Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 36 (4.9.1896)
- Date
- 1896-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 706 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 36 klar in's Auge schaut, fürchtet er die aufschäumenden Wogen, auch das rettet häufig, weim wir ihr aus dem Wege gehen; ein paar Schritte weiter hat der Wasfersturz feine Kraft verloren, eben noch tobt ein Wetter, wenige Minuten später leuchtet der Sonnenschein; verbirg Dich einen Augenblick, bis das Wetter vorüberzieht. Wie beruhigend tönt das Prophetenwort in das Ohr und Herz Derer, die, sei es für ihr eigenes Dasein, sei es, um das Schicksal unseres Stammes und unseres Glaubens, für die Zukunft bangen; und wie sehr stimmt diese Prophetenmahnung überein mit Allem, was kühle und nüchterne Lebenserfahrung uns meldet. Die Wetter drohen am Horizonte, aber nicht aus allen Wolken lohen Blitze, die meisten Blitze fahren in die Erde und schrecken, ohne zu schaden; nur wenige suchen die Stätten der Menschen und deren Häupter heim, aber selbst diese betäuben meist nur, ohne zu verletzen, ohne zu tödten; oft gar ist, was uns ängstiget nur ein wüster Lärm, ein toller Spektakel, wie ihn das Wasser erzeugt, das von den Bergen stürzt, aber es schadet auch dem nicht einmal, der mitten im Aufruhr steht. Wie sehr verliert die Zukunft ihre Schrecken, wenn wir fürsorglich und kaltblütig ihr entgegenschreiten; wir sollen uns um diese Schrecken kümmern, aber sie sollen in uns keinen Kummer erwecken. Auch ein arges Wetter erschöpft seine Kraft in kurzer Frist, und wenn es vorüber ist, so hat es wohl hie und da einen Stamm entwurzelt, aber die meisten hat es stehen lassen müssen. Das gilt auch von den Feinden, die unserer: G l a uben und unsere Glaubensgemeinschaft gefährden; wie feig sind doch unsere, Widersacher, wenn wir ihre Obmacht mit unserer Ohnmacht vergleichen; ist es nicht eine Feigheit, wenn sie unserer Jugend Fallen stellerr, wenn sie ein Amt, das zu verwalten doch Mannesmuch und Ehre gehört, nur Denen hinreichen, die das köstlichste Gut des Mannes, die Ueberzeugung, verleugnen? Beschimpfen sich unsere Gegner nicht selbst, wenn sie tausendfach widerlegte Lügen, die sie selbst nicht glauben, aus verschimmelten Scharteken hervorsuchen, nicht, um uns zu verleumden, denn so beschränkt sind selbst die Geringsten nicht, um diesen Trug für wahr zu halten, sondern nur, um uns zu kränken und uns aufzuregen? Unzählige Herde der Unzufriedenheit flammen auf der weiten Erde. Eine Minderheit, wie sie Israel ist, hat stets zu leiden; geht es ihr gut, so wird sie beneidet; gebt es ihr schlecht, so wird sie verachtet; ist es da zu verwundern, daß das Feuer auch gegen uns sich kehrt? Aber auch in unserer Mitte haben wir allerhand Anlaß zu klagen. Jndeß wann in aller Welt war denn das goldene Zeitalter, wo in unserer Mitte alle oder auch nur die Mehrheit für das Hohe und Edle sich begeistert hat? Die Ideale werden zu allen Zeiten und in allen Landen nur von einer kleinen Minderheit verehrt und behütet. Diejenigen verwirren das Urtheil, die die Gegenwart gar so tief herabsetzen und zum Beispiel das vorige Jahrhundert so hoch erheben; die Propheten haben die Niedigen und Schlechten nicht geschont, aber sie haben nicht ein ftüheres Geschlecht erhoben, um ihre Zeitgenossen niederzudrücken. Denken wir nur an das Israel, das mit Moses in der Wüste lebte; wie bitter ist es von Moses getadelt und gescholte.: worden; aber ein späterer Prophet hat ihm mit innigen Worten gehuldigt, da es in bräutlicher Liebe'Gott nachgewandelt ist, durch saatenloses Land; Beide, Moses der scheltende, Jeremias der preisende, Beide haben Recht; so mag unser Jahrhundert das Judenthum der Gegenwart, manch' herben Tadel verdienen uird doch nicht so verdorben sein, daß wir verzweifeln müßten; das Judenthum erstreckt sich heute über so weite Strecken, daß es nicht ganz leicht ist, die Gesammtheit zu überschauen; allerdings die Feinde von Außen sind heftig und zahlreich; aber die Cultur und die öffentliche Gerechtigkeit sind doch zu sehr erstarkt, als daß unsere Gegner uns tödtlich treffen könnten. Sie berauschen sich in Worten und vielleicht nützen wir ihnen unb uns, wenn wir sie nicht reizen, wenn wir nach den: Rathe des Propheten eine kurze Well still halten, bis das Wetter vorübergeht. Jüngst ist ein I s r a el i t, ein d eut sch e r Di ch t er, gefeiert worden, der unter unsäglichen Prüfungen bis in das hohe Alter sich ein fühlendes Herz bewahrt hat, der sein Glanbensbekenntniß mllden Worten ausgesprochen hat „und droht auch Nacht der Schmerzen