Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 4 (22.1.1897)
- Date
- 1897-01-22
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. * zuzuschreiben. Die Forderung nach Revision der kirchenpolitischen | Gesetze sei eine zumindest verfrühte, denn man müsse abwarten, bis sich die Wirkung der Reformen zeigen werde. Und mit welchen Mitteln kämpfe die Volkspartei! Sie verwirre den gesunden Sinn des gläubigen Volkes, werfe mit Versprechungen um sich, welche nicht erfüllt werden können, cocettire in gefährlicher Weise mit den nichtmagyarischen Nationalitäten, störe die Eintracht unter den Geistlichen rc. Mit welchem Rechte theile die Volkspartei die Leute in gute und in schlechte Katholiken, je nachdem sie sich der Volkspartei anschließen, oder nicht? Nicht mit Hilfe der rohen Massen, sondern nur mit jener der nüchtern denkenden Intelligenz könne bei uns eine ernste Patriotische Partei operiren. Manche Intentionen der Volkspartei respectirt auch Redner, auch er ist als katholischer Geistlicher pflichtgemäß für die Revision, aber mit solchen Mitteln, wie sie von der Volkspartei beliebt werden, schade man nur dem Katholicismus. Auf einen Zwischenruf, welcher den Rednet an seinen früheren Antisemitismus erinnerte, antwortete Komlossy, die antisemitische Partei habe zu existiren aufgehört, weil die Juden durch ihre patriotische Haltung dieselbe als überflüssig erscheinen ließen. Der Redner, welcher das Budget als Basis für die Specialberathung annahm, schloß seine flammende Philippika gegen die Volkspartei unter langanhaltenden stürmischen Eljens der Rechten. Der Pharao der Bedrückung. Von den neuesten Entdeckungen über den Pharao der Bedrückung theilt die „Allg. Ev. Luth. Kirchen-Zeitung" Folgendes mit: Bisher wurde viel gestritten, ob es Ramses der Große oder sein Sohn Merenptah gewesen sei, der das Volk Israel einst bedrückte. Der Egyptologe Professor Petrie glaubt nun beweisen zu können, daß Beide es gewesen seien. Beim Forttäumen der Trümmer des Begräbnißtempels König Merenptahs in Theben fand er einen Stern mit einer langen Inschrift, die sich auf die Anwesenheit der Israeliten in Egypten bezieht, die erste und einzige Aufzeichnung, die gefunden worden ist. Die Tafel ist aus schwarzem Granit verfertigt und mit Hieroglyphen bedeckt. Die Erwähnung Israels findet sich fast am Ende der Tafel. Es ist die Beschreibung der Mederlage der Libyer, die in Egypten eingefallen waren, durch Merenptah, ferner eines zweiten Krieges in Syrien, der siegreich von dem eghptischen Könige zu Ende geführt wurde. Sie -schließt mit den großprahlerischen Worten: „Die Hititen sind zur Ruhe gebracht. Kanaa zerstört und verwüstet, Ascalon genommen, Ianoah dem Erdboden gleich gemacht und das Volk Israel zu Grunde gerichtet und Syrien beraubt und geplündert." Eine der Jahreszahl 1200 v. d. g. Ztr. entsprechende Angabe befindet sich auf 4>er Tafel. Noch bestehen Zweifel, ob bei dem Worte „Israel" nicht eine Verwechslung mit Jezreel, einer Stadt in der Ebene von Esdraelon, stattgefunden hat; aber tüchtige Egyp/ologen haben sich ausdrücklich für erstere Deutung ausgesprochen. Außer dieser wichtigen Entdeckung hat Petrie über den Charakter und die Geschichte Merenptahs manches Neue zu Tage gefördert; sogar die Beschreibung seiner Person hat er aufgefunden, sowie eine Abbildung in Form seiner Büste in den Gräbern von Theben. Er soll ein finsteres, stolzes Gesicht zeigen. Mit 40 Jahren bestieg Merenptah den Thron, es ist eine Tafel imt einer Inschrift gefunden worden, die beklagt, in welcher Verfassung das Land bei seiner Thronbesteigung von Merenptah vorgesunden wurde. Im fünften Jahre seiner Regierung fand ein großer Einbruch der Wüstenbewohner in Egypten statt. Merenptah richtete ein großes Blutbad unter ihnen an und trieb sie aus dem Lande. Die Entdeckungen reichen bis zum achten Jahre seiner Regierung. — Aller Wahrscheinlichkeit nach müssen die Jammertage der Israeliten erst in späteren Jahren seiner Regierung erfolgt sein. Copien der Tafel und der sonstigen gefundenen Gegenstände sind im Universitätscolleg in London aufgestellt. Der große Stein selbst, auf dem die Inschrift sich befindet, ist dem Museum zu Ghizeh überliefert. Ueber die Katastrophe von Sodom und Gomorrha. Kürzlich hielt Herr Dr. Karl Diener den von uns bereits angekündigten Vortrag „Ueber die Katastrophe von Sodom und G o m o r r h a". Der Schauplatz dieser Katastrophe war bekanntlich nach dem Berichte des Alten Testaments am Todten M e e r, in der Bibel Salzmeer, Meer der Wüste, bei den Griechen und Römern Asphaltsee genannt, gelegen. Dieser Binnensee ist nach mehreren Richtungen einer der merkwürdigsten auf der ganzen Erde. Sein Niveau liegt circa 200 Meter unter dem Meeresspiegel; er empfängt an einem Nordende den Jordan und mehrere Bäche, besitzt