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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 712 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 36 Landes diesen Gründungen widmet und so mit dem von Juden eingetriebenen Steuergelde einen Vernichtungskampf gegen die Aermsten der Juden führt und fördert. Nachdem die Juden einsehen. daß trotz fünsnndzwaiizigjähriger aufrichtiger, mit größter Selbstverleugnung betriebener Assimilation selbst Diejenigen, die sich voll und ganz den Polen assimilirt haben, von denselben weiter gehaßt, verachtet und verfolgt werden und man das gesammte Judenthum sammt den bis zur Carricatur Assimilirten weiter officiell und soeial als „Fremde" behandelt und ächtet, erkannten sie, daß die Juden, wenn sie nicht rettungslos der Vernichtung anheimfallen sollen, sich selbst Helsen müssen, was übrigens bei jedem heterogenen Elemente selbstverständlich ist, denn so lange die menschliche Gesellschaft besteht und so lange sie bestehen wird, war es nie der Fall, daß das stärkere Bolkselement aus Großmuth und Liebe zum fremden schwächeren Volkselemente demselben gleiche Rechte wie sich zumesse und es in Ruhe und Frieden belasse- Will also dieses schwächere Element sich erhalten, so genügt es durchaus nicht, daß es sich brav, sittsam und edelmüthig verhalte (was übrigens bei einer Bevölkerungszahl von 800.000 Köpfen ganz undurchführbar ist), sondern es muß die ihm vom Gesetze in die Hand gegebenen Vertheidigungsmittel gebrauchen, um sich nicht den Garaus machen zu lassen und deshalb haben Männer, die nicht nur für sich und ihre eigene werthe Familie, sondern für das ganze Judenthum ein warmes Herz haben, die Parole ausgegeben: Helsen wir uns selbst. Betrachtet uns die Majorität des Landes, so weit unsere Rechte in Frage kommen, als einen nicht polnischen Volksstamm, der wir auch wirklich sind und führt sie gegen uns aus diesem Titel wider alles Recht und Gesetz den Kamps der Vernichtung, so ist es unser Recht und noch mehr unsere Pflicht, uns wie ein angegriffenes Volk legal zu vertheidigen. Wir müssen aber aushören, uns selbst mit der Vorspiegelung, daß man uns als Polen und Brüder betrachtet, zu foppen, wir müssen uns dessen bewußt werden und damit einfür allemal uns vertraut machen und abfinden, daß wir, wenn auch treue und aufopferungsbereite Söhne des Landes und Reiches, doch einen besonderen Bolksstamm bilden und als solcher behandelt werden und daher aus uns selbst uns zurückziehen und in der Bertheidigung unserer angegrifferlen Ehre und unserer bedrohten materiellen Existenz solidarisch Vorgehen. Das ist die Entstehung und das Programm jener Männer m Israel, die Herr Dr. Daniel „Zionisten" nennt. Jeder Unparteiische — selbst wenn er Christ ist - wird uns zugeben muffen, daß dieses Programm ein ehrliches ist und Achtung verdient. Au eine Uebersiedelung der Juden Galiziens nach Palästina denkt, meines Wissens, keiner der sogenannten Zionisten; das ist auch so eine Unterschiebung, die unsere Streber aus Marlgel an anderen Verdächtigungen sich ausgeklügelt haben, um vor den Polen ihren „Witz" zu produciren.' Antisemitismus und Zionismus, meint Herr Dr. Daniel, üch- Ju wohl, sie gehören zueinander, wie der Ruf zum l^cho, wie das Halali der Menschenjäger zum Verzweiflungskampf des rodtgehetzten Opfers. v o- - ■3U1? Schluffe ertheilt Herr Dr. Daniel den sogenannten Zionisten den guten Rath, Judustrieunternehmungen zu gründen. L>ehr ichön, nur ist die Adresse verfehlt. Die sogenannten >??oursten recrutiren sich leider aus deii ärmsten Schichten der stimjchen Bevölkerung, sie können daher nur ihr Stückchen Brod, das nmn ihnen wegnehmen will, vertheidigen. , , r Fabriken gründen können nur die reichen Juden und die das Land beherrschenden Schlachzizen. ™ . dachst die Letzteren thuu dies in jüngster Zeit in reichlichem icaße: pe gründen Handels- und Creditvereine und errichten Zucker-, ^uch- Lchnittwaaren-, Spodium- und sonstige Fabriken, wie auch Dampsgärbereien in großem Maßstabe, aber Herr " A'auie** fle,schließen hiebei alle Juden, selbst geaichte Patrioten unnachsichtig aus und da haben Sie gleich eine Antwort aus dieses Project. /^,CL' ^u9cn hat, un, zu sehen, und den Muth hat, der Wahrhert die Ehre zu geben, muß Folgendes zugestehen: Der Antisemit,smus in Galizien ist viel intensiver, als jener in ^nen und Deutschland, man spricht aber von ihm deswegen nicht, weil er so alt jst, wie Galizien selbst, und selbst in den Zähren des liberalen Aufschwunges, wo die Juden der deutschen