „Szt.-Endre"-Mine. Die Besitzer dieses letztgenannten Objectes sind ländliche Bauern, die über kein Betriebscapitäl verfügen, indem sie das gewonnene Gold unter sich wöchentlich vertheilten, sie haben auch keine Maschinen und doch waren sie im Stande, 20 I a h r e hindurch jährlich 400- bis 600.000 Kronen unter sich als reinen Nutzen zu vertheilen, wie dies mit officiellen Daten beweisbar ist. Der Goldgehalt der Concordia-Mine ist geradezu immens. Die „Fortuna" Goldminen-Actienge sellschaft hat somit auf eine der reichsten Goldminen Siebenbürgens das Vorrecht erworben. Es erscheint somit das gesteigerte Interesse, welches man den 25 Kronen-Actien dieser Gesellschaft nicht nur hierzulande, sondern auch von Seite des Auslandes entgegenbringt, vollkommen gerechtfertigt. Die Actien werden — wie wir hören — in den Budapester Wechselstuben lebhaft gesucht und mit einem bedeutenden Aufgelde gehandelt. Advocat in Wien, 37 Jahre alt, sucht Anstellung als Bureauleiter oder Secretär einer jüdischen Gemeinde oder Anstalt. Ansprüche massig. Antiäge erbeten unter ,3)r. Rudolf Schwarz“, Wien, Hauptpost restante. Liebe Glaubensbrüder Seit Jahrzehnten ist es das Ideal der israelitischen Bevölkerung von Hohenau, ein Gotteshaus hier zu erbauen. Doch scheiterte die Verwirklichung desselben an der Armuth des grössten Theiles der hiesigen ieraelitischen Einwohner. Das gefertigte Tempelbau- Comitd strebt nun an, dieses edle Ziel zu erreichen. Es soll sich ein Gotteshaus in unserer Mitte erheben, wohl bescheiden, aber doch eine würdige Stätte zur Verehrung des Allmächtigen und zur Ehre unseres Glaubens. Das ergebenste Tempelbau-Comite wendet sich an gute jüdische Herzen um einen Beitrag zu diesem gottgefälligen Werke und ruft den edlen Spendern dankerfüllten Herzens ein Vergelt’s Gott zu. Die Namen der Spender werden veröffentlicht, und bitten wir Beiträge an die Herren Dr. Leopold Leimdörfer oder Adolf Sonnenmark in Hohenau zu senden. Hohenau den 19. Jänner 1897. Das Tempelbau-Comite: Cobi Fürst, Dr. Leopold Leimdörfer, Adolf Sonnenmark. Herausgeber u. verautw. Redakteur: Dr. Josef E. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerche ifelderstr. 46.