Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-10-02 · 40 (2.10.1896) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021156--06031-3030295
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

8r. 40. Dl% BIOCH’S Jahrgang XIII. Centralorgan für die gelammten Interessen des Iudenthums. I - - — L. k. Poyfp «rrsWen-Amt Clraringverkrhr Nr. 810.976. »rd actton und Administration: i Wir» I Llntrrr Vugartrngrstzr la. ' ' Telephon-Kr. 6S3S- ' . - * Wien. 2. Oktober 1896. - 'H1 »4 - Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. »-.■= —! »rros»prrt» für Srflrrrrtrh: Halbjährig 4 fl. 8 Stt. |: Einzelexemplare 85 fr. ji ZDr'» Ausland: i halb ährig » fl. — 10 Xv. ganzjährig 10 „ JO „ J| ^Anzeigen: Die «mal gespaltetes Petitzeile lS kr. \\ » --= - =* Inhalt. Leitartikel: Die jüdischen Wähler in Wien und die Landtagswahl. — Der fortschrittliche Antisemit. — Vom Roßkopf zum Rößler. — Der Hausirhandel und der Wiener Stadtrath. — Vom goldenen Horn. — Neueste Palästina-Forschung. — Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. — Die Dogmen im Judenthum. — Vom I ahrmarkt des Lebens: Ein Wort Sr. Majestät des Kaisers. Die Inden und die Wissenschaft. Zur Frage des Hansirhandels. Das gleiche Maß unter dem neuen Regime. Die Königin von England und die Juden.Der neue jüdische Lord-Mayor von London. Wieder Einer! Arische Sittenrichter. Zur Blutlüge. Die Bedeutung des Alten Testamentes für unsere Zeit. Neue Straßennamen. Race. —C o r r e s p o n d e n z e n: Wien, Bielitz, Straßnitz, Jägerndvrf, Budweis, Neichenberg, Graz, Budapest, Raab, Tyczyn, Podgorze, Berlin, Wolfenbüttel, Paris, Stockholm, Petersburg, London. — Vermischte s: Wien, Göding, Auspitz, Skvle, Proßnitz, Troppau, Gairing, Stettin, Frankfurt a. M., Paris, Constantinopel, Warschau, Marokko, Liverpol, London. — Feuilleton: Der König der Schnorrer. — Briefkasten. — Inserate. Wir bitten um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zusendung des Blattes keine Verzögerung eintrete. Dir jüdischen Wähler in Wien und die Landtagswahl. Referat des Herrn Sigmund Mayer in der Plenarversammlung der „Oesterr. Israel. Union" am 26. September 1896. Meine Herren! Als ich Ihnen in der Plenarversammlung am 23. Mai im Aufträge Ihres Vorstandes über „Die politische Stellung der Juden" referirte, ward mir die Aufgabe, für meine, respective des Vorstandes Ansführlmgen Ihre Zustimmung zu gewinnen, durch einen natürlichen Umstand außerordentlich erleichtert. Brauchte ich doch blos den Empfindungen, welche S i e, meine Herren, selbst hegten, in einer geschlossenen, deutlichen Conclusion bestimmte cvncrete Form zu geben. Und welche war die Conclusion, zu der wir in gemeinsamen Empfinden und Denken gelangt waren? Rund und nett folgende: Wir waren seit einem halben Jahrhundert die treuesten Anhänger, die energischesten Vorkämpfer der deutschliberalen Partei, und heute, so concludirten wir, können wir mit derselben nicht mehr gehen. Und ganz natürlich, folgerten wir weiter, da das bisherige „Central-Wahlcomite" ein reines Bezirksamt der obersten Parteileitung der deutsch-liberalen Partei ist, und eine Aenderung des bisherigen Partei-Schemas von demselben nicht erlvartet werden darf, können tvir auch mit diesem Central-Wahlcomite nicht weiter zusammeugehen. Jetzt unmittelbar vor den Landtagswahlen hat Ihr Vorstand aus derselben die Consequenz gezogen. Er hat die an ihn gekommene Einladung, seine Delegirten in das Centralcomitö zu entsenden, ab gelehnt. Er hat aber die motivirte Erklärung hinzugefiigt, daß wir entschlossen sind, für C a n d i d a t e n, deren Freisinn e i n ehrlich e r, m u t h i g e r und nicht e n g h e r z i g a u f das Partei-Schema beschränkt ist, mit aller Entschiedenheit e i n z u st e h e n, gleichviel von welcher Seite aus sie uns p r ü s e n t i r t w e r d e n. Nun ist dieser Schritt ein ernster und entscheidender. Wenn auch Ihr Vorstand sich vollständig der Verantwortung bewußt und bereit ist, sie zu tragen, so glaubt er denn doch, daß wir auch jem noch der gegentheiligen Meinung Gelegenheit geben müssen, ihren Standpunkt zu verfechten. lieber die bisherige Solidarität des politischen Gefühls zwischen den Juden und der liberalen Partei, ihre Gründe und Bedingungen brauche ich in Ihrem Kreise nichts weiter zu sagen. Das wissen Sie Alle, meine Herren, zumindest so gut wie ich. Aber warum ist sie jetzt, nnd^ daß sie es ist, werden ja auch die Gegner zugeben müssen, entzwei gegangen? Sehen Sie, meine Herren, für die Geschichte des Verhältnisses zwischen der Linken und uns Juden gibt es kein Präcedeus in der ganzen politischen Geschichte. Wie noch immer jede politisch führende Schichte gethan, hielt die liberale Partei mit einem gewissen, aufrichtigen Egoismus ihren Liberalismus für das Summum, für den letzten Inbegriff des Freisinns und glaubte sie sich im Rechte, wenn sie dem Anstürme weiterer Kreise, namentlich der Arbeiterkreise um die politischen Rechte Widerstand leistete. Das war verständlich, wenn auch nicht vernünftig. Aber da entsteht eine Bewegung, die gegen einen Theil von ihr selbst gerichtet ist, gegen uns Juden, die wir nicht nur politisch, sondern fast ausnahmslos social zu ihrer Schichte, zu ihnen gehören, und die wir uns von ihnen nur durch die hier ganz gleichgiltige Thatsache eineranderen Consession unterscheiden, die antisemitische Belveguug - wie hat sich nun die Partei dem Antisemitismus gegenüber verhalten? Wie haben sich namentlich die politischen Führer verhalten? Das haben wir Alle schaudernd selbst erlebt! Das ist noch ganz frisch in unserer Aller Gedächtniß! Mit Ausnahme Dr. Menger's hat Niemand von ihnen der Bewegung einen entschiedenen Widerstand geleistet, sein Mandat an die Sache des Rechtes gesetzt! „Solch' eine Flucht und Felonie — — „Ist unerhört in der Wetr Geschichte." Die Flucht war eben eine allgemeine. Wie war das nun möglich gewesen? Nun, meine Herren, ist das gar so schwer zu erklären? Ich glaube nicht, zumindest nicht dem, welcher für die sozusagen seelischen Vorgänge in der deutsch liberalen Partei, ein aufmerksames Auge gehabt. Schon seit Jahren nämlich war ganz deutlich der Gedankengang zu verspüren, in welchem sie sich Alle — von Plener, dem ich diese innerliche Denkweise noch zur Zeit als er Coalitionsminister war, öffentlich vorgewvrsen - smam

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.