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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-08 · 2 (8.1.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
2 (8.1.1897)
Date
1897-01-08
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 40 Dr. VIvch's Wochrnptzrifl Nr. 8 „Aber wenn ich Alles verliere?" sagte er, einen Rückzug versuchend. „Unmöglich!", sprach der Schnorrer Mit heiterer Ruhe. „Vergeßt Ihr denn, daß es der Synagoge gehört? Glaubt Ihr, daß der Allmächtige sein Geld verloren gehen lassen wird?" „Warum speculirt Ihr da nicht selber?" sragte Grobstock listig. „Die Ehre des Allmächtigen muß gewahrt werden. Was, sollte man ihm weniger gut dienen, als einem irdischen Monarchen? Meint Ihr, ich kenne nicht Euere finanziellen Beziehungen zum Hof? Der Dienst des Allmächtigen erfordert die geeignetsten Männer. Ich war der Geeignetste zum — Sammeln des Geldes — Ihr seid der Geeignetste, um es anzulegen. Morgen früh soll es in Eueren Händen sein." „Nein, gebt Euch nicht die Mühe", sprach Grobstock schwach. „Ich habe nicht das wirkliche Geld nöthig, um damit zu handeln." „Ich danke Euch für das Vertrauen, das Ihr mir schenkt," antworteteManafie bewegt. „Nun sprecht Ihr wieder, wie Ihr selbst. Ich ziehe zurück, was ich zu Euch sagte, ich werde wieder zu Euch kommen — zu dem Menschenfreund, gerade so wie zu denr Financier — und es thut mir leid, daß ich den Kaffee selbst bezahlte." Seine Stimme bebte. Grobstock war gerührt. Er zog einen halben Schilling hervor und erstattete die Ausgaben seines Gastes mit Zinsen. Manasse steckte die Münze in die Tasche und nahm kurz darauf Abschied, nachdem er feinem Makler noch einige Weisungen gegeben hatte. Da Grobstock das Geschäft einmal übernommen hatte, beschloß er, es so gut als möglich durchzuführen. Heimlich bewog ihn die Eitelkeit, den Bettler in Erstaunen zu setzen. Zufälligerweise war er wirklich im Begriffe, ein großartiges Manöver auszuführen und neben feinem eigenen Triton mochte Manasses Elritze mitschwimmen. — Er machte aus den sechzig Pfund sechshundert. Ein paar Tage nach der königlichen Hochzeit, deren Herrlichkeiten unter den degenerirten Schnorrern von heute noch immer von Mund zu Mund gehen, machte Manasse den Kanzler vor Erstaunen stumm, indem er ihm einen Beutel überreichte, der irr Gold hundert Pfund enthielt. So erfüllte er ehrenhaft seine Pflicht gegen die Synagoge und zwar mit größerer Geschwindigkeit als mancher Vorsteher es gethan haben würde. Aber das war noch nicht genug. Da er der richtigen Ansicht war, daß das Ergebniß der Speculation der Synagoge gehöre, nachdem ihr Geld auf dem Spiele gestanden harte, übergab er mit Don Quixotischer Gewissenhaftigkeit den Rest von fünfhundert Pfund dem M a ch a m a d, iudem er nur die Bedingung stellte, daß sie unter dem Titel einer Da Costa-Stiftung zu einer lebenslänglichen Rente für ein armes würdiges Mitglied der Gemeinde verwendet werden sollten, bei dessen Wahl er als Spender die entscheidende Stimme haben müsse. Der Rath der Fünf stimmte den Bedingungen eifrig zu und berief für die Wahl eine besondere Versammlung ein. Des Spenders Wahl fiel auf Manasse Bueno Barzillai Azevedo da Costa, der fortan allgemein als König der Schnorrer anerkannt und hiemit der Tradition überliefert wurde. Ende. Literatur. Eingelangte Schriften. Dr. Wilhelm Bacher, Professor an der Landes- Rabbinerschule zu Budapest: „Die Bibelexegese Moses Maimunis", Straßburg 1897 bei Karl I. Trübner. Dr. Emil Hoffmann, Rabbiner in Reichenberg, „Eine brennende Frage des gegenwärtigen Israels" Reichenberg 1896. Verlag von Paul Solloß (Theaterplatz). „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums", begründet von Dr. Z. F r a nk e l, fortgesetzt von Prof. Dr. H. G r ä tz. Neue Folge, herausgegeben von Dr. M. B r a n n in Breslau und Prof. Dr. D. Kaufmann in Budapest, Jahrgang 41. Neue Folge, Fünfter Jahrgang. December 1896. Inhalt: Prof. Dr. Adolf Büchler: „Das apokryphische Esrabuch" (Schluß). Prof.Dr. Ludwig Blau: „Aus den talmudischen Randnoten" des Herrn Rabbinatspräses S. L. Brüll in