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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 1040 Vr. Vtortz s Wolyrnschrtfl Nr. 52 Bkeiftadt, am 16. December 1896. Neutitsch ein. Am 12. d. M. verschied nach langem schmerzvollen Leiden der Pharmaceut Wilhelm Fuchs, Sohn des Districtsarztes in Partschendorf in seinem 24. Lebensjahre. Alle, die den Verblichenen kannten, schätzten denselben ob seiner seltenen guten Charaktereigenschaften hoch und verehrten ihn. War doch der Verstorbene voll gesellschaftlicher Tugenden, liebenswürdig, anspruchslos und bescheiden und von einer hingebenden Liebe zu seinen Eltern und Angehörigen und von einem jovialen Humor, der ihn nie verließ, selbst nicht auf dem schweren Krankenlager. Wie sehr sich der Verstorbene und seine Angehörigen, sein Vater Districtsarzt A. Fuchs, Dr. Richard Fuchs und Frau, und Alexander Fuchs, der Hochachtung und Werthschätzung des ganzen Neutitscheiner Bezirkes erfreuen, zeigte das imposante Leichenbegängniß, an dem sich Hoch und Nieder und zahlreiche Vereine betheiligten. Möge diese so große innige Theilnahme den trauernden liebevollen Eltern und den tiesbetrübten Ang hörigen Trost gewähren. Die Liebe und die Freundschaft wird nicht mit dem Sarg hinab gesenkt; über das Grab hinaus wird die Liebe und die Freundschaft ein treues und theueres Andenken dem Verstorbenen bewahren. Er ruhe sanft:! Troppau. (Nachwort zur T e m p e l f e i e r.) Es erregte in verschiedenen Kreisen besonderes Aufsehen, daß der als c o n s e r v a t i v b e k a n n t e R a b b i n e r von Nikolsburg Dr. Feuchtwang vom Troppauer Vorstande zur Abhaltung der Festrede bei dem Tempelweihfeste berufen wurde. Daß derselbe dem Rufe folgte, wird allgemein als ein Beweis seiner Toleranz aufgefaßt, die aber keineswegs soweit ging, daß er seine Grundsätze in der dem übergroßen Reformgeiste huldigenden Gemeinde Troppau auch nur einen Augenblick aufgab oder verleugnete. Daß der Nikolsburger Rabbiner im Troppauer Tempel die Festpredigt gehalten hat, ist nur ein Beweis, daß seine strenge Gesetzestreue auch die fortschrittlichste Gemeinde nicht hindert, ihn wegen seiner Rednergabe als Festprediger zu berufen. Dr. Feuchtwang hat bekanntlich schon mehrere Berufungen aus das Rabbinat in bedeutenden reformirten Gemeinden abgelehnt. Aus Budapest berichtet man uns: Der Maler Leopold H o r o w i tz, welcher den Kaiser vor einigen Monaten in der Uniform des englischen Garde-Dragoner-Regiments gemalt hat, erhielt abermals den Auftrag, ein Porträt des Kaisers anzufertigen. Der Monarch wird diesmal vom Künstler in der Marschalls-Uniform dargestellt werden. Vag Desztercze. Am 14. d. M. fand hier die feierliche Einweihung des neuerbaulen Gotteshauses statt. An der Feier nahmen die Honoratioren des Ortes und des Trencsiner Comitates theil) namentlich war auch der Districtspräsident Herr Dr. Donat zugegen. Die Festrede hielt der junge Rabbiner Dr. Moritz Schwarz aus Tmücz Szt. Marlon, die sehr gediegen, schwungvoll und patriotisch war und allgemeinen Beifall erntete. — Die Feier schloß mit einem gemüthlichen und höchst animirten Banket. Suezawa, 12. December 1866. Hauptmann Adolf I u n g, Evidenz- und Verwaltungs-Officier des Landwehr-Bataillons Böhmisch-Brod, wurde als Concepts-Officier in das Ministerium für Landesvertheidigung nach Wien berufen. Nikolsburg. Der Verein „Zion", der, wie sein Ehrenpräsident leider constatiren mußte, wieder nahe daran war, selig in den Herrn zu entschlafen, gab gestern wieder zur allgemeinen Freude seiner Mitglieder und Gönner ein Lebenszeichen. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt nämlich einen sehr anregenden Vortrag über das in letzter Zeit actuelle Thema: Judenthum, Nationalismus, Socialismus. Auf den ersten Theil seines Themas eingehend, warf Redner die Frage auf: Ist das Judenthum Confession oder Nation? Antwort: Das moderne Judenthum ist eine Nation, die aber über aller Herren Länder zersprengt wurde, wohl ist es aber eine einheitliche Confestion. Außer den religiösen Gesetzen gibt es keine, die die Juden von den andersgläubigen Mitgliedern des Staates unterscheiden. Nation zu sein, hätten wir auch die Fähigkeit, aber wir sind es zur Zeit nur ideal, sactisch sind wir es nicht. Im weiteren Verlaufe des Vortrages citirt der Redner das Wort Lessing's: „Ich liebe und lobe die Vaterlandsliebe, die mich nicht vergessen läßt, daß ich Weltbürger bin, und ich verehre den Begriff des Weltbürgerthums, insoferne er mich daran erinnert, daß ich ein Vaterland habe". Der den Juden von mißgünstigen Hassern vorgeworfene Mangel an Patriotismus ist ganz unbegründet. Der Wunsch, den alle Juden hegen, daß das alte jüdische Reich in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit wieder erstünde, ist doch wohl erklärlich, denn wer sehnte sich .nicht nach verlorenen Gütern. Keineswegs ist aber darum auch schon an der wahren Vaterlandsliebe zu zweifeln, die jeden jüdischen Bürger des Staates erfüllt. — Der Schrift Theodor Herzl's „Der Judenstaat" steht Redner ebenso skeptisch gegenüber wie der Dr. Ernst's. Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit". Herzl's Schrift ist eine Utopie und Ernst's Aufforderung, einen Weltverein zu gründen, der sich die Propagirung der alle Menschen gleich umfassenden Menschenliebe zur Aufgabe macht, sei auch nicht unanfechtbar. Denn sind die Menschen einmal so fortgeschritten, — und wären sie es doch noch in unseren Tagen! daß sie den Gedanken der Gleichheit aller Menschen, ungeachtet des Glaubens und der Nationalität, verwirklichen können, dann werden sie von selbst durch die That die Gründung eines derartigen Vereines überflüssig machen. In dieser messianischen Zeit^ wird jeder Mensch als Bruder, als gleichberechtigt, gleichverpflichtet angesehen werden, und das erste Statut des idealen Weltvereines wird sein: Die alle Menschen gleich umfassende Liebe. Die Discussion, welche Dr. Feuchtwang anregen wollte, scheiterte — woran? — hoffentlich nicht an der Teilnahmslosigkeit seiner Zuhörer. — Mögeder Verein „Zion" in dem heurigen Wintersemester zu neuem Leben erstarken und eine Pflegestätte jüdischer Literatur und jüdischen Wissens bleiben. D. Przemysl. Wie alljährlich, fand auch Heuer auf Veranlassung des literarischen Vereines „Jeschurun" Montag den 7. d. M. im großen Saale des kaufmännischen Casinos ein Makkabäer-Abend statt. Der Präses des genannten Vereines Herr Dr. K u t n a begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und sprach dann einige Minuten über die Bedeutung dieser Feier. Hierauf hielt Herr Prediger Dr. Caro, der, einer Einladung des Vereines Folge leistend, hierherkam, einen sehr interessanten Vortrag „lieber die Aufgaben der Juden in der Jetztzeit". Großen Beifall fand die Declamation des beliebten Juristen Herrn Baum g arten, der ein polnisches Gedicht vortrng, und der musikalische Theil des Abends, ausgesührt von den Damen G o l d f a r b und Fried. Chorgesang, welchen d er 10jährige Sohn des Obercantors S t r o k e auf dem Clavier begleitete, eröffnete und schloß den Abend. Berlin, 13. December. Herr Dr. K a l i s ch e r, Docent der Physik an der technischen Hochschule, ist zum Professor befördert worden. Berlin, 10. December. Dem Hof-Cellisten Heinrich G r ü n f e l d ist der K r o n e n o r d e n TV. Classe verliehen worden. Berlin, 12. December. Die Pariser Akademie der Wissenschaften hat dem hiesigen Arzt, Herrn Dr. Georg Joachimsthal, für die Bearbeitung einer 1894 gestellten Preisaufgabe den Prix Pourat in der Höhe von 1800 Francs verliehen. Kottowitz, 14. December. Unser allverehrter Rabbiner Herr Dr. I. C o h n begeht am 6. Jänner sein fünf n n dzwanzigjähriges Am ts jub i l äum. Seitens unserer Gemeinde sind umfassende Ovationen geplant, denen sich sicherlich ein großer Kreis von auswärtigen Freunden und Verehrern anschließen wird. Paris, 21. December. Gestern starb hier im Alter von 45 Jahren Herr Wilhem K u r z, Gesellschafter des Bankhauses Camille Bloch. Herr Kurz war ein Wiener und die letzten 25 Jahre in Paris, wo er beit Oesterreichern stets liebenswürdig entgegenkam und sich großer Beliebtheit erfreute. Paris. Der Czar hat dem Inhaber der Firma Louis Dreyfuß u. Co., Mr. Louis D r e y f u ß, das Kreuz des Stanislaus-Ordens verliehen. Die Firma besitzt mehrere Geschäftshäuser in Rußland. London. Dr. Anghel Gaste r, Bruder des Rabbiners der spanisch-portugiesischen Genieinde, hat sich mit Miß Leah M o c a t t a, der Tochter Mr. Abraham M o c a t t a's, des Vicepräsidenten der spanisch-portugiesischen Gemeinde, verlobt. London. Lord Rothschild und der Oberrabbiner Dr. Adler sind zu Mitgliedern des Executivcomites gewählt worden, das sich zu dem Zwecke gebildet hat, zum 60jährigen Regierungsjubiläum der Königin Victoria .dem Institut für Krankenpflegerinnen (Queen Victoria Jubilee Institute tur Nurses) eine nationale Grundlage zu geben. London. Der wohlbekannte Advocat Mr. Michael Abrahams, ist am kürzlich im Alter von 72 Jahren gestorben.

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