Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Vr. Vwrtz's Vochrntzchrist. Nr. 1 Am 27. December ist im hiesigen Locale des „Zion^-Vereines eine Versammlung behuss Gründung einer hebräischen Schule hierorts gelvesen. Die orthodoxe Partei war durch Herrn Jecheskiel Sang vertreten, die Fortschrittler hatten in der Person des Ingenieurs Herrn Jsak Appermann ihren Repräsentanten.Den Vorsitz führte Herr Elias Nathan G o l d st e i n, als Schriftführer fungirte Herr Leon D r e i a n g e l. Nachdem Herr A. Apfelbaum ein ausführliches Referat entrollte, erklärte sich die Versammlung im Principe mit der Gründung einer hebräischen Schule einverstanden. Die Realisirung dieses Projektes wurde in die Hände des Ausschusses des „Z'on"-Berkines gelegt. Krakau. Es ist eine bekannte Thatsache, daß unzählige Glaubensgenossen in Galizien, die mit unheilbaren Krankheiten behaftet und dem Elende anheimgesallen sind, nirgends Zuflucht finden können und ein jammervolles Dasein fristen. Seit Jahren strebt nun der hiesige israelitische Cultusvorstand darnach, eine Anstalt für unheilbare Kranke zu errichten, doch der gute Wille scheiterte stets an der Lösung der finanziellen Frage. Jetzt hat sich jedoch der Cultusvorstand zu einem Schritte entschlossen, der die Idee verwirklichen wird. Bei der letzten, unter Vorsitz des Präsidenten der Cultusgemeinde, Gemeinderathes Herrn Dr. Leon H o r o w i tz, abgehaltenen Plenarsitzung des Cultusvorstandes hat der Vicepräsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath Herr Hirsch-Landau den Antrag gestellt, eine solche Anstalt für 40 Kranke für Westgalizien in Krakau zu errichten. Diese Anstalt soll aus Anlaß des Kaiserjubiläums eröffnet werden. Nach einstimmiger Annahme dieses Antrages wurde beschlossen, sämmtliche Cultusgemeiuden Westgalizicns zu einer Conferenz in dieser Angelegenheit nach Krakau eiuzuladen, und hofft man allgemein, daß diese schöne Idee verwirklicht werden wird. Die beiden Präsidenten der hiesigen Cultusgemeinde haben sich nach Lemberg begeben, um sowohl vom Statthalter Fürst S a n g u s z k o, als vom Landmarschall Grafen Badens die Unterstützung der Regierung in dieser Angelegenheit zu erbitten. Der Abgeordnete Dr. Arnold von Porada-Rapoport hat diese Woche durch das Präsidium der hiesigen Cultusgemeinde 1000 Centner Kohle an hiesige arme Juden vertheilen lassen. Budapest, 20. December. In den betheiligten Kreisen erregt es allgemeine Befriedigung, daß nahezu 300 Gemeinden die Wahl des Herrn Rabbiners Leopold Lipschütz zum Präsidenten der „D u r ch s ü h r u n g s c o m m i s s i o n, gutgeheißen haben und derselbe dadurch gewählt erscheint. — Die Stadt O e d e n b u r g, in der die antisemitische Volkspartei ihr Unwesen treibt, hat der jüdischen Gemeinde eine Subvention von 4176 fl. (gegen 3400 fl. im Vorjahre) bewilligt, ein Beschluß, der um so bemerkenswerther ist, da derselbe trotz der heftigsten Agitation der Antisemiten einstimmig gefaßt wurde. — Der Abgeordnete Dr. Armin N e u m a n n, der verdienstvolle Präsident des ,Vereines zur Verbreitung des Ackerbaues und des Handwerkes unter den Juden Ungarns", wurde von der Stadt Bereczk in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenbürger gewählt. — Gerichtsrath Dr. Isidor B aumgarten wurde zum Staatsanwalt in Budapest ernannt. Frau Fanny Sugar hat der jüdischen Cultusgemeinde Mezökövesd 10.000 fl. testamentarisch hinterlassen. Prag. 13. December. Am Donnerstag hielt der hiesige jüdische Freitischverein unter dem Vorsitze seines Präses Jurist Dr. Robitschek seine 37. ordentliche Generalversammlung ab. Dem der Versammlung vorgelegten Berichte entnehmen wir, daß der Verein während des vergangenen Schuljahres 220 Kostnehmer mit einem Mittagessen versorgt hat. Der Verein zählt jetzt 2810 Mitglieder. Die Jahresbeiträge beziffern sich mit 6202 fl., die Baarspenden mit 2147 fl., die Fondspenden mit i 3250 fl. und die Interessen vom unangreifbaren Fond mit! 2634 fl. Die Auslagen im vergangenen Jahre betrugen 10.893 fl. Das Vereiusvermögen beträgt 65.411 fl. Zum Präses wurde wieder Dr. Robitschek und zum Vicepräses Dr. D u s ch e n e s gewählt. Berlin, 20. December. Wer kennt sie nicht die Beiden, welche bei jedem Wetter, ob Regen oder Sturm, durch die Straßen Berlins ziehen, um Werke der Liebe und Barmherzigkeit zu verrichten, Moritz und Bertha Manheimer? Und so konnten sie auch heute sprechen: „Gelobt seiest Du, Ewiger, unser Gott. König der Welt, der uns hat am Leben und bei Gesundheit erhalten und uns hat erreichen lassen diese Zeit." — Zur Feier der Einweihung des Hospitals der jüdischen Gemeinde, welches