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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lr. 5 Dr. Bloch’s Ishrgsng XIV. Centrslorgan für dir gekämmten Interrffrn des Iudenthums. ». ft. PoMsrraWen-Amt Llraringverkrhr Nr. 810.976. »rdaclion und Administration: Wir« LI nie» Vugsrtrnf.rsir )• Telephon-Nr. 6535. Wien, 29. Jänner 1897. * Erscheint jeden Frei 1 ag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien.;! Vrrug»prri» für Srflirrrirft:!, Halbjährig 4 fl. — 8 Ät. jj i| Einzelexemplare 95 kr. jj Mr'» Kunlemd: j! halbjährig » fl. —!0Kr. Jj ganzjährig 10 „ 30 „ "Anzeigen: Die 4mal gespaltetej!! Petitzeile 12 kr. i Inhalt: Artikel: Das Programm der „Socialpoliter". — Dr. Carl Lueger — ein Judenstännnling. — Eine Reform der Jrrenbehandlung. — Die Zionisten an der Arbeit. — Der Einfluß des jüdischen Geistes auf die antike Welt. — V o m Jahrmarkt des Lebens: Ueber unsere Frauen. Zum 31. Jänner 1897, als den hundertsten Geburtstag Franz Schuberts. Verweigerung der Satisfactiou. Majestäts-Beleidung durch einen Antisemiten. Berurtheilung eines Geistlichen. Die Juden als. . Soldaten. Das „Deutsche Protestantenblatt' und der Antisemitismus. Aus Anton Rubiustein's „Gedankeukorb". Der russische Bildhauer Autokolski. Wie der Wiener Hctzpfarrer Deckert den „verwundeten,, Sedlatzek tröstet! Jüdische Dankbarkeit. Die Mischehe. — Correspondeuzeu: Wien, Brünn, Krakau, Wischau, Neustraschitz, Czernowitz, Budweis, Przemysl, Prag, Görz, Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Hamburg, Moskau, Lodz, Paris, London, Esseg, Coustantinopel, Sydney, Canada, New- Nork. — vermischtes: Wien, Schafsa, Czernowitz, Preßburg, Lipto-Nozsalegy, Budin a. d. Eger, Straßnitz, Trisch, Kojetein, Ung-Brod, Krakau, Malaczka, Berlin, Brüssel, Heidelberg, Paris, London, Liverpool, Sydney, Constantinopel, Kiew, Petersburg. — Feuilleton: Ein Weihnachtsabend. — Der Zurückgekehrt?. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Das Programm der „Svrialpolitiker". Aus einer kleinen Gruppe, als welche die Socialpolitiker bei den letzten Landtagswahlen in Action traten, ist eine anspruchsvolle Partei geworden, die mit einem langathmigen Programme die Führung des freisinnigen Bürgerthums übernehmen will. Kein Zweifel — dieses Programm ist wirklich freiheitlich. In seinem politischen Theile enthält es alle jene Forderungen, welche auch die liberale Partei wenigstens in der Theorie vertreten hat, und noch etwas darüber. Allgemeines Wahlrecht, Versammlungs- und Preßfreiheit, Trennung der Kirche vom Staate,Durchführung des Reichsvolksschulgesetzes, Gleichheit Aller vor dem G setz, Glaubens¬ und Gewissensfreiheit — das Alles ist im socialpolitischen Programme viel entschiedener betont als in dem Bekenntnisse irgend einer der bisher bestandenen bürgerlichen Parteien. In seinem wirthschaftlichen Theile zieht es die Folgerungen ans der fortschreitenden Entwicklung und den veränderten Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens. Auch die socialreformerischen Postulate sind im Großen und Ganzen ziemlich einwandfrei, und die Mehrzahl derselben wird in Zukunft von jeder Partei acceptirt werden müssen, die als freisinnig oder gerecht wird anerkannt sein wollen. Und dennoch müssen wir dem Programme der Socialpolitiker unsere Billigung und daniit auch ihren Candidaten unsere Unterstützung versagen, denn ihr Manifest enthält einen Punkt, der eine gerechte und vorurtheilslofe Behandlung unserer öffentlichen Angelegenheiten von vornherein ausschließt und früher oder später, die Socialpolitiker auf dieselben Irrwege führen muß, aus denen die deutschliberale Partei schließlich keinen rettenden Ausweg mehr gefunden hat. Auch die Socialpolitiker reclamiren für die Deutschen in Oesterreich eine präponderante Stellung, auch sie erklären ausdrücklich, daß sie nicht nur sociale, sondern auch nationale Po lit i k ma ch en wollen. Die diesbezüglichen Sätze des Programmes sind sehr vorsichtig stylisirt, aber trotz aller Vorsicht tritt in denselben das Bewußtsein der nationalen Superiorität des Deutschthums mit aller Klarheit zu Tage. All' die freundliche Bereitwilligkeit, welche zu einer Verständigung von Volk zu Volk und zu einer einverständlichen Lösung der Schul- und Amtssprachenfragen ausgesprochen wird, kann an der Thatsache nichts ändern, daß die Socialpolitiker sich gleichfalls als einenationalePartei fühlen und als solche sich geben. Und mehr noch als in den sorgfältig abgewogenen Wendungen des Programmes tritt dieser nationale Charakter in den führenden Persönlichkeiten selbst hervor. Dem gegenüber wiederholen wir heute das Wort Fischhof's, dessen Wahrheit wir Juden in Oesterreich in den letzten Jahrzehnten bitter genug erfahren haben: DerNation al i s m u s schließt den Liberalismus aus, eine Nation a l e Partei kann unmöglich auch eine ehrlichliberale Partei sein. Die Socialpolitiker neunen den Antisemitismus eine mit den Grundlagen des modernen Staates unvereinbare Bewegung. Aber sie übersehen, daß diese fluchwürdige Bewegung sich nur deshalb in Oesterreich zu solcher Bedeutung entwickelt hat, weil sie in dem fruchtbaren Nährboden der nationalen Streitigkeiten, des nationalen Chauvinismus ihre Wurzeln schlug. Der Antisemitismus hat allmählich alle bürgerlich-freisinnigen Parteien angefressen, soweit sie auf nationalen Boden standen. Tie Deutschnationaleu, die Deutschliberalen, die Jnngczechen, die Slovenen — sie alle waren ursprünglich wahrhaft freiheitlich, und sie alle sind mehr oder minder zu Handlangern der Reactivn geworden aus rein nationaler Ursache. Wie denn auch nicht? Liegt in dem nationalen Bekenntnisse nicht schon die Leugnung des Priucipes der Rechtsgleichheit aller Staatsbürger? Und wenn eine Partei einmal dazu gelangt ist, die Wahrung des nationalen Besitzstandes als ihre oberste Aufgabe zu betrachten, müssen ihr unter diesem Gesichtswinkel nicht alle Freiheitsfragen von untergeordneter Bedeutung erscheinen und wird nicht jede von ihnen bereit sein, durch Preisgebung des vermeintlich geringeren Gutes das vermeintlich werlhvollere zu retten? Wir Juden aber spielen in diesen nationalen Kämpfen eine bejammernswerthe Rolle. Wir selbst wollen uns nicht 3e3L_-M'M WM'JS <0

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