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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 Vr. Vwch's Wochenschrift Gelte 799 Nachts zurück, während die Jugend den gesellschaftlichen Abend mit einer Tanznnterhaltnng abschlvß. Dank gebührt dem geehrten Comitä, das uns einen so seltenen genußreichen jüdischen Unterhaltungsabend bot, uitb es wäre wünschenswerth, derartige Zusammenkünfte hier zu fördern, damit auch hier jüdische Fragen erörtert werden und ans diese Weise das schlummernde jüdische Gefühl geweckt und zur Thatkraft angespornt werde. P. B. Straßrntz, 19. September. (Ein c z e ch i s ch - antisemitischer Vorfall.) Einem alten Brauch zufolge verrichten die Juden am User eines Flusses am zweiten Tage des Neujahrfestes ein Gebet. Dies wohlwissend, veranstaltete die hiesige Feuerwehr am Ufer der March, wo die Inden gewöhnlich ihr Gebet verrichten, eine Uebung. In dem Augenblicke, als sich die Juden zum Gebet anschickten, wandten die Feuerwehrmänner die Schläuche gegen die festlich geputzte Menge, so daß die Inden unverrichteter Sache abziehen mußten. Tie Cultusgemeinde führte nun wegen Religionsstörung Klage. Um sich zu rächen, erließ der Bürgermeister der Christengemeinde ein Verbot, daß keinem Juden, der in der Jsraelitengemeinde wohne, gestattet sei, vor 8 Uhr auf dem Platze Geflügel einzukausen. Als am Mittwoch der Cultusvorsteher und Bürgermeister der Jsraelitengemeinde Max Reiß trotzdem ein Huhn kaufte, drangen drei Polizeileute in sein Haus und führten ihn auf's Rathhaus, dort gab der Bürgermeister den Auftrag, den Reiß in beit Gemeindekotter zu sperren. Nur durch die Flucht entging Reiß weiterer Mißhandlung. Di? Aufregung ist auf beiden Seiten sehr groß. Dr. Deutsch und Dr. Robitschek fuhren nach Göding um beim Bezirkshauptmanu Beschwerde zu führen. Diejenigen Israeliten, welche heute so gerne damit drohen, von den Deutschen abzufallen, um sich den C z e ch e n zuzuwendeu, sehen aus diesem Beispiele, welcher Behandlung sie bei diese n gewärtig sein könnten. Jägerndorf, 20. September. (II n erhö r t.) Jägerndorf kann unmöglich mehr lange bestehen; der Zorn der antisemitischen Götter ist entfacht, und da kann es ohne einen Pech- und Schwefelregen nicht abgehen. Wer sollte es glauben, daß der Volksbildungsverein sich unterfängt, seinem verdienstvollen Obmann, der vor ungefähr Jahresfrist starb, Herrn Dr. Max P o r g e s, eine diesen ehrende Gedächtnißfeier veranstalten zu wollen? Es ist richtig, daß Herr Dr. Porges treu zum Vereine gestanden, daß er jederzeit die Interessen desselben gefördert hat und nach Kräften thätig war, die. Bestrebungen des Vereines, Fortschritt, Freisinn und Volksbildung, zu fördern, aber das find Eigenschaften, die man bei einem Christen loben und anerkennen kann, aber niemals bei einem Manne, wie Dr. Porges einer war, nämlich ein Jude. Wie kommt der in der jetzigen Zeit dazu, geehrt zu werden. Der ehemalige Jude Dr. Porges soll durch eine Gedächtnißfeier geehrt werden! Schrecklich! Auf, ihr antisemitischen Helden, geht nächsten Sonntag in die Bücherei des Volksbildungsvereines und lernt dort, daß auch ein Jude ein Ehrenmann sein kann, dessen Brust echter Gemeinsinn durchzieht und der viel Zeit und Mühe für einen edlen Zweck ohne jedwede Nebenabsicht, aus reiner Menschenliebe, opfern kann. Auch der Obmann der hiesigen Nordmarkgcuppe soll zu der Feier gehen und trachten, im Sinne des Verstorbenen weiter zu wirken. Budweis, 20. September. Der in unserer Stadt wachsende Antisemitismus hat einen Theil der Judeuschaft, aber nur in geringer Zahl, ins czechische Lager gebracht. Diese Mitglieder der Cultusgemeinde, im Verein mit den stets Unzufriedenen, machten den Versuch, bei den Sonntag stattfindenden Cultusgemeinde-Wahlen sechs ihrer Candidaten durchzubringen. Obwohl von Seite der Majorität keine Gegenagitation erfolgte, entsprach der Erfolg der Erwartung, er übertraf sie sogar. Die Minorität hatte Verkündigungen in den antisemitischen Czechenblättern der Stadt erscheinen lassen und ward in derselben Nummer verhöhnt; sie hatte durch öffentliche Plakate den Streit in der Gemeinde den Glossen des antisemitischen Mob übergeben. Das Alles aber rief solche Erbittern; g hervor, daß viele Candidaten den Czechen absagten und ihre ganze Liste in drei Wahlkörpern mit 200 Wählern 27 Stimmen hatte. Die massenhaft erschienenen Wühler wählten fast einstimmig die beliebten Candidaten. 1. In den Vorstand: die Herren Ignaz Fantl, Samuel Ehrlich, Siegmund Ferda, Heinrich Fischer, Dr. Josef Freund, Victor Fürth, Dr. I. Kvhn, Alexander Nopperl, Ludwig Lederer, Sal. Stern, Adolf Taussig, Otto Ullmann. 