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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-18 · 38 (18.9.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
38 (18.9.1896)
Date
1896-09-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Vloch's WochrMchrist. Seile 763 seinem Roman „Freund Fritz" ist nicht nur nicht geschmacklos, sondern verleiht dem ganzen Gebilde besondere Reize, wie die Racenmischung im Leben. Eine Entschuldigung für unsere Schriftsteller wäre, daß sie das jüdische Leben nicht kennen; allein dies ist doch noch immer zu finden, wo alte Judengemeinden bestehen und selbst in Wien und Berlin, trotz aller Rivellirilng, in den Vierteln, wo die Juden dicht zusammen wohnen, und wenn der Dichter nicht unter ihnen seine Jugend verlebte, muß er, wie der Maler seine Modelle, seine Gestalten aufsnchen, sobald er sich dieselben im Geiste und Gemüthe vorgezeichnet hat. Gestehen wir es uns nur offen ein: Es fehlt den deutschen Novellisten jüdischen Stammes der Muth, sich als Inden zu erkennen zu geben. Wir haben in der Gegenwart eigentlich nur Zwei, die das in Rede stehende Genre vertreten: Salomon Kohn in Prag und Eduard K u l k a in Wien. Bon dem Letzteren ist jüngst in Brandeis' illustrirtem israelitischen Volkskalender für das Jahr 5657 eine Erzählung, die sich „Maseltow" betitelt, erschienen, welche in realistischer Treue und doch voll köstlichem Humor Bilder vom „Schönen Balbos, dem Bachnr und den Jeschiwas" entwirft, wie sie noch viele von uns, die aus den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts in die Gegenwart herüberragen, von Auge zu Auge gekannt haben und wie sie von unseren Kindern gekannt zu werden verdienen, um den Unterschied von Einst und Jetzt im Judenthume zu erfassen, den man gemeiniglich Fortschritt nennt, in der That aber einen Uebergang bedeutet von Glaubensinnigkeit und Herzenswärme zu Jndifferentismus und Genußsucht. Eine amnuthende Figur in dieser Erzählung ist die „Wassergoite", eine Christin im jüdischen Hause, die diesem mit Liebe zugethan ist. So unwirklich uns heute diese Figur auch erscheinen mag, so wirklich war sie in der Zeit der Erzählung, denn der Judenhaß muß erst künstlich gezüchtet werden. Und wir glauben, nicht fehl zu gehen, wenn wir in dieser Nebenfigur der Erzählung die Tendenz derselben, und eine Tendenz muß man doch bei jeder geistigen Arbeit voraussetzen, erblicken. Mit dieser „Wassergoite" will uns Herr Kulka über die Krankheit der Zeit, den Antisemitismus, trösten. Sifre Schaschnim für Unterhaltung und Literatur, in zwanglosen Heften. Erstes Heft. Herausgegeben unter Mitwirkung berühmter Schriftsteller von I s a c F e r n h o f, B u c z a c z, das Heft zu- 12 Kreuzer. Wir betonen besonders den letzten Umstand, bei d r, unbegreiflich billigen Preise von 12 Kreuzern für eine 3*/, Bogen starke Broschüre muß der Verleger auf eine immense Verbreitung dem selben rechnen, und um in seinem Calcul nicht enttäuscht zu werden, darf er nur Gutes bieten, das die Leselust der weitesten Kreise weckt und für diese ist ja, wie für Kinder, das Beste eben gut genug. In der That zeigt das uns vorliegende erste Bändchen, daß der Herausgeber sein Interesse versteht. Er hat in wenizen Bogen Perlen herrlicher Gedanken in den verschiedensten Literaturformen zusammengehäust. Selbst ein namhafter Schriftsteller, war der Herausgeber bestrebt, die ersten Vertreter