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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-12-18 · 51 (18.12.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 1018 Vr. Vloch's Wochrnschrifi Nr. 51 M- Municipalrath beschloß, in dankbarer Erinnerung an die Wohlthätigkeitsacte der Verstorbenen einer Pariser Straße den Namen Furtado-Heine zu geben. Die Hinterbliebenen, der Herzog von Elchingen, der Herzog von der Moskwa und die Prinzessin Murat erhielten zahlreiche Beileidskundgebungen; Präsident Faure, die Regierung, Kaiserin Eugenie, der Herzog von Aosta, Prinz Victor Napoleon und der Fürst von Monaco condolirten. Im Tranerzuge sah man den Commandanten Moreau als Repräsentanten des Präsidenten der Rupublik, den Minister des Innern Barthon namens der Regierung, den Präsidenten des Pariser Gemeinderathes und Deputationen der zahlreichen von Madame Heine gestifteten Wohlthätigkeitsinstitute, darunter eine Officiersdeputation. Die theilnahmsvolle Menge begleitete den Zug nach dem kleinen Friedhofe von Rocquencourt, wo die edle Dame, ihrem Wunsche entsprechend, bestattet wurde. Es verlautet, daß ihr hinterlasseues Vermögen ungefähr 180 Mill. Francs beträgt, welches zur Hälfte ihrer Adoptivtochter, der Herzogin Rivoli, zufällt. In die andere Hälfte theilen sich sechs Kinder der Princessin Mnrat, denen jedoch die Pflicht obliegt, die Stiftungen der Madame Heine zu unterstützen. lieber Frau Furtado-Heine erfährt die „Köln. Zeitung" Folgendes: „Die Finanz-Dynastie Heine hat ihr ältestes und reichstes Mitglied verloren, Frau Furtado-Heine. Sie starb, 75 Jahre alt, aus ihrem Schlosse Rocquencourt, in den Armen ihrer Tochter, der Herzogin von Rivoli, verwitweten Herzogin von Elchingen, und ihrer Enkelin, der Prinzessin Joachim-Murat. An ihrem Grabe trauern außerdem noch drei Enkel, der Prinz de la Moskwa, der Herzog von Elchingen nnd der Prinz von Rivoli; fünf Enkelinnen, eine Neffe, der Prinz della Rocca und eine Nichte, die regierende Fürstin von Monaco, verwitwete Herzogin von Richelieu, geb. Alice Heine. Von so viel Glanz und Ehre hätte sich unser Dichter Heinrich Heine, der Vetter ihres Gatten, nicht träumen lassen. Die Verstorbene besaß sogar das Officierskreuz der Ehrenlegion, das außer ihr nur der Malerin Rosa Bonheur zu Theil ward. Bedenkt man, daß augenblicklich der berühmten Tragödin Sarah Bernhardt das Ritterkreuz abgeschlagen wird, so kann man sich ungefähr vorstellen, wie viel mächtiger noch als das Genie das Geld wirkt. 200 Millionen Francs betrug ungefähr das Vermögen, welches der Gatte, Charles Heine, ihr hinterließ. Allerdings setzte sie durch ihren Wohlthätigkeitssinn alle Geldphilantropie in den Schatten; sie gründete eine Blindenschule und eine Armenapotheke, deren Ban wenigstens 1 Million Francs kostete, während die Unterhaltungskosten sich auf 100.000 Francs jährlich beliefen. Kinder wurden dort über Tag unentgeltlich verpflegt. Auf ihrem zwischen Versailles und Marly gelegenen Schlosse Rocquencourt übte sie eine fürstliche Gastfreundschaft aus. Fügen wir noch hinzu, daß sie gleich ihrer berühmteren Glaubensgenofsin mit dem gleichfalls deutschen Namen, Sarah Bernhardt, eine französische Patriotin chauvinistischer Färbung war. Nach 1870 ließ sie ihren Palast in Hamburg niederreißen und setzte nie wieder ihren Fuß auf deutsche Erde. Uebrigens war sie selbst portugiesischer Abstammung, eine Tochter des Elias Furtado. Bei ihrer ans Rocquencourt gefeierten Hochzeit spielte kein Geringerer als Meyerbeer den Trauzeugen/ Rochester. (Ein unparteiischer Richter.) Vor kurzer Zeit kam ein gewisser B. F. M a r t i n um das Pfändungsrecht für die Greislerei des David G o l d st e i n, eines jüdischen Bürgers hier, ein. Dieser wurde vorgeladen, und da er nicht erschien, wurde er iu contnmaciam verurtheilt und die Pfändung für den folgenden Samstag anberaumt. Nun meldete der Advocat G o l d st e i n's die Berufung an unter Hinweis auf den Paragraphen, der eine Pfändung an einem Feiertage nicht gestattet. Dieser Berufung wurde sowohl vom Richter Murphy, wie vom Richter C a r u a h a n stattgegeben, dis Pfändung wurde für rechtsungiltig erklärt. London. Ihre schönen Leserinnen werden sich gewiß für die neuernannte Frau Bürgermeisterin, Lady Faudel-Phillips, interessiren, welche eine der hervorragendsten jüdischen Frauen Londons ist. Sie ist die Tochter des verstorbenen Mr. L e v y, des Besitzers des Londoner „Daily Telegraph", eines der gelesensten englischen Tagesblätter, und die Schwester des jetzigen Eigenthümers dieser Zeitung, des bekannten Sir Edward L a w s o n. Sir Edward änderte seinen Namen in Lawson' auf die Bitte eines sehr reichen Onkels, der ihm dafür ein Vermögen hinterließ. Lady Faudel-Phillips ist