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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-14 · 33 (14.8.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 Vr. VLorh'» Wvchrnfrtzrift. Seite K53 London. Leo Field, der bekannte Operndirigent, ist in Berlin, wo er zum Besuche seines Bruders Dr. Field weilte, gestorben. Unter den Socialisten, die gelegentlich des Congresses iu London weilen, befinden sich: Singer, Bernstein und Warm aus Berlin, Fräulein Rosa Luxemburg aus Polen, Aseelrod, Dr. CH. Rapoport aus Rußland, Bernard Lazare aus Frankreich. London. Lord und Lady Rothschild werden ein Paar- Tage lang bei Gladstone und dessen Gemalin in Harvarden zu Gaste sein. Kentucky. Einer der ersten Ansiedler in Kentucky. Moses Adams, ist hier im Alter von 102 Jahren gestorben. Brighton. Graf Derby und seine Gemalin sind zum Besuche bei Herrn Reuber Sassoon eingetroffen. Abeffynien. In Italien ist eine Subscription zu dem Zwecke eröffnet worden, einen jüdischen Prediger nach der italienischen Colonie E r y t h r e a zu senden. Im Falle des Gelingens dieses Projectes wird es nicht schwer sein, sich mit den noch lebenden Falashas (der eingeborenen abessynischen Juden) in Verbindung zu setzen, um Näheres über diese interessante Secte zu erfahren. Bagdad. Die hiesige Mädchenschule, welche im verflossenen Jahre von der Alliance Jsraelite gegründet wurde und von dieser, wie auch von der Anglo Jewish Association erhalten wird, erfreut sich allgemeiner Beliebheit. Der Generalgouvernenr hat selbst seine beiden Töchter als Schülerinnen in die Anstalt eintreten lassen. Feuilleton Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) Natürlich ermangelte Jvschi Schmendrik nicht, der Exwitwe Finkelftein die Befreiung aus Egypten zu erklären, und Gedalja, der Grünzeughändler, hielt auch diesmal sein jährliches Gelage an der Spitze von etwa fünfzig fröhlichen, fremden Bettlern ab. Der Mob mochte dabei in den Straßen schreien, besonders wenn die Thüren für Elija Hanowi geöffnet wurden — harte Worte schaden nichts, und das Ghetto war über Beleidigungen erhaben. * * Melchisedek Pinkas war der Peßachgast an Reb Schemuel's Tisch, denn der Ranch seiner Sabbath-Cigarre war nicht bis zu dein alteil Mann gedrungen. Es war eine große Nacht für Pinkas, der durch die Erinnerung an die egyptische Befreiung, welche er in ihren Einzelheiten dennoch für mythisch hielt, zu feurigen, nationalistischen Aspirationen angeeisert wurde. Es war eine schreckliche Nacht für Hanna, welche ihm gegenüber saß, dem Feuer seiner poetischeil Blicke ausgesetzt. Sie war blaß und starr, sprach und bewegte sich maschinenmäßig. Ihr Vater warf dann und wann einen mitleidigen Blick auf sie, hoffte aber, daß das Schlimmste überstanden sei. Ihre Mutter war sich der Krisis weniger bewußt als er, da sie dem Sturm nicht beigewohnt hatte. Sie hatte nicht einmal ihren in Aussicht stehenden Schwiegersohn gesehen; die Geschichte that ihr leid, das war alles. Da Hanna nun einmal das Eis gebrochen und einen jungen Mann ermnthigt hatte, war auch Hoffnung fiir Andere. Keiner der Eltern errieth Hanna's Gemüthszustand. In jenem schrecklichen Schweigen, das die Seelen trennt, ist selbst die Liebe blind. In der Nacht, die jener furchtbaren Scene folgte, schlief sie keinen Augenblick; die fieberhafte Thätigkeit ihres Geistes ließ sie nicht einschlafen, und ein richtiger Jnstinct sagte ihr, daß auch David wache, daß sie. beide in der Stille der schlafenden Stadt, im Dunkeln mit demselben furchtbaren Problem kämpften und niemals so eins waren, wie jetzt in ihrer Trennung. Am Morgen bekam sie einen Brief; er war ungestempelt; offenbar hatte ihn David selbst in den Briefkasten an der Hausthür hineingeworsen. Er verlangte eine Unterredung um zehn Uhr an einer Ecke der „Ruinen"; natürlich konnte er nicht mehr in das Haus konnnen. Hanna ging mit einem kleinen Korbe aus, um einige Einkäufe zu machen. Heiteres Leben, vergnügtes feierliches Gedränge herrschte im Ghetto; die