Budapest (Schluß). Dr. Simon Eppenstein, „Studien über Josef Kimchi" (Fortsetzung). Prof. Dr. David Kaufmann: „Ein Jahrhundert einer Frankfurter Aerztefamilie." — Besprechungen: Prof. Dr. Wilhelm Bacher: „Die Agada der Palästinensischen Amoräer" von Dr. Horowitz. — M. Friedmann: „Onkelos und Akylas" von Dr. Rosenthal (L>chluß). Breslau, S. Schottländer. S. Kohn, (Verfasser von „Gabriel") „David Speier, historischer Roman aus der Zeit des 30jährigen Krieges" in 2 Bänden. Frankfurt a. M. 1896. Verlag von A. I. Hofmann. Briefkasten. M. N. Sogar Herr T r a b e v t, der alte Mitarbeiter des „Vaterland", verdammte das Benehmen Schneid er's. A. Dr. Lueger hört nicht gerne davon, daß zur Abwechslung einmal ein Antisemit von einem Juden angespuckt wurde. Dr. L. Z. Gregorig, der I h e r i n g für einen Juden hält, braucht sich vor Lueger, der nie etwas von Gutzkow's „Zauberer von Rom" gehört, nicht zu schämen. nn. Wenn V e r g a n i von der Verhunzung der deutschen Sprache spricht, so muß man ihm zugeben, daß e r besonderes Recht hiezu hat. g—n. (III. V.) Sie irren, Porzer und Löw müssen empört sein über das Vorgehen Schneidens gegen Dr. Benedikt. Da fühlen sie mit dem Beleidigten. Arthur S. Diese Erzählung von den drei. Ringen kommt bereits in dem Buche Scheweth-Jehuda vor. M. K. Wiesinger folgte nur dem Beispiele seines Vorbildes Sebastian Brunner, indem er Lessing begeifert. a—b. Die Idee, eine Sammlung der falschen Accusative herauszugeben, die das „Deutsche Volksblatt" seit seinem Bestände verbrauchte, ist nicht ohne. M. M. Koai. Ende April 1897. A. H. Prag. Die Weine sind vorläufig nur direct von der Import-Gesellschaft „Palästina" Berlin, Werder'scher Markt 9 zu beziehen. S. JA. Dembica. Die Adresse lautet: Frau Baronin Clara von Hirsch, Paris, Rue de l'Elysöe 2. L-. K. Falkenau. Wenden sie sich an Herrn Michael Katzenstein (Firma Katzenstein & Benjamin) Frankfurt a. M., Börsenplatz 11. Satisfaction — Wien. Nur unserem Grundsätze, jedes Chilul hoschem zu vermeiden, haben Sie es zu verdanken, daß wir auf Ihre Notiz in Nummer 52 nicht weiter reagiren. Wir möchten Ihnen nur den Rath noch ertheilen, weniger in die Oeffentlichkeit zu treten. Nur jene Frauen sind die besten, über die am wenigsten gesprochen wird. In der Regel leisten jene Schulen am wenigsten, die sich zu sehr in die Oeffentlichkeit drängen. .. Stiftung für Bymnasialschüler. Vom Vorstande der hiesigen israel. Cultnsgemeinde wird hiemit bekannt gemacht, dass die Zinsen der obigen Stiftung liir fünf israel. Gymnasialschüler, und zwar für zwei im Betrage von je 50 fl. und für drei im Betrage von je 48 fl. zur Verleihung kommen. Be dingungen: ]. Zeugnisse über guten Studieufortgang. 2. „ „ streng sittliche Haltung. 3. n .. « Mittellosigkeit. 4. Diejenigen Schüler, welche die Stipendien erhalten, sind verpflichtet, am Vorabende des 22. Adar und am Morgen desselben Tages beim Gottesdienste im Bethause der Cultnsgemeinde (I., Seitenstettengasse 4), anwesend zu sein und ihre Anwesenheit dem jeweiligen Bethaus^Inspicienten zu melden, welcher schriftlich die Anwesenheit der Stipendisten zu bestätigen hat, worauf dieselben erst unter Vorweisung dieser Bestätigung an der Cassa der Cultusgemeinde die Stiftungszinsen ausbezahlt erhalten können. Diejenigen Stipendisten, welche vater-, mutter- oder elternlos sind, sind verpflichtet, nach dem Abend- und Morgengottesdienste das Kadischgebet zu verrichten. Verwandte des Stifters, Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt oder seiner Gattin Frau Annette geb. Landau, und Waisen erhalten den Vorzug. Bewerber um obige Stipendien haben ihre Gesuche bis 31. Jänner d. J. im Einreichungsprotokolle der Cultnsgemeinde (1., Seitenstettengasse 4, 1. Stock) einzureichen, woselbst Gesuchsblanq[nette während der Amtsstunden (9—12 Uhr Vormittags) unentgeltlich zu beheben sind. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, event. in welchem Betrage. Wien, 1. Jänner 1897. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46. ^905488512 3284

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