Zander die Freiheit und Gleichberechtigung wirklich genossen, spürte man von alldem bei uns gar nichts. Wir lebten weiter unter dem alten polnischen Risches, entrechtet, verachtet und unterdrückt wie früher, als ob die Staatsgrundgesetze für uns nicht gemacht worden wären. Der Antisemitismus hat es bei uns „Gott sei Dank" nicht nöthig, zu raicdaliren, weil er ja schon herrscht, und zwar ohne Unterbrechung und, was das Wichtigste ist, ohne Gegenlvehr und Abwehr. A n i H a g e w e r. Vom Jahrmarkt de» Lebens. Auflassung deZ SaatenmarkteA. lieber den in Folge der antisemitischen Strömung erfolgten Ausfall des Wiener Saatenmarktes äußert sich die „Neue Freie Presse": „Sonst haben wir um diese Zeit den Wiener Saatenmarkt begrüßt. Der wüsten Hetze, die der Reichshauptstadt so großen Schaden bereitet hat, ist es znznschreiben, daß dieser Institution, die durch mehr als zwanzig Jahre eine Specialität von Wien gewesen ist und nebenbei den kleineren Gewerbsleuten nicht unbedeutenden Vortheil gebracht hat, ein Ende bereitet wurde. Der Wiener Saatenmarkt, der schon im vorigen Jahre nur mit Mühe und Noth zu Stande gebracht werden konnte, wird Heuer überhaupt nicht mehr abgehalten. Gerade diesmal wird die Lücke schwer empfunden. Die Berichte der internationalen Commission, die ein ziemlich zuverlässiges Bild der Welt-Ernte geboten, die Ueberschüsse ans der einen nnd den Bedarf aus der andern Seite klargelegt haben, fehlen und werden überall vermißt. Zweifellos hätten sich auch die Umsätze viel lebhafter gestaltet, wenn den Vertretern des Auslandes die Möglichkeit geboten gewesen wäre, an Ort nnd Stelle die besonders gut gerathenen Qualitäten unserer Feldfrüchte kennen zu lernen. Zum ersten Male nach langer Zeit zeigen sich nicht nur für die Gersten-, sondern auch für die Weizenansfuhr bessere Aussichten. Der Saatenmarkt hätte wesentlich dazu beigetragen, diese Aussichten in vollen, Maße zu verwirklichen und den Getreide-Export, besonders nach Süd-Deutschland, in rascher, Fluß zu bringen. Darar, sind iit erster Linie die Landwirthe interessirt, die großen nicht weniger als die ffeiueit. Sie mögen sich bei ihren sogenannten Beschützern bedanken, die bisher nur abgedroschene Redensarten, aber nicht Ein Körnchen Weizen ins Ausland gebracht haben". Die Beschränkung des Hgusirhandeks. Die niederösterreichische Statthalterei hat mit Rücksicht aus die fortdauernden Klagen über die Beeinträchtigung der stabilen Handelsgeschäfte durch den Hausirhandel den Magistrat ansgesordert, bei der Ertheilung von Hausirbesugnissen mit Beschränkung aus wirklich rücksichtswürdige Petenten vvrzugehen. Professor ^onrnier hat in der antisemitischen Tactik schon recht gute Fortschritte gemacht. Er dementirt und gibt Gewährsmänner an, aber was er eigentlich gesagt nnd gemeint hat, verschweigt er — als Meister des Styls. Er habe die Meinung geäußert, sie (die besseren Inden) könnten in einer bestimmten Richtung bei der Bekämpfung des Antisemitismus mitthätig sein. Ja, aber in welcher Richtung, Herr Professor? Wenn Sie wünschen, daß die Herren in einer bestimmten Richtung mitthätig sein sollen, müssen Sie doch wenigstens zuerst sagen, in welcher Richtung. Nun, das scheint aus der Mittheilung Professor Fournier's hervorzugehen, daß er einen Einfluß der „besseren Elemente" unter den Juden ans die schlechteren für niöglich hält und fordert. Wie er sich diesen Einfluß denkt, ist nicht recht ersichtlich; gerade das wünschten wir aber zu wissen. Mit dem gleichen Rechte, wie er von den besseren Juden, könnten wir aber von ihm erwarten, daß er das Seinige thnt, um Christen und Juden zu reformiren. Da er das anscheinend nicht gethan hat, jedenfalls nicht mit Erfolg, da noch Tausende von Verbrechen begangen werben rc., thäten wir gut, unsere Stimmen einem anderen Candidateu zu geben. Denn ein Candidat mußte doch, wenigstens das gethan haben, was er von Anderen erwartet. Die Frage hat aber noch eine Tragweite, die über die Person des Professor Fournier hinausgeht. Während man uns vorwirft, wir wollten einen Staat im Staate bilden, verlangt mau von uns eine corporative socialpolitische Thätigkeit. Was der Staat nicht kann, können wir gewiß nicht leisten, und daran wird nichts dadurch geändert, daß auch einige Juden eine Phrase nachgesprochen haben, die sie öfters von ihren christlichen Mitbürgern gehört haben. Eine Einwirkung auf unsere faulen Elemente ist umso weniger möglich, als gerade diese, viele Briman, Paulus

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