eine Stiftung des Manheimer'schen Ehepaares ist, hatten sich heute eine Anzahl der angesehensten Glaubensgenossen versammelt. Nach Absingung des Liedes: „Wie schön sind Deine Zelte, Jacob, Deine Wohnungen, Israel! Durch Deine Huld, o güt'ger Gott schau'n wir dies Haus vollendet heut! Wir bringen Dir Dank und Preis, daß Du unserer Hände Werk gefördert hast"' — hielt der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Justizrath Meyer eine Ansprache, in welcher er die historische Entwicklung des Hospitals schilderte. Der Chor intonirte: Sei geweiht. Du traute Stätte. — Anknüpfend an das Schriftwort: Und es geschah in jenen Tagen, als Moscheh groß war, da ging er aus zu seinen Brüdern, hielt Herr Rabbiner Doctor Maybaum die iir Form und Inhalt gleich meisterhafte Weiherede. Hierauf sang der Chor Psalm 115, Vers 12—15, Der Herr hat unser gedacht. — Gott mehre die Tage und Jahre des edlen Manheimer'schen Ehepaares! Frankfurt a. M, 21. December. (E m a u e l S ch w a r zs ch i l d. — V o r st a n d s w a h l. — Statistik.) Ein hervorragendes Mitglied der „Adaß Jeschurun", Bankier Emanuel S ch w a r z s ch i l d, ist am 14. d. M. gestorben und am 16. bestattet worden. Der Verstorbene uahm hier eine Reihe von Ehrenstellen ein; bei Gründung der Israelitischen Religionsgesellschaft war er deren Secretär und gehörte seitdem abwechselnd dem Vorstand und Ausschuß der Gesellschaft an. Er war ferner Mitglied des Schulrathes und der meisten Commissionen der genannten Gesellschaft, sowie der Verwaltungscommission der Israelitischen Volksschule. Auch dem Hilfscomits zur Unterstützung der aus Rußland ausgewiesenen Juden gehörte er unter Anderem an. Von Jugend aus zeichnete er sich durch außerordentlichen Wohlthätigkeitssinn aus. Auf Wunsch des Entschlafenen wurde an seiner Bahre weder eine Trauerrede gehalten, noch irgend eine andere Feier vorgenommen. — Unter ansehnlicher Betheiligung vollzogen sich am 17. d. M. die Ersatzwahlen zum Ausschuß der Israelitischen (Haupt-) Gemeinde. Zwei Listen kämpften um den Sieg. Der auf beiden figurirende Name, der des Herrn Jacob Hermann W e i l l e r, erhielt 867 von den im Ganzen abgegebenen 870 Stimmen. 551 Stimmen erhielt Herr Heinrich W i s l o ch, 535 Herr Isidor R o t t e n w i e s e r. Diese drei Herren sind somit gewählt. Die Candidaten des „Vereins für fteisinniges Gemeindeleben", die Herren Gustav Dreyfuß und Emil Rothbarth erhielten nur je 326 Stimmen. Außerdem zersplitterte eine Anzahl von Stimmen. — Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung waren hier 138.753 evangelische, 68.904 katholische Christen, 19.488 Juden und 2134 Dissidenten ortsanwesend. Posen, 23. December. Herr Moritz Rohr, der bekannte Philantrop, ist Freitag plötzlich an einem Herzschlag gestorben und in seinem Geburtsorte Bojanowo bestattet worden. Die Judenheit der Provinz Posen verliert an ihm ihren größten und hochherzigsten Wohlthäter und das Judenthum einen treuen Anhänger, der trotz reichen Besitz den Schatz der Religiosität sich zu bewahren wußte. Zeugniß dessen ist eine Reihe wunderbarer Schöpfungen, welche den Verblichenen in die vorderste Reihe der größten Philantropen aller Zeiten rücken und seinem Namen weit über den Bereich seiner unmittelbaren Wirksamkeitssphäre hinaus Ruhm und Ehre erworben haben. So dankte seiner Hochherzigkeit die mit einer Viertelmillion Mark dotirte „Stiftung zur Verbreitung und Förderung des Handwerks, der technischen Gewerbe, des Ackerbaues und der Gartencultur unter den Juden der Gemeinden Jarotschin und Posen" ihr Entstehen; hat er mit einem Aufwande von 600.000 Mark das großartige jüdische Kranken- und Siechenhaus in Posen geschaffen und die Unterhaltskosten dieses Musterinstituts aus Eigenem bestritten, hat er j ferner bereits in unserem Orte ein Grundstück erworben und! einen Betrag von 300.000 Mark votirt zur Errichtung einer jüdischen Altersversorgungsanstalt für die Provinz Posen. Diese Denkmäler fürstlicher Wohlthätigkeit sind zugleich Beweise rührender Kindesliebe: sie tragen allesammt die Namen der Eltern ihres Urhebers. Posen, 20. December. (Amtsjubiläum.) Gestern waren 25 Jahre verstrichen seit der Amtseinführung des Herrn Dr. Ph. Bloch als Rabbiner der hiesigen Brüdergemeinde. Aus diesem Grunde fand auch beim gestrigen Gottesdienste eine erhebende Feier zu Ehren des Jubilars statt. Schon am Freitag wurde der Jubilar in seiner Wohnung von dem Gemeindevorstand durch Ueberreichung eines kostbaren Ehrengeschenkes ausgezeichnet. Gestern wurde Herr Dr. Bloch von einer Deputation aus seiner Wohnung in den mit Topfgewächsen und N&fSAKJRUHaMI