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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-15 · 3 (15.1.1897) · page 24

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
3 (15.1.1897)
Date
1897-01-15
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 64 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 3 angebracht, aus der (im Correspondenzblatt für Schweizer Aerzte, Nr. 23, 1896, veröffentlichten) Gedächtnißrede des Dr. Haffter auf einen der rühmlichst bekannten und geachtetsten Aerzte der Schweiz und der Welt, Dr. L. Sonderegger, folgende Stelle mitzutheilen, welche der von ihm hinterlaffenen Autobiographie entnommen ist: „Ich bin nicht mit großen Ansprüchen in's Leben gegangen; Nahrung und Kleidung und etwa die Stellung eines Lehrers oder Landpfarrers, das war Alles, was ich erwartete; deshalb war ich angenehm überrascht, als sich mir bald manche Honoratioren der Gegend, selbst aus dem damals noch fernen St. Gallen, anvertrauten. Zum Respecthaben geboren, begrüßte ich die seßhaften Collegen der umliegenden Orte mit aufrichtiger Hochachtung und den angesehensten derselben consultirte ich in jedem wichtigen Falle. Dafür entwickelte dieser hinter meinen Rücken einen Neid und Zorn gegen mich, der förmlich Reclame für mich machte. Die übrigen waren ohne Ausnahme angenehm und ehrlich. Das Ideal eines Arztes, dessen Bild mir auch im Alter nicht abgeblaßt ist, der wissenschaftlich hochstehende, Praktisch gewandte, großartig wohlthätige und wahrhaft collegiale Mann, der beste Christ unter uns Aerzten, das war der alte Jude Doctor Steinach in Hohenems. Als er 1867 auf seinem Sterbebette lag, hat die katholische Gemeinde in der Kirche für ihn gebetet. Er war die oberste Instanz weit herum und ein Druck seines Fingers hätte genügt, den jungen Sperling von Concurrenten todt zu machen. Er hat mich väterlich geführt und gehoben und mir die Ehrenschuld auferlegt, später seinem Beispiele zu folgen..." Vom Knoblauchgeruch der — Germanen. Bis zum Ueberdruß hat es der Antisemitismus wiederholt, daß die Juden einen eigenen Geruch ausströulen. Der „foetor judaicus"' der eine Art Zwiebel- und Knoblauchgeruch sein soll, hafte den Juden als „Racenmerkmal" an. Zwei Anschauungen stehen sich hier gegenüber. Die eine, vertreten durch R. Andree, W. Joest, A. Erman u. A., glaubt fest an einen Völkergeruch, indeß die andere, vertreten z. B. durch den Afrikareisenden L. Wolf, einen solchen in das Gebiet der Fabel verweist. Auch wir sind der Ansicht, daß die Völker, getreu der Tendenz, die Nachbarvölker verächtlich zu machen, diese Beschuldigung nur erfunden haben. Auch die hellfarbigen Völker werfen sich einander vor, daß sie. schlecht riechen. Adolf Erman constatirt einen specifisch-russischen Nationalgeruch, die Preußen hatten anno 1870, wie die Franzosen behauptet haben, einen „Preußengeruch" u. s. w. Auch den alten Germanen wurde der gleiche Vorwurf gemacht. Der galloromanische Rhetor Sidonius Apollinaris hielt sich über den Zwiebel- und K n o b l a u ch g e r u ch der Burgunder oder überh'aupt der G erman e n auf (Carmen XII, Ausg. v. Migne, S. 709, citirt von Dr. F. G. Schultheiß. Globus 1892, Bd. 61, S. 239). Ferner warnte Papst Stephan IV. die ftänkischen Könige vor einem Ehebündnisse mit den L o n g o b a r d e n, der foetentissima gens, von der auch das Geschlecht der Aussätzigen seinen Ursprung habe! (Im Jahre 769 oder 770, Jaffe, Bibliotheca IV., 159. Globus, ebenda.) Der Priester einer Ansiedelung von Friesen erinnerte diese daran, daß sie von allen Colonisten den Slaven die verhaßtesten seien: saue foetet eis odor noster Helmold chron. Slavorum I. 64. Clafficismus und Bibel. Im Verein für jüdischeGefchichte undLiteratur zu Frankfurt a. M. sprach am 21. December Herr Rechtsanwalt Dr. F r ä n k e l aus München über C l u s s icismus und Bibel, die Elemente modern er Bildung. Unter den Tagesftagen spielt die pädagogische Frage eine Hauptrolle. Es breche sich die Absicht Bahn, daß wir der Jugend eine auf Humanismus und Clafficismus sich aufbauende Bildung angedeihen lassen müssen, daß es nothwendig ist, sie mit historischem Sinn auszustatten. Noch ein Schlagwort sei es, das bei Erörterung pädagogischer Probleme in die Debatte geworfen werde: christliche Bildung. Das berühre uns peinlich; wo dies Wort als ein Gegensatz gebraucht werde, sei es geeignet, jedes historisch fühlende Gemüth zu verletzen. Das Wort beziehe sich mehr auf die Moral, als auf den Geist, und wir können behaupten, daß es keine Moral gibt, die nicht jüdisch ist. Denn die Grundlage der Dogmen bleibt die Bibel. Der Redner ging nun dazu über, welch' ein bedeutender Bildungsfactor die Bibel heute noch ist mrd bleiben wird, und ihr