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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 804 Dr. Bloch's Wochrnkchrifi Nr. 40 In den letzten Worten lag ein Klang von sehnsüchtigem Pathos, der den früheren die Schärfe nahm und Josef bereuen ließ, Worte mit einem Hungrigen gewechselt zu haben, dessen geliebte Angehörige wahrscheinlich zu Hause hungerten. „Gewiß, macht, daß Ihr fortkounut", sagte er freundlich. „Ich sehe Euch wieder", sprach Manasse mit einer abschieduehmenden Handbewegung und schritt, seinen Stab in die Kiesel stoßend, vorwärts, ohne sich nach seinem Wohlthäter ein einziges Mal umzusehen. Grobstock's Weg führte ihn nach Petticoat Laue, im Kielwasser Manasses. Er hatte nicht die Absicht, ihm zu folgen, sah aber nicht ein, warum er aus Angst vor dem Schnorrer einen anderen Weg einschlagen solle, umsomehr, als Manasse sich nicht umschaute. Mittlerweile war er sich des Sackes, den er in der Hand -rüg, wieder bewußt geworden, hatte aber kein Herz, den Spaß fortzusetzen. Das Gewissen schlug ihm, und so griff er lieber in die Tasche, während er über den engen, lärmenden Marktplatz schritt, wo er für sich persönlich selten etwas Anderes erkaufte, als Fische oder gute Thaten. In beiden war er ein Kenner. An diesem Tage kaufte er sich manche billige gute That, indem er ein paar Pfennige für Artikel bezahlte, die er nicht mitnahm — Schuhriemen und Stockbänder, Gerstenzucker und Butterkuchen. Plötzlich erblickte er durch einen Spalt in einer undurchsichtigen Masse menschlicher Wesen einen kleinen, anziehenden Lachs, der aus der Platte eines Fischhändlers lag. Sein Auge glänzte, das Wasser lief ihm im Munde zusammen. Rasch drängte er sich zu dem Verkäufer durch, dessen Auge ebenfalls auslugte, und dessen Hand mit ehrerbietigem Gruß an den Hut fuhr. „Guten Tag, Jonathan", sagte Grobstock jovial, „ich nehme diesen Lachs hier — wie viel kostet er?" „Verzeihung, ich stehe gerade im Handel um ihn," sprach' eine Stimme in der Menge. Grobstock fuhr herum; es war die Stimme Bianasses. „Laßt diesen Unsinn, da Costa," antwortete der Fischhändler. „Ihr wißt, daß Ihr mir nicht soviel geben könnt. Es ist der Einzige, den ich noch übrig habe," fügte er zu Grobstock gewendet hinzu. „Ich könnte ihn unter zwei Guineen nicht hergeben!" „Hier ist Euer Geld," schrie Manasse mit leidenschaftlicher Verachtung, und zwei Goldmünzen klirrten melodisch auf der Platte aus. In der Menge entstand Sensation, in Grobstock's Brust regte sich Erstaunen, Empörung und Bitterkeit. Einen Angenblick war er sprachlos. Sein Gesicht färbte sich purpurroth und die Schuppen des Lachses leuchteten wie eine himmlische Vision, die ihm durch seine eigene Dummheit entschwand. „I ch nehme den Lachs, Jonathan," wiederholte er stotternd. „Drei Guineen." „Verzeiht, es ist zu spät," wiederholte der Manasse. „Hier ist keine Auction." Und er packte den Fisch beim Schwanz. Grobstock, so gereizt, daß ihn beinahe der Schlag getroffen hätte, fuhr auf ihn los. „Was, Ihr," schrie er, „Ihr, Ihr Lump, wie dürft Ihres wagen, Lachs zu kaufen?" „Ihr seid selbst ein Lump," entgegnete Manasse. „Wollt Ihr, daß ich einen Lachs st e h l e n soll?" „Ihr habt mein Geld gestohlen, Schuft, Schurke!" „Mörder, Blutvergießer! Habt Ihr mir nicht das Geld als eine freiwillige Gabe für das Seelenheil Eueres Weibes gegeben? Bor allen diesen Zeugen fordere ich Euch auf, zu gestehen, daß Ihr ein Verleumder seid." „So, ein Verleumder! Ich wiederhole, Ihr seid ein Betrüger und ein Schuft, Ihr — Ein Bettler mit Weib und Kindern, wie könnt Ihr die Stirne haben, hinzugehen und zwei Guineen, zwei ganze Guineen, Alles, was Ihr in der Welt besitzt, für einen bloßen Luxusgegenstand wie Lachs hinzugeben?" Manasse zog seine gewölbten Augenbrauen in die Höhe. „Wenn ich mir einen Lachs nicht kaufe, wenn ich zwei Guineen habe, wann soll ich mir da einen Lachs kaufen?" antwortete er ruhig. „Ihr habt Recht, es