Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 3 (15.1.1897)
- Date
- 1897-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 8. Dr. Bloch’s ♦ fl Jahrgang XIV. 4 Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. L. k. Poysp an sjftn-Aml Etraringv erkehr Nr. 810.976. »rdarNon und Administrsllon: Wir« Vntere VnonrirnPratze 1» Telephon-Nr. 6535. 4 - - ■ =* -- —■- Wien, 15. Jänner 1897. -- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. Ij Bijug»preia für Srsterrrtrh: |j I Halbjährig 4 fl. — 3 Stx. |: I Einzelexemplare 96 kr. j | lüt'» Ausland: j halb'^hrig 6 jl. lOJlt. j ganzjährig 10 „ 3® „! Anzeigen: Die 4mal gespaltete>, Petitzeile 19 kr. Inhalt: Artikel: Der Blüthentraum der Universitätsbluthe. — Eine Lehre für die antisemitische Publicistik. — Währinger antisemitische Armenräthe. — Der Einfluß des jüdischen Geistes auf die antike Welt. — Salomon Buber. — Üson der Akademie des „Ferienheims". — Stiftungen und Widmungen pro 1897. — Correspondenzeu: Wien, Budapest, Prag, Jamnitz, Lemberg, Krakau, Berlin, London, New-Dork. — Vermischtes: Wien, Graz, RoLnau, Bräun, Rakoni'tz, Boskowitz, Prag, Neutitschein, Buczacz. Budapest, Raab, Paris, London, Bombay, Johannesburg, Newport, Chicago, Perth, Baltimore, Tripolis. — Feuilleton: Von der Straße. — Eine Stunde nur Jude sein. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Inhalt der Beilage: Rede des Abgeordneten Dr. Arnold von Rapoport-Porada. Mittelalterliche Finanzoperationen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: lieber die heutigen Aufgaben der österreichischen Juden. Vom Knoblauchgeruch der — Germanen. Der Teufel Bitru und der Professor August Rohling. Classicismus und Bibel. Concursstatistik. Antisemitische Ehrenmänner. Der Blüthentraum der Aniversttätsblüthe. Unter den Gratulanten, die dem Erzherzog Rainer ihre Glückwünsche zn seinem 70. Geburtstage darbrachten, befand sich auch der Herr von Dermalen, der Herr Strobach. Wir sind ja kaum einige Wochen von dem bürgerlichen Neujahr entfernt, und es ist uns noch in frischer Erinnerung, daß gegen das Angratuliren kein Kräutlein gewachsen ist, daß man sich schlecht oder recht die lästigsten Gratulanten gefallen lassen muß. Da bleibt nichts anderes übrig, als sie mit Geld und guten Worten so rasch als möglich wieder zur Thüre hinaus zu expediren . . Herr Strobach hat es sich in seiner Pappendeckel- und Kleister-Vergangenheit gewiß nicht träumen lassen, daß er einmal mit den Zeitereignissen in Verbindung treten werde. In dieser schöneren und leichteren Vergangenheit brauchte er sich der anstrengenden Arbeit des Lesens selten zu unterziehen und darum konnte er mit rührender Unbefangenheit vor den Mann hintreten, der vor wenigen Jahren in einer Sitzung der Akademie der Wissenschaften die Lebensarbeit der Strobachs als einen „Kampf gegen die Aufklärung und den Fortschritt" bezeichnet hatte, den „gerade wir doppelt beklagen, weil wir den Werth des Wissens und der Bildung erkennen." Die Geburtstagswünsche des Herrn Strobach und die Geburtstagsfeier, welche die Universitätsjugend, aus deren Reihen doch die künftigen Akademiker hervorgehen sollen, sind einander gleichwerthig.EinS t u d e n t e n t a g hat in Wien stattgefunden, auf welchem sich die Vertreter der sogenannten germanischen Studentenschaft zusammengethan hatten, um den gesetzgebenden Körperschaften