der hebräischen Literatur der Gegenwart als Mitarbeiter für sein Unternehmen zu gewinnen, und wir begegnen schon in der vorliegenden ersten Lieferung den besten Namen in Lied und Prosa, mit Arbeiten, die das Gemüth erheben, im Style des Franzosen Pierre Loti, wie mit geistreichen Epigrammen, die dem jüdischen Witz alle Ehre machen. Wie verbreitet muß das Verständnis für die hebräische Sprache unter unseren Brüdern im Osten sein, wenn ihnen darin solche geistige K'ost verabreicht werden kann! Daß dieses Verständnis nicht abnimmt, dafür hat der Antisemitismus gesorgt, man zieht sich mehr aus sein Judenthum und die Pflege seiner restlichen Güter zurück. Daß aber unserc Sprache wieder die Kraft einer lebenden gewinne, müssen Schriften in das Volk dringen, wie die der in Rede stehenden Unternehmung. Darum verdient diese Die Unterstützung aller jüdisch-patriotisch Fühlenden auch im Westen, und bei der Billigkeit dieser Hefte kostet eine solche Unterstützung fast gar kein materielles Opfer. Jüdischer Volkskalender/) (II. I a h r g a n g), herausgegeben von beit galizischen Zionisten, erscheint bereits im Lause der nächsten Woche. Dem uns zngesandten Prospect entnehmen wir einige Daten, aus welchen zu ersehen ist, daß auch der heurige Jahrgang höchst interessant sein dürfte. Außer dem Kalendarium, und informativen Theile, der jedem Kaufmanne als nützliches Handbuch dienen wird, enthält der Jahrgang einen sehr reichhaltigen belletristischen und belehrenden Theil und lvollen wir nur einige Arbeiten nachstehend erwähnen: „Wie soll die jüdische Politik sein" (Dr. D. Hescheles) „Zionismus" (Dr. A. Korkis) „Eine Reise durch Palästina" (Aus der Nachlassenschaft des seeligen A. M. Stern) „Mordechai Noah" (Gerson Bader) „Dr. Herzl's Judenstaal" (Dr. D. Schreiber) „Politische Uebersicht" (Dr. Adolf Stand und Dr. S. R. Landau) „Jüdisches * Verlag des jüdischen Bolkskalenders Lemberg,SobieskigasseLI. Theater" (R. A. Brandes). Im belletristischen Winkel finden wir Arbeiten von I. L. Perez, G. Griller. R. A. Brandes, Gerson Bader und A. unter Gedichten bewährte Firmen wie Frug (Petersburg) Perez (Warschau) Goldfaden (New-Pork) unter Anderen, welche Namen nicht erst empfohlen werden müssen und für die Güte des Kalenders beste Garantie bieten. Knapp vor dem Neujahrsfeste erschien zum fünften Male der von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union in Wien" herausgegebene „Israelitische Kalender für das Jahr 5657". (Druck und Verlag von M. W a i z n e r & Sohn in Wien.) Wer das sich so bescheiden repräsentirende Büchlein zur Hand nimmt, hat kaum eine Ahnung von den unsäglichen Mühen, Beschwerden und Sorgen, welche die Herstellung und Redaction desselben erforderten. Gibt es doch Gemeinden — das Jahrbuch hat sie verzeichnet — welche die geringe Mühe scheuen, auf eine Retourkarte, also ganz kostenlos, die erbetene Antwort zu erlheilen! .... Umsomehr verdient der wackere Bereinsvorstand Dank und Anerkennung für die Schaffung eines Werkes, welches für Alle, die sich für Culrusangelegenheiten interessiren, von eminenter Wichtigkeit ist. Nebst dem kalendarischen Theile enthält der Kalender einen Schematismus aller cis- und transleithanischen Cultusgemeinden. Diesem folgen einige literarisch sehr werthvolle Beiträge: Architekt Max Fleischer widmet dem verewigten Dr. F i s ch h o f ein Gedenkblatt, das mit einer Pietät und Wärme geschrieben