Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 5 (29.1.1897)
- Date
- 1897-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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nrrrrtfir*jE Seele 94 Vr Vlortz's Wvttrenschrist. 'Rr. 5 wohnliches, daß der Kämmerer der Königin Kandace auf seiner Rückreise von Jerusalem den Propheten Jesaia gelesen liabe, und Philo findet es nicht im Mindesten befremdend, „daß Petronius zur Zeit, als er Statthalter von Syrien und Asien war, wo die Juden in großer Anzahl tu den Städten vorhanden, die heilige Schrift studirt habe". „Tertullian selbst setzt voraus, daß auch römische Ohren verstehen können, was irt den Synagogen am Sabbath öffentlich vorgelesen wird".'-) — Und daß die Synagogen sehr zahlreiche heidnische Frequentanten zählten, haben wir bereits gesehen. Josephus sagt an einer Stelle: es sei nicht zu verwundern, daß Crassus bei der Tempelplünderung in Jerusalem so viel Schätze gefunden, denn alle Juden und alle Proselyten der gaitzen Welt in Asien und Europa haben seit sehr a l t e n Z e i t e n an den Tempel Abgaben entrichtet", ") eine Thatsache, die später von Tacitus bezeugt tvird, wenn er sie auch bitter beklagt. ") In dem bei Josephus ,s) aufbewahrten Edict des Prätors Caius an die Parier heißt es, daß die Juden in Delos und einige der jüdischen „Paröken" sich an ihn gewendet und ihm augezeigt haben, daß ihnen verboten werde, ihre väterlichen Einrichtungen und heiligen Gebräuche auszuüben. Das Edict schließt mit den Worten: „wie dieses Caius Julius Cäsar angeordnet, erlaube auch ich, der ich gleichfalls alle sonstigen Versammlungen untersage, den Juden alleitt, sich nach ihren väterlicheit Sitten und Gebräuchen zu versammeln und damit fortzufahren." Und wer waren diese jüdischen Paröken in Delos sonst als heidnische Anhänger der Synagoge, oder „Judengenossen?" „In der Apostelgeschichte finden wir nicht blos einzelne sogenannte gottesfürchtige Heiden, sondern in den Städten mehrere, die sich zur Synagoge der Juden hielten. Zu Antiochien in Psidiert sind in der Synagoge außer den Juden Gottesfürchtige gegenwärtig und Zuhörer Pauli, welche ihm zum Theil Gehör geben, theils aber auch, und sonderlich die gottesfürchtigen Frauenspersonen, in der Stadt eine Verfolgung gegen ihn, den Judetr zu Gefallen erregen. In Thessalonich findet Paulus eine große Menge gottesfürchtiger Griechen und unter diesen abermals nicht wenige Frauenspersonen. Auch zu Athen traf er Gottesfürchtige an, welche Lucas von den Juden unterscheidet".1C) Nur griechischer Gottesdienst und griechische Bibel konnten solche Macht auf die Gemüther ausüben und die phänomenalen Eroberungen der jüdischen Diaspora bewirken. Zuut Theil geben dieses denn auch neuere Forscher zu — allerdings nur gelegentlich und schüchtern — ohne jedoch die aus den Thatsachen mit zwingender Nothwendigkeit sich ergebendett Schlüsse zu ziehen. „Wahrscheinlich bediente man sich" sagt Tzschirner *') — „der Uebersetzung der Siebzig an manchen Orten auch bei den gottesdienstlichen Bersammlungeit.denn daß es att vielen Orten Proselyten, d. h. geboreneHeiden, welche, ohne durch die Beschneidung Juden zu werden, doch mit den Juden in den Synagogen beteten und die Gesetze beachteten, denen auch der Nichtjude Genüge leisten konnte, als das Sabbathgesetz und die verbotener unreiner Speisen, gegeben habe, geht nicht nur aus mehreren Stellen der neutestamentlichen Schriften, sondern auch aus der Klage römischer Schriftsteller über solche hervor, welche von den väterlichen Sitten zu Wischer Weise sich wandten". — Aehnlich Hausrath:l8) „In einzelnen Synagogen", sagt er, „scheint die Paraphrase schon damals griechisch gewesen zu sein, wie denn das Volk meist griechisch verstand". Etwas weiter geht der jüdische Gelehrte Zunz, welcher seine diesbezüglichett Ausführungen auf talmudische Quellen stützt: „Dieser durch EinlJ) Vrgl. Neldechen, Tertullian qeqeii die Juden g. 32. l3) Jos. Ant-qq. XIV, 7, 2. u) Tacit Hist. V. 5: Nam pe&simns qnisqne spretis religionibus patriistributa et stipes iJlue congerebant, u nde auctae Judaeorum res. 15j Antiqq. XIV, 10, 8. 1G) Remond, Versuch einer Geschichte der Ausbreitung des Judenthums S. 155. *') Der Fall des Heidenthums S. 172. — Wir fügen dem hinzu, daß nach zu Ende des zweiten Jahrhunderts der heidnische Philosoph Celsus einen scharfen Tadel gegen judaisirende Heiden erhebt. Er sagt nämlich: „Wenn also in dieser Weise die Juden ihr eigenes Gesetz pfleg-n, so ist ihr Handeln nicht tadelnswerth, vielmehr jedoch das Derjenigen, welche dasJhrige verlassen und das der Juden sich an eigne n". Orig, contra Celsus V, 41. Vrgl. Keim. Celsus' wahres Wort S. 70; Tertullian Apol. 16; adv. nationes I, 13; Seneca Epist. 