Luft hallte von dem heiseren Geglukse zahlloser Hennen wieder, die sich auf s dem Wege zu den federbedeckten, blutbefleckten Fleischbänken befanden, wo die Schächter ihrer harrten. Niemand achtete auf die zwei traurigen Gestalten, deren Leben von dem kurzen Augenblick der Unterredung abhing, welche sie im Gedränge der eiligen Menge führen konnten. David's umwölbtes Gesicht erhellte sich ein wenig, als er Hanna auf sich zukommen sah. „Ich wußte, daß Du kommen würdest", sagte er, indem er ihre Hand ergriff. Seine Finger brannten, die ihrigen waren, kalt und schlaff. Ein mächtiger Strom von Erregung hatte ihr das Blut aus Gesicht und Gliedern getrieben, aber innerlich brannte sie. Sie sahen einander an, und jeder las Empörung in den Augen des Andern. „Gehen wir weiter!", sagte er. Sie schritten langsam vorwärts. Der Boden war schlüpfrig, schmutzig. Der Himmel war grau, aber die Heiterkeit der Menge neutralisirte die öde Heiterkeit der Scene. „Nun?", fragte er mit leiser Stimme. „Ich dachte, Du wolltest mir etwas Vorschlägen?", mur- ' melte sie leise. „Komm' laß' mich Deinen Korb tragen!" „Nein, nein! Was hast Du beschlossen?" „Dich nicht aufzugeben, Hanna, solange ich lebe." „Ah!", sagte sie ruhig. „Ich habe auch darüber nachgedacht und werde Dich nicht verlassen. Aber unsere Heirat nach jüdischen Gesetzen ist unmöglich. Wir könnten ohne meines Vaters | Wissen in keiner Synagoge getraut werden, und er würde sofort die Rabbiner von unserem Ehehinderniß unterrichten." „Ich weiß, Liebste. Aber wir können nach Amerika gehen, wo Niemand davon weiß. Dort werden wir eine Menge Rabbis finden, die uns trauen. Mich hält nichts in diesem Lande. Ich kann in Amerika ebensogut wie hier ein Geschäft anfangen, und Deine Eltern werden es leichter nehmen, wenn Du einmal über'm Meer bist. Aus der Ferne läßt sich eher verzeihen. Was meinst Du, Liebe?" Sie schüttelte den Kopf. „Warum müssen wir in einer Synagoge getraut werden?", fragte sie. „Warum?", wiederholte er verblüfft. „Ja, warum?" „Weil wir Juden sind." „Du willst jüdische Formen benutzen, um jüdische Gesetze zu umgehen?", fragte sie ruhig. j „Nein, nein! Warum faßt Du es so auf? Ich zweifle! nicht, daß die Bibel mit diesem Gesetze recht hat; nachdem mein! erster Zorn vorüber war, sah ich Alles ein. In Amerika sind aber die Rabbiner weniger streng, außerdem werden sie nicht! wissen, daß ich ein Kohen bin." j „Nein!", sagte Hanna fest. „Ich will keinen Betrug mehr.? Wozu brauchen wir die Sanctton eines Rabbis? Können wir uns nach jüdischem Gesetze nicht ttauen lassen, ohne etwas verbergen zu müssen, dann will ich nichts damit zu thun haben. Lassen wir uns rechtschaffen auf dem Standesamt trauen." „Wie, Du willst, Liebste", sagte er bereitwillig. „Mir ist Alles recht, wenn wir nur heiraten und zwar rasch." „So rasch Du willst." Er ergriff ihre Hand und drückte sie Leidenschaftlich. Eine Pause entstand. Jeder war mit seinen anfgeregten Gedanken beschäftigt. Dann sagte David: „Aber hast Du auch den Muth, das zu thun und in London zu bleiben?" „Ich habe Muth für Alles. Aber Du hast recht, es wäre besser abzureisen. Der Bruch wird nicht so heftig sein, wenn wir gänzlich brechen — alles mit einmal ändern. Es klingt wie ein Widerspruch, aber Du verstehst, was ich meine." „Jawohl. Es ist schwer ein neues Leben zu beginnen, wenn Einen lauter alte Dinge umgeben; und außerdem, warum sollten wir unseren Freunden Gelegenheit geben, uns kalt zu behandeln? Sie werden allerlei boshafte Gründe herausfinden, warum wir nicht in einer Schul' gettaut werden, und wenn sie auf den richtigen verfallen, werden sie am Ende gar unsere Heirat für ungesetzlich halten. Nimm also meinen Vorschlag an und komm mit mir nach Amerika!" „Gut. Fahren wir direct von London aus?" „Nein, von Liverpool." „Dann können wir uns vor der Abfahrt in Liverpool trauen lassen." „Eine gute Idee. Aber wann fahren wir?" Sofort — heute Abend. Je ftüher, desto besser."

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