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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 20)
Language
German
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&eüe 744 Dr. Blmtz's Wochenschrift Nr. 37 ihn mehr, denn er rief seine junge Frau nicht zurück, schrieb nicht an sie, um zu erfahren: „weshalb thatest Du das?" Den ersten Schmerz unterdrückend, führte er stumm und stolz sein Leben weiter, die späte Nacht, der erwachende Tag fand ihn noch bei den Büchern. Den neugierig Fragenden schützte er zerstörte Gesundheit seiner Gattin vor. Die Gnade Gottes aber war von ihm gewichen, denn immer noch schwebt ihm das kummervolle Gesicht seiner schönen, jungen Gattin vor, immer wieder glaubt er ihre silberhelle Stimme zu vernehmen. Das Gesicht mit den Händen bedeckend, betet er laut, um die peinliche Erinnerungen zu verscheuchen. Ein kalter Luftzug. Erschreckt blickt er auf, als ob seine Traumgestalten feste Formen angenommen hätten, erscheint in dem dunklen Rahmen der Thür — Lea. Ein weiter Mantel bedeckt ihre Schultern, in den dunklen Haaren glänzen regenbogenfärbig einige Regentropfen. Ein Thränenschlejer bedeckt ihre in Feuer strahlenden Augen. Das Granatroth ihrer Lippen winkt verführerisch. Simon hält den Athem zurück, bewundert die schöne Vision, rührt sich nicht, um ja nicht den Zauber zu bannen. Doch die Gestalt entfernt sich ans der Thüre und komurt näher. Simon, ich bin's, Lea! Der Körper des jungen Lamden zuckt krampfhaft zusammen; er breitet unwillkürlich die Arme aus, um sie ans Herz zu drücken, von der er eben wachend geträumt, dann kommt er zu sich, läßt die Arme sinken, er will sich erheben, doch die Füße versagen ihren Dienst; er will reden, die Kehle ist ihm zugeschnürt, endlich bringt er stammelnd hervor: „Was willst Du? Wozu bist Du gekommen? Ich Hab Dich nicht gerufen! — Ganz richtig, flüsterte leise die junge Frau, ich weiß, Du hast mich nicht gerufen, vielleicht bemerktest Du es gar nicht, daß Dich Weib und Kind verlassen haben. Was soll Dir aber auch ein Weib? Da ist ja der Talmud: Ich kam trotzdem und brachte dem Vater sein Kind. Das ist nicht mein Kind! Simon! schrie Lea wie wahnsinnig, ihre Augen sprühten Feuer, ihre Gestalt schien zu wachsen, als sie mit bebenden Lippen vor ihren Gatten trat, der sich nun aufrichtete, um seinem Weibe Rede zu stehen. Sei ruhig, Lea, nicht eines solchen Vergehens beschuldige ich Dich. Ich weiß, Du warft ein tugendhaftes Weib, eine treue Gefährtin; ich weiß, das Kind ist Fleisch von meinem Fleische, Blut von meinem Blute; aber seine Seele, ist nicht Seele von meiner Seele, Du entrissest es dem Vater und wischest aus seinem kindlichen Gemüthe das Andenken seines Vaters; Du rissest entzwei jenen dünnen Faden, der sein jugendliches Herz an mein Herz knüpfte; Du wirst es in Gleichgiltigkeit, wenn auch nicht in Haß gegen mich erziehen. Dieses Kind wird also nicht mein Kind sein. In diesen! Augenblicke regte sich etwas unter dem Mantel Lea's, welchen nun das junge Weib mit einer raschen Handbewegung abschnallte. Tu—tu, ma—ma, ließ sich ein süßes lachendes Kinderstimmchen vernehmen, welches soeben aus sanftem Schlafe an der Mutterbrust erwachte. Es zeigte sich nun ein goldgelocktes, rosenwangiges herziges Baby, das mit seinen winzigen Händchen den Hals der Mutter umfaßte. Die goldenen Locken umspielten neckend die Stirne des Kleinen, die Wangen vom Schlafe leicht geröthet, preßten sich seine kirschrotsten Lippen schmeichelnd in die der Mutter, dann wandte es sich um, rieb sich mit den Fäustchen den Schlaf aus den blauen Augen und beide Arme ausstreckend, krabbelte es lachend in Simon's seidenweichem Barte herum und zwitscherte süß: Ba—ba! . . . Simon zuckte bei der Berührung von diesen weichen Händchen zusammen und wie von einem Blitzstrahle getroffen, preßte er leidenschaftlich das Kind an sich, so daß es für einige Momente das Mündchen zu einem Weinen verzog; dann aber schmiegte es sich lächelnd, wie im Neste ein junges Vögelchen, in die Arme seines Vaters, welche es nicht mehr losließen und zerrte bald an dem schönen Barte herum oder