ist ein Luxus, sehr theuer, nur bei seltenen Gelegenheiten, wie es diese ist, können meine Mittel es erschwingen." In dem Verweise lag ein würdevoller Pathos, der den Magnaten besänftigte. Er fühlte, daß der Bettler von seinem Standpunkte aus Recht hatte, obwohl es ein Standpunkt war, zu dem er sich ohne Hilfe nie hätte emporschwingen können. Aber noch immer kochte gerechter Zorn in ihm. Er fühlte unbestimmt, daß sich eine Antwort geben ließ, aber er fühlte auch, daß sie, selbst wenn er un'ißte, worin, sie bestünde, herabgestimmt werden müßte, um mit Manasses Uebergang von dem hohen Niveau des Eingangsgefechtes zu correspvndiren. Da er die passende, schneidige Antwort nicht fand, schwieg er. „Im Flamen meines Weibes ersuche ich Euch, meinen guten Namen rein zu waschen, den Ihr in Gegenwart meines Händlers beschmutzt habt," fuhr Manasse fort, indem er den Lachs beim Schwänze hin und herschwang." „Zum zweitenmale fordere ich Euch auf, vor diesen Zeugen zu gestehen, daß Ihr mir selbst das Geld als Almosen gabt. Leugnet Ihr es?" „Nein, ich leugne es nicht," murmelte Grobstock. Er konnte gar nicht verstehen, warum er sich selbst wie ein geprügelter Hund vorkam, und warum das, was eine Prahlerei gewesen wäre, in eine Entschndligung vor einem Bettler verwandelt worden war. „Im Namen meines Weibes danke ich Euch," sagte Manasse. „Sie ißt Lachs sehr gern und bäckt ihn vortrefflich. Nun aber will ich Euch, da Ihr für Eueren Sack keine weitere Verwendung habt, von seiner Last befreien, indem ich meinen Lachs darin nach Hanse trage." Er nahm ihn dem erstaunten Tedesco ans der kraftlosen Hand und warf den Fisch hinein. Der Kops schaute hervor, die Scene mit kalten, glasigen, ironischen Angen betrachtend. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. SB. Der Mann glaubte, der Herausgeber des antisemilischen Blattes sei beute auch nor noch ein — polnischer Schnorrer. Dr. G. K. Dr. Lueger behandelt seine Leute wie die Marionetten. Er sagt ja immer, wenn er wolle, werden glich Haubenstöcke gewählt. a. b. Das Geld der Inden wurde in der That noch von keiner Partei verachtet. L. G. Wenn Sie den „Sendboten des heiligen Joses" lesen, den die große Leuchte des Antisemitismus, Pfarrer D e ck e r t, redigirt, werden Sie io Manches finden, das auf demselben geistigen Niveau steht. Vielleicht wird man also noch einmal hören, Deckert stand im Dienste der Freimaurer. I. L—p. Selbstverständlich sollten alle Clericalen gegen den Krieg sein, aber Sie werden ihre Namen vergebens in der Liste der Friedeusgesellschaft suchen. I. L—b. Wer mit Mechaniker Schneider so intim verkehrt, muß es sich gefallen lassen, daß man auch aus ihn die Worte anwendet: „Sage mir mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist!« Bruno K. Dr. Lueger behauptet gewiß nur aus purem Ebelmuth, um den Juden Kraus reinzuwaschen, daß dieser ihn nicht angespuckt habe. Der Edelmuth Lueger's streift eben an Selbstverleugnung. Alfred B. Weil diese feindlichen antisemitischen Brüder öffentlich ihre schmutzige Wäsche waschen, ist noch nicht bewiesen, daß sie reine Hände haben. W. Die Enthüllung der „Deutschen Zeitung" über „Den Kampf um die jüdische Weltherrschaft", welche selbstverständlich auch Herr V e r g a n i sich nicht entgehen läßt, stammt zweifellos aus der Feder des Autors der antifreimaurerischen Enthüllungen der Miß Diana Vaughan über die Geheimnisse der Hölle. Abonnent. Palästinaweine erhalten Sie am billigsten und sichersten durch Vermittlung von Wilhelm Groß, Jaffa, „Hotel Kamnitz". Letzter Monat. Innsbrucker Lose ä 50 Kreuzer. 66 Haupttreffer 75-000 Kronen. Lose empfehlen Fischer & Brunn, Wechselstube, I., Kärntnerstr. 16. L. Weiss &Comp., Wechselstube, I., Kärntnerstr. 46. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. «loch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerch nfelderstr. 46. ixssk

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