eine schöne, stattliche Frau und hat ungemein reiches schneeweißes Haar, das sich von den brauneu Augen und den dunkeln gewölbten Augenbrauen sehr hübsch abhebt. Sie ist eine orientalische Schönheit. Nächste Woche wird der Bürgermeister mit seiner Familie von seinem Landsitz in Hartsordshire in die officielle Residenz, das Mansion-Honse in London, übersiedeln. Bei dieser Gelegenheit wird ein großer Ball gegeben werden, den Lady Faudel-Phillips eröffnen wird. Ihre beiden Töchter — für eine derselben wird der Ball das erste Debüt sein — werden als Ehrenjungfrauen der Frau Bürgermeisterin fungiren. Die Toiletten für diesen Ball sind fast alle in Paris bestellt worden. Die neue Bürgermeisterin ist eine ungemein wohlthätige Dame. Ihre größte Leidenschaft ist seltenes Porzellan; das verräth sich auf den ersten Blick in den reichen Sammlungen, die in allen ihren Häusern zu finden fiitb. Ihr größter Ehrgeiz geht dahin, gestand sie neulich lächelnd, für jeden Tag des Jahres ein anderes Pörzellanservice zu haben. Die Familie besitzt einen Landsitz, Ball's Park in Hertford, und zwei Städtehäuser, eines in Grosvenor Gardens, das andere in Brighton. London. Die jüdisch-englische Allianz (Anglo Jewish Association) hat vergangenen Sonntag ihre allmonatliche Versammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Mr. Claude G. Montesiore, anwesend waren: Sir Philip Magnus, Dr. Gaste r, Dr. L ö w y, Capitän Matthew Nathan, Oswald I. S i m o n rc. rc. Das Comite hatte sich an den Marquis of Salisbury mit der Bitte gewendet, einem Unfug in Persien durch seine gütige Vermittlung zu steuern, der sich schon mehrmals wiederholt hat. Es ist nämlich neuerdings in Toosorkan vorgekommen, daß das Vermögen eines verstorbenen Juden seiner Frau und seinen Kindern entzogen und einem Verwandten überlassen wurde, der seinen Glauben abgeschworen hat. Ebenso ist von der jüdischen Gemeinde in Kirmanshah ein Schreiben eingelaufeu, das von ungeheueren Grausamkeiten der dortigen Regierungsbeamten berichtet. Auch in diesem Falle bat das Comite der jüdisch-englischen Allianz den Marquis um Hilfe. Lord Salisbury hat nun dem Comite versprochen, in beiden Fällen sein Möglichstes zu thun. Der Brief seines Secretärs wird verl/en. Mr. Elkau N. Adler erstattet einen interessanten Bericht über seinen jüngsten Aufenthalt in Teheran. Er hatte dort eine Audienz bei dem britischen Minister Sir Mortimer Durand, der den Juden sehr günstig gesinnt ist und versprochen hat, sobald er von der geringsten Unbill höre, die einem Juden widerfahren sei, alles Mögliche zu thun. Mr. Adler hat ferner mit dem Schwiegersöhne des Schah gesprochen, welcher das wichtige Amt eines Kriegsministers bekleidet. Dieser Prinz, ein ungewöhnlich intelligenter - Mann, war früher Gouverneur von Tabrocz gewesen, nnd hat als solcher nach allen Kräften für eine Besserung in der Lage der Juden gewirkt. Er versprach Mr. Adler auch fernerhin sich in diesem Sinne bemühen zu wollen, und er sowohl, als auch Sir Mortimer Durand legten ihm nahe, wie wichtig es fei, jüdische Schulen iu Teheran und in anderen Theilen des persischen Reiches zu errichten. Mr. Adler hat über die Angelegenheiten schon mit einigen hervorragenden Juden Teheran's gesprochen, und sie haben versprochen, daß die jüdische Gemeinde zur Erhaltung einer Schule beitragen würde. Es wird beschlossen, sich behufs Gründung einer Schule mit Teheran in Verbindung zu setzen. Es wird der Bericht des Executivcomites, der sich ausschließlich mit Schulen befaßt, verlesen. Aus Adrianopel kommt die Bitte, die für die Knabenschule gewährte Unterstützung von 40 Pfund in Anbetracht des Deficits von 2604 Francs zu erhöhen. Das Comite ist gegen die Bewilligung. Es seien 269 Schüler an der Schule, und die Anzahl der zahlenden Schüler vermehre sich von Jahr zu Jahr. In der letzten Clafse wird auf englische Geschichte besonderes Gewicht gelegt. Der Generalgouverneur, welcher jüngst einer öffentlichen Vertheilung der Preise beigewohnt hat, äußerte sich ungemein günstig über die Schule, welche officiell zu den besten Volksschulen gerechnet wird. Ein sehr günstiger Bericht aus Bombay besagt unter Anderem, daß die Schule 238 Schüler und 94 Schülerinnen hat. Der Beitrag von 100 Pfund für die 1. Hälfte des Jahres 1897 wird bewilligt. Die Jassyer Schule bittet um Erneuerung des Beitrages von 20 Pfund. Von 120 Schülern zahlen nur 50. Das Einkommen beträgt 3585 Francs; es besteht ein Deficit von 810 Francs, die man durch eine Theatervorstellung hereinzubringen hofft. Bei der öffentlichen Prüfung beglückwünschte der Regierüngsbeamte, der als judenfreundlich bezeichnet wird, 'Direktor und Lehrer der Schule zu ihren Erfolgen.

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