ist, wie sie der unvergeßliche Volksmann verdient. — Lector M. Friedma u n stellt sich mit einer Arbeit „Zur rabb in i scheu Poesie" ein, welche eine sehr geistreiche Erklärung einer bisher unverstandenen und ewig unverständlich scheinenden Talmudstelle gibt. — Rabbiner und Prediger Dr. S. G e l b h a u s hat sich der dankenswerthen Aufgabe unterzogen, „Etwas über das Buch der Jubiläen", das dem Pubjicum noch so wenig bekannt ist und von dessen Existenz selbst viele Gebildete nichts wissen, zu schreiben. — Oberrabbiner Doctor G ü d e ni a n n erfreut uns mit einer köstlichen Causerie: „lieber Predigten und Predigen" — ein kleines Meisterwerk in classischem Stile und anmuthiger F-rm. Viele Worte sind von packender Wirkung und werden voraussichtlich bald als „geflügelte Worte" herumflattern. So z. B. Seite 407: „Eine Predigt kann viel eher zu lang, als zu kurz sein." Seite 409: „Der Prediger ist ein Maler, nur mit dem Unterschiede, daß sich keiner von ihm getroffen fühlen will'". Seite 410: „Im Grunde schießt jeder Sittenprediger mit blinden Patronen, er thut blos Signal- und Warnungsschüsse, nur Diejenigen erheben ein Geschrei, daß sie getroffen sind, die keinen Schuß Pulver mehr werth sind." — Dr. Eduard Mah ler liefert eine sehr bedeutsame Studie über „Pharao des Exodus" und beschäftigt sich mit der Frage. „Wer warderPharao des Auszuges und wann hat dieser Auszug st a 1 t g e f u n d e n?" Der gelehrte Verfasser gelangt durch seine Forschungen zu dem mit der Tradition übereinstimmenden Schlüsse: Der Auszug Israels ausEgyPten geschah am D o n n e r st a g den 27. März 1335 v. CH. Den Schluß der literarischen Beiträge bildet eine Abhandlung von Professor Dr. H. Müller: „Dt aleachi's Rede über den Opferdien st", eine Arbeit, die jeder Bibelkenner mit großem Interesse lesen wird. Der Kalender der „Union" bedarf eigentlich keiner Empfehlung, weil er sich selber genug empfiehlt unv weil er es gut verstanden hat, sich zahlreiche Freunde und Leser zu verschaffen. Es erübrigt uns nur noch der eine Wunsch: Wie er und seine Vorgänger, so wohlgerathen mögen auaseine Nachfolger sein! Wien, 11. September 1896. Ad. St. Briefkasten. I. Handl, III., Gensaugaffe. Wir sind vollständig Ihrer Ansicht, indessen dürfte es schwer sein, mit den Anschauungen durchzudringen, wie wir aus Besprechungen mit Parteigenossen, denen Ihre Zuschrift vorgelegt worden, wahrnehmen konnten. Gisela P. Wien. Wir sind gerne bereit, die Hefte zu übernehmen, um dieselben dem israelitischen Alters-Versorgungshause abzulieferu, eventuell können Sie die Hefte direct der gedachten Anstalt IX., Seegasse 9, zusenden. M Sch. L Co., Brünn: Abonnementsbetrag bis 28. Februar dankend erhalten. A. L. Bisher „berichtigt" Dr. Lueger alle seine einstigen Versprechungen, objectiv zu sein, durch seine Thaten. Das Berichtigen ist eben seine Force. I. K. Jede neue Idee wird von den Anhängern der eingewurzelten alten Anschauungen bekämpft. Aber schließlich bricht die Wahrheit sich doch Bahn. M. Die Studienreisen S t r o b c. ch's werden ans communalem Säckel bezahlt. Aber Sie irren sich, wenn Sie glauben, daß unser Bürgermeister jetzt etwa seine lückenhafte Schulbildung ergänzen wolle. Dr. B. S. Die Antisemiten schämen sich längst nicht mehr des Mechanikus Schneider. Sie würdigen ihn bereits als die reinste Verkörperung ihrer Ideale.

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