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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lr. 45. tan Bloch’s -stzrgang XIII. Centralorgan ». h. PoyspsrrLgrn-Rmi Llraringverkehr Nr. 610.976. »rdrclton und Administration: Wmt .. lutitrre JEnflartrnrrf J r)*. Telephon-Nr. 6535. m- ■■ ■■ ■ ■■=•=■■■=■■" für dir gefammten Interessen des Iudenthums. - - —^- Wien, 6. November 1896. - ++ —4,-.- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. »rr»g»prri» fitr Srstrrrriri, Halbjiihrig 4 fl. — 8 St Linrelexemplare tft kr. Für'» Flu»! and: 5^. 10 Xx. ganzjährig 10 „ 10 „ Unzeigea: Die 4mal gespaltete! Petitzcile IL kr. 1 Inhalt. Leitartikel: Gustav Simon. — Die „große Neuigkeit". — Gemeindebund der israelitischen Cultusgemeinden in Böhmen. — Jüdischer Idealismus. — Der Antisemitismus und die confessionelle Schule. — B o m I ahrm a r kt d es L e b en s : Wi^ der Bürgermeister von Wien spricht. Verleumdungen. Selbstmordversuch eines Oesterreichers in Hamburg. Arischer Wucher in Rußland. Vom „üblen Duft" des Christenthums. Zur Frage der Racenreinheit. Abergläubische Vorstellungen des russischen Vo'kcs über die Cholera. Juden als Staar-Operateure im Mittelaller. Der Untergang von Sodoma und Gomorrha. — Dos jüdische Kind auf dem Spielplätze. — Briefe von. Leopold Kompert. — Correspondenzen: Wien, Budapest, Humpoletz, Triest, Csakathurn, Berlin, Königsberg, London, Brigthon, Montreal, Petersburg, Odessa. — Vermischtes: Wien, Budapest, Agram, Lemberg, Prag, Hartmann, Croatisch-Kreuz, Berlin, Schitomir, London, Paris New-Aork. — Feuilleton: Der König der Schnorrer. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Gustav Simon. Vicepräses Gustav Simon, einer der angesehensten und populärsten Männer unserer Gemeinde, dessen Name unzertrennbar mit Allem verbunden ist, was hier seit Decennien Gutes und Edles geschaffen wurde, will sich nicht mehr — so verlautet mit aller Bestimmtheit — für den Cultusvorstand candidiren lassen. Herr Gustav Simon motivirt diesen Entschluß, welcher in allen Kreisen schmerzliches Bedauern hervorgerufen, mit dem Hinweis auf die Bürde des Alters, die ihn bedrückt. Man wird einem Manne, der so lange für Andere arbeitete und wirkte, nicht das Recht bestreiten dürfen, den Mahnungen des Alters Gehör zu schenken, und auch an sich selbst zu denken, aber wir können nur wiederholen, daß sein Entschluß schmerzliches Bedauern errege, und müssen hinzufügen, daß wir dieses Gefühl nur begreiflich und selbstverständlich finden. Herr Gustav Simon ist seit 40 Jahren Mitglied der Cultus gemeinde, seit drei Jahrzehnten gehört er dem Vorstande an, an dessen Spitze er nun seit einer Reihe von Jahren als eigentlicher Präses steht und diese lange Zeit hat ein solches auf Herzlichkeit und Vertrauen begründetes Verhältniß zwischen ihm und den Wählern der israelitischen Cultusgemeinde hergestellt, daß diese nur ungern und mit Mühe sich an den Gedanken gewöhnen könnten, dies solle nun anders werden. Es ist aber nicht die gewaltige Macht der Gewohnheit, der feste Mt bei* Jahrzehnte allein, welcher den Namen Gustav Simon mit der Wiener Cultusgemeinde und ihren Mitgliedern verbindet. Die hohe, allgemeine, unbestrittene Verehrung, deren sich Vicepräses Gustav Simon erfreut, ist nicht das zufällige Product der zu Jahren und zu Jahrzehnten sich mehrenden Tage, es ist die Frucht, der ehrlich erworbene, der wohlverdiente Gewinnst einer treuen unablässigen, segensvollen, im Dienste dieser Gemeinde entwickelten Thätigkeit. Herr Gustav Simon hat das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde, nicht durch Worte, sondern durch Thaten gerechtfertigt. Er ist ein Mann, den nicht die Eitelkeit oder der Ehrgeiz stachelte Ehrenstellen anzunehmen, sondern der immer von dem edlen Streben erfüllt war, für das Wohl der Allgemeinheit zu schaffen und zu wirken. Er gehört jenen ausgezeichneten Männern an, die, von Liebe und Begeisterung für das Judenthum beseelt, mit Freude und Stolz sich zu jeder Zeit und unter allen Umständen zu demselben bekannten und muthig, hingebungsvoll für dasselbe eintraten. Begeisterung für das Judenthum, ideales Streben und treue Pflichterfüllung, das sind die Eigenschaften, die Herrn Gustav Simon auszeichnen, die ihn zu einem leuchtenden Beispiel für die jüngere Generation machen und ihm die Dankbarkeit und die Verehrung Aller erwarben, die sein Walten zu verfolgen in der Lage waren. Die Dankesschuld, die die Wiener Cultusgemeinde ihrem langjährigen Führer Herrn Gustav Simon gegenüber empfindet, kann durch die Thatsache, daß er sich nunmehr Ruhe gönnen will, nicht vermindert werden. Aber wer wird darüber staunen, daß die Gemeindemitglieder nur schwer sich mit dem Gedanken abfinden können, daß der vortreffliche Mann nicht mehr den Platz einnehmen wolle, den er bisher zur Ehre und zur Freude Aller ausgefüllt hat. So lebt denn in zahlreichen Kreisen der Gemeinde die Hoffnung, daß Herr Vicepräses Simon sich bestimmen lassen werde, ein Mandat wieder anzunehmen. Er hat gezeigt, daß er die Hindernisse des Alters zu überwinden weiß und an Fleiß und Arbeitskraft viele jüngere Collegen übertrifft; er wird auch dem neuen Vorstand sein zahlreiches Wissen und seine eminente Erfahrung auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung nicht entziehen. Die „große Neuigkeit^. Die Geschichte von B i t r u. dem unverschämten Teufel, der in sämmtlichen Freimaurerlogen^ d> Erde wohleingerichtete Absteigequartiere imie hat, und, damit nicht zuftieden, strenggläubige katholische Mädchen ganz ebenso mit seiner Gunst beehrt, wie jener fromme antisemitische Landtagsc mdidat,' Pfarrer Doller, hallt durch das ganze gebildete Europa. Auch * Leuten war die Gelegenheit gegeben, die Werke des Teufels ei... ^7 :t’;i "'»aenschein zu nehmen. Kaum beginnt das elericale Regiment, _-•* s«h«n die abergläubische Mythologie des Teufelsblödsinns. Marge». ">» auf Jene, die mit Gottseibeiuns in sträflichem Umgang stehen, «.f •, / ‘ dem Finger, übermorgen erhebt-sich eine Agitation zur Wiedereinfüy.!' < der Hexenproeesse, und ein Weilchen später kann schon die erste lustige Flamme aus einem Scheiterhaufen emporschlagen. Ja, diese Werke des Teufels sind wahrhaft bedeutsam genug!

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