95 u. A. Reutest. Zeitgeschichte I, 8. 75. bürgerung einer fremdelt Sprache herbeigeführte Untergang des Targumischen Vorrrages", so folgert er, „ntußte im Occident weit früher und zwar in Folge der Herrschaft der griechischen Sprache eingetreten sein, welche in den griechischen Städten Palästinas, in Egypten, Cyrene, dem asiatischen und europäischen Griechenland die Muttersprache der seit früherer Zeit dort angesiedelten Juden geworden war. Die Sprache von Hellas war selbst in das Aramäische und Hebräische eingedrungen und stand bei den jüdischen Weiseit Palästinas in hohem Ansehen; jene Geuteinden durften sich am Purimfeste das Buch Esther in griechischer Sprache vorlesen lassen; sie beteten zum Theil in dieser Sprache".'") Entschiedener äußern sich hierüber Gelehrte in nettester Zeit, wo man auch ab und zu den großett Leistungen der jüdischen Diaspora mehr gerecht zu werden beginnt. So meint Schürer'"): „Ueberall, wo Juden wohnten, wurden an allen Sabbathen das Gesetz und die Propheten gelesen und erklärt, und die religiösen Satzungen gehalten. DieSp rache des Gottesdiettstes war itt der Regel ohtte Zweifel die griechische." — Bestimmter noch spricht sich Deißmann aus: „Die Mehrzahl der hellenistischen Diaspora-Juden", sagt er, „wird von Haus ans griechisch gesprochen haben; wer die heilige Sprache der Väter verstand, der hatte sie eben später hinzugelernt. Das hellenistische Judenthum sprach griechisch, betete griechisch, sang griechische Psalmen, schrieb griechisch und producirte griechische Literatur; seine besten Geister haben attch griechisch gedacht."-') Mit großer Unbefangenheit urtheilen ältere Forscher über diese Dinge. In ihrem Streben nach Wahrheit lasen sie aus den alten Ueberlieferungen das heraus, was diese in Wirklichkeit enthalten, und hatten Muth genug, das Resultat ihrer Studien offen und ohne jede Verclansulirung in ihren Schriften niederzulegen. Grotius, Scaliger und Andere, sie stimmen darin überein, daß die griechische Bibel in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten die Synagoge beherrschte. Nach Scaliger war die griechische Uebersetzung durch einige Jahrhunderte in allen Synagogen von Egypten und Europa int ausschließlich eit Gebrauch gewesennach einem anderen Gelehrten hätte sich Jesus bei seinen Vorlesungen in der Synagoge von Nazareth der griechischen Uebersetzung bedient?'') Ueberblicken wir mit vorurtheilsfreiem Auge das uns noch über die griechische Bibel erhaltene Quellenmaterial, verfolgen wir die groß angelegte und höchst wirkungsvolle Propaganda der jüdischen Diaspora und verweisen wir ferner aus die gewiß belveiskräftige Thatsache, daß das ganze neutestamentliche Schriftthttm uns in g r i e ch i s ch e r Sprache tiberliefert wurde, und daß sich von keinem einzigen selbst der ältesteit evangelischen Denkmäler eine urchristliche hebräische Abfassung Nachweisen läßt; dann müssen wir nothwendig zu der Ueberzeugung gelangen, daß die gottesdienstliche Sprache der auf Heidenbekehrung ausgehenden Synagoge ausschließlich die griechische gewesett — einer Ueberzeugung, vott der wir im Allgemeinen zum großen Hinderniß für die Erforschung der Wahrheit hüben und drüben noch ziemlich weit entfernt sittd. '") Zunz, die gottesdienstlichen Vorträge, 2. Auslage S. 10 Geschichte des jüd. Volkes, S. 543. -') Deißmann, Bibelstudien, S. 72. --) Scaliger, Proleg. * de versione graec. § 14 unterscheidet die Hellenisten von den Hebräern in folgender Weise: Hellemstai simt Judaei graecis Bibliis inSynagogis utentes quae profecto esfc differentia Hebraeorum et Hellenistarum, quos, ut dixi, certissimuiuestolim pertotamAegyptum et Europaeam sola Biblia graeca iuSynagogis legere soJitos. — Arhnlich Simonius, „Hist. Crit. V. T. L. I. c. 17: In plerisque Synagogis per aliquot saecula haec interpretatio lecta fuerat, eam ferme Autograpbo Hebraico Judaei ipsi aequiparabant, ac Prophetis adeo inspiratis uoumeris et privatisInterpretibus eam adscribebant. Vergl. Vitriuga de Syoagoga ret. II. S. 954. 23) Waltonius gelangt zu der Ueberzeugung: Christum dominum in Syuagoga Nazarathana textum Jesaiae ex translatione Graeca . praelegisse, et lectum in Syriacum idioma convertisse. (Vitringa daselbst.)