streichelte sanft das schöne Mannesantlitz, welches Thränentropfen leicht berieselten. Miriam, süßes kleines Mädi! flüsterte er, sich selbst vergessend. In Lea's Augen leuchtete es für einen Moment freudig auf, dann aber begann sie mit bebender Sttmme. Ich wußte, Du werdest Dein Kind nicht verleugnen; und nun höre mich an, Simon. Wenn meine Füße diese Schwelle Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. - überschritten haben werden, so trennen sich unsere Wege für ewig. Hör' mich an, Du wirst mich verstehen, bist Du ja weise und gelehrt. Doch wehe mir, wenn Du mich nicht verstehst! Simon, wir sind Beide noch jung, haben Beide noch ein Anrecht glücklich zu sein. Ich habe bereits des Glücks entsagt, antwortete Simon traurig. (Fortsetzung folgt.) Literatur^. Der „Kalender für Israeliten" Pro 5657, herausgegeben vom Vorstand der „Oesterr.-Jsrael. Union", ist nunmehr ini fünften Jahrgange erschienen und versendet worden. Der Kalender repräsentirt sich als stattliches Buch, entspricht nach Inhalt und Ausdehnung seinem Vorgänger und kann als authentisches Nachschlagebuch für alle Gebiete des öffentlichen und privat-jüdischen Gemeindelebens gelten. Herr Dr. Ed. Mahler übernahm wie Vorjahre den kalendarischen Theil, während die literarischen Beiträge vom Architekten Max Fleischer (Denkmal Dr. Fischhof's), von Lector Friedmann (zur rabbinischen Poesie), von Dr. Gelbhaus (Buch der Jubilare), von Oberrabbiner Dr. Güdemann (Ueber Predigten und Prediger), von Dr. Mahler (Ueber die Pharao des Exodins) und Prof. Dr. H. Müller (Malechar's Rede über den Opferdienst) herrühren. Der Reinertrag ist wohlthätigen Zwecken gewidmet, daher auch aus diesem Grunde das Buch allgemeine Verbreitung verdient. Briefkasten. 8. B. Canonicus Rohling hüllt sich in ein undurchdringliches Schweigen. Unsere Beleuchtung seines jüngsten Egerer Attentates wird ihn belehrt haben, daß er klüger gethan hätte, auch früher schon zu schweigen. Dr. C. Das unfläthige Feuilleton über den „jüdischen Papst" war in dem „Deutschen Volksblatt" in der Woche nach dem Tode des Kronprinzen Rudolf erschienen. A. B. Der Stadtrath ist cousequrnt darin, alle noch so harmlosen und berechtigten Wünsche von jüdischer Seite brüsk zurückzuweisen. g. In der That hätten die liberalen Gemeinderäthe beiläufig folgende Interpellation richten sollen: „Was gedenkt der Vicebürgermeister von Wien zu thun, um zuverhüten, daß fürderhin in der Person des Agitators Lueger nicht das Ansehen der Haupt- und Residenzstadt Wien verletzt werde?? Die Beschuldigungen, die Schönerer fort und fort gegen den sich krampfhaft windenden Bergaui schleudert, erinnern an eine alte Anekdote, auch Bergani konnte ausrnfen: „Ich habe einen Gefangenen gemacht, aber er läßt mich nicht los!" a. Die Antisemiten beweisen ihre Ehrfurcht vor der Wahrheit, indem sie in heiliger Scheu sich von derselben ferne halten. Hermann Hirsch, M-Schön berg. Ihre Zuschrift haben wir den maßgebenden Vereinen vorgelegt.?v86l a Podhofi, Reichenau a. K. Ihre Mittheilung von dem angeblichen Blutsauger Kassie! Steinklein ist erdichtet, um der höflichen ^Redeweise uns zu bedienen. Da der Mann nicht existirt, so kann er Sie selbstverständlich wegen Ehrenbeleidigung nicht belangen. Heinrich Koliner, Prag. Wir ersuchen um Ihre genaue Adresse. Außer Stande, all unseren Freunden und Bekannten einzeln zu danken, welche anläßlich der Neujahrsfeiertage die Güte hatten, uns ihre freundlichen Gratulationen zuzumitteln, sprechen wir denselben auf diesem Wege unseren besten Dank aus, gleichzeitig die erhaltenen Glückwünsche herzlich erwidernd. Wien, am K). September 1896. Dr. Gustav Lohn und Frau. Zwei tüchtige Burschen israelitischer Confession, werden unter günstigen Bedingungen bei guter Behandlung in der Werkstätte des christlichen Tischlermeisters Josef Schebek in Brünn, Sturmgasse Nr. 7, aufgenommen. Specerei-LehHing wird gegen sofortigen Eintritt bei Moritz Grünwald, Fioridsdoif, mit ganzer Verpflegung aufgenommen. Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.

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