den Clafficismus gegenüberzustellen. Für die Griechen war die natürlichste Dichtungsform das Epos, bei den Römern war es nur Nachahmung; in oer Bibelist das Epos nicht stark vertreten (Lied am Schilfmeer, Lied der Deborah u. s. w.), denn sie hat einen historischen Boden. Von der griechischen Lyrik besitzen wir nicht mehr viel; bedeutend zahlreicher sind die uns bekannten römischen Lyriker. In Bezug auf Lyrik steht aber allen die Bibel voran. Es gibt kaum etwas zur Composition Geeigneteres, als die Psalmen. Redner ging auf die Bedeutung derselben, ihren Inhalt und ihre Stellung zu anderen Gedichten näher ein und trug einige Psalmen in Uebersetzung vor. Die Klagelieder bilden den erschütterndsten Ausdruck des Schmerzes aller Zeiten, das Hohelied Salomos athmet höchste sinnliche (!!!) Gluth. In trefflicher nretrischer, gereimter Uebersetzung führte der Redner verschiedene Theile des Hoheliedes den Anwesenden zu Gehör. Diesen gegenüber erscheinen die Lieder Anakreons und Horaz als harmlose Spielereien. Das Buch Hiob ist das erste bekannte philosophische und theologische Drama, welches die höchsten Fragen der Menschheit in erschütternder großartiger Sprache aufwirst, während die Griechen und Römer für derartige Fragen nur Lehrbücher schrieben. Hiob bildete die Brücke zur didaktischen Poesie; bierin stehen die Griechen weit hinter den Römern zurück. In der Bibel finden wir nur die ernste Form der Didaktik, und zwar im Buch Koheleth. Mehr ethischer Natur sind die Sprüche Salomos. Noch ist zu betrachten eine der Bibel eigentümliche Stylart: die Propheten. Sie hat Aehnlichkeit mit der griechischen und römischen Rhetorik und ist der Ursprung und die Quelle der modernen Predigt. Zu bewundern ist der ungeheure Muth, mit dem sich die Propheten gegen die Fürsten wenden. Die Dramatik dient in der Bibel nur zur Belebung der Didaktik. In der Bibel weist Alles auf den Monotheismus hin. Um ihre Schönheit voll zu würdigen, ist die Kenntniß der hebräischen Sprache durchaus nöthig. Gerade in der heutigen Zeit des Racenkampfes, der Verfolgung des Jndenthnms auch in seinen literarischen Denkmälern, ist es nothwendig, daß die heranreifende Jugend durch den Religionsunterricht befähigt werde, mit den Waffen des Wissens und der dadurch eroberten Begeisterung für die Ideen des Judenthums den übermüthig gewordenen Feind zu bekämpfen. Der Teufel Bitru und Professor August Rohling. Florenz den 12. Jänner 1897. Das Organ des Jesuitengenerals, die „Unitä Cattoiica", kündigt an, daß die Erfinder der Miß Baughan-Geschichte große kirchliche Strafen zu erwarten haben, damit die Katholiken nicht mehr beschwindelt werden. Zu den Erfindern und eiftigsten Aposteln der Miß V au gh a n zählte aber vor Allen der Canonicus Professor August Rohling, der noch bei jeder Blamage der Kirche in den letzten Jahren seine Hand im Spiele hatte. Was wird mit ihm geschehen? Concursstatistik. In einer der letzten Reichstagssitzungen verlangte der antisemitische Abgeordnete Zimmermann Fortsetzung der Concursstatistik auch bezüglich der R e l i g i o n der Concursmacher. Vielleicht interesiirt den verehrten Herrn Abgeordneten einstweilen die Concursstatistik.seines engeren Heimatlandes, des „judenreinen" Königreich Sachsen, damit können wir dienen: Nach dem XIV. Jahrgang (1893) des statistischen Jahrbuches für das Deutsche Reich wurden in diesem gesegneten Ländchen im Jahre zuvor 1098 Concurse eröffnet, das heißt, es kommen auf 100.000 Einwohner 30*4 Concurse, während das Verhältniß im übrigen, mehr oder minder verjudeten deutschen Vaterland e sich wie folgt stellte: im Königreich Preußen 2 31, in Baiern 14'7 und im ganzen deutschen Reiche 15 3 Concurse auf 100.000 Einwohner. Das judenreine Sachsen hat also im Verhältniß noch mal so viel Concurse als das Deutsche Reich. Facta loquuntur! Antisemitische Ehrenmänner. Aus Berlin kommen nachstehende Meldungen: Berlin, 11. Jänner. Die „Kölnische Volkszeitung" meldet, A h l w a r d t, der bekannte Antisemit, der seine Frau und Familie bei seiner Abreise nach Amerika in Berlin in Bedrängniß zurückgelassen und von Amerika aus unzureichend unterstützte, kehrte auf die Drohung seiner Frau, sie würde andernfalls seine Privatcorrespondenz den Zeitungen zur Pub- 1 lication aushändigen, zurück; die diesbezüglichen Unterhandlungen seien bereits eingeleitet. Berlin, 6. Jänner. Normann - Schumann, der vielgenannte Polizeispitzel, ist Verfasser einer Broschüre über den Xantener Knabenmordproceß, die seinerzeit im Verlage des Stöcker'schen „Volk" erschienen ist. Das plaudert jetzt nicht etwa ein „Judenblatt", sondern der hochconservative „Reichsbote" aus. Was sagt Herr Stöcker dazu?

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