eine Universitätsreform vorzuschlagen, wie sie sich in ihren unreifen Köpfen malt. Geht es nach dem Sinn dieser Jünglinge, dann gebühren von dem Wissensschatz der Menschheit genau so viele Percente den Anhängern des jüdischen Glaubens als sie in der Gesammtbevölkerung ausmachen. Wir hätten es verstanden, wenn den Heilü-Burschen aller Farben um das ihnen zukommende Bier-Deputat bange geworden wäre und wenn sie das „blaue Roß", „die drei Hacken" und den „rothen Walfisch" als ausschließliche. Heimstätten des christlich-nationalen Geistes erklärt hätten. Und man hätte es ihnen schließlich nicht verübeln können, wenn es ihnen um ihr Lebenselement bange geworden wäre, wenn sie sich auf diesem ist rem ureigenen Boden die schädliche Cvncnrrenz vom Leibe hätten halten wollen. Ein Anderes ist es aber um die Räume der Universität, die Hvrsäle, die Seminarien, die Laboratorien. Ist es wirklich ein Postulat des unverfälschten Deutschthums, daß die Hallen der Wissenschaft — leer stehen müssen? Die reinliche Scheidung, welche die reinen Arier verlangen, ist doch längst schon eiugetreten: Die Germanen im Bierhaus, die Inden auf der Universität. Ueberflüssig wäre es, mit diesen modernen Verkörperungen des Grillparzer'schen Wortes: „Bon Humanität — durch Rationalität — zur Bestialität" zu rechten, ihnen die Zierden der Wissenschaft, die Vorkämpfer der wahren Bildung, die der jüdische Stamm der Menschheit geschenkt hat, in's Gedächtniß zu rufen. Es wäre auch unnütz, denn der Dürrkräutler-Standpnnkt ist mit dem Antisemitismus unzertrennlich verbunden. Erzherzog Rainer hat in jener berühmt gewordenen Akademie-Rede der Hoffnung Ansdruck gegeben, daß die trübe Erscheinung des Kampfes gegen Fortschritt und Aufklärung eine vorübergehende sein wird. Das war im Jahre 1889. Seitdem hat sich die Hoffnung nicht verwirklicht, noch immer ballen sich die trüben Nebel des Hasses um Sonne und Licht. Aber nicht verzagen, gilt die Losung. Ein Jude war es, wohl ein kritischer, ein skeptischer Geist, Baruch Spinoza, der zuerst die lodernde Fackel entzündete, deren greller Schein in die dunklen Tiefen des Offenbarungsglaubens hineinleuchtete. Aber diesem Inden war das Erbgut seines Stammes nicht verloren gegangen, der gesunde, edle Optimisnlus, der auch in finsterer Grabesnacht der heranfkommenden Morgenröthe einer schöneren Zukunft nicht vergißt. Wenn von dem Glanz der Wiener Universität gesprochen wird, so denkt mau zunächst an jene großen unvergleichlichen Gelehrten, welche ihren Ruhm durch ganz Europa getragen haben, an Skoda, Rokitansky, M i k l o s i ch, Glaser und U n g e r, also an Männer slavischen und semitischen Ursprunges. Die Herren Deutschnationalen haben diesen Ruhm der Universität weder begründen noch vermehren geholfen. O, schmäht es nicht Ueberhebung und hochmüthige Einbildung! Unsere Hasser sind unsere unfreiwilligen Zeugen. Ihr könnt es überall beobachten, daß die Feinde des Wissens und der Aufklärung jede Leuchte der Wissenschaft und des menschlichen Fortschrittes mit dem Fluche zu beladen suchen, der seit zwei Jahrtausenden auf dem Judenthume lastet — daß man Gelehrten wie D a r w i n und L e s s i n g, Freiheitskämpfern wie Garibaldi, Jules Simon, G a m b e t t a, Eastelar die Lüge nachsagt, sie seien jüdischem Stamme entsprossen. Wo nur irgend von einem hervorragenden Manne des Geistes und