2. Ju die Repräsentanz: die Herren Ludwig Arnstein, B. Fris .), Rudolf Gellert, Dr. R. Grünberg, Adolf Haim, Josef Kohn, Rudolf Kvpperl, Dr. Max Loebl, A. Metzl, Herrmann Sametz, Josef Schneider, Gilbert Weil. 3. In die Umlagecommission: die Herren Fried. Gans, D. Herz, Lazar Kaufmann, S. Schiffmaun, Josef Taussig, Ad. Ziegler (Gratzen). 4. Als Ersatzmänner: die Herren Josef Behal, Siegmnnd Schwarzkvpf, Dan. Sinek. 5. Als Revisoren: die Herren Isidor Fürth, Tr. Adolf Sachs, Ferdinand Steiner. ' Reichenberft, 23. September. iA n t i s e m i r i f ch e A g i t a t i o ii.) Heute Nachmittags fand beim hiesigen Kreisgerichte eine Verhandlung gegen August U r b a lt, Buchhalter und Prvcuristen der Porzellanfabriks-Firma Josef Mazel in Neustadtl bei Reichenberg, wegen Verbreitung antisemitischer Flugschriften, darunter auch einer verbotenen, statt. Im April l. I. consiscirte in Neustadtl der Gendamerie-Wachtmeister verschiedene dem , Buchhalter August Urban in Neustadtl durch die Post zugeschickte Partien Flugblätter, und zwar 'das mit dem Urtheile des Kreisgerichtes Eger vom 15. December verbotene Flugblatt: „Warum soll man nicht bei Juden kaufen?", ferner ein Flugblatt: „Tie geheimen Ziele des Jndeuthums" aus dem Verlage von Theodor Fritsch in Leipzig, und ein drittes Flugblatt: „Was ist mit Juden los'?", „Ein llrtheil Mvltke's über die Juden" aus dem Verlage von Hermann Bauer in Leipzig. Der Beschuldigte gestand zu, daß er im März l. I. mit einer stummer der in Leipzig erscheinenden „Dentsch-fvcialen Blätter" der obenerwähnten Druckschriften in mehreren Exemplaren erhalten und von dem Flugblatte „Warum soll man nicht bei Juden kaufen?" drei oder vier Stück in Neustadtl vertheilt und ein Stück dem Landtags-Abgeordneten Adolf Glöckner gesendet zu haben; davon, daß die Weiterverbreitung des erwähnten Flugblattes verboten ist, will er nichts gewußt haben. Er gestand ferner, daß er mehrere der anderen Flugschriften einem Cvllegen zur Vertheilung an Gesinnuugsgeuvffen übergeben und einzelne auch in einem Gasthause iu Haindorf und Neustadtl liegen gelassen. Der Gerichtshof erkannte den Angeklagten gemäß der Anklage für schuldig und verurtheilte ihn zu 25 fl. Geldstrafe, eventuell zu fünf Tagen Arrests und zur Tragung der Kosten des Strafverfahrens. Graz, 24. September, (N a ch f p i e l zu einer W ä h l e r v e r f a m nt l u n g.) In einer Wählerverfammlung am 5. d. M. war ein Antrag gestellt worden, in die zu fassende Resolution das Wort „antisemitisch" aufzunehmen. Der Regierungsvertreter inhibirte den Antrag und Gemeinderath Otto bezeichnet diese Verfügung als „Unsinn". Heute wurde Otto wegen Uebertretung nach § 012 St.-G. vor Gericht angeklagt und zu einer Geld st rase von 15 fl. verurtheilt. Budapest, 24. September. >T e r M ö r d e r des Großindustriellen Ludwig Deuts ch.) Heute beschäftigte sich die königliche Curie mit der Angelegenheit der Ermordung des Großindustriellen Ludwig Deuts ch, Mitgliedes der Firma Haas und Deutsch. Der Mörder Deutsch' der Forstinspector Karl von C h a s z a r, wurde in erster Instanz zu achtjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt. Die zweite Instanz hat die Strafe aus 12 Jahre erhöht. Die königliche Curie hat d a s U r t h e i l der e r st cn I n st a n z b e st ä t i g t. Raab. Die Curgäste III. Periode des israelitischen Hospitals zu Gleichenberg beehren sich hiemit Herrn Dr. Paul Hönigsberg, dem Leiter dieser humanitären Anstalt für seine gegen selbe tagtäglich bewiesene grenzenlose Liebenswürdigkeit, uneigennützige Ehrenamtsthätigkeit und aufopferungsvollste ausgezeichnete Behandlung ihren tiesstgesühlten Dank auszusprechen. Ehre dem Ehre gebührt! Wenn es das Wohlergehen der Hospitanten erheischte, da war dem Herrn Tvctvr kein Weg zu viel, bei Tag oder Nacht, bei stürmischer oder sonstiger Witterung. Selbst die riesigsten Eisschlossen und das tiefste Dunkel der Nacht bildeten für ihn kein Hinderniß, als er vernahm, daß es ein Menschenleben zu retten galt. Aufrichtigen und dankbaren Herzens wünschen demnach obige Curgäste, daß der Allvater diesen in allem Thun und Lassen edeldenkenden Menschenfteund bis zur äußersten Grenze des menschlichen Daseins in vollster Kraft und Gesundheit erhalte, zur unendlichen Beglückung seiner hochgeschätzten Familie, wie auch zum sernern Frommen der leidenden Menschheit. Tyczyn, 27. September. Bis vor etwa vier Jahren war Tyczyn ein musterhaftes Städtchen, wo zwischen den Israeliten

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