Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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J£c» 33. Dr. Bloch’s Jahrgang XIII. Centralorgan für dir gesarnmten Interessen des Indenthums. R. ft. PoUsparralstn-Rmt Clearingverkehr Nr. 810.976. KrdarNon und Rdminikratton: Wien nlrrr ensririrnUratzr I». Tetephon-Wr. G535. =* Wien, 14. August 1896. 'M- S Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fass). Telegramm-Adresse: Bloches LBochenschrift Wien. ' »efllg»prris für Sestei-rrlrd' Halbjährig 4 fl. — 8 er. j Einzelexemplare SS kr. j Mr'» Rualanb: | halb ^hrig 6 ff IO Kr. j ganzjährig 10 „ 20 „ . vnzeigen: Die «mal gespaltete j Petitzeile 12 kr. | Inhalt. Leitartikel: Die „Qesterceich'sche Wochenschrift" und der Zionismus. —Die jüdischen Jesuiten. — Die Einte der Schreibe knechte. — Antisemitismus in Galizien? — Vom goldenen Horn. — Für Her;l und seine Plane! — B o m I a h r m a r k t d e s Lebens: Die „Verjudung" Oesterreichs. Discrete Berichterstattung. Das Lueger-Vaterunser. „Humoi." Laster — Sieger im Nürnberger Schachturnier. „Au Pröcision.“ Bismarck der Freigebige. Hieronymus Lorm. — C o r r e s p o n d e n z e n : Wien, Brünn, Budapest, Karlsbad, Brüx. Lubien bei Lemberg, Krakau, Sadagora, Diacovar, Budweis, Berlin, Graudenz. Schweiz. — Der. mischte s: Wien, Amstetten, Olmütz, Prerau, Budapest, Berlin, Paris, Jassy, Riga, St. Mary, Milivankee, London, .Nentucky, Brighton, Abessynien, Bagdad. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Mein erster L.hrer. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die „Oesterreichliche Wochenschrift" und der Zionismus. Die Kritik des Zionismus durch „Verus“ (in den letzten Nummern unserer Zeitschrift) scheint eine tiefgehende Bewegung in unseren Leserkreisen hervorgerufen zu haben. Eine Reihe von Zuschriften interpellirt uns über die priueipielle Stellung der „Oesterreichischen Wochenschrift" zum Zionismus. Mitunter geschieht dies unter heftigen Vorwürfen. Bald heißt es, unser ganzes Blatt sei „voll von Zionismus". Bald wieder werden wir des Abfalles vom Zionismus angeklagt, weil wir dem letzten Artikel von „Verus" mit seiner Fülle von kritischen Argumenten Raum gegeben haben. Jeder von diesen Zuschriften entspricht wohl in unseren Leserkreisen eine ganze Gruppe von Zweiflern, welche ihr Kopfschütteln nicht auf die Post gegeben haben. Es dürfte daher hoch an der Zeit sein, unsere principielle Stellung zum Zionismus klipp und klar zu formuliren. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese geistige Strömung unter dem Drucke der Zeitereignisse außerordentlich erstarkt ist. Man hat es dem beliebten' Plauderkünstler und vollendeten Weltmann, der für die „Neue Freie Presse" von Haus aus seine Feuilletons voll weltüberlegeuer Ironie einzusenden, pflegte, auch nicht an der Wiege gesungen, daß er mit der Idee eines „Judenstaates" hervortreten werde. Vor wenigen Jahren noch hätte er selbst vielleicht über diese Idee die Eisnadeln seines feinen Spottes ausgeschüttet. Man sieht es in seinem Buche klar und deutlich, daß er weder die Literatur der Juden, noch ihre thatsächlichen Zustände in Palästina oder der übrigen Welt ans eigener Anschauung kennt. Was er kennt, genau kennt und mit anerkennungswerther Wärme des Gefühles in sich verarbeitet hat, ist nicht das Judenthum, sondern der — Antisemitismus. Herzl ist geradezu ein Typus derjenigen Inden, welche Jahre lang gar nicht daran gedacht haben, daß sie Juden sind, und nun plötzlich durch den Antisemitismus höchst unsanft ans ihren Illusionen geweckt worden sind. Ein radikaler Denker, möchte H e r z l das Uebel mit der Wurzel ausreißen. Er glaubt den Antisemiten, daß wir unter allen Völkerm verhaßt find, unter denen wir leben Hören wir also auf, unter ihnen zu leben, ruft er uns zu, und seine lockenden Melodien finden in dem Gemüthe des Volkes, welches mit rühmender Treue für das Land seiner Ahnen alle Jahre nun schon seit Jahrtausenden sein: ,.Fschon> liabooh bijeruscholojim ■ singt, einen günstigen Resonanzboden. Die vielen Jünglinge und Männer, welche im Anschluß an A ch e r und Andere längst alles Heil von einer Rückkehr nach Zion erhofft haben, begrüßen mit Begeisterung den unerwarteten Succurs. Tie studentische Jugend folgt schaarenweise seiner Werbetrommel. Was soll nun ein Blatt, wie die „Desterreichische Wochenschrift", einer solchen Bewegung gegenüber thun? Tvdtschweigen? Das ist so eines von den Mittelchen jenes unaufrichtigen Journalismus, der, fälschlich den Inden zur Last gelegt, so viel Antisemitismus erzeugt hat. Tie ganze liberale Presse schweigt Herzl's Buch todt. Hat dies dem Autor oder seinem Werke irgendwie geschadet? Einstweilen hat das letztere nur 3 Auflagen in einem Jahre erlebt. Ganz natürlich! Nichts war für Rousseau nützlicher, als die Verbrennung seiner Bücher durch Henkershaud ans Anordnung des Parlamentes von Paris. Gewisse Zeitungen verdanken der Popularität, welche ihnen der Staatsanwalt durch feine Eonfiseationen verschafft, die Anhänglichkeit ihres Leserkreises. In unserem Zeitalter des Widerspruchsgeistes will sich der Leser nicht einmal vcmAllvater Staat bevormunden lassen. Am allerwenigsten aber gestattet er es seiner Zeitung, ihm gewisse Schriftsteller oder Bücher als bedenklich ferne halten zu wollen. Kein liberales Blatt schreibt über H e r z l oder Ache r. Justament will der Leser wissen, was in ihren Schriften steht. Und es ist recht so. In England sind Zeitungen und Publicum über diese Kleinkinderbewahrungsuud Hofmeistereiversuche längst hinaus. Jede Zeitung weiß, daß ihre Leser auch ihre Gegner zu hören und zu lesen pflegen. Daher eine musterhafte Unparteilichkeit. In einer Nummer eines englischen Blattes kann mau mitunter einen