aber einen sichtbaren Abfluß. Wenn das Niveau des Sees immer ziemlich gleich bleibt, so rührt dies von der überaus starken Verdunstung her. Wegen der tiefen Lage des Sees herrscht nämlich im Bereiche desselben eine außerordentliche Wärme, welche die'Verdunstung sehr befördert. Dieser Binnensee weist außerdem noch die Merkwürdigkeit auf, daß sein Wasser mit Salz und anderen Mineralien total gesättigt ist, so daß zum Beispiel hineingeworfenes Salz sich gar nicht mehr auflöst. Dr. Diener unterzog sich nun der Aufgabe, an der Hand der biblischen Berichte und mit Hilfe der geologischen Forschung die näheren Umstände der Zerstörung der beiden Städte möglichst klarzustellen und so auf einem Wege fortzuschreiten, den schon der Amerikaner Lynch, der Engländer Hüll, der Franzose L u y u e s und Andere betreten haben. Auf Grund eingehender Untersuchung der einschlägigen geologischen Verhältnisse und im genauen Zusammenhalte mit der Darstellung, der Bibel gelangt Dr. Diener zu folgenden Conclusionen: Nach astronomischen Berechnungen über eine Sonnenfinsterniß, welche nach dem Alten Testament vor der Katastrophe von Abraham beobachtet wurde, ist dieses Phänomen und damit auch die Katastrophe in das Jahr 1 5 O O vor Christus zu verlegen. Die beiden Städte dürften in der heutigen südöstlichen Ecke des Todten Meeres gelegen gewesen und nicht durch eine vulcanische Eruption, sondern durch ein Erdbeben in Verbindung mit einem Hervorbrechen des dort sehr reichlichen Grundwassers zugrunde gegangen sein, als dessen Begleiterscheinung freilich auch ein vulcanischer Ausbruch anzunehmen ist. Ruinen der untergegangenen Städte heute zu suchen, wäre verfehlt, da dieselben nach dem Berichte der Bibel gänzlich zerstört wurden. Verschiedene Wohlthäter. Der Tod der Frau Furtado-Heine hat wieder Anlaß zur Erörterung des alten Themas von den Wohlthätern gegeben. Frau Furtado-Heine, die die vielen Millionen, die sie ihr Eigen nannte, zu Wohlthätigkeitszwecken in großem Style verwendete, wurde nicht nur nach ihrem Tode als Wohlthäterin gepriesen und verherrlicht. Ihrem Sarge folgten nicht blos die Spitzen des staatlichen und des gesellschaftlichen Lebens, sondern auch schlichte, einfache Leute aus dem Volke, deren schmerzliche Mienen nicht einem Gebote der Etiquette entsprachen. Selbst die Socialdemokraten, die gewohnt sind, die Wohlthätigkeitsacte der aristokratischen und bürgerlichen Kreise als eine der Reclame oder anderen nicht viel edleren Intentionen entsprechenden Bedürfnissen entspringende That zu glossiren, haben ehrfurchtsvoll dem Andenken dieser Frau den Zoll der Anerkennung gewidmet. Wie das kam? Warum man Frau Furtado-Heine nicht mit anderen „Wohlthätern" in einen Topf warf? Nun, die Antwort ist leicht gegeben. Diese unermüdlich im Dienste der Humanität wirkende Frau hatte sich eben den Ruhm erworben, auch wirklich und wahrhaft eine gute Frau zu sein. Das war das ganze Geheimniß. Man wußte, daß Frau Furtado-Heine nicht nur große Summen den öffentlichen Wohlthätigkeits-Jnstituten spendete, wovon naturgemäß die Oeffentlichkeit erfahren mußte, man wußte aber auch, daß sie unermüdlich und unerschöpflich, blos von ihrem edlen Herzen gedrängt, Armen half und daß sie dabei eifrig bemüht war, zu verhindern, daß ihre edlen Thaten an die große Glocke gehängt wurden. Nur die Armen wußten und hörten davon und sie verkündeten das Lob und den Ruhm der guten Frau, die Gutes that, um Gutes zu thun und nicht weil sie die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich lenken wollte. Das aber ist das einzige Ziel, das den anderen — Wohlthätern vor Augen schwebt. Die geben niemals, weil ihnen das Helfen und Wohlthun Herzensbedürfniß ist, weil sie es als eine Pflicht erachten, an dem Segen, der ihnen beschicken wurde, auch Andere theilnehmen zu lassen. Diese — anderen Wohlthäter geben nur, damit ihr Name genannt, ihre Großherzigkeit bewundert, ihre Menschenfteundlichkeit angestaunt wird. Sie geben Tausende, damit sie öffentlich als Philantropen gelten, sie können dem Hungernden den Groschen verweigern, wenn ihre Wohlthat im Dunkel des Geheimnisses gehüllt bleiben müßte. Diese öffentlichen Wohlthäter fordern unerbittlich, daß ihnen die Welt die Zinsen für ihre Großthaten pünktlich zahle durch Ruhmespauken, durch öffentliche Danksagungen, durch Verleihung von Ehrenämtern und Auszeichnungen. Diese Wohlthäter, das empfinden die Armen instinctiv, sind es nicht, die es verdienen, daß ihnen der höchste Ruhmestitel verliehen wird, — daß sie als gute Menschen im Leben geliebt und geehrt und auch nach dem Tode geliebt und betrauert werden. Nur die Liebe verdient es, Liebe zu ernten, die in Wohlthätigkeit speculiren, müssen sich schon damit begnügen, daß sie mit der Reclame, die sie bezahlen, auch selbst schon bezahlt sind. — a—