ganz mein Leben zu umfassen, ein unvernünftger Sonnenglanz will nicht mein Herz verlassen"; ein unvernünftiger Sonnenglanz, dies Wort paßt für den von Jugend an gequälten Dichter, der früh an Aug' und Ohr, an allen Gliedern gelähmt war, wir aber, die wir gesund sind, die wir mit offenen Sinnen das Leben erkennen und genießen, wir haben geradezu eine Pflicht, nicht mit trüben: nächtigem Sinn in's neue Jahr hineinzuschreiten; was ur:s drückt, was uns droht, wird erst entsetzlich, wenn unser eigenes Herz verzagt und ermattet; wappnen wir :u:s mit Geduld, weichen wir für einen Augenblick dem Sturme, lassen wir uns nicht schrecken, wenn die Flnthen mit »hrbetäubendeu Tönen niederstürzen; 'wenn der Sonnenglanz unser Herz erfüllt, dann ist auch die Zukunft leuchtenb, der wir entgegengehen. B. R. Der Kampf gegen den „Rabbi". Daß die Juden es satt sind, die Rolle jener Hekatomben zu spielen, welche zur Feier der Chlumxcky'scheu und Promber'schen Wahlsiege gefeiert werden, geht den Herren begreiflicherweise gar sehr gegen den Strich. Die jüdische Geschmacklosigkeit, welche über die feinen U terschiede zwischen den „fac iltativen" und „obligatorischen" Antisemiten achtlos hinwegschreitet, wird als ,,Berrath" an der deutschen Sache gestempelt und jenen Männern, die da glauben, das Judenthum bedürfe wehrhafterer Vertreter als der wirklichen und vermeintlichen Geheimräthe und Leisetreter, wird frischfröhliche Fehde angesagt. Zu oberst auf der Prvscriptionsliste jener mandatshungrigen Clique stehen natürlich diese Blätter und ihr Vertreter, gegen de» zur Stunde ein lustiges Kesseltreiben arrangirt wird. Die Kerntruppen bleiben in der Reserve, die Tirailleure werden vorausgeschickt. In einem Montagsblättchen, das den „ltberalen" Führern die Mittel, dem ersten Tagesblatt den Titel verdankt — letzteren auf Grund eines unfreiwilligen Anlehens — finden wir einen Artikel „Juden und Deutschliberale", wo wieder einmal zur Evidenz nachgewiesen wird, daß die Juden es sich zur Ehre und zum Vergnügen anrechnen müßten, von den „deutsch-fortschrittlichen" Antisemiten erschlagen zu werden. In allen Tonarten wird da geheult und geheilt, daß die deutsch-fortschrittliche Partei ein unveräußerliches Anrecht auf die jüdischen Stimmen besitzt. Es heißt in diesem Artikel unter Anderem: „Wenn die deutsch-fortschrittliche Partei heute „nach wie vor die nationale Fahne schwenkt" und in dieser Beziehung ihren Eifer sogar verdoppelt, so hat dies eben in der leidigen Thatsache seinen Grund, daß die Anderen auch ihre Fahne aufgehißt haben. Es liegt dies leider im „Zuge der Zeit", will doch Herr Bloch die — jüdische Fahne aufpflanzen. „Die lumpigen kleinen Belästigungen, welche den Deutschen hie und da zu Theil werden", schreibt Herr Bloch, „sind nichts in dem Verhältniß zu dem, was die Juden zu erleiden haben". Es soll nicht geleugnet werden, daß die Inden viel, unendlich viel zu erleiden haben, aber ist es eine „lumpige Belästigung", wenn die Deutschen in Steiermark und Kärnten, in Böhmen und Mähren in Gefahr sind, durch die slavische Hochfluth zurückgedrcingt zu werden? „Ein paar Nadelstiche" wagt Herr Bloch die Attentate auf die Deutschen in Böhmen und Mähren zu nennen! Bon den „Privilegien der Deutschen, welche die Juden nichts angehen und in die jetzige Zeit nicht Hineinpassen", wagt Herr Bloch zu sprechen, um schließlich vor dem Biindniß mit einem „Leichnam" zu warnen." Ja, das Alles wagen wir. Wir wagen sogar noch mehr Es ist eben die Zeit des Wagens gekommen und die des Zagens endgiltig vorüber. Den vielberufenen „Zug der Zeit" verstehen auch wir. Derselbe liegt nicht so sehr in den nationalen Bestrebungen, als vielmehr darin, daß heutzutage allerorten „praktische Politik" gemacht wird. Die Juden waren zu lange Idealisten. Ob politischer Idealismus überhaupt unzeitgemäß geworden ist, darüber wollen wir heute nicht streiten. Aber jedenfalls ist jener Idealismus geschwunden, der die Mandate Chlumecky's und Promber's als Ideale ausfaßt. Daß der Artikelschreiber Herrn Dr. B lo ch des Weiteren agitatorisches Talent zum Borwurf macht, können wir ruhig hinnehmen. Hätte die liberale Partei nur Talente aufkommen lassen, Führertalente und agitatorische, niemals wäre es so weit gekommen, als man es jetzt bewundern kann. Aber diese Herren haben nichts gelernt und nichts vergeffen.. . Halt, etwas haben sie gelernt, ein Requisit aus der antisemitischen Rüstkammer ist in ihr „geistiges" Eigenthum übergegangen. Sie sprechen höhnisch vom „Rabbi" Bloch. Sie bedienen sich der Bezeichnung für ein Priesteramt zum Spott und Hohn. . . *