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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-09 · 41 (9.10.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch’s m. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. f =X * K. k. PoysparrsWen-IIlml Clraringv erkrhr Nr. 810.976. Ledarlion und Rdministratton: Wien . j-tivr Telephon -Mr. 6535. Wien, 9. Ortobrr 1896. -- Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. X.-- ----- - -! Brr«g»prri» für Srstrrrrtrü:!> i: Halbjährig 4 fl. — 8 Str. >!!| il!{ Einzelexemplare 85 fr. :| Ntr'» Äualanb: | || halb ährig 6 ff. lOJtr. | ganzjährig 10 „ 20 „ i- Anzeigen: Die «mal gespaltetej 'I Petitzeile 13 fr. Jl Inhalt. Leitartikel: Die antisemitische Nordbahn und die Wiener Cnltusgemeinde-Wahlen. — Die Bilder aus dem Gerichtssaal. — Moritari. — I' bin i'! — Illoyale Concurrenz. — Ter Antiseniilismiis und die cviisessionelle Schule. — Beitrag zur Geschichte der russischen Inden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Zu den Landtigsmahlen in Wien. Zu der bevorstehenden Neuwahl des Wiener Cultusvvrslandes. Die deutschnacionalen Türken. Dr. Lueger und die Lehrer in Oesterreich. „Willst Du wissen, was sich ziemt . . .! Die Hyänen der 'Wiener Zuständigkeit. Feilbietung im „schwarzen Cabinst". Alexander Fürst von Schönburg. Ein antisemitischer Agitator. Bon der europäischen Prvfilwuth. — Tie Dogmen im Judeuthum. — C o r r e s p o n d e n z e n : Wien, Göding, Brünn, Fürth i. B., Warschau, London, New-Aork, Philadelphia, San Francisco, Texas, Copstadt, Tanger. Vermischte s: Wien, Budapest, Przemysl, Lemberg, Holleschau, B.rttelnu, Neubistritz, Mährisch-Weißkirche», Peoßnitz. Mvnte-Carlo, Delavare, Baltimore, Cincinnati. Feuilleton: Der König der Schnorrer. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die antisemitische Nordbahn und die! Wiener Cultusgemrinde-Wahlen. Der Zufall ist oft der phantasiereichste Dichter; er hat wieder einmal scheinbar Ungereimtes wirksam zusammengereiu-.t. Vor wenigen Tagen fand eine Versammlung jüdischer Gewerbetreibender statt, in welcher der Chef einer unser angesehensten Firmen einen Vortrag über den wirthschaftlichen Einfluß der Juden in Oesterreich hielt. Als eine der großen wirthschaftlichen Schöpfungen, welche unser Vaterland dem jüdischen Unternehmungsgeiste verdankt, bezeichnte der Redner auch die N o r d b a h n. Auf der Tagesordnung der Versammlung stand als zweiter Punkt eine Discussion über die bevorstehenden Cultusvorstauds-Wahlen und im Verlaufe dieser Discussion wurde die Nordbahn nochmals erwähnt. Und das mit gutem Grunde. Man sprach von den Pflichten und Aufgaben der Männer, welche durch das Vertrauen der Wählerschaft an die Spitze unserer Cultusgemeinde berufen werden und man betonte die Nothwendigkeit, daß diese Herren sich nicht blos um die mechanische Verwaltung der Bethäuser und Stiftungen, sondern auch um das innere Leben des Judenthums und umseine politische, sociale und ökonomische Noth kümmern sollten. Und bei dieser Gelegenheit fand sich der Reim auf die Nordbahn. Dieses große, einflußreiche Verkehrsinstitut ist von Juden geschaffen worden, Juden saßen einst in seiner Verwaltung, Baron Rothschild ist sein größter Actionär und sein leitender Director trägt einen Namen, der gewiß nicht arischgermanischen Ursprunges ist. Die Nordbahn war geradezu der Medusenschild, mit welchem die ersten antisemitischen Apostel die christliche Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten, an ihr wurde die Macht des jüdischen Capitals, an ihr die angebliche „Ausbeutung" der christlichen Bevölkerung durch die Juden demonstrirt. Noch heute heißt die Nordbahn im antisemitischen Katechismus nicht anders als die „Judenbahn". Aber sie heißt eben nur so, denn in Wahrheit ist sie längst schon eine ausschließliche Domäne des Antisemitismus geworden, in Wahrheit ist nicht nur der gesammte Beamtenkörper, sondern auch der Geist, in welchem sie verwaltet wird, rein antisemitisch und ihre Angestellten bilden die treuesten Anhänger, die eifrigsten Agitatoren der Wiener christlich-socialen Bewegung. Aus allen leitenden Stellungen sind die Inden gänzlich verdrängt, und wo sie ausgeschieden sind, wird dafür gesorgt, daß kein Semite mehr nachrückt. Jüdische Bewerber um Anstellungen werden längst nicht mehr berücksichtigt, aber selbst den wenigen Juden gegenüber, die noch aus früheren Zeiten da sind und sich taufen ließen, bildet die christliche Beamtenschaft einen ehernen Ring, um sie vom Avancement abzuschneiden und die eigenen Genossen selbst dann zu schützen, wenn sich dieselben Dienstwidrigkeiten zu Schulden kommen ließen, für welche jüdische Beamte mit der Entlassung bestraft worden wären. Die Taufe hat daran nichts geändert, denn auch die Nordbahu-Antiiemiten huldigen dem Grundsatz, daß die Schweinerei in der Race liegt. Diese ungeheuerlichen Zustände bei einem Unternehmen, auf welches der erste Redner jener Versammlung stolz als aus eine „Schöpfung der Inden" hinwies, welches so reich und mächtig dasteht, daß es nicht nur von den herrschenden Strömungen im Staate unabhängig ist, sondern sich oft stärker erwiesen hat, als die Regierung, die Staatsinteressen selbst, wurden als ein grelles Beispiel für die passive Förderung des Antisemitismus durch die jüdischen Großen angeführt. Die Nordbahn aber ist nur ein allerdings markanter Typus für andere, mit jüdischem Gelde gegründete und von jüdischem Gelde erhaltenen Credit-, Industrie- und Verkehrsinstitute. Wie wären solche Dinge möglich, wenn die Spitzen der Judenschaft ihrer Pflichten gegenüber ihren Glaubensgenossen eingedenk wären? Wie wären sie möglich, wenn der Cultusvorstand sich nicht auf die mechanischen Functionen einer Verwaltungsmaschine beschränken würde? Man kann von der Nordbahn nicht sprechen, ohne an das Haus Rothschild zu denken. Der Antisemitismus hat den Rothschilds eine fabelhafte Macht angedichtet, eine Weltherrschaft, die sie tatsächlich nicht besitzen. Aber die Verwaltung der Nordbahn beherrscht Herr von Rothschild wirklich, hier übt er «

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